Mindenerin ermöglicht sich das Studium in den USA mit einem Sportstipendium Astrid Plaßhenrich Minden. Manchmal driftet Chiara Rösener ab. Dann rutscht die 19-jährige Mindenerin unbewusst vom Deutschen ins Englische. Es schleichen sich Vokabeln wie „locker room“ also „Umkleidekabine“ ein oder „damaged“, was so viel heißt wie „beschädigt“. Verwunderlich ist das nicht: Denn seit anderthalb Jahren studiert die Fußballerin als Sportstipendiatin an der Clayton State University im US-Bundesstaat Georgia. Röseners Tag ist von morgens bis abends durchgetaktet. Um 6 Uhr klingelt der Wecker, spätestens eine Stunde später fängt das Training an. Manchmal auch früher. Danach heißt es: Umziehen, frühstücken – und ab in den Hörsaal. Die defensive Mittelfeldspielerin studiert Biologie im Hauptfach, fünf weitere Nebenfächer wie Englisch, Geschichte oder Mathe kommen hinzu. Zu den regulären Semesterwochenstunden, dem Training und den Spielen kommt die Vorbereitung auf die Kurse, Hausaufgaben und das Lernen für die regelmäßig anstehenden Klausuren. Dazu gibt Rösener Kommilitonen Nachhilfe in Mathe. Freizeit bleibt da kaum. Wenn doch mal etwas Luft zwischen Fußball und Uni bleibt, fährt die Mindenerin gerne mit Freunden ins etwa 20 Kilometer entfernte Atlanta. „Es ist alles stressiger und anstrengender, als ich es erwartet habe“, gibt Rösener zu. Dazu bestehe ein permanenter Druck, gute Leistungen in der Uni und auf dem Spielfeld abzuliefern. „All das macht mir aber auch riesigen Spaß. Ich habe den Schritt zu keiner Sekunde bereut“, sagt die 19-Jährige. Minden sei irgendwann so klein, so eng geworden. Deshalb wuchs der Wunsch, in den USA zu studieren, auch weil die Staaten als Vorzeigeland des Frauenfußballs gelten. Das Stipendium machte es schließlich möglich. Um das zu erhalten, durchlief sie einen etwa einjährigen Bewerbungsprozess. Grundvoraussetzungen waren Sprachtests und Interviews, die schulischen und sportlichen Leistungen mussten sowieso passen. Rösener legte ihr Abitur am Mindener Besselgymnasium ab und spielte vor ihrem Studium in der 2. Liga beim Herforder SV. Davor stand sie bei der SV Kutenhausen-Todtenhausen auf dem Feld, zunächst bei den Mädchen, in der D- und C-Junioren bei den Jungen. „Die Trainer der Westfalenauswahl haben mir dazu geraten“, erklärt Rösener. Im ersten B-Jugend-Jahr trainierte sie dann bei den Jungen und bei den Mädchen, spielte aber ausschließlich bei den Mädchen. Dann folgte der Wechsel nach Herford, wo sie mit den B1-Juniorinnen in der Regionalliga auflief und gleichzeitig den Sprung ins Frauenteam schaffte. Das überzeugte ihren jetzigen Coach Fergal Forde. Der Lohn: Die Studiengebühren bleiben ihr nun erspart. Für Verpflegung und Unterkunft muss die Mindenerin allerdings aufkommen. Zunächst wohnte die Mittelfeldspielerin im Studentenwohnheim. Entgegen der Vorstellung dass sich an den Colleges und Universitäten in den USA zwei Studenten ein Zimmer teilen, hatte Rösener ein Einzelzimmer. Lediglich das Bad benutzte eine Kommilitonin mit ihr zusammen. Weil in dem kleinen Apartment aber eine Küche fehlte, wollte sich Rösener verändern. Ihren Teamkolleginnen Marie Devillers aus Frankreich und Pia Haug aus Norwegen ging es genauso. Deshalb mietete sich das Trio ein Studentenhaus, das fußläufig nur fünf Minuten vom Campus entfernt liegt. Sportlich lief es für Rösener von Anfang an. Die Mittelfeldspielerin sicherte sich auf Anhieb einen Stammplatz. Die Saison dauert allerdings nur von August bis November. „Kurz und knackig und sehr intensiv“, sagt Rösener. Meistens stehen zwei Spiele in der Woche an. Die „Clayton State“ trifft dann auf Teams aus Georgia, North und South Carolina oder Florida. In der Division II mit zwölf Mannschaften wird zunächst eine einfache Runde gespielt. Danach ermitteln die ersten acht Teams im K.o.-Modus einen Meister. „Das Niveau schätze ich in etwa mit dem der deutschen Regionalliga ein“, sagt die 19-Jährige, „aber es ist schwer zu vergleichen. In Deutschland wird mehr Wert auf Taktik gelegt, in den USA auf Athletik.“ Die „Clayton State“ schaffte den Cut mit Platz sechs. Im ersten K.o.-Spiel trafen Rösener & Co. auf die UNC Pembroke (North Carolina). Im Elfmeterschießen setzte sich Röseners Team 4:1 durch und stand erstmals seit 2014 im Halbfinale. In diesem musste erneut das Elfmeterschießen entscheiden. „Clayton State“ gewann 5:4 gegen die University of North Georgia – Rösener traf vom Punkt zum Endstand. Im Finale wartete mit dem Team des Flagler College (Florida) der Meisterschaftsfavorit. Und der wurde seiner Rolle nach einem hart umkämpften Spiel mit dem Golden Goal zum 1:0 in der Verlängerung gerecht. Rösener musste in den meisten Spielen als Innenverteidigerin auflaufen. „Das ist eigentlich nicht so mein Ding.“ Ganz schlecht kann sie ihren Job aber nicht erledigt haben, denn von den Trainern wurde die 19-Jährige in die „Mannschaft des Turniers“ gewählt. In den vergangenen vier Wochen hat Chiara Rösener ihre Familie und Freunde in Minden besucht. Am Sonntag geht es zurück nach Atlanta. Einen Tag später startet ihr viertes Semester – und die mehrmonatige Vorbereitung auf die kommende Saison. Die Wege zum Sportstipendium in den USA - Verbindungen zu den Trainern der US-Universitäten können persönlich oder über auf Sportstipendien spezialisierte Agenturen hergestellt werden. Letzteren Weg hat Chiara Rösener gewählt und den empfehlen auch Experten, weil Agenturen auf ein bestehendes Netzwerk zurückgreifen können, beraten und Betreuung bieten. - Wer ein Stipendium erhält und in welcher Höhe es vergeben wird, entscheiden die Coaches. Sie haben ein gewisses Budget zur Verfügung und müssen sich damit ein Team zusammenstellen. - Um einen Trainer zu überzeugen, verschicken die Bewerber oder die Agenturen Highlight-Videos vom Athleten und erläutern in einem Schreiben an den Trainer das persönliche Leistungsniveau, die bereits erreichten Erfolge sowie künftige Ziele. Auch die Schullaufbahn spielt bei der Vergabe eine wichtige Rolle. - Gleich mehrere Universitäten interessierten sich für Chiara Rösener. Ein Coach war sogar beim Training in Herford, um die damals 17-Jährige zu beobachten. Ihre Wahl fiel schließlich aus zwei Gründen auf die Clayton State University. Zum einen spielte die Nähe zu Atlanta (Georgia) eine Rolle. Zum anderen gaben die positiven Gesprächen mit ihrem Coach Fergal Forde den Ausschlag. Röseners Stipendium gilt für vier Jahre.

Mindenerin ermöglicht sich das Studium in den USA mit einem Sportstipendium

Chiara Rösener (links) musste in dieser Saison oft in der Innenverteidigung spielen. Das machte die Mindenerin so gut, dass sie in die „Mannschaft des Turniers“ gewählt wurde. © Foto: pr

Minden. Manchmal driftet Chiara Rösener ab. Dann rutscht die 19-jährige Mindenerin unbewusst vom Deutschen ins Englische. Es schleichen sich Vokabeln wie „locker room“ also „Umkleidekabine“ ein oder „damaged“, was so viel heißt wie „beschädigt“. Verwunderlich ist das nicht: Denn seit anderthalb Jahren studiert die Fußballerin als Sportstipendiatin an der Clayton State University im US-Bundesstaat Georgia.

Röseners Tag ist von morgens bis abends durchgetaktet. Um 6 Uhr klingelt der Wecker, spätestens eine Stunde später fängt das Training an. Manchmal auch früher. Danach heißt es: Umziehen, frühstücken – und ab in den Hörsaal. Die defensive Mittelfeldspielerin studiert Biologie im Hauptfach, fünf weitere Nebenfächer wie Englisch, Geschichte oder Mathe kommen hinzu. Zu den regulären Semesterwochenstunden, dem Training und den Spielen kommt die Vorbereitung auf die Kurse, Hausaufgaben und das Lernen für die regelmäßig anstehenden Klausuren. Dazu gibt Rösener Kommilitonen Nachhilfe in Mathe. Freizeit bleibt da kaum. Wenn doch mal etwas Luft zwischen Fußball und Uni bleibt, fährt die Mindenerin gerne mit Freunden ins etwa 20 Kilometer entfernte Atlanta. „Es ist alles stressiger und anstrengender, als ich es erwartet habe“, gibt Rösener zu. Dazu bestehe ein permanenter Druck, gute Leistungen in der Uni und auf dem Spielfeld abzuliefern. „All das macht mir aber auch riesigen Spaß. Ich habe den Schritt zu keiner Sekunde bereut“, sagt die 19-Jährige.

Minden sei irgendwann so klein, so eng geworden. Deshalb wuchs der Wunsch, in den USA zu studieren, auch weil die Staaten als Vorzeigeland des Frauenfußballs gelten. Das Stipendium machte es schließlich möglich. Um das zu erhalten, durchlief sie einen etwa einjährigen Bewerbungsprozess. Grundvoraussetzungen waren Sprachtests und Interviews, die schulischen und sportlichen Leistungen mussten sowieso passen.

Rösener legte ihr Abitur am Mindener Besselgymnasium ab und spielte vor ihrem Studium in der 2. Liga beim Herforder SV. Davor stand sie bei der SV Kutenhausen-Todtenhausen auf dem Feld, zunächst bei den Mädchen, in der D- und C-Junioren bei den Jungen. „Die Trainer der Westfalenauswahl haben mir dazu geraten“, erklärt Rösener. Im ersten B-Jugend-Jahr trainierte sie dann bei den Jungen und bei den Mädchen, spielte aber ausschließlich bei den Mädchen. Dann folgte der Wechsel nach Herford, wo sie mit den B1-Juniorinnen in der Regionalliga auflief und gleichzeitig den Sprung ins Frauenteam schaffte. Das überzeugte ihren jetzigen Coach Fergal Forde. Der Lohn: Die Studiengebühren bleiben ihr nun erspart. Für Verpflegung und Unterkunft muss die Mindenerin allerdings aufkommen. Zunächst wohnte die Mittelfeldspielerin im Studentenwohnheim. Entgegen der Vorstellung dass sich an den Colleges und Universitäten in den USA zwei Studenten ein Zimmer teilen, hatte Rösener ein Einzelzimmer. Lediglich das Bad benutzte eine Kommilitonin mit ihr zusammen. Weil in dem kleinen Apartment aber eine Küche fehlte, wollte sich Rösener verändern. Ihren Teamkolleginnen Marie Devillers aus Frankreich und Pia Haug aus Norwegen ging es genauso. Deshalb mietete sich das Trio ein Studentenhaus, das fußläufig nur fünf Minuten vom Campus entfernt liegt.

Sportlich lief es für Rösener von Anfang an. Die Mittelfeldspielerin sicherte sich auf Anhieb einen Stammplatz. Die Saison dauert allerdings nur von August bis November. „Kurz und knackig und sehr intensiv“, sagt Rösener. Meistens stehen zwei Spiele in der Woche an. Die „Clayton State“ trifft dann auf Teams aus Georgia, North und South Carolina oder Florida. In der Division II mit zwölf Mannschaften wird zunächst eine einfache Runde gespielt. Danach ermitteln die ersten acht Teams im K.o.-Modus einen Meister. „Das Niveau schätze ich in etwa mit dem der deutschen Regionalliga ein“, sagt die 19-Jährige, „aber es ist schwer zu vergleichen. In Deutschland wird mehr Wert auf Taktik gelegt, in den USA auf Athletik.“

Die „Clayton State“ schaffte den Cut mit Platz sechs. Im ersten K.o.-Spiel trafen Rösener & Co. auf die UNC Pembroke (North Carolina). Im Elfmeterschießen setzte sich Röseners Team 4:1 durch und stand erstmals seit 2014 im Halbfinale. In diesem musste erneut das Elfmeterschießen entscheiden. „Clayton State“ gewann 5:4 gegen die University of North Georgia – Rösener traf vom Punkt zum Endstand. Im Finale wartete mit dem Team des Flagler College (Florida) der Meisterschaftsfavorit. Und der wurde seiner Rolle nach einem hart umkämpften Spiel mit dem Golden Goal zum 1:0 in der Verlängerung gerecht. Rösener musste in den meisten Spielen als Innenverteidigerin auflaufen. „Das ist eigentlich nicht so mein Ding.“ Ganz schlecht kann sie ihren Job aber nicht erledigt haben, denn von den Trainern wurde die 19-Jährige in die „Mannschaft des Turniers“ gewählt.

In den vergangenen vier Wochen hat Chiara Rösener ihre Familie und Freunde in Minden besucht. Am Sonntag geht es zurück nach Atlanta. Einen Tag später startet ihr viertes Semester – und die mehrmonatige Vorbereitung auf die kommende Saison.

Die Wege zum Sportstipendium in den USA

- Verbindungen zu den Trainern der US-Universitäten können persönlich oder über auf Sportstipendien spezialisierte Agenturen hergestellt werden. Letzteren Weg hat Chiara Rösener gewählt und den empfehlen auch Experten, weil Agenturen auf ein bestehendes Netzwerk zurückgreifen können, beraten und Betreuung bieten.

- Wer ein Stipendium erhält und in welcher Höhe es vergeben wird, entscheiden die Coaches. Sie haben ein gewisses Budget zur Verfügung und müssen sich damit ein Team zusammenstellen.

- Um einen Trainer zu überzeugen, verschicken die Bewerber oder die Agenturen Highlight-Videos vom Athleten und erläutern in einem Schreiben an den Trainer das persönliche Leistungsniveau, die bereits erreichten Erfolge sowie künftige Ziele. Auch die Schullaufbahn spielt bei der Vergabe eine wichtige Rolle.

- Gleich mehrere Universitäten interessierten sich für Chiara Rösener. Ein Coach war sogar beim Training in Herford, um die damals 17-Jährige zu beobachten. Ihre Wahl fiel schließlich aus zwei Gründen auf die Clayton State University. Zum einen spielte die Nähe zu Atlanta (Georgia) eine Rolle. Zum anderen gaben die positiven Gesprächen mit ihrem Coach Fergal Forde den Ausschlag. Röseners Stipendium gilt für vier Jahre.

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