MT-Serie Training in der Krise: „Nur Laufen ist das Schlimmste“ - die unterschiedlichen Strategien der Fußballer Sebastian Külbel Minden. Der Blick aus dem Fenster macht die Fußballer der Region zurzeit wehmütig. „Es ist surreal: Man hat Bock auf Fußball, und es geht nicht“, sagt Jan-Werner Schmitz. RW Maaslingens Trainer und seine Kollegen im Kreis müssen wie alle anderen Sportarten mit der Zeit des Stillstands in der Corona-Krise umgehen. Dabei gibt es unterschiedliche Ansätze. Ein Großteil hält es wohl wie Landesligist RWM, für den Schmitz im Moment keine festen Vorgaben macht: „Jeder hat den Anspruch, auf einem gewissen Niveau Fußball spielen zu wollen. Da erwarte ich auch den Ehrgeiz, eigenständig laufen zu gehen.“ Überprüfen will der Coach seine Spieler nicht: „Es geht nichts über Eigenmotivation.“ Ähnlich sieht es FT Dützens Trainer Patrick Zweck, der in der Krise ebenfalls auf Anweisungen verzichtet: „Wir sind alle Sportler und wollen eine grundlegende Fitness erhalten. Manche machen mehr, manche weniger – wie im normalen Trainingsbetrieb auch.“ Einige seiner Bezirksliga-Kicker haben sich mit weiteren Aktiven aus der Szene über eine Lauf-App vernetzt und vergleichen dort ihre Leistungen. Dass anderen die einsamen Runden durch die Natur schwerer fallen, ist aber auch Zweck bewusst: „Für Fußballer ist es das Schlimmste, nur zu laufen. Mit Ball kann man drei Stunden trainieren, laufen wird für viele schon nach 15 Minuten schwer.“ Eine Kontrolle der Spieler macht für ihn auch aus einem anderen Grund zurzeit keinen Sinn: „Es ist ja völlig offen, wann es wieder losgeht. Und wenn, dann müssten wir nach dieser langen Pause sowieso erstmal eine richtige Vorbereitung machen.“ Ganz anders gehen die Westfalenliga-Frauen der SV Kutenhausen-Todtenhausen mit der Zwangspause um. Auch bei ihnen steht individuelles Training auf dem Programm, allerdings mit Hilfe einer App, über die sich die Leistungen vergleichen lassen. „Es gibt ein Wochenziel mit bestimmten Vorgaben, was zu erledigen ist“, schildert Trainer Ronny Vogt: „Die Spielerinnen können die Übungen aber selbst zusammenstellen.“ Die Dokumentation per Handy fördere den Teamgedanken: „Jede sieht, was die anderen machen. Manche trainieren auch parallel und vergleichen sich dann.“ Zudem werden über die App Punkte vergeben, das Training wird zur Challenge. „Das ist auch auch ein kleiner Ansporn“, sagt Vogt. Der hat sich auch schon mit Einheiten per Videokonferenz befasst: „Wenn wir wissen, ob und wann die Saison weitergeht, könnten wir Teamtraining über Zoom machen.“ Ganz so ambitioniert geht es in der Kreisliga nicht zu, wenngleich etwa Dirk Mayer bei der SG Gorspen-Vahlsen/Windheim klare Vorgaben macht: „Ich schreibe Wochenpläne mit Intervallläufen, Athletik-Bausteinen oder auch mal Seilspringen.“ Und trotz fehlender Kontrolle ist er guter Dinge, dass seine Spieler diese Einheiten durchziehen – auch aus Eigennutz: „Wenn es wieder losgeht, wird es ein Kaltstart mit vielen Englischen Wochen. Wer da nicht fit ist, schafft das nicht.“ Neben der üblichen WhatsApp-Gruppe hält Mayer übrigens auf traditionelle Art Kontakt zum Team: „Ich habe einfach mal etwas länger mit den Spielern telefoniert. Da geht es auch darum, das auszutauschen, worüber man sonst in der Kabine so spricht.“ Beim SV Hausberge liegt der Sportbetrieb dagegen „komplett auf Eis“, wie Trainer Marcel Wallbaum sagt: „Ich habe den Jungs empfohlen, sich fit zu halten. Mehr kann ich nicht verlangen, da muss man realistisch sein. Vielleicht wäre es anders, wenn wir oben mitspielen würden.“ So jedoch ordnet er die Bedeutung des eigenen Schaffens der gesellschaftlichen Situation unter: „Es ist auch nur Amateurfußball, da sollten wir die Kirche im Dorf lassen.“ Dass seine Spieler zurzeit wenig an ihr Hobby denken, zeigte sich auch am Versuch, einen Mannschaftsabend über WhatsApp zu veranstalten: „Da war die Resonanz nicht so groß, und dann ist daraus nichts geworden“, erzählt Wallbaum. Trainer-Meinungen zur Saisonfortsetzung Dirk Mayer (SG Gorspen-Vahlsen/Windheim): Wir sollten die Saison auf jeden Fall zu Ende spielen. Man tritt sonst alles mit Füßen, was bisher sportlich gelaufen ist. Wir sollten einen sportlichen Abschluss haben – auch wenn es bis September dauert. Marcel Wallbaum (SV Hausberge): Das Sinnvollste wäre es, die Saison zu annullieren. Keiner steigt auf, keiner steigt ab, alles startet neu. Bei allen anderen Lösungen würde es größere Aufstände geben.“ Ronny Vogt (SV Kutenhausen-Todtenhausen Frauen): Ich glaube nicht, dass wir im Mai wieder auf dem Platz stehen, und dann wird es eng. Wir würden eine sportliche Lösung einem Saisonende auf dem Papier vorziehen. Aber die Gesundheit darf nicht gefährdet werden. Und man sieht ja, dass sich auch der Verband schwer tut. Patrick Zweck (FT Dützen): Grundsätzlich wollen wir die Saison zu Ende spielen. Bei einem Abbruch gibt es immer Vereine, die sich ungerecht behandelt fühlen. Aber wir nehmen es so, wie es entschieden wird. Denn der Sport steht im Moment ganz hinten. (kül) Training in der Krise Der Sport steht still, Athleten und Trainer hängen in der Luft: Wann geht es endlich wieder los? Wann werden die Sportstätten geöffnet? Wann gehen Wettbewerbe und Meisterschaften weiter? Mit der MT-Serie „Training in der Krise“ gibt die Sportredaktion einen Überblick, wie sich die heimischen Sportler in Zeiten des Coronavirus fit halten.

MT-Serie Training in der Krise: „Nur Laufen ist das Schlimmste“ - die unterschiedlichen Strategien der Fußballer

Vor dem Bezirksliga-Derby zwischen Dützen und der SVKT halten beide Teams bei einer Schweigeminute inne. In der Corona-Krise steht der komplette Fußball still. MT- © Foto: Fabian Terwey

Minden. Der Blick aus dem Fenster macht die Fußballer der Region zurzeit wehmütig. „Es ist surreal: Man hat Bock auf Fußball, und es geht nicht“, sagt Jan-Werner Schmitz. RW Maaslingens Trainer und seine Kollegen im Kreis müssen wie alle anderen Sportarten mit der Zeit des Stillstands in der Corona-Krise umgehen. Dabei gibt es unterschiedliche Ansätze.

Ein Großteil hält es wohl wie Landesligist RWM, für den Schmitz im Moment keine festen Vorgaben macht: „Jeder hat den Anspruch, auf einem gewissen Niveau Fußball spielen zu wollen. Da erwarte ich auch den Ehrgeiz, eigenständig laufen zu gehen.“ Überprüfen will der Coach seine Spieler nicht: „Es geht nichts über Eigenmotivation.“

Ähnlich sieht es FT Dützens Trainer Patrick Zweck, der in der Krise ebenfalls auf Anweisungen verzichtet: „Wir sind alle Sportler und wollen eine grundlegende Fitness erhalten. Manche machen mehr, manche weniger – wie im normalen Trainingsbetrieb auch.“ Einige seiner Bezirksliga-Kicker haben sich mit weiteren Aktiven aus der Szene über eine Lauf-App vernetzt und vergleichen dort ihre Leistungen.

Dass anderen die einsamen Runden durch die Natur schwerer fallen, ist aber auch Zweck bewusst: „Für Fußballer ist es das Schlimmste, nur zu laufen. Mit Ball kann man drei Stunden trainieren, laufen wird für viele schon nach 15 Minuten schwer.“ Eine Kontrolle der Spieler macht für ihn auch aus einem anderen Grund zurzeit keinen Sinn: „Es ist ja völlig offen, wann es wieder losgeht. Und wenn, dann müssten wir nach dieser langen Pause sowieso erstmal eine richtige Vorbereitung machen.“

Ganz anders gehen die Westfalenliga-Frauen der SV Kutenhausen-Todtenhausen mit der Zwangspause um. Auch bei ihnen steht individuelles Training auf dem Programm, allerdings mit Hilfe einer App, über die sich die Leistungen vergleichen lassen. „Es gibt ein Wochenziel mit bestimmten Vorgaben, was zu erledigen ist“, schildert Trainer Ronny Vogt: „Die Spielerinnen können die Übungen aber selbst zusammenstellen.“

Die Dokumentation per Handy fördere den Teamgedanken: „Jede sieht, was die anderen machen. Manche trainieren auch parallel und vergleichen sich dann.“ Zudem werden über die App Punkte vergeben, das Training wird zur Challenge. „Das ist auch auch ein kleiner Ansporn“, sagt Vogt. Der hat sich auch schon mit Einheiten per Videokonferenz befasst: „Wenn wir wissen, ob und wann die Saison weitergeht, könnten wir Teamtraining über Zoom machen.“

Ganz so ambitioniert geht es in der Kreisliga nicht zu, wenngleich etwa Dirk Mayer bei der SG Gorspen-Vahlsen/Windheim klare Vorgaben macht: „Ich schreibe Wochenpläne mit Intervallläufen, Athletik-Bausteinen oder auch mal Seilspringen.“ Und trotz fehlender Kontrolle ist er guter Dinge, dass seine Spieler diese Einheiten durchziehen – auch aus Eigennutz: „Wenn es wieder losgeht, wird es ein Kaltstart mit vielen Englischen Wochen. Wer da nicht fit ist, schafft das nicht.“

Neben der üblichen WhatsApp-Gruppe hält Mayer übrigens auf traditionelle Art Kontakt zum Team: „Ich habe einfach mal etwas länger mit den Spielern telefoniert. Da geht es auch darum, das auszutauschen, worüber man sonst in der Kabine so spricht.“

Beim SV Hausberge liegt der Sportbetrieb dagegen „komplett auf Eis“, wie Trainer Marcel Wallbaum sagt: „Ich habe den Jungs empfohlen, sich fit zu halten. Mehr kann ich nicht verlangen, da muss man realistisch sein. Vielleicht wäre es anders, wenn wir oben mitspielen würden.“ So jedoch ordnet er die Bedeutung des eigenen Schaffens der gesellschaftlichen Situation unter: „Es ist auch nur Amateurfußball, da sollten wir die Kirche im Dorf lassen.“ Dass seine Spieler zurzeit wenig an ihr Hobby denken, zeigte sich auch am Versuch, einen Mannschaftsabend über WhatsApp zu veranstalten: „Da war die Resonanz nicht so groß, und dann ist daraus nichts geworden“, erzählt Wallbaum.

Trainer-Meinungen zur Saisonfortsetzung

Dirk Mayer (SG Gorspen-Vahlsen/Windheim): Wir sollten die Saison auf jeden Fall zu Ende spielen. Man tritt sonst alles mit Füßen, was bisher sportlich gelaufen ist. Wir sollten einen sportlichen Abschluss haben – auch wenn es bis September dauert.

Marcel Wallbaum (SV Hausberge): Das Sinnvollste wäre es, die Saison zu annullieren. Keiner steigt auf, keiner steigt ab, alles startet neu. Bei allen anderen Lösungen würde es größere Aufstände geben.“

Ronny Vogt (SV Kutenhausen-Todtenhausen Frauen): Ich glaube nicht, dass wir im Mai wieder auf dem Platz stehen, und dann wird es eng. Wir würden eine sportliche Lösung einem Saisonende auf dem Papier vorziehen. Aber die Gesundheit darf nicht gefährdet werden. Und man sieht ja, dass sich auch der Verband schwer tut.

Patrick Zweck (FT Dützen): Grundsätzlich wollen wir die Saison zu Ende spielen. Bei einem Abbruch gibt es immer Vereine, die sich ungerecht behandelt fühlen. Aber wir nehmen es so, wie es entschieden wird. Denn der Sport steht im Moment ganz hinten. (kül)

Training in der Krise

Der Sport steht still, Athleten und Trainer hängen in der Luft: Wann geht es endlich wieder los? Wann werden die Sportstätten geöffnet? Wann gehen Wettbewerbe und Meisterschaften weiter? Mit der MT-Serie „Training in der Krise“ gibt die Sportredaktion einen Überblick, wie sich die heimischen Sportler in Zeiten des Coronavirus fit halten.

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