MT-Interview: Andriko Salein erklärt den Aufschwung des FSC Eisbergen Astrid Plaßhenrich Porta Westfalica. Es läuft die letzte Spielminute. Fußball-Bezirksligist FSC Eisbergen liegt am letzten Sonntag im Oktober mit 1:2 gegen den TuS Dielingen zurück. Dann ein Pfiff. Elfmeter. Eisbergens Andriko Salein tritt zum Punkt an und verwandelt den Strafstoß zum 2:2. Drei Tage später: wieder ein Pfiff. Dieses Mal von der Bundesregierung. Der Amateursport wird im November eingefroren. Wie Salein die beiden Situationen erlebt hat und warum der erneute sportliche Lockdown für ihn doppelt bitter ist, erzählt der 25-Jährige im MT-Interview. Herr Salein, wann war klar, dass Sie den Elfmeter in der letzten Minute schießen? Als ich eingewechselt wurde, hatte ich mir vorgenommen: Wenn es einen Elfmeter gibt, dann schieße ich den. Als wir dann den ersten Strafstoß in der 64. Minute bekamen, war ich aber erst zwei Minuten auf dem Platz und mir nicht 100 Prozent sicher. Außerdem nahm sich Niklas Fehrmann sofort den Ball. Der aber zu genau zielte und den Ball an den Pfosten setzte. Genau. Beim zweiten Elfmeter in der Nachspielzeit wollte Niklas dann wieder schießen. Dass er sich nicht scheute, noch einmal die Verantwortung zu übernehmen, ist ihm gar nicht hoch genug anzurechnen. Das ist großartig. Von außen kamen dann aber Stimmen, dass ich schießen sollte und Niklas überließ mir den Ball. Hatten Sie einen Plan, als Sie zum Elfmeter antraten? Wir haben bereits in der vergangenen Saison gegen Dielingen einen Strafstoß bekommen. Von daher wusste ich, dass der Torwart bei Elfmetern immer viel auf der Linie herumhampelt. Ich habe dann einfach volles Pfund auf die Mitte gezielt – hat funktioniert. Für Sie ist der sportliche Lockdown besonders bitter. Nach einer Verletzung waren sie gerade wieder auf dem Sprung in die Startelf. Grundsätzlich hatte ich noch Glück im Unglück. Ich hatte mir am zweiten Spieltag gegen Vlotho nach einer halben Stunde einen Muskelfaserriss zugezogen. Mein Arzt hatte erst gesagt, dass ich mit einer Pause von zwei Monaten rechnen müsste. Da mein Physio Marian Maynert mich aber sofort behandelt hatte, stand ich drei Wochen später schon wieder auf dem Platz und habe dann auch schnell meine Einsatzzeiten erhalten. Wie hat Ihre Mannschaft den erneuten Lockdown hingenommen? Aufgrund der stetig steigenden Zahlen hatte es sich langsam aber sicher abgezeichnet. Vor dem Dielingen-Spiel hat unser Trainer Carsten Korff bereits gesagt, dass es höchstwahrscheinlich erst einmal unser letztes Spiel sein wird und wir es noch einmal genießen sollen. Dienstags darauf haben wir dann noch ein letztes Mal trainiert. Jetzt ist jeder Spieler wieder auf sich alleine gestellt und muss das Fitness-Programm von Keule (Spitzname von Carsten Korff, Anm. d. Red.) durchziehen. Wir müssen das Beste aus der Situation machen und hoffen, dass es schnellstmöglich weitergeht. Werden die Ergebnisse kontrolliert? Ja klar. Wir veröffentlichen sie auch selbst. Gerade jetzt bei dem tristen Wetter ist es besser, wenn man im Wettbewerb steht, als nur für sich selbst und gegen die Uhr zu laufen. Sie haben nach dem Bezirksliga-Aufstieg 2018 in den vergangenen beiden Jahren immer gegen den Abstieg gespielt. Jetzt haben Sie sich nach acht Spieltagen im Mittelfeld etabliert. War die Entwicklung absehbar? Es hat sich auf jeden Fall angedeutet. Nachdem wir nach dem ersten Lockdown wieder trainieren durften, hat man gleich gesehen, dass wir durch die Zugänge – sei es durch Niklas, Jan Fiebich oder Sören Borchert – deutlich an Potenzial hinzugewonnen haben, vor allem in der Offensive. Das lässt sich schon daran belegen, dass wir nach acht Spieltagen bereits mehr Tore geschossen haben als in der vergangenen Saison nach 15 Partien. Dazu ist unser Kader breiter aufgestellt, unser Trainer hat dadurch mehr Möglichkeiten. Für uns ist die erneute Pause schade, weil es richtig gut für uns lief. Aber wir schauen in der Tabelle trotzdem eher runter als rauf und gehen in jedes Spiel mit der Einstellung, dass wir um den Klassenerhalt spielen, auch wenn der Abstand bis zum ersten Abstiegsplatz bereits zehn Punkte sind. Trägt die dazugewonnene Erfahrung der vergangenen beiden Jahre zur Stabilität bei? Auf jeden Fall. Bei jedem einzelnen ist ein Entwicklungsprozess zu erkennen. Die Nolting-Zwillinge Malte und Jan sind dafür ein gutes Beispiel. Die beiden spielen jetzt viel abgeklärter und mit mehr Körpereinsatz als noch vor zwei Jahren, als sie aus der Jugend kamen. Welchen Anteil hat Ihr Trainer an der Steigerung? Den größten. Keule ist kein Trainer, der über die Autorität kommt. Bei ihm braucht niemand Angst haben, einen Fehler zu machen und dann gleich außen vor zu sein. Jeder Spieler kann sich unter ihm in Ruhe weiterentwickeln. Anders ist es aber wahrscheinlich auch nicht möglich. Wir sind eine sehr junge Mannschaft, von den neuen Spielern ist keiner älter als 19. Hat sich Ihr Spielsystem auch geändert? Wir agieren jetzt offensiver, halten den Gegner weiter von unserem Tor fern. In den ersten Jahren nach dem Aufstieg haben wir den Gegnern das Spiel machen lassen, das ist jetzt anders. Die offensivere Spielweise kommt uns mit unserer neuen Schnelligkeit über Außen und in der Spitze auch mehr entgegen. Was zeichnet den FSC Eisbergen aus? Ganz klar: der Zusammenhalt. Wir sind als Mannschaft ein eingeschworener Haufen, aber der ganze Verein ist eine Einheit. Es ist Wahnsinn, dass sich regelmäßig 150 bis 200 Zuschauer unsere Spiele anschauen. Wenn ich sehe, dass bei Auswärtsspielen oft tote Hose am Platz ist, ist das echt traurig.

MT-Interview: Andriko Salein erklärt den Aufschwung des FSC Eisbergen

Mann der späten Tore: Wie gegen Dielingen gelang Andriko Salein (Mitte) auch im Oktober 2018 gegen den SC Enger ein Tor. Es war das 2:1 in der 94. Minute. MT-Foto: Astrid Plaßhenrich © Astrid Plaßhenrich

Porta Westfalica. Es läuft die letzte Spielminute. Fußball-Bezirksligist FSC Eisbergen liegt am letzten Sonntag im Oktober mit 1:2 gegen den TuS Dielingen zurück. Dann ein Pfiff. Elfmeter. Eisbergens Andriko Salein tritt zum Punkt an und verwandelt den Strafstoß zum 2:2. Drei Tage später: wieder ein Pfiff. Dieses Mal von der Bundesregierung. Der Amateursport wird im November eingefroren. Wie Salein die beiden Situationen erlebt hat und warum der erneute sportliche Lockdown für ihn doppelt bitter ist, erzählt der 25-Jährige im MT-Interview.

Herr Salein, wann war klar, dass Sie den Elfmeter in der letzten Minute schießen?

Als ich eingewechselt wurde, hatte ich mir vorgenommen: Wenn es einen Elfmeter gibt, dann schieße ich den. Als wir dann den ersten Strafstoß in der 64. Minute bekamen, war ich aber erst zwei Minuten auf dem Platz und mir nicht 100 Prozent sicher. Außerdem nahm sich Niklas Fehrmann sofort den Ball.

Der aber zu genau zielte und den Ball an den Pfosten setzte.

Genau. Beim zweiten Elfmeter in der Nachspielzeit wollte Niklas dann wieder schießen. Dass er sich nicht scheute, noch einmal die Verantwortung zu übernehmen, ist ihm gar nicht hoch genug anzurechnen. Das ist großartig. Von außen kamen dann aber Stimmen, dass ich schießen sollte und Niklas überließ mir den Ball.

Hatten Sie einen Plan, als Sie zum Elfmeter antraten?

Wir haben bereits in der vergangenen Saison gegen Dielingen einen Strafstoß bekommen. Von daher wusste ich, dass der Torwart bei Elfmetern immer viel auf der Linie herumhampelt. Ich habe dann einfach volles Pfund auf die Mitte gezielt – hat funktioniert.

Für Sie ist der sportliche Lockdown besonders bitter. Nach einer Verletzung waren sie gerade wieder auf dem Sprung in die Startelf.

Grundsätzlich hatte ich noch Glück im Unglück. Ich hatte mir am zweiten Spieltag gegen Vlotho nach einer halben Stunde einen Muskelfaserriss zugezogen. Mein Arzt hatte erst gesagt, dass ich mit einer Pause von zwei Monaten rechnen müsste. Da mein Physio Marian Maynert mich aber sofort behandelt hatte, stand ich drei Wochen später schon wieder auf dem Platz und habe dann auch schnell meine Einsatzzeiten erhalten.

Wie hat Ihre Mannschaft den erneuten Lockdown hingenommen?

Aufgrund der stetig steigenden Zahlen hatte es sich langsam aber sicher abgezeichnet. Vor dem Dielingen-Spiel hat unser Trainer Carsten Korff bereits gesagt, dass es höchstwahrscheinlich erst einmal unser letztes Spiel sein wird und wir es noch einmal genießen sollen. Dienstags darauf haben wir dann noch ein letztes Mal trainiert. Jetzt ist jeder Spieler wieder auf sich alleine gestellt und muss das Fitness-Programm von Keule (Spitzname von Carsten Korff, Anm. d. Red.) durchziehen. Wir müssen das Beste aus der Situation machen und hoffen, dass es schnellstmöglich weitergeht.

Werden die Ergebnisse kontrolliert?

Ja klar. Wir veröffentlichen sie auch selbst. Gerade jetzt bei dem tristen Wetter ist es besser, wenn man im Wettbewerb steht, als nur für sich selbst und gegen die Uhr zu laufen.

Sie haben nach dem Bezirksliga-Aufstieg 2018 in den vergangenen beiden Jahren immer gegen den Abstieg gespielt. Jetzt haben Sie sich nach acht Spieltagen im Mittelfeld etabliert. War die Entwicklung absehbar?

Es hat sich auf jeden Fall angedeutet. Nachdem wir nach dem ersten Lockdown wieder trainieren durften, hat man gleich gesehen, dass wir durch die Zugänge – sei es durch Niklas, Jan Fiebich oder Sören Borchert – deutlich an Potenzial hinzugewonnen haben, vor allem in der Offensive. Das lässt sich schon daran belegen, dass wir nach acht Spieltagen bereits mehr Tore geschossen haben als in der vergangenen Saison nach 15 Partien. Dazu ist unser Kader breiter aufgestellt, unser Trainer hat dadurch mehr Möglichkeiten. Für uns ist die erneute Pause schade, weil es richtig gut für uns lief. Aber wir schauen in der Tabelle trotzdem eher runter als rauf und gehen in jedes Spiel mit der Einstellung, dass wir um den Klassenerhalt spielen, auch wenn der Abstand bis zum ersten Abstiegsplatz bereits zehn Punkte sind.

Trägt die dazugewonnene Erfahrung der vergangenen beiden Jahre zur Stabilität bei?

Auf jeden Fall. Bei jedem einzelnen ist ein Entwicklungsprozess zu erkennen. Die Nolting-Zwillinge Malte und Jan sind dafür ein gutes Beispiel. Die beiden spielen jetzt viel abgeklärter und mit mehr Körpereinsatz als noch vor zwei Jahren, als sie aus der Jugend kamen.

Welchen Anteil hat Ihr Trainer an der Steigerung?

Den größten. Keule ist kein Trainer, der über die Autorität kommt. Bei ihm braucht niemand Angst haben, einen Fehler zu machen und dann gleich außen vor zu sein. Jeder Spieler kann sich unter ihm in Ruhe weiterentwickeln. Anders ist es aber wahrscheinlich auch nicht möglich. Wir sind eine sehr junge Mannschaft, von den neuen Spielern ist keiner älter als 19.

Hat sich Ihr Spielsystem auch geändert?

Wir agieren jetzt offensiver, halten den Gegner weiter von unserem Tor fern. In den ersten Jahren nach dem Aufstieg haben wir den Gegnern das Spiel machen lassen, das ist jetzt anders. Die offensivere Spielweise kommt uns mit unserer neuen Schnelligkeit über Außen und in der Spitze auch mehr entgegen.

Was zeichnet den FSC Eisbergen aus?

Ganz klar: der Zusammenhalt. Wir sind als Mannschaft ein eingeschworener Haufen, aber der ganze Verein ist eine Einheit. Es ist Wahnsinn, dass sich regelmäßig 150 bis 200 Zuschauer unsere Spiele anschauen. Wenn ich sehe, dass bei Auswärtsspielen oft tote Hose am Platz ist, ist das echt traurig.

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