Schluss mit dem Behelf: Die Stadt Minden will Millionen in die Sanierung der Sportplätze investieren. In Häverstädt soll ein Kunstrasenplatz entstehen. Marcus Riechmann Minden. Die Stadt holt zum großen Sanierungsschlag aus: Die Mindener Fußballplätze werden aus dem Dornröschenschlaf geweckt. Mit Maßnahmen in einem Gesamtvolumen von rund 4,5 Millionen Euro sollen sechs heimische Sportplätze in den kommenden sieben Jahren grundlegend erneuert werden. Zentrum des Wirkens wird die Anlage in Häverstädt sein: Dort soll in den Jahren 2023 und 2024 der Rasenplatz von einem Kunstrasenplatz ersetzt werden und zudem ein Multifunktionsfeld mit Tartanbelag entstehen. Der Plan zur Entwicklung der Mindener Rasenspielfelder wurde gestern in einer großen gemeinsamen Sitzung dem Sport- sowie dem Bildungsausschuss vom Amt für Gebäudewirtschaft vorgestellt und mit großer Einigkeit und daher mit viel Rückenwind von den politischen Vertretern aller Parteien auf den Weg gebracht. Einstimmig begrüßte zunächst der nicht entscheidungsberechtigte Sportausschuss das Vorhaben, einstimmig entschied danach der Bildungsausschuss, anhand des vorgestellten Handlungsrahmens jährlich Projekte in den städtischen Haushalt einzubringen.Mit großer Freude wurde die Neuigkeit gestern Abend bei der Spielvereinigung Bölhorst-Häverstädt aufgenommen. „Wir freuen uns mega, das ist eine überragende Sache“, kommentierte Fußball-Spartenleiter Mario Friedebold den Beschluss. „Das ist eine sehr gute Nachricht. Wir erhalten eine Perspektive für den Verein, von der wir nicht zu träumen gewagt haben“, sagte Geschäftsführer Burkhard Waskow. „Der Platz ist eine Katastrophe“, beschrieb Friedebold einen dringenden Sanierungsbedarf. Mit Eigenleistung habe man bereits an den Plätzen gearbeitet, vertikutiert und Rasen gesät, „aber da ist nicht viel zu machen“, sagt Friedebold, der bei der SVBH in der Fußballabteilung derzeit mehr als 200 Kinder in zehn Jugendteams betreut: „Wir erleben einen guten Zulauf.“ In Kooperationen mit der „Grundschule am Wiehen“ und der entstehenden Sekundarschule erwarten Friedebold und Waskow verbesserte Entwicklungsmöglichkeiten: „Das ist gut für die Schüler und gibt uns ganz neue Möglichkeiten“, sagt Friedebold über die wetterunabhängig bespielbaren Plätze, die gemeinsam mit Kosten von rund 2,24 Millionen Euro veranschlagt werden. Im Bauzeitraum wird der Verein auf andere Plätze ausweichen müssen. „Da werden wir uns behelfen müssen“, nimmt Waskow den sauren Apfel im süßen Obstkorb gerne in Kauf. Der Bau der Plätze ist gekoppelt an die Baumaßnahmen der Sekundarschule und daher für die Jahre 2023 und 2024 geplant. Auch bei einem anderen Projekt gibt ein bereits beschlossenes Vorhaben den Zeitplan vor: So wird als erste Maßnahme im kommenden Jahr der Rasen im Weserstadion erneuert, weil dort zeitgleich die Laufbahn saniert wird. Da im Weserstadion wichtige Platzbestandteile wie Flutlicht oder eine Beregnungsanlage bereits vorhanden sind, ist die Rasensanierung mit Gesamtkosten von rund 115.000 Euro die günstigste Einzelmaßnahme des Pakets.Jörn Schunk vom Amt für Gebäudewirtschaft erläuterte gestern den Ausschussmitgliedern in der Mensa der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule Anlass und Umfang der Sportplatz-Offensive. Die mehr als 40 oder 50 Jahre alten Plätze hätten in den zuletzt trockenen Sommer derart gelitten, dass sich die vorhandenen Schäden deutlich verstärkt hätten. Immer wieder seien Platzsperrungen notwendig geworden. „Die Plätze konnten sich nicht mehr erholen“, fasste er die Erkenntnisse der Bestands- und Bodenuntersuchungen zusammen. Einzig die Plätze mit eigenem Bewässerungssystem (Weserstadion und Besselgymnasium) seien mit relativ geringem Aufwand zu sanieren. Daher soll an den anderen Rasenplätzen (Freiherr-von-Vinke Realschule/Hahler Feld, Primusschule Dankersen, Grundschule Kutenhausen) mit der Bodensanierung auch immer eine Bewässerungsanlage sowie eine Drainage installiert werden. Das sei angesichts der klimatischen Veränderungen zur langfristigen Erhaltung der Plätze notwendig. Die Plätze in Dankersen und am Besselgymnasium werden zudem mit Flutlicht ausgestattet, was an anderen Plätzen bereits vorhanden ist. Schunk stellte den Zeitplan sowie den von seinem Amt ermittelten Kostenrahmen vor, in dem normale Preissteigerungen der kommenden Jahre bereits eingerechnet seien: Nach dem Weserstadion käme im Jahr 2023 der Platz an der Freiherr-von-Vinke Realschule dran (rund 300.000 Euro), parallel dazu in 2023 und 2024 das Großprojekt in Häverstädt (2,24 Millionen Euro). Dann folgen die Plätze an der Primusschule Dankersen (2026/833.000 Euro), an der Grundschule Kutenhausen (2027/645.000 Euro) und schließlich im Jahr 2028 am Besselgymnasium für 303.000 Euro. Die Dauer der einzelnen Maßnahmen mochte Schunk auf Nachfrage nicht exakt benennen, schließlich liegt bislang nur ein Kostenrahmen vor und noch nicht eine konkrete Planung. Doch er gab für das Weserstadion (Geplanter Baubeginn Sommer 2022) eine grobe und vielleicht auf andere Vorhaben übertragbare Richtung vor: Sechs bis acht Wochen Bauzeit für die Laufbahn und ein ähnlicher Zeitraum für die Erneuerung des Rasens. Dann werde es wohl bis nach der Winterpause dauern, ehe der Rasen fest verwachsen und der Platz für Fußballer oder American Footballer wieder bespielbar sei.Schunk machte deutlich, dass mit der Sanierung ein höherer Unterhaltungsaufwand entstehen wird, um die Plätze langfristig zu erhalten. Von zuletzt 35.000 Euro werden die jährlichen Pflegekosten auf rund 100.000 Euro steigen.Stadtkämmerer Norbert Kresse sprach von einem ebenso notwendigen wie lange aufgeschobenen „Qualitätssprung“ und stellte in Aussicht, dass auch andere Plätze der Stadt saniert werden können. Für die Finanzierung der nun zu planenden und jährlich in den Stadthaushalt einzustellenden Projekte lasse man prüfen, ob Mittel aus Fördertöpfen zur Verfügung stehen.

Schluss mit dem Behelf: Die Stadt Minden will Millionen in die Sanierung der Sportplätze investieren. In Häverstädt soll ein Kunstrasenplatz entstehen.

Der Rasen in Häverstädt liegt satt im Abendlicht. Doch der hübsche Eindruck täuscht. „Der Platz ist eine Katastrophe“, sagt Mario Friedebold, Leiter der Fußballabteilung der SV Bölhorst-Häverstädt, über den Zustand. Foto: privat

Minden. Die Stadt holt zum großen Sanierungsschlag aus: Die Mindener Fußballplätze werden aus dem Dornröschenschlaf geweckt. Mit Maßnahmen in einem Gesamtvolumen von rund 4,5 Millionen Euro sollen sechs heimische Sportplätze in den kommenden sieben Jahren grundlegend erneuert werden. Zentrum des Wirkens wird die Anlage in Häverstädt sein: Dort soll in den Jahren 2023 und 2024 der Rasenplatz von einem Kunstrasenplatz ersetzt werden und zudem ein Multifunktionsfeld mit Tartanbelag entstehen.

Der Plan zur Entwicklung der Mindener Rasenspielfelder wurde gestern in einer großen gemeinsamen Sitzung dem Sport- sowie dem Bildungsausschuss vom Amt für Gebäudewirtschaft vorgestellt und mit großer Einigkeit und daher mit viel Rückenwind von den politischen Vertretern aller Parteien auf den Weg gebracht. Einstimmig begrüßte zunächst der nicht entscheidungsberechtigte Sportausschuss das Vorhaben, einstimmig entschied danach der Bildungsausschuss, anhand des vorgestellten Handlungsrahmens jährlich Projekte in den städtischen Haushalt einzubringen.

Mit großer Freude wurde die Neuigkeit gestern Abend bei der Spielvereinigung Bölhorst-Häverstädt aufgenommen. „Wir freuen uns mega, das ist eine überragende Sache“, kommentierte Fußball-Spartenleiter Mario Friedebold den Beschluss. „Das ist eine sehr gute Nachricht. Wir erhalten eine Perspektive für den Verein, von der wir nicht zu träumen gewagt haben“, sagte Geschäftsführer Burkhard Waskow. „Der Platz ist eine Katastrophe“, beschrieb Friedebold einen dringenden Sanierungsbedarf. Mit Eigenleistung habe man bereits an den Plätzen gearbeitet, vertikutiert und Rasen gesät, „aber da ist nicht viel zu machen“, sagt Friedebold, der bei der SVBH in der Fußballabteilung derzeit mehr als 200 Kinder in zehn Jugendteams betreut: „Wir erleben einen guten Zulauf.“ In Kooperationen mit der „Grundschule am Wiehen“ und der entstehenden Sekundarschule erwarten Friedebold und Waskow verbesserte Entwicklungsmöglichkeiten: „Das ist gut für die Schüler und gibt uns ganz neue Möglichkeiten“, sagt Friedebold über die wetterunabhängig bespielbaren Plätze, die gemeinsam mit Kosten von rund 2,24 Millionen Euro veranschlagt werden. Im Bauzeitraum wird der Verein auf andere Plätze ausweichen müssen. „Da werden wir uns behelfen müssen“, nimmt Waskow den sauren Apfel im süßen Obstkorb gerne in Kauf.

Der Bau der Plätze ist gekoppelt an die Baumaßnahmen der Sekundarschule und daher für die Jahre 2023 und 2024 geplant. Auch bei einem anderen Projekt gibt ein bereits beschlossenes Vorhaben den Zeitplan vor: So wird als erste Maßnahme im kommenden Jahr der Rasen im Weserstadion erneuert, weil dort zeitgleich die Laufbahn saniert wird. Da im Weserstadion wichtige Platzbestandteile wie Flutlicht oder eine Beregnungsanlage bereits vorhanden sind, ist die Rasensanierung mit Gesamtkosten von rund 115.000 Euro die günstigste Einzelmaßnahme des Pakets.

Jörn Schunk vom Amt für Gebäudewirtschaft erläuterte gestern den Ausschussmitgliedern in der Mensa der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule Anlass und Umfang der Sportplatz-Offensive. Die mehr als 40 oder 50 Jahre alten Plätze hätten in den zuletzt trockenen Sommer derart gelitten, dass sich die vorhandenen Schäden deutlich verstärkt hätten. Immer wieder seien Platzsperrungen notwendig geworden. „Die Plätze konnten sich nicht mehr erholen“, fasste er die Erkenntnisse der Bestands- und Bodenuntersuchungen zusammen. Einzig die Plätze mit eigenem Bewässerungssystem (Weserstadion und Besselgymnasium) seien mit relativ geringem Aufwand zu sanieren.

Daher soll an den anderen Rasenplätzen (Freiherr-von-Vinke Realschule/Hahler Feld, Primusschule Dankersen, Grundschule Kutenhausen) mit der Bodensanierung auch immer eine Bewässerungsanlage sowie eine Drainage installiert werden. Das sei angesichts der klimatischen Veränderungen zur langfristigen Erhaltung der Plätze notwendig. Die Plätze in Dankersen und am Besselgymnasium werden zudem mit Flutlicht ausgestattet, was an anderen Plätzen bereits vorhanden ist.

Schunk stellte den Zeitplan sowie den von seinem Amt ermittelten Kostenrahmen vor, in dem normale Preissteigerungen der kommenden Jahre bereits eingerechnet seien: Nach dem Weserstadion käme im Jahr 2023 der Platz an der Freiherr-von-Vinke Realschule dran (rund 300.000 Euro), parallel dazu in 2023 und 2024 das Großprojekt in Häverstädt (2,24 Millionen Euro). Dann folgen die Plätze an der Primusschule Dankersen (2026/833.000 Euro), an der Grundschule Kutenhausen (2027/645.000 Euro) und schließlich im Jahr 2028 am Besselgymnasium für 303.000 Euro.

Die Dauer der einzelnen Maßnahmen mochte Schunk auf Nachfrage nicht exakt benennen, schließlich liegt bislang nur ein Kostenrahmen vor und noch nicht eine konkrete Planung. Doch er gab für das Weserstadion (Geplanter Baubeginn Sommer 2022) eine grobe und vielleicht auf andere Vorhaben übertragbare Richtung vor: Sechs bis acht Wochen Bauzeit für die Laufbahn und ein ähnlicher Zeitraum für die Erneuerung des Rasens. Dann werde es wohl bis nach der Winterpause dauern, ehe der Rasen fest verwachsen und der Platz für Fußballer oder American Footballer wieder bespielbar sei.

Schunk machte deutlich, dass mit der Sanierung ein höherer Unterhaltungsaufwand entstehen wird, um die Plätze langfristig zu erhalten. Von zuletzt 35.000 Euro werden die jährlichen Pflegekosten auf rund 100.000 Euro steigen.

Stadtkämmerer Norbert Kresse sprach von einem ebenso notwendigen wie lange aufgeschobenen „Qualitätssprung“ und stellte in Aussicht, dass auch andere Plätze der Stadt saniert werden können. Für die Finanzierung der nun zu planenden und jährlich in den Stadthaushalt einzustellenden Projekte lasse man prüfen, ob Mittel aus Fördertöpfen zur Verfügung stehen.

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