So ist es im Tor des schlechtesten Teams im Fußballkreis: Keeper Schomburg im MT-Interview Astrid Plaßhenrich Minden. Sieben Spiele, null Punkte und ein Torverhältnis von 3:58: Der SV Weser Leteln III ist das schlechteste Team im Fußballkreis Minden. Wie es sich als Torwart anfühlt, im Schnitt mehr als acht Gegentreffer in jedem Spiel zu kassieren und warum Aufgeben trotz der herben Niederlagenserie in der Kreisliga C keine Option ist, erzählt Sven Schomburg im MT-Interview. 2:5, 0:4, 0:10, 0:11, 0:11, 1:4 und 0:13 – Sven Schomburg, Ihre Mannschaft kam in der untersten Liga nie für ein Sieg in Frage. Was hält Sie und Ihre Teamkollegen trotzdem bei Laune? Als Torwart verliert man bei diesen Ergebnissen tatsächlich ganz gerne den Überblick (lacht). Aber wir alle wollen unbedingt Fußball spielen, sind gerne auf dem Platz. Niemand von uns will auf dem Sofa rumlungern, sondern sich bewegen. Wir wissen ja auch, woran es liegt. Woran denn? Viele von uns arbeiten im Schichtbetrieb. Ich selbst habe Früh-, Spät- und Nachtschicht. Deshalb kann ich nur alle drei Wochen trainieren. Dazu kassieren wir viele Gegentore in der letzten Viertelstunde. Es ist nicht so, dass wir uns ergeben, aber uns geht wegen des fehlenden Trainings zum Ende hin die Luft aus. Und wir haben kein Spiel in der gleichen Besetzung bestritten. Zudem ist auch unser Trainer Hasan Yolcu zeitlich stark eingeschränkt und kann nicht jeden Sonntag bei den Spielen dabei sein. Dann übernehme ich seinen Job. Torwart, Kapitän und Teilzeit-Trainer – Sie bekleiden zentrale Positionen in Ihrer Mannschaft. Wird das nicht manchmal zu viel? Ach quatsch, ich mache auch noch gerne den Wasserträger (lacht). Ich bin seit der F-Jugend im Verein, habe als Jugendtrainer bereits Verantwortung übernommen. Das gehört für mich dazu. Es spricht für unsere Leute, dass sie trotzdem nicht die Lust verlieren. Das stimmt. Auf Niederlagenserien folgen oft Auflösungserscheinungen, Mannschaften ziehen sich vom Spielbetrieb zurück. Bei Ihnen ist das anders. Wie erklären Sie sich das? Wir nehmen uns und den Fußball nicht so ernst. Der Spaß steht im Vordergrund. Zudem ist uns das Fair Play wichtig. Wir wissen, dass auch die anderen Mannschaften gerne spielen möchten, deswegen haben wir bislang noch kein Spiel abgesagt. Gegen Dützen III sind wir mit nur neun Mann angetreten. Nachdem wir schnell mit 0:2 zurückgelegen haben, nahmen die Dützer auch zwei Spieler vom Feld. René Badde, der dort spielt und mal mein Trainer in Leteln war, sagte nur zu mir: Was bringt es uns, wenn wir 20 oder sogar noch mehr Tore gegen euch schießen? Auch andere Spiele beendeten wir nicht mit elf Mann, weil sich einer verletzte und wir niemanden mehr auf der Bank hatten. Die höchste Niederlage steckte Ihr Team gegen Spitzenreiter Makedonikos mit 0:13 ein. Wie fühlt es sich an, so oft hinter sich zu greifen? Natürlich ist es nicht schön, jedes Mal die Bude voll zu bekommen. Aber ich bin froh, dass ich überhaupt noch Fußball spielen kann. Ich habe mich im Januar 2018 in einem Testspiel schwer verletzt, als ich im Rasen hängen geblieben bin und mir das Knie verdrehte. Die Ärzte haben einen Knorpelschaden diagnostiziert. Bis dahin war ich Innenverteidiger. Um danach noch spielen zu können, bin ich zwischen die Pfosten gerückt. Dass ich ein ungelernter Torwart bin, macht die Sache nicht einfacher. Bislang durften Sie und Ihr Team sich über drei eigene Tore freuen. Erinnern Sie sich an die Treffer? Ja klar. An das erste ganz besonders, denn es war in unserem ersten Saisonspiel, und tatsächlich habe ich es geschossen. Wir haben gegen Wasserstraße II gespielt und lagen bereits mit 0:3 zurück, als wir einen Elfmeter zugesprochen bekommen haben. Aber irgendwie wollte niemand schießen. Dann habe ich das übernommen und getroffen. Letztendlich haben wir 2:5 verloren. Danach haben wir noch gegen Hille II getroffen. Ärgern sich die gegnerischen Mannschaften ganz besonders, wenn sie ausgerechnet gegen den abgeschlagenen Tabellenletzten ein Tor kassieren? Das weiß ich nicht und ist mir bislang auch noch nicht aufgefallen. Zum einen stehe ich bis auf das eine Tor auf der anderen Seite, zum anderen ist es ja auch noch nicht ganz oft vorgekommen.

So ist es im Tor des schlechtesten Teams im Fußballkreis: Keeper Schomburg im MT-Interview

Sven Schomburg steht als Torwart des SV Weser Leterln III oft im Mittelpunkt des Geschehens. MT-Foto: Astrid Plaßhenrich © Asrid Plaßhenrich

Minden. Sieben Spiele, null Punkte und ein Torverhältnis von 3:58: Der SV Weser Leteln III ist das schlechteste Team im Fußballkreis Minden. Wie es sich als Torwart anfühlt, im Schnitt mehr als acht Gegentreffer in jedem Spiel zu kassieren und warum Aufgeben trotz der herben Niederlagenserie in der Kreisliga C keine Option ist, erzählt Sven Schomburg im MT-Interview.

2:5, 0:4, 0:10, 0:11, 0:11, 1:4 und 0:13 – Sven Schomburg, Ihre Mannschaft kam in der untersten Liga nie für ein Sieg in Frage. Was hält Sie und Ihre Teamkollegen trotzdem bei Laune?

Als Torwart verliert man bei diesen Ergebnissen tatsächlich ganz gerne den Überblick (lacht). Aber wir alle wollen unbedingt Fußball spielen, sind gerne auf dem Platz. Niemand von uns will auf dem Sofa rumlungern, sondern sich bewegen. Wir wissen ja auch, woran es liegt.

Sven Schomburg erlitt im Januar 2018 eine schwere Verletzung und kann seitdem nicht mehr im Feld spielen. - © Astrid Plaßhenrich
Sven Schomburg erlitt im Januar 2018 eine schwere Verletzung und kann seitdem nicht mehr im Feld spielen. - © Astrid Plaßhenrich

Woran denn?

Viele von uns arbeiten im Schichtbetrieb. Ich selbst habe Früh-, Spät- und Nachtschicht. Deshalb kann ich nur alle drei Wochen trainieren. Dazu kassieren wir viele Gegentore in der letzten Viertelstunde. Es ist nicht so, dass wir uns ergeben, aber uns geht wegen des fehlenden Trainings zum Ende hin die Luft aus. Und wir haben kein Spiel in der gleichen Besetzung bestritten. Zudem ist auch unser Trainer Hasan Yolcu zeitlich stark eingeschränkt und kann nicht jeden Sonntag bei den Spielen dabei sein. Dann übernehme ich seinen Job.

Torwart, Kapitän und Teilzeit-Trainer – Sie bekleiden zentrale Positionen in Ihrer Mannschaft. Wird das nicht manchmal zu viel?

Ach quatsch, ich mache auch noch gerne den Wasserträger (lacht). Ich bin seit der F-Jugend im Verein, habe als Jugendtrainer bereits Verantwortung übernommen. Das gehört für mich dazu. Es spricht für unsere Leute, dass sie trotzdem nicht die Lust verlieren.

Das stimmt. Auf Niederlagenserien folgen oft Auflösungserscheinungen, Mannschaften ziehen sich vom Spielbetrieb zurück. Bei Ihnen ist das anders. Wie erklären Sie sich das?

Wir nehmen uns und den Fußball nicht so ernst. Der Spaß steht im Vordergrund. Zudem ist uns das Fair Play wichtig. Wir wissen, dass auch die anderen Mannschaften gerne spielen möchten, deswegen haben wir bislang noch kein Spiel abgesagt. Gegen Dützen III sind wir mit nur neun Mann angetreten. Nachdem wir schnell mit 0:2 zurückgelegen haben, nahmen die Dützer auch zwei Spieler vom Feld. René Badde, der dort spielt und mal mein Trainer in Leteln war, sagte nur zu mir: Was bringt es uns, wenn wir 20 oder sogar noch mehr Tore gegen euch schießen? Auch andere Spiele beendeten wir nicht mit elf Mann, weil sich einer verletzte und wir niemanden mehr auf der Bank hatten.

Die höchste Niederlage steckte Ihr Team gegen Spitzenreiter Makedonikos mit 0:13 ein. Wie fühlt es sich an, so oft hinter sich zu greifen?

Natürlich ist es nicht schön, jedes Mal die Bude voll zu bekommen. Aber ich bin froh, dass ich überhaupt noch Fußball spielen kann. Ich habe mich im Januar 2018 in einem Testspiel schwer verletzt, als ich im Rasen hängen geblieben bin und mir das Knie verdrehte. Die Ärzte haben einen Knorpelschaden diagnostiziert. Bis dahin war ich Innenverteidiger. Um danach noch spielen zu können, bin ich zwischen die Pfosten gerückt. Dass ich ein ungelernter Torwart bin, macht die Sache nicht einfacher.

Bislang durften Sie und Ihr Team sich über drei eigene Tore freuen. Erinnern Sie sich an die Treffer?

Ja klar. An das erste ganz besonders, denn es war in unserem ersten Saisonspiel, und tatsächlich habe ich es geschossen. Wir haben gegen Wasserstraße II gespielt und lagen bereits mit 0:3 zurück, als wir einen Elfmeter zugesprochen bekommen haben. Aber irgendwie wollte niemand schießen. Dann habe ich das übernommen und getroffen. Letztendlich haben wir 2:5 verloren. Danach haben wir noch gegen Hille II getroffen.

Ärgern sich die gegnerischen Mannschaften ganz besonders, wenn sie ausgerechnet gegen den abgeschlagenen Tabellenletzten ein Tor kassieren?

Das weiß ich nicht und ist mir bislang auch noch nicht aufgefallen. Zum einen stehe ich bis auf das eine Tor auf der anderen Seite, zum anderen ist es ja auch noch nicht ganz oft vorgekommen.

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Fußball