Saison-Abbruch: „Ein offenes Geheimnis – wie bei Flick“ - aber SV Hausberge hadert Jörg Wehling,Astrid Plaßhenrich Minden. Die Mehrheit der Fußballer hat damit gerechnet. Jetzt ist es amtlich: Die Saison 2020/21 wird ohne Wertung beendet. Für den Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW) mit seinen Schwesterverbänden vom Nieder- und Mittelrhein war dieser Schritt aufgrund der Pandemie unumgänglich. Die 29 westfälischen Fußballkreise und auch die Kreis-Jugend-Ausschüsse schließen sich der Annullierung aller Ligen an. Der SV Hausberge als Tabellenführer der Kreisliga A2 hatte kurz inne gehalten und vereinsseitig darüber diskutiert, vielleicht auf juristischem Wege den Aufstieg erwirken zu können – hat davon dann aber Abstand genommen. Dagegen kann Bezirksligist TuS Petershagen-Ovenstädt zum zweiten Mal von einem Saisonabbruch profitieren, weil es keine Absteiger geben wird. Hausberges Trainer Marcel Wallbaum bezog die Aufstiegshoffnung seiner Mannschaft auf einen Passus in den Verbandsstatuten. Demnach wäre eine Wertung der Saison möglich, wenn 50 Prozent der Spiele absolviert worden wären. „Wir haben einen glaubhaften Hinweis bekommen, dem wir nachgegangen sind. Anschließend haben wir darüber im Verein und in der Mannschaft diskutiert“, sagt Wallbaum zum Gang an die Öffentlichkeit. Denn eines betont der SVH-Coach ausdrücklich. „Natürlich tragen wir die Entscheidung des Verbandes mit. Aber vielleicht hätte man vor der Saison manches klarer formulieren müssen.“ Wallbaum bezieht seine Kritik darauf, dass in Paragraf 38 der Spielordnung des Westdeutschen Fußball-Verbandes nicht konkret definiert ist, was unter einer „Gruppe“ zu verstehen sei. Denn die Mindener Kreisliga A war als Liga mit Findungsrunde, sowie Auf- und Abstiegsrunde geplant. Die Hausberger hatten anfangs angenommen, dass die Anzahl an erforderlichen Spielen der Findungsrunde gereicht hätten. Hausberges Vereins-Vorsitzender Dirk Rekate hätte nach seinem persönlichen Empfinden ohnehin Abstand von einer juristischen Auseinandersetzung genommen. „Einerseits halte ich es für legitim, dass man alle Möglichkeiten prüft. Aber es geht auch um die Verhältnismäßigkeit und den Respekt vor der allgemeinen Situation“, sagt Rekate. Und auch Thomas Schickentanz nahm den Hausbergern gleich die seichten Aufstiegshoffnungen. „Die Findungsrunde kann nicht isoliert betrachtet werden. Die Auf- und Abstiegsrunde gehören unwiderruflich dazu. Demnach hätten die Mannschaften mindestens 14 Spiele absolvieren müssen, um die 50 Prozent und damit eine Wertung zu erreichen“, sagt der Vorsitzende des FLVW-Kreises Minden. Schickentanz betont, dass sich alle westfälischen Fußballkreise bei der Videokonferenz mit dem Verband am Samstag sehr schnell einig waren, die Saison zu annullieren. Der SV Weser Leteln steht wie der SV Hausberge an der Tabellenspitze der Kreisliga A, allerdings in der Gruppe 1. Die Nachricht, dass der Aufstieg nun nicht mehr zu realisieren sei, nahm Mathias Sitko gelassen hin. „Es war doch klar, dass die Saison abgebrochen wird, wenn wir im April nicht mehr auf den Platz kommen“, sagt der SVWL-Trainer. Anstatt zu lamentieren, blickt Sitko auf die kommende Serie: „Vielleicht werden wir in Zukunft anders wahrgenommen. Dann sind wir nicht mehr die Mannschaft aus dem Mittelfeld, sondern für alle ein ernstzunehmender Gegner.“ Für den Letelner Coach waren die absolvierten zehn Spiele eh nur eine Momentaufnahme: „Ich denke, die Aufstiegsrunde hätten wir locker erreicht. Ob es aber dann tatsächlich zum Aufstieg gereicht hätte, steht auf einem ganz anderen Blatt.“ Sitko hofft nun, in den Sommermonaten mit seiner Mannschaft auf den Platz zurückzukehren. „Ich denke zwar nicht, dass wir dann flächendeckend geimpft sind, aber auch im Sport könnte eine Teststrategie wie in der Schule oder an den Arbeitsplätzen greifen.“ Diese Teststrategie ist auch für Jan Frederik Finger denkbar. „Aber dann muss auch die Bereitschaft dafür von allen da sein“, sagt der TuSPO-Trainer. Für ihn sei der Abbruch spätestens ab dem Zeitpunkt absehbar gewesen, als die Infektionszahlen Ende Februar in die Höhe schossen: „Im Grunde war es ein offenes Geheimnis. So wie bei Hansi Flick, der jetzt bekanntgegeben hat, als Bayern-Trainer nicht mehr weitermachen zu wollen. Das wussten auch schon alle seit Wochen.“ Für die Petershäger ist es trotzdem eine besondere Situation. Wie beim Abbruch in der vorangegangenen Saison steht TuSPO auch jetzt wieder auf dem letzten Platz. Trotzdem sieht Finger die Zukunft seines Teams in der Bezirksliga: „Wir sollten die Chance nutzen, höchstmöglich zu spielen. Das ist meine persönliche Meinung. Ich bin zu sehr Sportler und möchte immer das Bestmögliche erreichen.“ Der TuSPO-Coach betont aber auch, dass erst in den kommenden Tagen im Verein die Möglichkeiten – freiwilliger Abstieg oder Klassenerhalt – diskutiert werden: „Wir wollten die Verbandsentscheidung abwarten und nicht vorher über ungelegte Eier sprechen und uns die Köpfe heiß reden.“ Finger rechnet damit, dass auch einige für den Abstieg plädieren werden. Grundsätzlich sei es aber das Wichtigste, dass die Vereine jetzt Planungssicherheit haben. Für Dieter Rademacher, Geschäftsführer der SV Kutenhausen-Todtenhausen, war die Entscheidung keine Überraschung. „Ich habe mit einem Abbruch gerechnet“, sagt Rademacher und erläutert das am Beispiel der Frauen-Mannschaft. „Bei einem Neustart im April hätten die Frauen auch unter der Woche spielen müssen. Das hätte niemals funktioniert.“ Dabei hatte Trainer Ronny Vogt, ähnlich wie Marcel Wallbaum in Hausberge, Training in Zweier-Gruppen angeboten. Im Jugendbereich kann zumindest im Rahmen der Hygieneregeln ein Training auch weiterhin für Kinder Kinder und Jugendliche bis 14 Jahrren stattfinden. Die B2-Mädchen wussten allerdings schon länger als alle anderen Teams, dass für sie Schluss ist: „Sie haben in einer Liga in Niedersachsen gespielt. Der Landesverband hatte sich bereits weit vorher zu einem Saisonabbruch entschlossen.“ Wenn Rademacher sich für den Bereich des Amateurfußballs etwas wünschen dürfte, dann wäre es folgendes: „Es wäre schön, wenn wir draußen wieder richtig trainieren könnten. Ich denke, dass man Sport unter freiem Himmel durchaus zulassen kann.“

Saison-Abbruch: „Ein offenes Geheimnis – wie bei Flick“ - aber SV Hausberge hadert

Die Bälle ruhen, aber immerhin dürfen Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre unter bestimmten Bedingungen weiterhin trainieren. Wann das im Seniorenbereich wieder möglich ist, bleibt abzuwarten. Foto: Joaquim Ferreira/imago © imago images/HMB-Media

Minden. Die Mehrheit der Fußballer hat damit gerechnet. Jetzt ist es amtlich: Die Saison 2020/21 wird ohne Wertung beendet. Für den Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW) mit seinen Schwesterverbänden vom Nieder- und Mittelrhein war dieser Schritt aufgrund der Pandemie unumgänglich. Die 29 westfälischen Fußballkreise und auch die Kreis-Jugend-Ausschüsse schließen sich der Annullierung aller Ligen an. Der SV Hausberge als Tabellenführer der Kreisliga A2 hatte kurz inne gehalten und vereinsseitig darüber diskutiert, vielleicht auf juristischem Wege den Aufstieg erwirken zu können – hat davon dann aber Abstand genommen. Dagegen kann Bezirksligist TuS Petershagen-Ovenstädt zum zweiten Mal von einem Saisonabbruch profitieren, weil es keine Absteiger geben wird.

Hausberges Trainer Marcel Wallbaum bezog die Aufstiegshoffnung seiner Mannschaft auf einen Passus in den Verbandsstatuten. Demnach wäre eine Wertung der Saison möglich, wenn 50 Prozent der Spiele absolviert worden wären. „Wir haben einen glaubhaften Hinweis bekommen, dem wir nachgegangen sind. Anschließend haben wir darüber im Verein und in der Mannschaft diskutiert“, sagt Wallbaum zum Gang an die Öffentlichkeit. Denn eines betont der SVH-Coach ausdrücklich. „Natürlich tragen wir die Entscheidung des Verbandes mit. Aber vielleicht hätte man vor der Saison manches klarer formulieren müssen.“ Wallbaum bezieht seine Kritik darauf, dass in Paragraf 38 der Spielordnung des Westdeutschen Fußball-Verbandes nicht konkret definiert ist, was unter einer „Gruppe“ zu verstehen sei. Denn die Mindener Kreisliga A war als Liga mit Findungsrunde, sowie Auf- und Abstiegsrunde geplant. Die Hausberger hatten anfangs angenommen, dass die Anzahl an erforderlichen Spielen der Findungsrunde gereicht hätten.

Hausberges Vereins-Vorsitzender Dirk Rekate hätte nach seinem persönlichen Empfinden ohnehin Abstand von einer juristischen Auseinandersetzung genommen. „Einerseits halte ich es für legitim, dass man alle Möglichkeiten prüft. Aber es geht auch um die Verhältnismäßigkeit und den Respekt vor der allgemeinen Situation“, sagt Rekate.

Und auch Thomas Schickentanz nahm den Hausbergern gleich die seichten Aufstiegshoffnungen. „Die Findungsrunde kann nicht isoliert betrachtet werden. Die Auf- und Abstiegsrunde gehören unwiderruflich dazu. Demnach hätten die Mannschaften mindestens 14 Spiele absolvieren müssen, um die 50 Prozent und damit eine Wertung zu erreichen“, sagt der Vorsitzende des FLVW-Kreises Minden. Schickentanz betont, dass sich alle westfälischen Fußballkreise bei der Videokonferenz mit dem Verband am Samstag sehr schnell einig waren, die Saison zu annullieren.

Der SV Weser Leteln steht wie der SV Hausberge an der Tabellenspitze der Kreisliga A, allerdings in der Gruppe 1. Die Nachricht, dass der Aufstieg nun nicht mehr zu realisieren sei, nahm Mathias Sitko gelassen hin. „Es war doch klar, dass die Saison abgebrochen wird, wenn wir im April nicht mehr auf den Platz kommen“, sagt der SVWL-Trainer. Anstatt zu lamentieren, blickt Sitko auf die kommende Serie: „Vielleicht werden wir in Zukunft anders wahrgenommen. Dann sind wir nicht mehr die Mannschaft aus dem Mittelfeld, sondern für alle ein ernstzunehmender Gegner.“ Für den Letelner Coach waren die absolvierten zehn Spiele eh nur eine Momentaufnahme: „Ich denke, die Aufstiegsrunde hätten wir locker erreicht. Ob es aber dann tatsächlich zum Aufstieg gereicht hätte, steht auf einem ganz anderen Blatt.“ Sitko hofft nun, in den Sommermonaten mit seiner Mannschaft auf den Platz zurückzukehren. „Ich denke zwar nicht, dass wir dann flächendeckend geimpft sind, aber auch im Sport könnte eine Teststrategie wie in der Schule oder an den Arbeitsplätzen greifen.“

Diese Teststrategie ist auch für Jan Frederik Finger denkbar. „Aber dann muss auch die Bereitschaft dafür von allen da sein“, sagt der TuSPO-Trainer. Für ihn sei der Abbruch spätestens ab dem Zeitpunkt absehbar gewesen, als die Infektionszahlen Ende Februar in die Höhe schossen: „Im Grunde war es ein offenes Geheimnis. So wie bei Hansi Flick, der jetzt bekanntgegeben hat, als Bayern-Trainer nicht mehr weitermachen zu wollen. Das wussten auch schon alle seit Wochen.“ Für die Petershäger ist es trotzdem eine besondere Situation. Wie beim Abbruch in der vorangegangenen Saison steht TuSPO auch jetzt wieder auf dem letzten Platz. Trotzdem sieht Finger die Zukunft seines Teams in der Bezirksliga: „Wir sollten die Chance nutzen, höchstmöglich zu spielen. Das ist meine persönliche Meinung. Ich bin zu sehr Sportler und möchte immer das Bestmögliche erreichen.“

Der TuSPO-Coach betont aber auch, dass erst in den kommenden Tagen im Verein die Möglichkeiten – freiwilliger Abstieg oder Klassenerhalt – diskutiert werden: „Wir wollten die Verbandsentscheidung abwarten und nicht vorher über ungelegte Eier sprechen und uns die Köpfe heiß reden.“ Finger rechnet damit, dass auch einige für den Abstieg plädieren werden. Grundsätzlich sei es aber das Wichtigste, dass die Vereine jetzt Planungssicherheit haben.

Für Dieter Rademacher, Geschäftsführer der SV Kutenhausen-Todtenhausen, war die Entscheidung keine Überraschung. „Ich habe mit einem Abbruch gerechnet“, sagt Rademacher und erläutert das am Beispiel der Frauen-Mannschaft. „Bei einem Neustart im April hätten die Frauen auch unter der Woche spielen müssen. Das hätte niemals funktioniert.“ Dabei hatte Trainer Ronny Vogt, ähnlich wie Marcel Wallbaum in Hausberge, Training in Zweier-Gruppen angeboten.

Im Jugendbereich kann zumindest im Rahmen der Hygieneregeln ein Training auch weiterhin für Kinder Kinder und Jugendliche bis 14 Jahrren stattfinden. Die B2-Mädchen wussten allerdings schon länger als alle anderen Teams, dass für sie Schluss ist: „Sie haben in einer Liga in Niedersachsen gespielt. Der Landesverband hatte sich bereits weit vorher zu einem Saisonabbruch entschlossen.“

Wenn Rademacher sich für den Bereich des Amateurfußballs etwas wünschen dürfte, dann wäre es folgendes: „Es wäre schön, wenn wir draußen wieder richtig trainieren könnten. Ich denke, dass man Sport unter freiem Himmel durchaus zulassen kann.“

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Fußball