MT-Interview: So bringt FT Dützens Pierre Badde seine Gegenspieler aus dem Konzept Fabian Terwey Minden. Zwangspausen wie den aktuellen Corona-Lockdown kennt Pierre Badde nur zu gut. Vor seinem Comeback bei Fußball-Bezirksligist FT Dützen in dieser Saison hatte der Linksverteidiger aus dem Mannschaftsrat ganze zwei Jahre lang mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Eine Lymphknoten-OP und eine Schambeinentzündung verdammten ihn zum Zuschauen. Obendrein zog sich der gelernte Dachdecker bei der Arbeit einen Bandscheibenvorfall zu und kann seitdem seinen erlernten Beruf nicht mehr ausüben. Mittlerweile schult er zum Erzieher um. Über seinen ungewöhnlichen Positionswechsel vom Torwart zum Linksverteidiger, sein ganz persönliches Ziel und über „überragende“ sowie „katastrophale“ Spiele in der bisherigen Saison spricht Pierre Badde im MT-Interview zur Corona-Pause. Pierre, dein Trainer Patrick Zweck bezeichnet dich als Dützer Urgestein. Wie sehr fehlt dir in der aktuellen Corona-Pause der heimische Platz? Es stimmt, ich gehöre in Dützen schon zum Inventar. Ich spiele seit 25 Jahren aus Leidenschaft Fußball. Schon mein Opa, mein Vater und auch mein Bruder haben Fußball gespielt und tun es teilweise noch immer. Ich bin sozusagen seit meiner Geburt an den Wochenenden immer auf dem Platz gewesen. Der Lockdown schmerzt da natürlich schon. Nicht spielen und auch nicht trainieren zu können, ist hart. Bereits seit der C-Jugend bist du für Dützen aktiv. Was zeichnet den Verein aus? Der Zusammenhalt ist gut, das Vereinsumfeld familiär. Jeder kennt jeden. Gemeinsam halten wir in unserer Freizeit, den Platz sauber. Das Sportheim ist mit eins der schönsten, das ich kenne. Nach Heimspielen sitzen wir mit einem Großteil der Mannschaft und den Zuschauern zusammen und trinken immer noch etwas. Das hat mein erster Trainer Mathias Kummer so eingeführt. Dein jetziger Coach ist Patrick Zweck. Ihr habt ein besonderes Verhältnis. Ja, das stimmt. Von Patti habe ich eine hohe Meinung. Ich kenne ihn schon länger. Ab und zu hatte ich in der Vergangenheit freiwillig bei ihm in der Zweiten ausgeholfen, als er dort noch Trainer war. Wir haben schon häufiger telefoniert, als ich noch pausieren musste. ‚Wenn du fit bist, komm so schnell wieder, wie es geht‘, hat er mir gesagt. Menschlich ist er top. Ich habe ihm bereits meine Zusage für die kommende Saison gegeben. Sportlich legt er viel Wert auf einfaches Spiel. Das heißt: Ballannahme und Weiterspielen statt nur ein Kontakt. Auf dem Platz sollen wir zudem nicht so viel negativ reden, uns stattdessen anfeuern. Das pusht dich. Nach acht Spielen seid ihr Tabellenzwölfter mit neun Punkten. Wie bewertest du euer bisheriges Abschneiden in der Liga? Es könnte besser laufen. Platz zwölf ist nicht unser Anspruch. Aber man muss auch sagen: Wir sind im Umbruch. Vor der Saison hatten wir so viele Abgänge und Neuzugänge – das braucht Zeit. Man muss sich erstmal aufeinander einstimmen. Trotzdem: Wir haben schon überragende Spiele gemacht. Zum Beispiel in Oetinghausen (6:5) oder gegen den TuSPO (5:0). Da haben wir den Ball gut laufen lassen. Wir hatten aber auch schon katastrophale Auftritte dabei. So wie gegen die SVKT (1:3) und Lohe (0:6). Im Großen und Ganzen bin ich aber zufrieden. Ich bin guter Dinge, dass wir uns reinbeißen, wenn es wieder losgeht. Mit 25 Gegentoren habt ihr die zweitmeisten der Liga. Was sind für dich als Abwehrspieler die Gründe? Das hat zum einen etwas mit unseren Ausreißerspielen wie gegen Lohe (0:6) zu tun, zum anderen mit individuellen Fehlern und Abstimmungsproblemen. Für mich persönlich ist es etwas Neues, links in einer Dreierkette zu spielen. Da habe ich mehr Aufgaben als Innenverteidiger statt wie gewohnt als linker Außenverteidiger die Linie rauf und runter zu laufen. Ich spiele aber überall dort, wo mich der Trainer hinstellt. Sogar im Tor hast du schon gespielt. Gegen Oetinghausen musstest du zwischen die Pfosten, weil euer Keeper Moritz Sander in der 88. Minute Gelb-Rot gesehen hatte und kein Ersatztorhüter auf der Bank saß. Wie hast du die Schlussphase als Keeper erlebt? Erstmal muss man sagen, dass ich ja bis zur A-Jugend Torwart war. Mein damaliger Trainer Nils Rottmann hatte dann aber einen neuen Keeper geholt und brauchte noch jemanden für die linke Bahn. Er wusste, dass ich neben dem Training noch mit meinem Vater in einer Gruppe Fußball spiele. Da als Feldspieler. Von da an habe ich auf links gespielt. Als Moritz in Oetinghausen vom Platz geflogen ist, hatte ich keine andere Wahl. Patti Zweck hat mich sofort ins Tor beordert. Also habe ich Moritz’ schwarzes Torwarttrikot genommen und mir seine Handschuhe angezogen. Es war alles schnell wieder wie früher und nichts Neues. Ich habe aber noch einen reingekriegt. Nach einer Ecke fiel einem Gegner der Ball genau vor die Füße. Gegen den Schuss konnte ich nichts mehr machen. Zum Glück hat es am Ende noch zum Sieg gereicht. Wenn Not am Mann ist, helfe ich gerne wieder aus. Im ersten Jahr unter Mathias Kummer hatte ich ja auch schonmal einen Einsatz über 90 Minuten im Tor. Wie bewertest du als gelernter Torwart die Leistungen eurer Schlussmänner? Grundsätzlich haben wir mit Moritz und Tim Witte Torhüter, die es bisher gut gemacht haben. Sie sind aber auch beide noch jung. Ab und zu haben sie mal einen Fehler drin. Da musste ich auch durch. Torhüter und Linksaußen haben eine Macke, sagt eine Fußball-Weisheit. Du hast schon beide Positionen bekleidet. Was sagst du dazu? Ja, das kann ich für mich bestätigen. Ich spiele schon etwas anders. Als Torwart habe ich die Gegenspieler bei Ecken regelmäßig aus meiner Zone weggestoßen, als Feldspieler habe ich mir schon einige Feinde auf dem Platz gemacht. Ich gehe aggressiv in die Zweikämpfe und bringe meine Gegenspieler zur Weißglut, wenn ich sie bequatsche. Ich beleidige sie dabei nicht, aber ich bringe sie aus dem Konzept. Das hilft. Einige tragen mir das nach, andere haben es nach dem Spiel schon wieder vergessen. Welche Ziele hast du dir für die verbleibende Saison gesteckt? In der Meisterschaft wird es schwer. Da hoffe ich, dass wir überhaupt irgendwann mal weiterspielen können. Wir wollen uns weiter steigern und als Mannschaft zusammenwachsen. Ich möchte unter die ersten fünf kommen. Im Kreispokal stehen wir im Viertelfinale (Anmerkung der Redaktion: Auswärts bei A-Kreisligist SG Gorspen-Vahlsen/Windheim). Unser ganz klares Mindestziel war schon vor der Saison das Halbfinale. Mein persönliches Ziel ist jedes Jahr: Ich will das Ding gewinnen. Das haben wir zuletzt 2015 unter Mathias Kummer geschafft (Anmerkung der Redaktion: 2:0-Sieg gegen Union Minden).

MT-Interview: So bringt FT Dützens Pierre Badde seine Gegenspieler aus dem Konzept

Dützens Linksverteidger Pierre Badde (rechts) jubelt mit Maurice Hergott. © Fabian Terwey

Minden. Zwangspausen wie den aktuellen Corona-Lockdown kennt Pierre Badde nur zu gut. Vor seinem Comeback bei Fußball-Bezirksligist FT Dützen in dieser Saison hatte der Linksverteidiger aus dem Mannschaftsrat ganze zwei Jahre lang mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Eine Lymphknoten-OP und eine Schambeinentzündung verdammten ihn zum Zuschauen. Obendrein zog sich der gelernte Dachdecker bei der Arbeit einen Bandscheibenvorfall zu und kann seitdem seinen erlernten Beruf nicht mehr ausüben. Mittlerweile schult er zum Erzieher um. Über seinen ungewöhnlichen Positionswechsel vom Torwart zum Linksverteidiger, sein ganz persönliches Ziel und über „überragende“ sowie „katastrophale“ Spiele in der bisherigen Saison spricht Pierre Badde im MT-Interview zur Corona-Pause.

Pierre, dein Trainer Patrick Zweck bezeichnet dich als Dützer Urgestein. Wie sehr fehlt dir in der aktuellen Corona-Pause der heimische Platz?

Es stimmt, ich gehöre in Dützen schon zum Inventar. Ich spiele seit 25 Jahren aus Leidenschaft Fußball. Schon mein Opa, mein Vater und auch mein Bruder haben Fußball gespielt und tun es teilweise noch immer. Ich bin sozusagen seit meiner Geburt an den Wochenenden immer auf dem Platz gewesen. Der Lockdown schmerzt da natürlich schon. Nicht spielen und auch nicht trainieren zu können, ist hart.

Bereits seit der C-Jugend bist du für Dützen aktiv. Was zeichnet den Verein aus?

Der Zusammenhalt ist gut, das Vereinsumfeld familiär. Jeder kennt jeden. Gemeinsam halten wir in unserer Freizeit, den Platz sauber. Das Sportheim ist mit eins der schönsten, das ich kenne. Nach Heimspielen sitzen wir mit einem Großteil der Mannschaft und den Zuschauern zusammen und trinken immer noch etwas. Das hat mein erster Trainer Mathias Kummer so eingeführt.

Dein jetziger Coach ist Patrick Zweck. Ihr habt ein besonderes Verhältnis.

Ja, das stimmt. Von Patti habe ich eine hohe Meinung. Ich kenne ihn schon länger. Ab und zu hatte ich in der Vergangenheit freiwillig bei ihm in der Zweiten ausgeholfen, als er dort noch Trainer war. Wir haben schon häufiger telefoniert, als ich noch pausieren musste. ‚Wenn du fit bist, komm so schnell wieder, wie es geht‘, hat er mir gesagt. Menschlich ist er top. Ich habe ihm bereits meine Zusage für die kommende Saison gegeben. Sportlich legt er viel Wert auf einfaches Spiel. Das heißt: Ballannahme und Weiterspielen statt nur ein Kontakt. Auf dem Platz sollen wir zudem nicht so viel negativ reden, uns stattdessen anfeuern. Das pusht dich.

Nach acht Spielen seid ihr Tabellenzwölfter mit neun Punkten. Wie bewertest du euer bisheriges Abschneiden in der Liga?

Es könnte besser laufen. Platz zwölf ist nicht unser Anspruch. Aber man muss auch sagen: Wir sind im Umbruch. Vor der Saison hatten wir so viele Abgänge und Neuzugänge – das braucht Zeit. Man muss sich erstmal aufeinander einstimmen. Trotzdem: Wir haben schon überragende Spiele gemacht. Zum Beispiel in Oetinghausen (6:5) oder gegen den TuSPO (5:0). Da haben wir den Ball gut laufen lassen. Wir hatten aber auch schon katastrophale Auftritte dabei. So wie gegen die SVKT (1:3) und Lohe (0:6). Im Großen und Ganzen bin ich aber zufrieden. Ich bin guter Dinge, dass wir uns reinbeißen, wenn es wieder losgeht.

Mit 25 Gegentoren habt ihr die zweitmeisten der Liga. Was sind für dich als Abwehrspieler die Gründe?

Das hat zum einen etwas mit unseren Ausreißerspielen wie gegen Lohe (0:6) zu tun, zum anderen mit individuellen Fehlern und Abstimmungsproblemen. Für mich persönlich ist es etwas Neues, links in einer Dreierkette zu spielen. Da habe ich mehr Aufgaben als Innenverteidiger statt wie gewohnt als linker Außenverteidiger die Linie rauf und runter zu laufen. Ich spiele aber überall dort, wo mich der Trainer hinstellt.

Sogar im Tor hast du schon gespielt. Gegen Oetinghausen musstest du zwischen die Pfosten, weil euer Keeper Moritz Sander in der 88. Minute Gelb-Rot gesehen hatte und kein Ersatztorhüter auf der Bank saß. Wie hast du die Schlussphase als Keeper erlebt?

Erstmal muss man sagen, dass ich ja bis zur A-Jugend Torwart war. Mein damaliger Trainer Nils Rottmann hatte dann aber einen neuen Keeper geholt und brauchte noch jemanden für die linke Bahn. Er wusste, dass ich neben dem Training noch mit meinem Vater in einer Gruppe Fußball spiele. Da als Feldspieler. Von da an habe ich auf links gespielt. Als Moritz in Oetinghausen vom Platz geflogen ist, hatte ich keine andere Wahl. Patti Zweck hat mich sofort ins Tor beordert. Also habe ich Moritz’ schwarzes Torwarttrikot genommen und mir seine Handschuhe angezogen. Es war alles schnell wieder wie früher und nichts Neues. Ich habe aber noch einen reingekriegt. Nach einer Ecke fiel einem Gegner der Ball genau vor die Füße. Gegen den Schuss konnte ich nichts mehr machen. Zum Glück hat es am Ende noch zum Sieg gereicht. Wenn Not am Mann ist, helfe ich gerne wieder aus. Im ersten Jahr unter Mathias Kummer hatte ich ja auch schonmal einen Einsatz über 90 Minuten im Tor.

Wie bewertest du als gelernter Torwart die Leistungen eurer Schlussmänner?

Grundsätzlich haben wir mit Moritz und Tim Witte Torhüter, die es bisher gut gemacht haben. Sie sind aber auch beide noch jung. Ab und zu haben sie mal einen Fehler drin. Da musste ich auch durch.

Torhüter und Linksaußen haben eine Macke, sagt eine Fußball-Weisheit. Du hast schon beide Positionen bekleidet. Was sagst du dazu?

Ja, das kann ich für mich bestätigen. Ich spiele schon etwas anders. Als Torwart habe ich die Gegenspieler bei Ecken regelmäßig aus meiner Zone weggestoßen, als Feldspieler habe ich mir schon einige Feinde auf dem Platz gemacht. Ich gehe aggressiv in die Zweikämpfe und bringe meine Gegenspieler zur Weißglut, wenn ich sie bequatsche. Ich beleidige sie dabei nicht, aber ich bringe sie aus dem Konzept. Das hilft. Einige tragen mir das nach, andere haben es nach dem Spiel schon wieder vergessen.

Welche Ziele hast du dir für die verbleibende Saison gesteckt?

In der Meisterschaft wird es schwer. Da hoffe ich, dass wir überhaupt irgendwann mal weiterspielen können. Wir wollen uns weiter steigern und als Mannschaft zusammenwachsen. Ich möchte unter die ersten fünf kommen. Im Kreispokal stehen wir im Viertelfinale (Anmerkung der Redaktion: Auswärts bei A-Kreisligist SG Gorspen-Vahlsen/Windheim). Unser ganz klares Mindestziel war schon vor der Saison das Halbfinale. Mein persönliches Ziel ist jedes Jahr: Ich will das Ding gewinnen. Das haben wir zuletzt 2015 unter Mathias Kummer geschafft (Anmerkung der Redaktion: 2:0-Sieg gegen Union Minden).

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