Polizeieinsatz nach Abpfiff: Das sagen TuS Porta, FC Roj und der Schiedsrichter zum Eklat Astrid Plaßhenrich Porta Westfalica. In einem Punkt sind sich alle Beteiligten einig: Nach dem Abpfiff des Fußball-Testspiels zwischen dem A-Kreisligisten TuS Porta und dem B-Ligisten FC Roj Minden kam es zu einem Polizeieinsatz. Wie es dazu kam, darin unterscheiden sich die Aussagen von Roj-Coach Qamil Gashi, TuS-Trainer Michael Fromme und Schiedsrichter Özler Isikcila allerdings. Ein Portaner Zuschauer hatte die Polizei gerufen. Nach MT-Informationen ist dieser Zuschauer selbst Polizist. MT-Mitarbeiter Daniel Branahl hat die Partie privat als neutraler Beobachter verfolgt – allerdings nur bis zur 60. Minute. „Mein Kumpel und ich dachten, es passiert eh nichts mehr. Es war ein normales Fußballspiel, bei dem zwar jede Mannschaft unbedingt gewinnen wollte, aber nichts auf Ausschreitungen und einen Polizeieinsatz hindeuteten. Wir sind dann frühzeitig gefahren", sagt Branahl. Schiedsrichter Özler Isikcila stimmt dieser Schilderung zu: „Es war eine faire Partie auf gutem technischen Niveau. Es gab zwar ein paar Meckereien und Diskussionen, aber die gibt es bei jedem Spiel." Die beiden Trainer sahen das anders. Sowohl Gashi als auch Fromme sprachen von hartem Einsteigen des Gegners. Fakt ist: Der Schiedsrichter zeigte nur drei Gelbe Karten. Fakt ist aber auch: Er verfasste einen Sonderbericht, der ans Mindener Kreis-Sportgericht weitergeleitet wird. Dieser liegt dem MT nicht vor. „Das hatte mit Fußball leider nichts zu tun. Das möchte ich nicht noch einmal erleben müssen." TuS Portas Trainer Michael Fromme Fromme und Gashi stimmen auch darin überein, dass der Schiedsrichter die Partie zwei Minuten zu früh abpfiff. Der Roj-Trainer erklärt, dass daraufhin einer seiner Spieler mit hinter dem Rücken verschränkten Armen auf den Unparteiischen zugelaufen sei und laut auf ihn eingeredet habe. „Ich habe meinen Spieler aber direkt von ihm weggeholt", sagt Gashi, der nach eigener Aussage selbst Schiedsrichter beim SV Weser Leteln ist. Fromme hat die Situation anders gesehen: „Die Ordner und meine Spieler haben sich schützend vor den Schiedsrichter gestellt." Isikcila ist ein erfahrener Unparteiischer, leitet seit 17 Jahren Spiele für den TuS Lohe. „So etwas habe ich zwar auch noch nie erlebt, aber ich wurde nicht geschlagen oder anders körperlich angegangen. Mir ist nichts passiert", sagt er. Trotzdem begleiteten Portaner Ordner Isikcila zu seiner Kabine. Auch das bestätigen alle drei Parteien. Als der Roj-Spieler auf den Schiedsrichter zugelaufen sei, entstand gleichzeitig ein zweiter Schauplatz. Ein Portaner Zuschauer wollte die Szenen mit seinem Handy festhalten. Daraufhin habe ein Mindener Spieler die Hände vor die Kamera gehalten und gebeten, nicht zu fotografieren, erklärt Gashi: „Zwei Portaner haben ihn daraufhin geschubst, woraufhin der Zuschauer sein Handy fallengelassen hat. Mein Spieler wollte es aufheben und ihm wiedergeben." Fromme schildert die Situation ganz anders: „Im Polizeibericht steht, dass dem Zuschauer sein Telefon entwunden wurde. Das ist sehr harmlos beschrieben. Es wurde ihm regelrecht entrissen. Daraufhin wollten meine Spieler den Zuschauer verteidigen. Wir haben lediglich reagiert und keine Tätlichkeit begangen. Das möchte ich klarstellen." Auf diesen Vorfall folgend rief der angegangene Portaner Zuschauer die Polizei. Die rückte mit zwei Pkw und einem Bulli an. Als die Einsatzkräfte eintrafen, hatte sich die Situation bereits beruhigt. „Ich weiß nicht, warum die Polizei gerufen wurde", sagt der Roj-Trainer: „Es gab keine Schlägerei, nur eine harmlose Schubserei. Das war total übertrieben. Ich habe meine Mannschaft zusammengeholt, und wir sind in die Kabine gegangen." Gashi kritisiert auch das Vorgehen der Polizei: „Alle sind nur auf uns los. Mit den Portanern hat niemand gesprochen." Das stimme nicht, erklärt Fromme. Der TuS-Trainer blieb mit seinem Team auf dem Platz, bis die Mindener das Sportgelände verlassen hatten, um eine weitere Eskalation zu vermeiden. „Als Roj gefahren war, wurden auch Aussagen von uns aufgenommen." Die Polizei teilte am Montag mit, dass ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Körperverletzung und versuchten Diebstahl eingeleitet sei. Michael Fromme ist sehr enttäuscht, dass es überhaupt so weit gekommen ist: „Das hatte mit Fußball leider nichts zu tun. Das möchte ich nicht noch einmal erleben müssen."

Polizeieinsatz nach Abpfiff: Das sagen TuS Porta, FC Roj und der Schiedsrichter zum Eklat

Ein Bild aus der vergangenen Saison, die die Situation von Freitagabend widerspiegelt. Michael Fromme (Mitte), Trainer des TuS Porta Westfalica, holte seine Mannschaft nach Spielschluss zusammen und wartete mit seinen Spielern solange auf dem Platz, bis Roj Minden abgereist war. MT-Archivfoto: Daniel Branahl

Porta Westfalica. In einem Punkt sind sich alle Beteiligten einig: Nach dem Abpfiff des Fußball-Testspiels zwischen dem A-Kreisligisten TuS Porta und dem B-Ligisten FC Roj Minden kam es zu einem Polizeieinsatz. Wie es dazu kam, darin unterscheiden sich die Aussagen von Roj-Coach Qamil Gashi, TuS-Trainer Michael Fromme und Schiedsrichter Özler Isikcila allerdings. Ein Portaner Zuschauer hatte die Polizei gerufen. Nach MT-Informationen ist dieser Zuschauer selbst Polizist.

MT-Mitarbeiter Daniel Branahl hat die Partie privat als neutraler Beobachter verfolgt – allerdings nur bis zur 60. Minute. „Mein Kumpel und ich dachten, es passiert eh nichts mehr. Es war ein normales Fußballspiel, bei dem zwar jede Mannschaft unbedingt gewinnen wollte, aber nichts auf Ausschreitungen und einen Polizeieinsatz hindeuteten. Wir sind dann frühzeitig gefahren", sagt Branahl.

Schiedsrichter Özler Isikcila stimmt dieser Schilderung zu: „Es war eine faire Partie auf gutem technischen Niveau. Es gab zwar ein paar Meckereien und Diskussionen, aber die gibt es bei jedem Spiel." Die beiden Trainer sahen das anders. Sowohl Gashi als auch Fromme sprachen von hartem Einsteigen des Gegners. Fakt ist: Der Schiedsrichter zeigte nur drei Gelbe Karten. Fakt ist aber auch: Er verfasste einen Sonderbericht, der ans Mindener Kreis-Sportgericht weitergeleitet wird. Dieser liegt dem MT nicht vor.

„Das hatte mit Fußball leider nichts zu tun. Das möchte ich nicht noch einmal erleben müssen."

TuS Portas Trainer Michael Fromme

Fromme und Gashi stimmen auch darin überein, dass der Schiedsrichter die Partie zwei Minuten zu früh abpfiff. Der Roj-Trainer erklärt, dass daraufhin einer seiner Spieler mit hinter dem Rücken verschränkten Armen auf den Unparteiischen zugelaufen sei und laut auf ihn eingeredet habe. „Ich habe meinen Spieler aber direkt von ihm weggeholt", sagt Gashi, der nach eigener Aussage selbst Schiedsrichter beim SV Weser Leteln ist.

Fromme hat die Situation anders gesehen: „Die Ordner und meine Spieler haben sich schützend vor den Schiedsrichter gestellt." Isikcila ist ein erfahrener Unparteiischer, leitet seit 17 Jahren Spiele für den TuS Lohe. „So etwas habe ich zwar auch noch nie erlebt, aber ich wurde nicht geschlagen oder anders körperlich angegangen. Mir ist nichts passiert", sagt er. Trotzdem begleiteten Portaner Ordner Isikcila zu seiner Kabine. Auch das bestätigen alle drei Parteien.

Als der Roj-Spieler auf den Schiedsrichter zugelaufen sei, entstand gleichzeitig ein zweiter Schauplatz. Ein Portaner Zuschauer wollte die Szenen mit seinem Handy festhalten. Daraufhin habe ein Mindener Spieler die Hände vor die Kamera gehalten und gebeten, nicht zu fotografieren, erklärt Gashi: „Zwei Portaner haben ihn daraufhin geschubst, woraufhin der Zuschauer sein Handy fallengelassen hat. Mein Spieler wollte es aufheben und ihm wiedergeben."

Fromme schildert die Situation ganz anders: „Im Polizeibericht steht, dass dem Zuschauer sein Telefon entwunden wurde. Das ist sehr harmlos beschrieben. Es wurde ihm regelrecht entrissen. Daraufhin wollten meine Spieler den Zuschauer verteidigen. Wir haben lediglich reagiert und keine Tätlichkeit begangen. Das möchte ich klarstellen."

Auf diesen Vorfall folgend rief der angegangene Portaner Zuschauer die Polizei. Die rückte mit zwei Pkw und einem Bulli an. Als die Einsatzkräfte eintrafen, hatte sich die Situation bereits beruhigt. „Ich weiß nicht, warum die Polizei gerufen wurde", sagt der Roj-Trainer: „Es gab keine Schlägerei, nur eine harmlose Schubserei. Das war total übertrieben. Ich habe meine Mannschaft zusammengeholt, und wir sind in die Kabine gegangen." Gashi kritisiert auch das Vorgehen der Polizei: „Alle sind nur auf uns los. Mit den Portanern hat niemand gesprochen."

Das stimme nicht, erklärt Fromme. Der TuS-Trainer blieb mit seinem Team auf dem Platz, bis die Mindener das Sportgelände verlassen hatten, um eine weitere Eskalation zu vermeiden. „Als Roj gefahren war, wurden auch Aussagen von uns aufgenommen." Die Polizei teilte am Montag mit, dass ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Körperverletzung und versuchten Diebstahl eingeleitet sei.

Michael Fromme ist sehr enttäuscht, dass es überhaupt so weit gekommen ist: „Das hatte mit Fußball leider nichts zu tun. Das möchte ich nicht noch einmal erleben müssen."

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