MT-Serie "Zu zweit": Der Trainer und sein verlängerter Arm Patrick Schwemling Minden (ps). Auf den Tag genau acht Jahre wird es am 3. März her sein, als sich die Wege von Eugen Laschenko und Bernd Rust erstmals kreuzten. Damals, im Vorfrühling des Jahres 2011, übernimmt Rust als Trainer den abstiegsgefährdeten Fußball-Kreisligisten TuS Windheim, für den Laschenko seinerzeit seine Fußballschuhe schnürt. Seitdem haben sich die Wege der beiden – in sportlicher Hinsicht – nicht mehr getrennt. Inzwischen ist Bernd Rust Trainer bei SV Bölhorst-Häverstädt, der 31-jährige Laschenko als Kapitän der verlängerte Arm des 52-Jährigen auf dem Spielfeld. Ein nervenaufreibender Abstiegskampf, ein sensationeller Aufstieg, über 200 Spiele und noch viel mehr schweißtreibenden Trainingseinheiten liegen bis jetzt hinter dem Duo. Und in eineinhalb Monaten? „Da sind wir auch verabredet", sagt Rust. Ausgerechnet zum achtjährigen Jahrestag endet nämlich die Winterpause in der Kreisliga A und die zwei treffen mit ihrer Mannschaft auf den SV Hausberge. Bei einem Sieg winkt der Sprung auf den dritten Tabellenplatz. Auch ein Verdienst von Laschenko, der Rust zur Spielzeit 2017/18 vom TuS Windheim zur SVBH folgte – ein Vorgang, der in der Fußballszene nicht gern gesehen wird. „Allerdings hatte ich schon bevor klar war, dass Bernd in Bölhorst Trainer wird, gesagt, dass ich nicht mehr für Windheim spielen werde", erinnert sich der Defensivmann, der in den Vorjahren schon zu einem Wechsel zur SVBH bewegt werden sollte. „In dem Jahr hat es dann gepasst und Bernd hatte da sicher seine Finger im Spiel", sagt Laschenko. Dessen Förderer hätte sich die Dienste seines jetzigen Kapitäns wahrscheinlich gar nicht gesichert, doch im Wissen des sowieso feststehenden Abgangs sagte er sich: „Bevor Eugen woanders hingeht, will ich ihn lieber in meiner Mannschaft haben." Das ist jetzt ungefähr zwei Jahre her, seit dem Sommer 2017 ist Laschenko ein zentraler Baustein im Spielsystem seines Trainers. „Das war er in Windheim schon", sagt der A-Lizenz-Inhaber Rust über seinen Schützling. Der war schon immer ein Führungsspieler, aber Kapitän ist er in dieser Saison zum ersten Mal. „Als wir zusammen in Windheim gearbeitet haben, war immer ein anderer Kapitän. Ich war in der Zeit oft der Vertreter", erinnert sich Laschenko. Das war auch in der Vorsaison der Fall, obwohl der Großteil der Mannschaft ihn als Kapitän wollte. „Weil er zuverlässig ist und von allen respektiert ist. Er ist ein Vorbild und ein Kapitän, wie ich ihn mir besser nicht vorstellen kann", charakterisiert Rust seinen Schützling. Dieser zierte sich jedoch zunächst und lehnte das Amt ab: „Weil ich neu war. Da wollte ich es noch nicht machen." Vor dieser Spielzeit führte jedoch kein Weg mehr daran vorbei, in der Vorbereitung wählte ihn die Mannschaft fast einstimmig um Spielführer. Seitdem ist er Bindeglied zwischen der Mannschaft und Trainer – oft sprechen sich die beiden über Dinge, die die Mannschaft bewegen ab. „Das kann alles mögliche sein: Personalentscheidungen, Planung von Feiern oder was noch so ansteht", erklärt Rust. Unter anderem ist Laschenko der erste Ansprechpartner seines Trainer auf dem Platz. „Er ist der verlängerte Arm von mir", bemüht Rust eine abgedroschene Phase, die aber perfekt zu der Zusammenarbeit passt. „Früher als Spielertrainer konnte ich direkt auf dem Platz eingreifen, und den Spielern Anweisungen geben. Von der Seitenlinie ist das nicht immer so leicht", erklärt der Trainer. Immer dann, wenn es Probleme gibt, gilt der erste Blick, der erste Ruf seinem Kapitän, dem er in Spielunterbrechungen Anweisungen gibt. Für Rust sei es losgelöst von sportlichen Themen besonders wichtig jemanden zu haben, der noch näher an der Mannschaft ist als er selbst. „Manche Dinge sieht man als Trainer mit anderen Augen als ein Spieler", sagt Laschenko, der dementsprechend auch öfter mal einen Tipp für seinen Trainer parat hat. Diese nimmt sich Rust auch meist zu Herzen – auch weil die beiden sich bestens kennen. Keinen Spieler in seiner Karriere hat Bernd Rust länger trainiert als Laschenko, andersrum sieht es genauso aus. „Da gibt es keinen anderen, auch nicht im Jugendbereich. Von Bernd habe ich mit Sicherheit am meisten gelernt und tue es heute noch", sagt Laschenko. Abnutzungserscheinungen sind bei Trainer und Kapitän auch nach acht Jahren nicht vorhanden – auch wenn es hier und da schon einmal eine Meinungsverschiedenheit gab. Wenn es nach den beiden geht, werden zu den acht Jahren noch ein paar hinzukommen: „Bernd hat schon verlängert und wenn nichts Unerwartetes passiert, dann spiele ich in der nächsten Serie auch in Bölhorst." Nur eine Sache könnte zum abrupten Ende der Zusammenarbeit führen. „Wenn wir noch einmal aufsteigen, dann beende ich sofort meine Karriere", kündigt Laschenko an. Worte, die sein Trainer nicht so gerne hört – bräuchte er ihn doch auch in einer höheren Liga. Doch dann lenkt er ein: „Das wäre in der Tat ein krönender Abschluss." ZUM THEMA Bei der MT-Serie „Zu zweit" geht es um ein Team, das aus vielerlei Gründen zu zweit unterwegs ist: im Leben, im Beruf, beim Hobby. Manchmal sind die beiden so aufeinander angewiesen, dass sie ihre Aufgabe ohne den anderen nicht erfüllen könnten. Manchmal ist die Zweisamkeit selbst gewählt. Die MT-Redaktion freut sich über Vorschläge – am besten per E-Mail mit einer kurzen Beschreibung, warum gerade diese beiden Vorgeschlagenen etwas Besonderes sind. Stichwort: „Zu zweit",E-Mail: lokales@MT.de

MT-Serie "Zu zweit": Der Trainer und sein verlängerter Arm

Bernd Rust ist froh mit Laschenko einen direkten Ansprechpartner auf dem Feld zu haben. MT-Fotos: Külbel

Minden (ps). Auf den Tag genau acht Jahre wird es am 3. März her sein, als sich die Wege von Eugen Laschenko und Bernd Rust erstmals kreuzten. Damals, im Vorfrühling des Jahres 2011, übernimmt Rust als Trainer den abstiegsgefährdeten Fußball-Kreisligisten TuS Windheim, für den Laschenko seinerzeit seine Fußballschuhe schnürt. Seitdem haben sich die Wege der beiden – in sportlicher Hinsicht – nicht mehr getrennt. Inzwischen ist Bernd Rust Trainer bei SV Bölhorst-Häverstädt, der 31-jährige Laschenko als Kapitän der verlängerte Arm des 52-Jährigen auf dem Spielfeld.

Ein nervenaufreibender Abstiegskampf, ein sensationeller Aufstieg, über 200 Spiele und noch viel mehr schweißtreibenden Trainingseinheiten liegen bis jetzt hinter dem Duo. Und in eineinhalb Monaten? „Da sind wir auch verabredet", sagt Rust. Ausgerechnet zum achtjährigen Jahrestag endet nämlich die Winterpause in der Kreisliga A und die zwei treffen mit ihrer Mannschaft auf den SV Hausberge. Bei einem Sieg winkt der Sprung auf den dritten Tabellenplatz.

Eugen Laschenko ist als Kapitän ein zentraler Baustein im Spielsystem seines Trainers Bernd Rust.
Eugen Laschenko ist als Kapitän ein zentraler Baustein im Spielsystem seines Trainers Bernd Rust.

Auch ein Verdienst von Laschenko, der Rust zur Spielzeit 2017/18 vom TuS Windheim zur SVBH folgte – ein Vorgang, der in der Fußballszene nicht gern gesehen wird. „Allerdings hatte ich schon bevor klar war, dass Bernd in Bölhorst Trainer wird, gesagt, dass ich nicht mehr für Windheim spielen werde", erinnert sich der Defensivmann, der in den Vorjahren schon zu einem Wechsel zur SVBH bewegt werden sollte. „In dem Jahr hat es dann gepasst und Bernd hatte da sicher seine Finger im Spiel", sagt Laschenko. Dessen Förderer hätte sich die Dienste seines jetzigen Kapitäns wahrscheinlich gar nicht gesichert, doch im Wissen des sowieso feststehenden Abgangs sagte er sich: „Bevor Eugen woanders hingeht, will ich ihn lieber in meiner Mannschaft haben."

Das ist jetzt ungefähr zwei Jahre her, seit dem Sommer 2017 ist Laschenko ein zentraler Baustein im Spielsystem seines Trainers. „Das war er in Windheim schon", sagt der A-Lizenz-Inhaber Rust über seinen Schützling. Der war schon immer ein Führungsspieler, aber Kapitän ist er in dieser Saison zum ersten Mal. „Als wir zusammen in Windheim gearbeitet haben, war immer ein anderer Kapitän. Ich war in der Zeit oft der Vertreter", erinnert sich Laschenko. Das war auch in der Vorsaison der Fall, obwohl der Großteil der Mannschaft ihn als Kapitän wollte.

„Weil er zuverlässig ist und von allen respektiert ist. Er ist ein Vorbild und ein Kapitän, wie ich ihn mir besser nicht vorstellen kann", charakterisiert Rust seinen Schützling. Dieser zierte sich jedoch zunächst und lehnte das Amt ab: „Weil ich neu war. Da wollte ich es noch nicht machen." Vor dieser Spielzeit führte jedoch kein Weg mehr daran vorbei, in der Vorbereitung wählte ihn die Mannschaft fast einstimmig um Spielführer.

Seitdem ist er Bindeglied zwischen der Mannschaft und Trainer – oft sprechen sich die beiden über Dinge, die die Mannschaft bewegen ab. „Das kann alles mögliche sein: Personalentscheidungen, Planung von Feiern oder was noch so ansteht", erklärt Rust. Unter anderem ist Laschenko der erste Ansprechpartner seines Trainer auf dem Platz. „Er ist der verlängerte Arm von mir", bemüht Rust eine abgedroschene Phase, die aber perfekt zu der Zusammenarbeit passt.

„Früher als Spielertrainer konnte ich direkt auf dem Platz eingreifen, und den Spielern Anweisungen geben. Von der Seitenlinie ist das nicht immer so leicht", erklärt der Trainer. Immer dann, wenn es Probleme gibt, gilt der erste Blick, der erste Ruf seinem Kapitän, dem er in Spielunterbrechungen Anweisungen gibt.

Für Rust sei es losgelöst von sportlichen Themen besonders wichtig jemanden zu haben, der noch näher an der Mannschaft ist als er selbst. „Manche Dinge sieht man als Trainer mit anderen Augen als ein Spieler", sagt Laschenko, der dementsprechend auch öfter mal einen Tipp für seinen Trainer parat hat.

Diese nimmt sich Rust auch meist zu Herzen – auch weil die beiden sich bestens kennen. Keinen Spieler in seiner Karriere hat Bernd Rust länger trainiert als Laschenko, andersrum sieht es genauso aus. „Da gibt es keinen anderen, auch nicht im Jugendbereich. Von Bernd habe ich mit Sicherheit am meisten gelernt und tue es heute noch", sagt Laschenko. Abnutzungserscheinungen sind bei Trainer und Kapitän auch nach acht Jahren nicht vorhanden – auch wenn es hier und da schon einmal eine Meinungsverschiedenheit gab.

Wenn es nach den beiden geht, werden zu den acht Jahren noch ein paar hinzukommen: „Bernd hat schon verlängert und wenn nichts Unerwartetes passiert, dann spiele ich in der nächsten Serie auch in Bölhorst." Nur eine Sache könnte zum abrupten Ende der Zusammenarbeit führen. „Wenn wir noch einmal aufsteigen, dann beende ich sofort meine Karriere", kündigt Laschenko an. Worte, die sein Trainer nicht so gerne hört – bräuchte er ihn doch auch in einer höheren Liga. Doch dann lenkt er ein: „Das wäre in der Tat ein krönender Abschluss."

ZUM THEMA

Bei der MT-Serie „Zu zweit" geht es um ein Team, das aus vielerlei Gründen zu zweit unterwegs ist: im Leben, im Beruf, beim Hobby. Manchmal sind die beiden so aufeinander angewiesen, dass sie ihre Aufgabe ohne den anderen nicht erfüllen könnten. Manchmal ist die Zweisamkeit selbst gewählt.

Die MT-Redaktion freut sich über Vorschläge – am besten per E-Mail mit einer kurzen Beschreibung, warum gerade diese beiden Vorgeschlagenen etwas Besonderes sind.

Stichwort: „Zu zweit",E-Mail: lokales@MT.de

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