Preis ohne Belohnung - Familie Stierl und das Ehrenamt mit Schattenseiten Sebastian Külbel Minden. Für Reinhold Stierl ist die Zwangspause auch eine Zeit zum Durchatmen. „So sehr fehlt mir der Fußball gar nicht“, sagt der Vorsitzende des SV Weser Leteln über das Vereinsleben in der Corona-Krise. Dabei prägt der Sport den Alltag des 58-Jährigen und seiner Familie wie kaum etwas anderes – eine Leidenschaft, die oft an die Substanz geht. Denn Reinhold Stierl hat für seine Funktionärstätigkeit schon einen hohen Preis bezahlt. Seit zehn Jahren ist er Vorsitzender des SV Weser Leteln, davor war er Jugendleiter und seit seinem 20. Lebensjahr als Trainer von Jungen-, Mädchen- und Frauen-Mannschaften aktiv. Besonders die Arbeit an der Vereinsspitze zehrt. „Du kannst es keinem mehr recht machen, vor allem die Eltern sind immer anspruchsvoller und üben Druck auf die Trainer aus“, schildert Stierl den Alltagsstress eines Funktionärs: „Am Ende landet alles bei mir. Obwohl wir die Aufgaben im Verein mit einem Organigramm verteilt haben, rufen die Leute hauptsächlich mich an.“ Die Folgen stehen in seiner Krankenakte: Vor fünf Jahren erlitt Stierl einen Herzinfarkt, 2019 fiel er mit Burnout aus, zurzeit macht die Prostata Probleme. Der 58-Jährige ahnt, dass das auch mit seiner Vereinsarbeit zu tun hat. Nicht die einzigen Folgen: „Man verbittert, gibt Freundschaften auf und geht irgendwann nirgendwo mehr hin, weil man nicht ständig auf den Verein angesprochen werden will.“ Trotzdem macht Reinhold Stierl weiter, und mit ihm seine ganze Familie. Sohn Dario ist Spieler der ersten Mannschaft sowie Trainer der A- und C-Junioren. Tochter Ramona spielt im Frauenteam, war Trainerin der mittlerweile abgemeldeten Mädchenmannschaft und ist zudem Jugendleiterin. Und seine Frau Karin ist Kassiererin im Förderverein. „Papa sagt immer: Wenn wir es nicht machen, wer macht es dann?“, schildert Dario die Rolle der Stierls beim SV Weser Leteln. Deshalb hatte seine Schwester Ramona auch den Plan, die Männer im Haus für ihren Einsatz zu belohnen: Sie schlug ihren Vater für den DFB-Ehrenamtspreis sowie den Bruder für den Förderpreis „Fußballhelden - Aktion junges Ehrenamt“ vor – beide Male mit Erfolg. Die schönste Belohnung dieser Auszeichnungen bleibt den Stierls jedoch verwehrt: Sowohl das Dankeschön-Wochenende mit Reinhold in Rostock als auch Darios Fußball-Bildungsreise ins spanische Santa Susanna wurden wegen der Corona-Pandemie abgesagt. „Das wäre ein tolles Highlight gewesen“, sagt Reinhold Stier, und auch sein Sohn bedauert die verpasste Reise: „Das ist wirklich schade, ich war lange nicht im Urlaub und hatte mich sehr gefreut.“ An ihrem Einsatz für den Verein wird es aber nichts ändern. „Man kann nicht einfach aufhören“, erklärt Reinhold Stierl: „Da ist schon der Gedanke: Ist dann alles weg, was wir aufgebaut haben?“ Der 24-jährige Dario nennt ein anderes Ziel, das ihn antreibt: Er will mit seinen C-Junioren, die er bereits als Mini-Kicker übernommen hat, irgendwann zusammenspielen. „Wir müssen die Jugendlichen in die Seniorenmannschaften bekommen, da ist die Abbruchkante.“ Er tut das auch aus eigenem Interesse: „Viele gucken am Samstag Bundesliga, ich stehe aber lieber selbst am Platz und schaue unseren Teams zu.“ Meistens gemeinsam mit seinem Vater, denn natürlich fehlt der Fußball doch: „Das ist unsere Bundesliga.“

Preis ohne Belohnung - Familie Stierl und das Ehrenamt mit Schattenseiten

Ein Leben für den Fußball: Dario und Reinhold Stierl (von links) engagieren sich in Leteln. MT- © Foto: Külbel

Minden. Für Reinhold Stierl ist die Zwangspause auch eine Zeit zum Durchatmen. „So sehr fehlt mir der Fußball gar nicht“, sagt der Vorsitzende des SV Weser Leteln über das Vereinsleben in der Corona-Krise. Dabei prägt der Sport den Alltag des 58-Jährigen und seiner Familie wie kaum etwas anderes – eine Leidenschaft, die oft an die Substanz geht.

Denn Reinhold Stierl hat für seine Funktionärstätigkeit schon einen hohen Preis bezahlt. Seit zehn Jahren ist er Vorsitzender des SV Weser Leteln, davor war er Jugendleiter und seit seinem 20. Lebensjahr als Trainer von Jungen-, Mädchen- und Frauen-Mannschaften aktiv. Besonders die Arbeit an der Vereinsspitze zehrt. „Du kannst es keinem mehr recht machen, vor allem die Eltern sind immer anspruchsvoller und üben Druck auf die Trainer aus“, schildert Stierl den Alltagsstress eines Funktionärs: „Am Ende landet alles bei mir. Obwohl wir die Aufgaben im Verein mit einem Organigramm verteilt haben, rufen die Leute hauptsächlich mich an.“

Die Folgen stehen in seiner Krankenakte: Vor fünf Jahren erlitt Stierl einen Herzinfarkt, 2019 fiel er mit Burnout aus, zurzeit macht die Prostata Probleme. Der 58-Jährige ahnt, dass das auch mit seiner Vereinsarbeit zu tun hat. Nicht die einzigen Folgen: „Man verbittert, gibt Freundschaften auf und geht irgendwann nirgendwo mehr hin, weil man nicht ständig auf den Verein angesprochen werden will.“

Trotzdem macht Reinhold Stierl weiter, und mit ihm seine ganze Familie. Sohn Dario ist Spieler der ersten Mannschaft sowie Trainer der A- und C-Junioren. Tochter Ramona spielt im Frauenteam, war Trainerin der mittlerweile abgemeldeten Mädchenmannschaft und ist zudem Jugendleiterin. Und seine Frau Karin ist Kassiererin im Förderverein. „Papa sagt immer: Wenn wir es nicht machen, wer macht es dann?“, schildert Dario die Rolle der Stierls beim SV Weser Leteln.

Deshalb hatte seine Schwester Ramona auch den Plan, die Männer im Haus für ihren Einsatz zu belohnen: Sie schlug ihren Vater für den DFB-Ehrenamtspreis sowie den Bruder für den Förderpreis „Fußballhelden - Aktion junges Ehrenamt“ vor – beide Male mit Erfolg. Die schönste Belohnung dieser Auszeichnungen bleibt den Stierls jedoch verwehrt: Sowohl das Dankeschön-Wochenende mit Reinhold in Rostock als auch Darios Fußball-Bildungsreise ins spanische Santa Susanna wurden wegen der Corona-Pandemie abgesagt.

„Das wäre ein tolles Highlight gewesen“, sagt Reinhold Stier, und auch sein Sohn bedauert die verpasste Reise: „Das ist wirklich schade, ich war lange nicht im Urlaub und hatte mich sehr gefreut.“ An ihrem Einsatz für den Verein wird es aber nichts ändern. „Man kann nicht einfach aufhören“, erklärt Reinhold Stierl: „Da ist schon der Gedanke: Ist dann alles weg, was wir aufgebaut haben?“

Der 24-jährige Dario nennt ein anderes Ziel, das ihn antreibt: Er will mit seinen C-Junioren, die er bereits als Mini-Kicker übernommen hat, irgendwann zusammenspielen. „Wir müssen die Jugendlichen in die Seniorenmannschaften bekommen, da ist die Abbruchkante.“ Er tut das auch aus eigenem Interesse: „Viele gucken am Samstag Bundesliga, ich stehe aber lieber selbst am Platz und schaue unseren Teams zu.“ Meistens gemeinsam mit seinem Vater, denn natürlich fehlt der Fußball doch: „Das ist unsere Bundesliga.“

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