MT-Interview: André Fuchs blickt auf seine Maaslinger Zeit zurück Astrid Plaßhenrich Petershagen. Drei Jahre lang war André Fuchs Kapitän des Fußball-Landesligisten RW Maaslingen. Insgesamt acht Spielzeiten trug der 28-Jährige das rot-weiße Trikot. Jetzt sucht der kaufmännische Angestellte eine neue sportliche Herausforderung und wechselt zum VfR Evesen. Im MT-Interview blickt Fuchs auf wechselvolle Jahre zurück, erinnert sich an emotionale Partien sowie an prägende Trainer und Mitspieler. Herr Fuchs, warum wechseln Sie zum VfR Evesen? Ich habe mich in Maaslingen immer sehr wohl gefühlt, eine super Zeit gehabt. Aber nach acht Jahren hat mich eine neue Herausforderung gereizt. Die habe ich in Evesen gefunden. Ich habe noch nie in Niedersachsen Fußball gespielt und möchte nun die Chance nutzen, neue Vereine, neue Mannschaften und eine neue Liga kennenzulernen. Es ist die richtige Zeit, um etwas Neues zu versuchen. Außerdem freue ich mich darauf, wieder mit alten Freunden wie Sebastian Hull oder Bennet Heine zusammenzuspielen. Sie spielten bei Union Minden, dann zog es Sie 2012 zu RWM. Wie kam der Wechsel zustande? Unser damaliger Trainer Andreas Schwemling wollte mich nach Maaslingen holen. Er überzeugte mich mit seiner unnachahmlichen Art, erzählte mir, wie er mich sah und was er noch mit mir und der Mannschaft vorhatte. Da musste ich nicht lange überlegen. „Schwabbel“, wie er genannt wurde, war ein großer Förderer von jungen Spielern. Als Jungspund musste man sich aber auch ganz schön strecken. Wenn eine Flanke mal nicht so kam, wie er sich das vorstellte, sagte er kurz: ,Ich zeig' Dir das mal.' Und dann flog der Ball haargenau auf den Punkt, wo er ihn haben wollte. Zudem war er menschlich unschlagbar, immer für einen Spaß zu haben und immer nah an der Truppe. Sie kamen damals in eine extrem starke Mannschaft: RWM stieg hinter dem aktuellen Regionalligisten SV Rödinghausen als Tabellenzweiter in die Westfalenliga auf. Haben Sie auf Anhieb Fuß gefasst? Ich habe meine Spielzeiten bekommen. Zu der Zeit war ich noch Mittelstürmer, dann bin ich von Jahr zu Jahr weiter nach hinten gerutscht und irgendwann auf meiner jetzigen Position als Linksverteidiger gelandet. Was zeichnet den Verein RW Maaslingen aus? Die Maaslinger leben für ihren Verein, es dreht sich einfach alles um RWM. Das Umfeld ist Weltklasse. Die Fans sind die besten, die man sich vorstellen kann, und die Ehrenamtlichen, wie die Wiese-Brüder oder unser Betreuer Michi Wiese geben alles, damit alles reibungslos läuft. Hartmut Schwiering hat früher ebenfalls einiges bewegt. Das alles ist sehr bemerkenswert. Was war Ihr emotionalstes Spiel? Das war gleich im November nach meinem Wechsel. Wir haben im Achtelfinale des Westfalenpokals beim Oberliga-Tabellenführer TuS Erndtebrück gespielt. Wir lagen schnell 0:2 zurück, haben dann aber doch noch 3:2 gewonnen. Ich habe in der 120. Minute mit dem allerletzten Schuss aus 25 Metern das Siegtor geschossen. Die Rückfahrt war sensationell. Ich war damals Auszubildender beim WEZ, und wir bauten einen Markt in Werste um, weshalb ich sonntags arbeiten musste. Nach einem Anruf beim Chef durfte ich dann aber etwas später anfangen. Eine weitere sehr emotionale Partie war das letzte Spiel in der Saison 2018/19, als wir 3:2 gegen den VfL Holsen gewonnen haben und dadurch in die Westfalenliga aufgestiegen sind. Das Siegtor von Felix Waltke fiel ebenfalls erst mit der letzten Aktion, zudem ist Holsens Trainer Sergej Bartel der Cousin meiner Freundin. Was war Ihre herbste Niederlage? Die gibt es so gar nicht. Im Endeffekt war es die Summe der Niederlagen, die dann zu den Abstiegen geführt haben. Wir sind in den vergangenen Jahren ja immer zwischen der Landes- und Westfalenliga gependelt. Welche Spieler haben Sie in der Anfangszeit am meisten geprägt? Stefan Ihlo ist der kompletteste Spieler von allen, die ich in meiner Maaslinger Zeit kennengelernt habe. Den konnte man vorne aufstellen, den konnte man hinten aufstellen, da wusste jeder: Der bringt immer seine Leistung. Er war laufstark, zweikampfstark und auch am Ball richtig gut. Wie hat sich der Fußball in den vergangenen acht Jahren verändert? Ich habe das Gefühl, dass die jüngeren Spieler deutlich besser ausgebildet sind – sowohl taktisch als auch physisch. Dadurch ist es für die Nachwuchsleute einfacher, sich in einer Mannschaft wie Maaslingen zu profilieren. Sie gelten als guter Organisator, planen Mannschaftsabende- und -fahrten. Wohin ging es immer? Wir waren oft an den Düsseldorfer Kasematten, aber auch auf Mallorca. Genau jetzt wären wir eigentlich auch am Ballermann. Stattdessen gab es in den vorigen Wochen nur einen Videochat mit dem Team. Sind Sie enttäuscht, dass Sie sich aufgrund der Corona-Situation so leise verabschieden müssen? Ja, das ist mega schade und absolut traurig. Ich hätte mich gerne von den Fans und den guten Seelen des Vereins persönlich verabschiedet, mich bei ihnen bedankt und ihnen einen ausgegeben. Was werden Sie vermissen? Ich habe in Maaslingen viele Freundschaften aufgebaut. Dazu kamen diese unglaublich treuen Fans, die jedes Heim- und Auswärtsspiel dabei waren. Das verbindet. Das Schöne an Maaslingen ist aber, dass die Spieler, die wechseln, auch danach noch zur Weihnachtsfeier eingeladen werden. Das macht den Verein ebenfalls so besonders.

MT-Interview: André Fuchs blickt auf seine Maaslinger Zeit zurück

Vorerst das letzte Mal: André Fuchs nahm als Kapitän von RW Maaslingen Anfang Oktober den Kreispokal in Empfang. RWM hatte gegen die SV Kutenhausen-Todtenhausen mit 3:1. MT- © Foto: Fabian Terwey

Petershagen. Drei Jahre lang war André Fuchs Kapitän des Fußball-Landesligisten RW Maaslingen. Insgesamt acht Spielzeiten trug der 28-Jährige das rot-weiße Trikot. Jetzt sucht der kaufmännische Angestellte eine neue sportliche Herausforderung und wechselt zum VfR Evesen. Im MT-Interview blickt Fuchs auf wechselvolle Jahre zurück, erinnert sich an emotionale Partien sowie an prägende Trainer und Mitspieler.

Herr Fuchs, warum wechseln Sie zum VfR Evesen?

Ich habe mich in Maaslingen immer sehr wohl gefühlt, eine super Zeit gehabt. Aber nach acht Jahren hat mich eine neue Herausforderung gereizt. Die habe ich in Evesen gefunden. Ich habe noch nie in Niedersachsen Fußball gespielt und möchte nun die Chance nutzen, neue Vereine, neue Mannschaften und eine neue Liga kennenzulernen. Es ist die richtige Zeit, um etwas Neues zu versuchen. Außerdem freue ich mich darauf, wieder mit alten Freunden wie Sebastian Hull oder Bennet Heine zusammenzuspielen.

Sie spielten bei Union Minden, dann zog es Sie 2012 zu RWM. Wie kam der Wechsel zustande?

Unser damaliger Trainer Andreas Schwemling wollte mich nach Maaslingen holen. Er überzeugte mich mit seiner unnachahmlichen Art, erzählte mir, wie er mich sah und was er noch mit mir und der Mannschaft vorhatte. Da musste ich nicht lange überlegen. „Schwabbel“, wie er genannt wurde, war ein großer Förderer von jungen Spielern. Als Jungspund musste man sich aber auch ganz schön strecken. Wenn eine Flanke mal nicht so kam, wie er sich das vorstellte, sagte er kurz: ,Ich zeig' Dir das mal.' Und dann flog der Ball haargenau auf den Punkt, wo er ihn haben wollte. Zudem war er menschlich unschlagbar, immer für einen Spaß zu haben und immer nah an der Truppe.

Sie kamen damals in eine extrem starke Mannschaft: RWM stieg hinter dem aktuellen Regionalligisten SV Rödinghausen als Tabellenzweiter in die Westfalenliga auf. Haben Sie auf Anhieb Fuß gefasst?

Ich habe meine Spielzeiten bekommen. Zu der Zeit war ich noch Mittelstürmer, dann bin ich von Jahr zu Jahr weiter nach hinten gerutscht und irgendwann auf meiner jetzigen Position als Linksverteidiger gelandet.

Was zeichnet den Verein RW Maaslingen aus?

Die Maaslinger leben für ihren Verein, es dreht sich einfach alles um RWM. Das Umfeld ist Weltklasse. Die Fans sind die besten, die man sich vorstellen kann, und die Ehrenamtlichen, wie die Wiese-Brüder oder unser Betreuer Michi Wiese geben alles, damit alles reibungslos läuft. Hartmut Schwiering hat früher ebenfalls einiges bewegt. Das alles ist sehr bemerkenswert.

Was war Ihr emotionalstes Spiel?

Das war gleich im November nach meinem Wechsel. Wir haben im Achtelfinale des Westfalenpokals beim Oberliga-Tabellenführer TuS Erndtebrück gespielt. Wir lagen schnell 0:2 zurück, haben dann aber doch noch 3:2 gewonnen. Ich habe in der 120. Minute mit dem allerletzten Schuss aus 25 Metern das Siegtor geschossen. Die Rückfahrt war sensationell. Ich war damals Auszubildender beim WEZ, und wir bauten einen Markt in Werste um, weshalb ich sonntags arbeiten musste. Nach einem Anruf beim Chef durfte ich dann aber etwas später anfangen. Eine weitere sehr emotionale Partie war das letzte Spiel in der Saison 2018/19, als wir 3:2 gegen den VfL Holsen gewonnen haben und dadurch in die Westfalenliga aufgestiegen sind. Das Siegtor von Felix Waltke fiel ebenfalls erst mit der letzten Aktion, zudem ist Holsens Trainer Sergej Bartel der Cousin meiner Freundin.

Was war Ihre herbste Niederlage?

Die gibt es so gar nicht. Im Endeffekt war es die Summe der Niederlagen, die dann zu den Abstiegen geführt haben. Wir sind in den vergangenen Jahren ja immer zwischen der Landes- und Westfalenliga gependelt.

Welche Spieler haben Sie in der Anfangszeit am meisten geprägt?

Stefan Ihlo ist der kompletteste Spieler von allen, die ich in meiner Maaslinger Zeit kennengelernt habe. Den konnte man vorne aufstellen, den konnte man hinten aufstellen, da wusste jeder: Der bringt immer seine Leistung. Er war laufstark, zweikampfstark und auch am Ball richtig gut.

Wie hat sich der Fußball in den vergangenen acht Jahren verändert?

Ich habe das Gefühl, dass die jüngeren Spieler deutlich besser ausgebildet sind – sowohl taktisch als auch physisch. Dadurch ist es für die Nachwuchsleute einfacher, sich in einer Mannschaft wie Maaslingen zu profilieren.

Sie gelten als guter Organisator, planen Mannschaftsabende- und -fahrten. Wohin ging es immer?

Wir waren oft an den Düsseldorfer Kasematten, aber auch auf Mallorca. Genau jetzt wären wir eigentlich auch am Ballermann.

Stattdessen gab es in den vorigen Wochen nur einen Videochat mit dem Team. Sind Sie enttäuscht, dass Sie sich aufgrund der Corona-Situation so leise verabschieden müssen?

Ja, das ist mega schade und absolut traurig. Ich hätte mich gerne von den Fans und den guten Seelen des Vereins persönlich verabschiedet, mich bei ihnen bedankt und ihnen einen ausgegeben.

Was werden Sie vermissen?

Ich habe in Maaslingen viele Freundschaften aufgebaut. Dazu kamen diese unglaublich treuen Fans, die jedes Heim- und Auswärtsspiel dabei waren. Das verbindet. Das Schöne an Maaslingen ist aber, dass die Spieler, die wechseln, auch danach noch zur Weihnachtsfeier eingeladen werden. Das macht den Verein ebenfalls so besonders.

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