Satzung verhindert Abbruch: Der westfälische Fußballverband hält an der Saisonfortsetzung vorerst fest Astrid Plaßhenrich Kaiserau. Dem Verband sind die Hände gebunden. „Wir müssen die Lage aus der spieltechnischen Sicht bewerten“, sagt Manfred Schnieders, Vizepräsident des Fußball- und Leichtathletikverbandes Westfalen (FLVW) und zuständig für den Amateurfußball. Und das bedeutet: Ein Abbruch der Fußballsaison ist zum jetzigen Zeitpunkt unmöglich, weil dieses Szenario in der Spielordnung und Satzung des Westdeutschen Fußballverbandes, dem der westfälische Verband zugehört, nicht verankert ist. FLVW-Präsident Gundolf Walaschewski wirkte während der Pressekonferenz am Montagmittag angefressen. „Wir wollen den Vereinen Planungssicherheit geben, aber das können wir aktuell nicht“, sagte Walaschewski, „ich persönlich halte die Beendigung der Saison und die Annullierung der Ergebnisse für das sinnvollste und gerechteste. Eine sportlich faire Beendigung scheint mir nicht mehr möglich.“ Jetzt müsse aber mit dem Ergebnis gelebt werden, dass es noch kein Ergebnis gibt. Das ist eine unbefriedigende Situation für alle Beteiligten. Manfred Schnieders erläuterte in seinen Ausführungen, welche Möglichkeiten der Verband hat. Entweder wird die Serie noch in die Wertung gebracht. Das ist der Fall, wenn die Mannschaften mindestens 50 Prozent ihrer Spiele absolviert haben und die Quotientenregel zum Tragen kommen kann. Oder aber die Saison wird annulliert. Dann gibt es weder Auf- noch Absteiger, alle Spiele werden auf „Null“ gesetzt. Aber eine Annullierung kann erst dann erfolgen, wenn die Saison rechnerisch nicht mehr gewertet werden kann. Dafür muss jede Staffel allerdings isoliert betrachtet werden. Aktuell kann in jeder Klasse noch die notwendige 50-Prozent-Quote bis zum 30. Juni erreicht werden. Dazu gehört auch die Oberliga, die mit 21 Mannschaften größte Staffel in Westfalen. Dort sind allerdings erst 87 von den notwendigen 420 Partien absolviert. Die Klasse kann somit deutlich früher aus der sportlichen Wertung fallen als Ligen mit 13, 14, 15 oder 16 Teams. Die Klassen, die in die sportliche Wertung kommen, stellen Auf- und Absteiger. Das wiederum kann die Staffelgrößen in der kommenden Saison kräftig durcheinanderwürfeln. Wenn es beispielsweise Aufsteiger in die Bezirksligen gibt, es dort aber keine Veränderungen wegen der Annullierung, wird die Staffel automatisch größer. Die Lage ist kompliziert. „Es gibt keine pauschale Regelegungen“, erklärt Manfred Schnieders. Klar ist damit: Die Chance den Spielbetrieb wieder aufzunehmen ist für Staffeln mit weniger Mannschaften deutlich größer. Fest steht auch: Eine Saisonverlängerung über den 30. Juni hinaus wird es nicht geben. Zum einen müssten dann Wechselmodalitäten geändert werden, zum anderen beginnen die Sommerferien in NRW am 5. Juli. „Wir haben das oft diskutiert, uns aber auch in Hinblick auf die neue Saison dagegen entschieden“, erklärt Schnieders. Um den Neustart überhaupt in Angriff nehmen zu können, darf die aktuelle Corona-Schutzverordnung nicht verlängert werden. Die ist bis zum 18. April gültig. Denn nur dann kann nach einer vom Verband eingeräumten vierwöchigen Vorbereitungsphase, von der auch nicht abgerückt werden soll, der Spielbetrieb Mitte Mai fortgeführt werden. Sollte es die pandemische Verfügungslage zulassen, können zu Vorbereitungszwecken auch Freundschaftsspiele ausgetragen werden. Wenn der Spielbetrieb im Mai tatsächlich wieder aufgenommen werden kann, wird nur an den Wochenenden und Feiertagen gespielt. „In der Wochen werden Spiele nur im absoluten Ausnahmefall angesetzt“, sagt der Vizepräsident. Das sei der Fall, wenn beispielsweise Nachbarvereine gegeneinander spielen. Schnieders: „Wir wollen keine regelmäßigen Englischen Wochen.“ Darüber hinaus betonte der FLVW, dass der Westfalenpokals Vorrang hat. Dort sind erst vier von insgesamt 32 Partien der ersten Runde ausgetragen worden. Aus dem Fußballkreis Minden ist Landesligist RW Maaslingen vertreten. „Das ist der Wettbewerb, in dem die Vereine noch Geld verdienen können“, meint Schnieders. Bis zum 30. Juni muss der Landesverband die Teilnehmer für den DFB-Pokal melden. Wenn der Wettbewerb nicht zu Ende gebracht werden kann, wird aus dem Pool der noch verbliebenen Mannschaften die DFB-Pokalstarter gelost. „Aber das wäre die schlimmste Lösung überhaupt“, sagt Schnieders. Ausgeschlossen hat der FLVW eine Teststrategie, um den Trainings- und Spielbetrieb umzusetzen. Schnieders rechnet vor: „Wir haben 15.000 gemeldete Mannschaften. Wenn wir wöchentlich 20 Personen pro Team testen, sind wir bei etwa 300.000 Tests pro Woche. Da ein Test rund fünf Euro kostet, beliefen sich die wöchentlichen Kosten auf 1,5 Millionen Euro.“ Das könne den Vereinen nicht zugemutet werden, zumal geschultes Personal dafür auch fehle. Wichtiger als die Fortsetzung der aktuellen Serie scheint der Blick der Funktionäre auf die kommende Spielzeit: Die soll im Seniorenfußball am Sonntag, 15. August starten, die Jugend soll zwei Wochen später, ab dem Wochenende 28./29. August, spielen.

Satzung verhindert Abbruch: Der westfälische Fußballverband hält an der Saisonfortsetzung vorerst fest

Kaiserau. Dem Verband sind die Hände gebunden. „Wir müssen die Lage aus der spieltechnischen Sicht bewerten“, sagt Manfred Schnieders, Vizepräsident des Fußball- und Leichtathletikverbandes Westfalen (FLVW) und zuständig für den Amateurfußball. Und das bedeutet: Ein Abbruch der Fußballsaison ist zum jetzigen Zeitpunkt unmöglich, weil dieses Szenario in der Spielordnung und Satzung des Westdeutschen Fußballverbandes, dem der westfälische Verband zugehört, nicht verankert ist.

Die Fußballschuhe bleiben bis auf Weiteres ungenutzt. Frühester Trainingsauftakt ist nun der 19. April. Foto: Avanti/Ralf Poller/imago - © imago images/Avanti
Die Fußballschuhe bleiben bis auf Weiteres ungenutzt. Frühester Trainingsauftakt ist nun der 19. April. Foto: Avanti/Ralf Poller/imago - © imago images/Avanti

FLVW-Präsident Gundolf Walaschewski wirkte während der Pressekonferenz am Montagmittag angefressen. „Wir wollen den Vereinen Planungssicherheit geben, aber das können wir aktuell nicht“, sagte Walaschewski, „ich persönlich halte die Beendigung der Saison und die Annullierung der Ergebnisse für das sinnvollste und gerechteste. Eine sportlich faire Beendigung scheint mir nicht mehr möglich.“ Jetzt müsse aber mit dem Ergebnis gelebt werden, dass es noch kein Ergebnis gibt. Das ist eine unbefriedigende Situation für alle Beteiligten.

Manfred Schnieders erläuterte in seinen Ausführungen, welche Möglichkeiten der Verband hat. Entweder wird die Serie noch in die Wertung gebracht. Das ist der Fall, wenn die Mannschaften mindestens 50 Prozent ihrer Spiele absolviert haben und die Quotientenregel zum Tragen kommen kann. Oder aber die Saison wird annulliert. Dann gibt es weder Auf- noch Absteiger, alle Spiele werden auf „Null“ gesetzt. Aber eine Annullierung kann erst dann erfolgen, wenn die Saison rechnerisch nicht mehr gewertet werden kann.

Dafür muss jede Staffel allerdings isoliert betrachtet werden. Aktuell kann in jeder Klasse noch die notwendige 50-Prozent-Quote bis zum 30. Juni erreicht werden. Dazu gehört auch die Oberliga, die mit 21 Mannschaften größte Staffel in Westfalen. Dort sind allerdings erst 87 von den notwendigen 420 Partien absolviert. Die Klasse kann somit deutlich früher aus der sportlichen Wertung fallen als Ligen mit 13, 14, 15 oder 16 Teams.

Die Klassen, die in die sportliche Wertung kommen, stellen Auf- und Absteiger. Das wiederum kann die Staffelgrößen in der kommenden Saison kräftig durcheinanderwürfeln. Wenn es beispielsweise Aufsteiger in die Bezirksligen gibt, es dort aber keine Veränderungen wegen der Annullierung, wird die Staffel automatisch größer. Die Lage ist kompliziert. „Es gibt keine pauschale Regelegungen“, erklärt Manfred Schnieders. Klar ist damit: Die Chance den Spielbetrieb wieder aufzunehmen ist für Staffeln mit weniger Mannschaften deutlich größer.

Fest steht auch: Eine Saisonverlängerung über den 30. Juni hinaus wird es nicht geben. Zum einen müssten dann Wechselmodalitäten geändert werden, zum anderen beginnen die Sommerferien in NRW am 5. Juli. „Wir haben das oft diskutiert, uns aber auch in Hinblick auf die neue Saison dagegen entschieden“, erklärt Schnieders.

Um den Neustart überhaupt in Angriff nehmen zu können, darf die aktuelle Corona-Schutzverordnung nicht verlängert werden. Die ist bis zum 18. April gültig. Denn nur dann kann nach einer vom Verband eingeräumten vierwöchigen Vorbereitungsphase, von der auch nicht abgerückt werden soll, der Spielbetrieb Mitte Mai fortgeführt werden. Sollte es die pandemische Verfügungslage zulassen, können zu Vorbereitungszwecken auch Freundschaftsspiele ausgetragen werden.

Wenn der Spielbetrieb im Mai tatsächlich wieder aufgenommen werden kann, wird nur an den Wochenenden und Feiertagen gespielt. „In der Wochen werden Spiele nur im absoluten Ausnahmefall angesetzt“, sagt der Vizepräsident. Das sei der Fall, wenn beispielsweise Nachbarvereine gegeneinander spielen. Schnieders: „Wir wollen keine regelmäßigen Englischen Wochen.“

Darüber hinaus betonte der FLVW, dass der Westfalenpokals Vorrang hat. Dort sind erst vier von insgesamt 32 Partien der ersten Runde ausgetragen worden. Aus dem Fußballkreis Minden ist Landesligist RW Maaslingen vertreten. „Das ist der Wettbewerb, in dem die Vereine noch Geld verdienen können“, meint Schnieders. Bis zum 30. Juni muss der Landesverband die Teilnehmer für den DFB-Pokal melden. Wenn der Wettbewerb nicht zu Ende gebracht werden kann, wird aus dem Pool der noch verbliebenen Mannschaften die DFB-Pokalstarter gelost. „Aber das wäre die schlimmste Lösung überhaupt“, sagt Schnieders.

Ausgeschlossen hat der FLVW eine Teststrategie, um den Trainings- und Spielbetrieb umzusetzen. Schnieders rechnet vor: „Wir haben 15.000 gemeldete Mannschaften. Wenn wir wöchentlich 20 Personen pro Team testen, sind wir bei etwa 300.000 Tests pro Woche. Da ein Test rund fünf Euro kostet, beliefen sich die wöchentlichen Kosten auf 1,5 Millionen Euro.“ Das könne den Vereinen nicht zugemutet werden, zumal geschultes Personal dafür auch fehle.

Wichtiger als die Fortsetzung der aktuellen Serie scheint der Blick der Funktionäre auf die kommende Spielzeit: Die soll im Seniorenfußball am Sonntag, 15. August starten, die Jugend soll zwei Wochen später, ab dem Wochenende 28./29. August, spielen.

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