Mit Fußball aus der Lebenskrise: Der besondere Weg von Torjäger Alexander Kohl Sebastian Külbel Porta Westfalica. Seine Zahlen sind beeindruckend. Seit Alexander Kohl in der Winterpause der Saison 2017/2018 zurück zum TuS Kleinenbremen gewechselt ist, erzielte sein Team 252 Tore – 138 davon gingen auf das Konto des schnellen Angreifers, der in seinem Heimatverein aufblüht und auch dank des Fußballs eine schwere Krise in seinem Leben gemeistert hat. Mit seinen Qualitäten mischt der 32-Jährige auch in Westfalen oben mit. Ende Oktober stand Kohl sogar an der Spitze der Torjägerliste für den Landesverband, mittlerweile ist er mit 29 Treffern in zehn Spielen Elfter. Seine Quote ist mit fast drei Toren pro Partie genauso stark wie in der abgebrochenen Vorsaison – besser war Kohl in seiner Karriere nie. Die Frage, ob ein Stürmer mit diesem Torinstinkt nicht zu gut für die Kreisliga B ist, stellt sich für ihn nicht: „Statistisch gesehen mag das schon sein, ich habe aber nicht mehr den Ehrgeiz, höher zu spielen. Ich möchte hier Spaß haben mit meinen Kumpels, das reicht mir.“ Was so leicht dahin gesagt klingt, hat auch einen ernsten Hintergrund. Denn der Wechsel nach Kleinenbremen war für Kohl im Winter 2017 eine Art Rettungsanker. „Ich hatte damals eine schwierige Phase in meinem Leben“, erzählt er, „mir ging es körperlich und psychisch sehr schlecht“. Auslöser dafür war der Tod eines engen Freundes durch Krebs – ein Verlust, mit dem Kohl nicht klarkam: „Das hat mich runtergezogen, da ging es mir richtig schlecht.“ Mit Hilfe seiner Familie zog er sich damals selbst aus der Krise: „Ohne meinen Vater hätte ich diese schwere Zeit nicht überstanden, er war eine Riesenstütze für mich“, sagt der Mann aus Wülpke, der heute in Bückeburg wohnt. Und der Fußball spielte ebenfalls eine große Rolle. „Damals kam auch der Anruf von Nils Bensch“, erinnert sich Kohl an die Kontaktaufnahme des damaligen Kleinenbremen-Trainers, der ihn von VfR Evesen II zurück zum Verein seiner Kindheit holte. Seitdem geht es für den Blondschopf aufwärts – auf dem Platz und auch im Leben: „Wenn ich den Fußball nicht gehabt hätte, wer weiß, wo ich jetzt sitzen würde.“ Der persönliche Aufschwung schlägt sich auch sportlich nieder. Kohl beginnt unter Trainer Bensch als Zehner und wird schnell zum Fixpunkt des Kleinenbremer Angriffsspiels. Das führt den TuS in der Tabelle weiter nach oben, für den Aufstieg reichte es jedoch noch nicht. Das soll sich in dieser Saison ändern. Mit der Optimalausbeute von 30 Punkten liegt der Tabellenführer der Kreisliga B Süd zwar nur drei Zähler vor dem TuS Holzhausen/Porta als erstem Verfolger. Dennoch ist Kohl vom Aufstieg überzeugt: „Das ist mein Ziel. Der einzige Verein, der uns schlagen kann, sind wir selbst.“ Die besten Argumente für dieses Selbstvertrauen liefert der Torjäger selbst. Seit er unter Trainer Marco Zeilinger ganz vorne in der Spitze spielt, ist seine Trefferquote noch einmal gestiegen. Kohl ist eine der Führungsfiguren im Team, auch wenn er das nicht unbedingt so empfindet: „Ich sehe mich als ganz normalen Spieler. Aber wenn ich gefragt werde, helfe ich gerne.“ Hauptsächlich aber bestehe die Kleinenbremer Mannschaft aus Freunden: „Hier haben alle das gleiche Stimmrecht, es gibt keine Grüppchen“. Dennoch sticht der Angreifer mit seinen Top-Werten heraus. Kann man Tore schießen lernen? „Man kann an seiner Schusstechnik feilen. Aber ich weiß halt, wo der Ball hinkommt, das ist in mir drin. Und vor dem Tor bin ich abgezockt“, sagt Alex Kohl. Seine Qualitäten schildert er anhand prominenter Namen: „Ich vergleiche meinen Stil mit einer Mischung aus Lewandowski und Müller.“ Dieses Talent zeigte sich schon in Jugendzeiten. Nach Anfängen in Kleinenbremen wechselte Kohl zur FT Dützen (C-Jugend), dann zu RW Rehme (B-Jugend) und zurück nach Dützen. In der A-Jugend erzielte er nach eigenen Angaben 56 Tore in 38 Spielen und stieg mit dem Team in die Bezirksliga auf: „Das entscheidende Spiel haben wir 10:0 gegen Bünde-Südlengern gewonnen.“ Es folgte der Sprung in den Dützer Landesliga-Kader, doch die Mannschaft stieg ab und nach einem Jahr in der Bezirksliga zog Kohl weiter zum VfR Evesen. Mit der persönlichen Krise geriet auch seine Fußball-Karriere ins Stocken. Ein halbes Jahr Pause, ein halbes Jahr beim TuS Bad Oeynhausen, dann ein paar Monate beim TuS Porta Westfalica. „Ich war damals kein einfacher Typ“, gesteht Kohl: „Ich bin halt jemand, der aneckt und auch seine Meinung sagt. Das kommt nicht immer gut an.“ Die Rückkehr zum VfR Evesen führte ihn in dessen zweite Mannschaft, doch hier reichte ihm das fußballerische Niveau nicht. Erst der Wechsel nach Kleinenbremen brachte ihn sportlich wieder in die Spur – und zurück zu alter Stärke. „Ich bin in den letzten zwei, drei Jahren fitter als je zuvor in meiner Seniorenzeit. Vom Körper her könnte ich noch fünf Jahre spielen.“ Dass er das in Kleinenbremen tun wird, ist keine Frage: „Spätestens, als Marco Zeilinger kam, war klar: Hier gehe ich nicht mehr weg.“ Der Trainer und der Angreifer kennen sich noch aus Dützer Zeiten und haben einen guten Draht zueinander. Gemeinsam arbeiten sie in der Rückrunde am Kleinenbremer Traum von der Rückkehr in die Kreisliga A. Überhaupt könnte 2022 das Jahr des Alexander Kohl werden: Im Mai will er seine Ausbildung zum Schulbegleiter für beeinträchtigte Kinder an der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule beenden. Und im Juni ist dann die Aufstiegsfeier geplant.

Mit Fußball aus der Lebenskrise: Der besondere Weg von Torjäger Alexander Kohl

„Ich weiß halt, wo der Ball hinkommt“: Alexander Kohl (links) ist der Fixpunkt im Angriff des TuS Kleinenbremen. 138 Treffer seit seinem Wechsel in der Winterpause 2017/2018 sprechen für sich. Foto: © Daniel Branahl

Porta Westfalica. Seine Zahlen sind beeindruckend. Seit Alexander Kohl in der Winterpause der Saison 2017/2018 zurück zum TuS Kleinenbremen gewechselt ist, erzielte sein Team 252 Tore – 138 davon gingen auf das Konto des schnellen Angreifers, der in seinem Heimatverein aufblüht und auch dank des Fußballs eine schwere Krise in seinem Leben gemeistert hat.

Mit seinen Qualitäten mischt der 32-Jährige auch in Westfalen oben mit. Ende Oktober stand Kohl sogar an der Spitze der Torjägerliste für den Landesverband, mittlerweile ist er mit 29 Treffern in zehn Spielen Elfter. Seine Quote ist mit fast drei Toren pro Partie genauso stark wie in der abgebrochenen Vorsaison – besser war Kohl in seiner Karriere nie.

Die Frage, ob ein Stürmer mit diesem Torinstinkt nicht zu gut für die Kreisliga B ist, stellt sich für ihn nicht: „Statistisch gesehen mag das schon sein, ich habe aber nicht mehr den Ehrgeiz, höher zu spielen. Ich möchte hier Spaß haben mit meinen Kumpels, das reicht mir.“ Was so leicht dahin gesagt klingt, hat auch einen ernsten Hintergrund. Denn der Wechsel nach Kleinenbremen war für Kohl im Winter 2017 eine Art Rettungsanker.

„Ich hatte damals eine schwierige Phase in meinem Leben“, erzählt er, „mir ging es körperlich und psychisch sehr schlecht“. Auslöser dafür war der Tod eines engen Freundes durch Krebs – ein Verlust, mit dem Kohl nicht klarkam: „Das hat mich runtergezogen, da ging es mir richtig schlecht.“ Mit Hilfe seiner Familie zog er sich damals selbst aus der Krise: „Ohne meinen Vater hätte ich diese schwere Zeit nicht überstanden, er war eine Riesenstütze für mich“, sagt der Mann aus Wülpke, der heute in Bückeburg wohnt. Und der Fußball spielte ebenfalls eine große Rolle.

„Damals kam auch der Anruf von Nils Bensch“, erinnert sich Kohl an die Kontaktaufnahme des damaligen Kleinenbremen-Trainers, der ihn von VfR Evesen II zurück zum Verein seiner Kindheit holte. Seitdem geht es für den Blondschopf aufwärts – auf dem Platz und auch im Leben: „Wenn ich den Fußball nicht gehabt hätte, wer weiß, wo ich jetzt sitzen würde.“

Der persönliche Aufschwung schlägt sich auch sportlich nieder. Kohl beginnt unter Trainer Bensch als Zehner und wird schnell zum Fixpunkt des Kleinenbremer Angriffsspiels. Das führt den TuS in der Tabelle weiter nach oben, für den Aufstieg reichte es jedoch noch nicht. Das soll sich in dieser Saison ändern. Mit der Optimalausbeute von 30 Punkten liegt der Tabellenführer der Kreisliga B Süd zwar nur drei Zähler vor dem TuS Holzhausen/Porta als erstem Verfolger. Dennoch ist Kohl vom Aufstieg überzeugt: „Das ist mein Ziel. Der einzige Verein, der uns schlagen kann, sind wir selbst.“

Die besten Argumente für dieses Selbstvertrauen liefert der Torjäger selbst. Seit er unter Trainer Marco Zeilinger ganz vorne in der Spitze spielt, ist seine Trefferquote noch einmal gestiegen. Kohl ist eine der Führungsfiguren im Team, auch wenn er das nicht unbedingt so empfindet: „Ich sehe mich als ganz normalen Spieler. Aber wenn ich gefragt werde, helfe ich gerne.“ Hauptsächlich aber bestehe die Kleinenbremer Mannschaft aus Freunden: „Hier haben alle das gleiche Stimmrecht, es gibt keine Grüppchen“.

Dennoch sticht der Angreifer mit seinen Top-Werten heraus. Kann man Tore schießen lernen? „Man kann an seiner Schusstechnik feilen. Aber ich weiß halt, wo der Ball hinkommt, das ist in mir drin. Und vor dem Tor bin ich abgezockt“, sagt Alex Kohl. Seine Qualitäten schildert er anhand prominenter Namen: „Ich vergleiche meinen Stil mit einer Mischung aus Lewandowski und Müller.“

Dieses Talent zeigte sich schon in Jugendzeiten. Nach Anfängen in Kleinenbremen wechselte Kohl zur FT Dützen (C-Jugend), dann zu RW Rehme (B-Jugend) und zurück nach Dützen. In der A-Jugend erzielte er nach eigenen Angaben 56 Tore in 38 Spielen und stieg mit dem Team in die Bezirksliga auf: „Das entscheidende Spiel haben wir 10:0 gegen Bünde-Südlengern gewonnen.“ Es folgte der Sprung in den Dützer Landesliga-Kader, doch die Mannschaft stieg ab und nach einem Jahr in der Bezirksliga zog Kohl weiter zum VfR Evesen. Mit der persönlichen Krise geriet auch seine Fußball-Karriere ins Stocken. Ein halbes Jahr Pause, ein halbes Jahr beim TuS Bad Oeynhausen, dann ein paar Monate beim TuS Porta Westfalica. „Ich war damals kein einfacher Typ“, gesteht Kohl: „Ich bin halt jemand, der aneckt und auch seine Meinung sagt. Das kommt nicht immer gut an.“

Die Rückkehr zum VfR Evesen führte ihn in dessen zweite Mannschaft, doch hier reichte ihm das fußballerische Niveau nicht. Erst der Wechsel nach Kleinenbremen brachte ihn sportlich wieder in die Spur – und zurück zu alter Stärke. „Ich bin in den letzten zwei, drei Jahren fitter als je zuvor in meiner Seniorenzeit. Vom Körper her könnte ich noch fünf Jahre spielen.“ Dass er das in Kleinenbremen tun wird, ist keine Frage: „Spätestens, als Marco Zeilinger kam, war klar: Hier gehe ich nicht mehr weg.“ Der Trainer und der Angreifer kennen sich noch aus Dützer Zeiten und haben einen guten Draht zueinander.

Gemeinsam arbeiten sie in der Rückrunde am Kleinenbremer Traum von der Rückkehr in die Kreisliga A. Überhaupt könnte 2022 das Jahr des Alexander Kohl werden: Im Mai will er seine Ausbildung zum Schulbegleiter für beeinträchtigte Kinder an der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule beenden. Und im Juni ist dann die Aufstiegsfeier geplant.

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