„Makedonikos lebt wieder“: Ioannis Iakovidis über Vergangenheit und Ziele des griechischen Vereins Fabian Terwey Minden. „Kleiner Terrier" nannten sie ihn einst bei der SV Bölhorst-Häverstädt. „Ich bin nicht der Größte und gebe ungern auf", erklärt Ioannis Iakovidis seinen Spitznamen. Heute führt der 26-jährige Außenverteidiger mit Makedonikos Minden die Tabelle der Fußball-Kreisliga C2 an. Dass der griechische Verein nach der Auflösung 2013 überhaupt wieder existiert, ist auch dem Vorstandsmitglied zu verdanken. Im MT-Interview zur Corona-Pause spricht Schriftführer Ioannis Iakovidis über die Entwicklung seit der Neugründung 2019, über die Aufstiegsziele und über Mannschaftsfeiern mit Eros Ramazotti statt Sirtaki. In der zweiten Runde des diesjährigen Kreispokals waren Sie und Ihre Mannschaft drauf und dran, den favorisierten Bezirksligisten Lahde/Quetzen auszuschalten. Was fehlte zur Überraschung? Das Spiel lief eigentlich wie im Bilderbuch. Flutlicht, Pokal. Wir haben uns als Außenseiter nicht versteckt. Für den späten Gegentreffer zum 1:2 in der 90. konnte keiner etwas. Wir klären unglücklich den langen Ball und der Abpraller rutscht ins Tor. Unterm Strich war das ärgerlich. Gedanklich waren wir – glaube ich – schon im Elfmeterschießen. Ich zumindest. In der Fußball-Kreisliga C2 sind Sie mit Makedonikos Minden Tabellenführer. Ihre Mannschaft hat alle bisherigen sieben Saisonspiele bis zur Corona-Pause gewonnen. Was macht das Team so stark? Die Erfahrung. Viele von uns spielen schon jahrelang im Mühlenkreis. Ob Irineos Sidiropoulos oder Wassilios Kamenidis, das sind alles gestandene Fußballer. Hinzu kommt die Verbundenheit. Wir kennen uns von klein auf. Und auch wenn wir noch nicht perfekt eingespielt sind, ist das ein Vorteil. Ziel ist es, in die Kreisliga B aufzusteigen. Wie haben sie Ihre Kindheit mit den heutigen Mitspielern verbracht? Bis zur Auflösung des Vereins 2013 hat ein Großteil der heutigen Mannschaft noch in der Jugend gespielt. Weil Makedonikos keine Nachwuchsabteilung hatte, waren wir zwar in unterschiedlichen Vereinen aktiv, aber wenn unsere Väter für Makedonikos gespielt haben, haben wir immer zusammen am Spielfeldrand zugeguckt. Beim internationalen Turnier im Weserstadion durften wir im E-Jugendalter sogar mal als griechische Nationalelf ein Einlagespiel zwischen den offiziellen Partien bestreiten. Viele von uns sind gemeinsam zum Griechisch-Unterricht gegangen. Lesen, schreiben, griechische Geschichte lernen. Unsere Eltern haben darauf Wert gelegt. So haben wir uns die Tür nach Griechenland offen gehalten. Zu meiner Zeit waren wir 20 bis 30 Leute, die in der zehnten Klasse an der Gesamtschule einen Abschluss in herkunftssprachlichem Unterricht gemacht haben. In Ihrer Jugendzeit galt Charalambos „Babis" Tsamaslidis bis zur Auflösung des Vereins als der große Macher von Makedonikos. Sie und Ihre Vorstandskollegen, haben Sie ihn nach der Neugründung in die Vereinsarbeit mit einbezogen? „Babis" hat wohl jedes Amt bekleidet, dass es in einem Verein gibt. Er war Torwart und Verantwortlicher. Damals als er den Verein aufgelöst hat, war er erschöpft. Bevor die Leute den Spaß verlieren, wollte er lieber Schluss machen. Heute ist er noch immer Schiedsrichter. Makedonikos lebt wieder. Das findet er schön. Er möchte aber keinen Posten bekleiden. Wir sind jetzt alt genug, den Verein selbst zu führen. Eine neue Generation, die neue Wege geht. „Babis" steht uns dafür aber immer mit Rat und Tat zur Seite. Ist bei Makedonikos heute alles so, wie Sie es als Kind in Erinnerung haben? Es geht schon in die Richtung, ja. Irineos Sidiropoulos, Wassilios Kamenidis und ich haben den Verein wieder ins Leben gerufen. Viele haben sich darüber gefreut. Unser Hauptaugenmerk lag bei der Neugründung auf der Gemeinschaft. Unsere Heimspielstätte an der Michael-Ende-Schule ist zum Glück zentral gelegen. Ein idealer Platz für unsere Älteren im Verein. So müssen sie nicht so weit fahren. Als dann selbst 50 Leute beim ersten Saisonspiel in Wasserstraße waren, war das einfach schön. Ich würde mich freuen, wenn die Kinder unsere Gemeinschaft als genauso toll empfinden wie wir früher. Als es den Verein nicht gab, hat es in den letzten Jahren jedenfalls keinen Treffpunkt gegeben. Die Gruppe ist dadurch ein wenig auseinandergegangen. Das ist jetzt wieder anders. Ist anders als früher deshalb nun auch eine Jugendabteilung geplant? Das wäre in der Zukunft schon schön, aber sehr gewagt. Denn wenn man so etwas macht, dann muss es auch verbindlich sein. Da kann man nicht plötzlich sagen, jetzt ist es wieder vorbei, weil wir die Mannschaft nicht vollbekommen. Ich bin ja bei der SV Bölhorst-Häverstädt auch als stellvertretender Jugendleiter aktiv. Der Verein macht da gute Arbeit. Da haben wir bereits eine Jugendspielgemeinschaft mit Barkhausen. Mit Makedonikos stehen wir dagegen ganz am Anfang. Und bei den Senioren, wie sehen die sportlichen Planungen da aus? Ein Großteil der Mannschaft hat schon für die kommende Saison zugesagt. Und auch unser Trainer Renato d’Auria hat noch nichts anderes von sich hören lassen. Wir als Mannschaft haben auch keine Ambitionen, ihn loszuwerden. Als zukünftigen Trainingsplatz hoffen wir noch auf die Zähringer Allee. Denn im Moment trainieren wir auf dem Platz am Kanal im Hahler Feld. Es ist zwar besser als nichts, aber der Platz ist ramponiert bis zum Gehtnichtmehr. In Hausberge gibt es die Tradition, nach Siegen einen Schnaps zu trinken. Trinkt man bei Makedonikos das Nationalgetränk Ouzo? Nein, nein. Wenn jemand Geburtstag hat, bringt er mal eine Kiste mit. Nach Spielen bleiben wir meist in der Kabine zusammen. Denn wir haben kein Vereinsheim als Rückzugsort. Dann hören wir Musik, keinen Sirtaki, aber griechische Popmusik. Irineos ist selbsternannter DJ. Er spielt aber auch Musik für die Portugiesen oder Italiener im Team. Unser Trainer Renato hört zum Beispiel gerne die alten Schinken von Eros Ramazotti. Ich hoffe, die Pandemie ist bald überstanden, und wir können uns wieder näher kommen.

„Makedonikos lebt wieder“: Ioannis Iakovidis über Vergangenheit und Ziele des griechischen Vereins

Außenverteidiger Ioannis Iakovidis (rechts) bei einem seiner Offensivausflüge für Fußball-C-Ligist Makedonikos Minden. Foto: Kyra Bose / privat © Kyra Bose / privat

Minden. „Kleiner Terrier" nannten sie ihn einst bei der SV Bölhorst-Häverstädt. „Ich bin nicht der Größte und gebe ungern auf", erklärt Ioannis Iakovidis seinen Spitznamen. Heute führt der 26-jährige Außenverteidiger mit Makedonikos Minden die Tabelle der Fußball-Kreisliga C2 an. Dass der griechische Verein nach der Auflösung 2013 überhaupt wieder existiert, ist auch dem Vorstandsmitglied zu verdanken. Im MT-Interview zur Corona-Pause spricht Schriftführer Ioannis Iakovidis über die Entwicklung seit der Neugründung 2019, über die Aufstiegsziele und über Mannschaftsfeiern mit Eros Ramazotti statt Sirtaki.

In der zweiten Runde des diesjährigen Kreispokals waren Sie und Ihre Mannschaft drauf und dran, den favorisierten Bezirksligisten Lahde/Quetzen auszuschalten. Was fehlte zur Überraschung?

Das Spiel lief eigentlich wie im Bilderbuch. Flutlicht, Pokal. Wir haben uns als Außenseiter nicht versteckt. Für den späten Gegentreffer zum 1:2 in der 90. konnte keiner etwas. Wir klären unglücklich den langen Ball und der Abpraller rutscht ins Tor. Unterm Strich war das ärgerlich. Gedanklich waren wir – glaube ich – schon im Elfmeterschießen. Ich zumindest.

In der Fußball-Kreisliga C2 sind Sie mit Makedonikos Minden Tabellenführer. Ihre Mannschaft hat alle bisherigen sieben Saisonspiele bis zur Corona-Pause gewonnen. Was macht das Team so stark?

Die Erfahrung. Viele von uns spielen schon jahrelang im Mühlenkreis. Ob Irineos Sidiropoulos oder Wassilios Kamenidis, das sind alles gestandene Fußballer. Hinzu kommt die Verbundenheit. Wir kennen uns von klein auf. Und auch wenn wir noch nicht perfekt eingespielt sind, ist das ein Vorteil. Ziel ist es, in die Kreisliga B aufzusteigen.

Wie haben sie Ihre Kindheit mit den heutigen Mitspielern verbracht?

Bis zur Auflösung des Vereins 2013 hat ein Großteil der heutigen Mannschaft noch in der Jugend gespielt. Weil Makedonikos keine Nachwuchsabteilung hatte, waren wir zwar in unterschiedlichen Vereinen aktiv, aber wenn unsere Väter für Makedonikos gespielt haben, haben wir immer zusammen am Spielfeldrand zugeguckt. Beim internationalen Turnier im Weserstadion durften wir im E-Jugendalter sogar mal als griechische Nationalelf ein Einlagespiel zwischen den offiziellen Partien bestreiten. Viele von uns sind gemeinsam zum Griechisch-Unterricht gegangen. Lesen, schreiben, griechische Geschichte lernen. Unsere Eltern haben darauf Wert gelegt. So haben wir uns die Tür nach Griechenland offen gehalten. Zu meiner Zeit waren wir 20 bis 30 Leute, die in der zehnten Klasse an der Gesamtschule einen Abschluss in herkunftssprachlichem Unterricht gemacht haben.

In Ihrer Jugendzeit galt Charalambos „Babis" Tsamaslidis bis zur Auflösung des Vereins als der große Macher von Makedonikos. Sie und Ihre Vorstandskollegen, haben Sie ihn nach der Neugründung in die Vereinsarbeit mit einbezogen?

„Babis" hat wohl jedes Amt bekleidet, dass es in einem Verein gibt. Er war Torwart und Verantwortlicher. Damals als er den Verein aufgelöst hat, war er erschöpft. Bevor die Leute den Spaß verlieren, wollte er lieber Schluss machen. Heute ist er noch immer Schiedsrichter. Makedonikos lebt wieder. Das findet er schön. Er möchte aber keinen Posten bekleiden. Wir sind jetzt alt genug, den Verein selbst zu führen. Eine neue Generation, die neue Wege geht. „Babis" steht uns dafür aber immer mit Rat und Tat zur Seite.

Ist bei Makedonikos heute alles so, wie Sie es als Kind in Erinnerung haben?

Es geht schon in die Richtung, ja. Irineos Sidiropoulos, Wassilios Kamenidis und ich haben den Verein wieder ins Leben gerufen. Viele haben sich darüber gefreut. Unser Hauptaugenmerk lag bei der Neugründung auf der Gemeinschaft. Unsere Heimspielstätte an der Michael-Ende-Schule ist zum Glück zentral gelegen. Ein idealer Platz für unsere Älteren im Verein. So müssen sie nicht so weit fahren. Als dann selbst 50 Leute beim ersten Saisonspiel in Wasserstraße waren, war das einfach schön. Ich würde mich freuen, wenn die Kinder unsere Gemeinschaft als genauso toll empfinden wie wir früher. Als es den Verein nicht gab, hat es in den letzten Jahren jedenfalls keinen Treffpunkt gegeben. Die Gruppe ist dadurch ein wenig auseinandergegangen. Das ist jetzt wieder anders.

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Ist anders als früher deshalb nun auch eine Jugendabteilung geplant?

Das wäre in der Zukunft schon schön, aber sehr gewagt. Denn wenn man so etwas macht, dann muss es auch verbindlich sein. Da kann man nicht plötzlich sagen, jetzt ist es wieder vorbei, weil wir die Mannschaft nicht vollbekommen. Ich bin ja bei der SV Bölhorst-Häverstädt auch als stellvertretender Jugendleiter aktiv. Der Verein macht da gute Arbeit. Da haben wir bereits eine Jugendspielgemeinschaft mit Barkhausen. Mit Makedonikos stehen wir dagegen ganz am Anfang.

Und bei den Senioren, wie sehen die sportlichen Planungen da aus?

Ein Großteil der Mannschaft hat schon für die kommende Saison zugesagt. Und auch unser Trainer Renato d’Auria hat noch nichts anderes von sich hören lassen. Wir als Mannschaft haben auch keine Ambitionen, ihn loszuwerden. Als zukünftigen Trainingsplatz hoffen wir noch auf die Zähringer Allee. Denn im Moment trainieren wir auf dem Platz am Kanal im Hahler Feld. Es ist zwar besser als nichts, aber der Platz ist ramponiert bis zum Gehtnichtmehr.

In Hausberge gibt es die Tradition, nach Siegen einen Schnaps zu trinken. Trinkt man bei Makedonikos das Nationalgetränk Ouzo?

Nein, nein. Wenn jemand Geburtstag hat, bringt er mal eine Kiste mit. Nach Spielen bleiben wir meist in der Kabine zusammen. Denn wir haben kein Vereinsheim als Rückzugsort. Dann hören wir Musik, keinen Sirtaki, aber griechische Popmusik. Irineos ist selbsternannter DJ. Er spielt aber auch Musik für die Portugiesen oder Italiener im Team. Unser Trainer Renato hört zum Beispiel gerne die alten Schinken von Eros Ramazotti. Ich hoffe, die Pandemie ist bald überstanden, und wir können uns wieder näher kommen.

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