Joshua Mohme im MT-Interview: „Wir haben Eisberger Fußballgeschichte geschrieben“ Astrid Plaßhenrich Porta Westfalica. Die Pause kam ungelegen: Der FSC Eisbergen II ist so richtig in Fahrt gekommen, als der Lockdown den Amateurfußball lahmlegte. Der Neuling der Fußball-Kreisliga A hatte Ende Oktober den SV Weser Leteln mit 1:0 besiegt. Es war die erste Niederlage für den Spitzenreiter. Eisbergens Joshua Mohme spricht im MT-Interview über die Entwicklung der jungen Mannschaft, ungewöhnliche Regeln im Strafenkatalog und warum ein Teil des Teams den Aufstieg zunächst ablehnte, dann aber seine Meinung änderte. Glauben Sie, dass in dieser Saison noch gespielt wird? Ich kann es mir nicht vorstellen. Das Zeitfenster wird immer enger, um die Saison mit einer vernünftigen Wertung zu beenden. Vor allem in unserer kleinen Staffel mit nur zehn Mannschaften wäre es unfair, wenn nur die Hinrunde über Auf- und Abstieg entscheiden würde. Nach Anlaufschwierigkeiten zum Saisonstart lief es zuletzt für Sie und Ihr Team immer besser. Was sind die Gründe dafür? Der Unterschied zwischen Kreisliga B und A ist deutlich zu spüren. Wir mussten uns umstellen, uns an Tempo, Taktik und Technik gewöhnen. Das gelang mit der Zeit immer besser. Zudem spielten wir in den ersten fünf Spielen gegen den SV Weser Leteln, Union Minden und die SG Gorspen-Vahlsen – also gegen die Top 3 der Liga. Da haben wir Lehrgeld bezahlt. Als Mannschaft sind wir aber immer mehr zusammengewachsen. Die vielen A-Jugendlichen, die zu uns gestoßen sind, haben sich super integriert. Dass wir uns gesteigert haben, zeigte sich zuletzt beim Sieg gegen Weser Leteln. Das hat Bock gemacht. Wie erklären Sie sich, dass alle A-Jugendlichen gehalten werden konnten und gerne in der 2. Mannschaft spielen? Dafür sind mehrere Gründe ausschlaggebend. Zum einen ist es für einen jungen Spieler nicht schlecht, sein erstes Seniorenjahr in der Kreisliga A zu spielen. Zum anderen besteht die Chance, sich für die 1. Mannschaft anzubieten und dann in der Bezirksliga zu kicken. Und: In Eisbergen spielt man einfach gerne. Der Verein ist einzigartig. Niemand bekommt bei uns Geld, im Gegenteil: Wir zahlen sogar noch jeden Spieltag fünf Euro. Wofür? In erster Linie wird davon die Trikotwäsche bezahlt. Wir gönnen uns nach dem Spiel aber auch eine Kiste Bier. Der Rest geht in die Kasse. Sie verwalten die Mannschaftskasse. Wie füllt sich diese noch? Wir haben wie wohl jede Mannschaft einen Strafenkatalog. Für eine Rote Karte wegen Unsportlichkeit müssen beispielsweise 50 Euro gezahlt werden, für Gelb-rot wegen des gleichen Vergehens 30 Euro. Das ist aber noch nicht vorgekommen. Es gibt aber auch individuelle Strafen. Wenn jemand sein Duschgel vergisst, muss er demjenigen, der ihm damit aushilft, ein Getränk spendieren. Und dann wird die Kasse bei der Mannschaftsfahrt auf Null gebracht? Ja, so sollte es sein. Vergangenes Jahr fiel unsere Mallorca-Fahrt aus. Aber wir haben für Juli schon wieder gebucht. Das mussten wir aufgrund der Reiserücktrittsversicherung machen. Ob das in diesem Jahr klappt, sei dahingestellt. Aber wir haben auch unsere Aufstiegsfeier aus der Mannschaftskasse finanziert. Apropos Aufstieg: Es war lange Zeit nicht klar, ob Sie in die Kreisliga A hoch wollen. Warum? Das stimmt. Wir haben den Aufstieg zunächst abgelehnt. Im Mannschaftsrat hatten wir beschlossen, die Spieler abstimmen zu lassen. Es sollten mindestens 80 Prozent für den Aufstieg sein. Schließlich stimmten 15 dafür, aber auch 11 dagegen. Als dann bekannt wurde, dass aufgrund der Quotientenregel neben uns drei weitere Mannschaft, den Aufstieg angeboten bekommen haben, drehte sich die kollektive Meinung. Und: Es war die richtige Entscheidung. Warum? Unsere Sorge war, dass wenn nicht alle hinter dem Aufstieg stehen und wir ein paar Mal verlieren, der Spaß verloren geht. Aber das hat sich nicht bewahrheitet: Wir sind in jeder Einheit 15, 16 oder mehr Spieler beim Training, der Konkurrenzkampf ist immer da. Zudem stehen wir aktuell zwar auf dem letzten Rang, aber bis Platz fünf, der zur Aufstiegsrunde berechtigt, fehlen nur vier Punkte. Wir sind konkurrenzfähig. Wie war Ihre persönliche Haltung zur Aufstiegsfrage? Ich war von Anfang an dafür. Ich wollte dieses Abenteuer gehen und unbedingt in meiner aktiven Zeit einmal in der Kreisliga A spielen. Zudem haben wir dadurch Eisberger Fußballgeschichte geschrieben: Noch nie ist eine 2. Mannschaft des FSC in der A-Liga aufgelaufen. Für mich ist das etwas Besonderes.

Joshua Mohme im MT-Interview: „Wir haben Eisberger Fußballgeschichte geschrieben“

Defensivspezialist und Teamplayer: Joshua Mohme (links) gibt für den FSC Eisbergen alles. Als Stammkraft der Reserve half er auch einige Male bei der Bezirksligamannschaft aus. Foto: Daniel Branahl © Daniel Branahl

Porta Westfalica. Die Pause kam ungelegen: Der FSC Eisbergen II ist so richtig in Fahrt gekommen, als der Lockdown den Amateurfußball lahmlegte. Der Neuling der Fußball-Kreisliga A hatte Ende Oktober den SV Weser Leteln mit 1:0 besiegt. Es war die erste Niederlage für den Spitzenreiter. Eisbergens Joshua Mohme spricht im MT-Interview über die Entwicklung der jungen Mannschaft, ungewöhnliche Regeln im Strafenkatalog und warum ein Teil des Teams den Aufstieg zunächst ablehnte, dann aber seine Meinung änderte.

Glauben Sie, dass in dieser Saison noch gespielt wird?

Ich kann es mir nicht vorstellen. Das Zeitfenster wird immer enger, um die Saison mit einer vernünftigen Wertung zu beenden. Vor allem in unserer kleinen Staffel mit nur zehn Mannschaften wäre es unfair, wenn nur die Hinrunde über Auf- und Abstieg entscheiden würde.

Nach Anlaufschwierigkeiten zum Saisonstart lief es zuletzt für Sie und Ihr Team immer besser. Was sind die Gründe dafür?

Der Unterschied zwischen Kreisliga B und A ist deutlich zu spüren. Wir mussten uns umstellen, uns an Tempo, Taktik und Technik gewöhnen. Das gelang mit der Zeit immer besser. Zudem spielten wir in den ersten fünf Spielen gegen den SV Weser Leteln, Union Minden und die SG Gorspen-Vahlsen – also gegen die Top 3 der Liga. Da haben wir Lehrgeld bezahlt. Als Mannschaft sind wir aber immer mehr zusammengewachsen. Die vielen A-Jugendlichen, die zu uns gestoßen sind, haben sich super integriert. Dass wir uns gesteigert haben, zeigte sich zuletzt beim Sieg gegen Weser Leteln. Das hat Bock gemacht.

Wie erklären Sie sich, dass alle A-Jugendlichen gehalten werden konnten und gerne in der 2. Mannschaft spielen?

Dafür sind mehrere Gründe ausschlaggebend. Zum einen ist es für einen jungen Spieler nicht schlecht, sein erstes Seniorenjahr in der Kreisliga A zu spielen. Zum anderen besteht die Chance, sich für die 1. Mannschaft anzubieten und dann in der Bezirksliga zu kicken. Und: In Eisbergen spielt man einfach gerne. Der Verein ist einzigartig. Niemand bekommt bei uns Geld, im Gegenteil: Wir zahlen sogar noch jeden Spieltag fünf Euro.

Wofür?

In erster Linie wird davon die Trikotwäsche bezahlt. Wir gönnen uns nach dem Spiel aber auch eine Kiste Bier. Der Rest geht in die Kasse.

Sie verwalten die Mannschaftskasse. Wie füllt sich diese noch?

Wir haben wie wohl jede Mannschaft einen Strafenkatalog. Für eine Rote Karte wegen Unsportlichkeit müssen beispielsweise 50 Euro gezahlt werden, für Gelb-rot wegen des gleichen Vergehens 30 Euro. Das ist aber noch nicht vorgekommen. Es gibt aber auch individuelle Strafen. Wenn jemand sein Duschgel vergisst, muss er demjenigen, der ihm damit aushilft, ein Getränk spendieren.

Und dann wird die Kasse bei der Mannschaftsfahrt auf Null gebracht?

Ja, so sollte es sein. Vergangenes Jahr fiel unsere Mallorca-Fahrt aus. Aber wir haben für Juli schon wieder gebucht. Das mussten wir aufgrund der Reiserücktrittsversicherung machen. Ob das in diesem Jahr klappt, sei dahingestellt. Aber wir haben auch unsere Aufstiegsfeier aus der Mannschaftskasse finanziert.

Apropos Aufstieg: Es war lange Zeit nicht klar, ob Sie in die Kreisliga A hoch wollen. Warum?

Das stimmt. Wir haben den Aufstieg zunächst abgelehnt. Im Mannschaftsrat hatten wir beschlossen, die Spieler abstimmen zu lassen. Es sollten mindestens 80 Prozent für den Aufstieg sein. Schließlich stimmten 15 dafür, aber auch 11 dagegen. Als dann bekannt wurde, dass aufgrund der Quotientenregel neben uns drei weitere Mannschaft, den Aufstieg angeboten bekommen haben, drehte sich die kollektive Meinung. Und: Es war die richtige Entscheidung.

Warum?

Unsere Sorge war, dass wenn nicht alle hinter dem Aufstieg stehen und wir ein paar Mal verlieren, der Spaß verloren geht. Aber das hat sich nicht bewahrheitet: Wir sind in jeder Einheit 15, 16 oder mehr Spieler beim Training, der Konkurrenzkampf ist immer da. Zudem stehen wir aktuell zwar auf dem letzten Rang, aber bis Platz fünf, der zur Aufstiegsrunde berechtigt, fehlen nur vier Punkte. Wir sind konkurrenzfähig.

Wie war Ihre persönliche Haltung zur Aufstiegsfrage?

Ich war von Anfang an dafür. Ich wollte dieses Abenteuer gehen und unbedingt in meiner aktiven Zeit einmal in der Kreisliga A spielen. Zudem haben wir dadurch Eisberger Fußballgeschichte geschrieben: Noch nie ist eine 2. Mannschaft des FSC in der A-Liga aufgelaufen. Für mich ist das etwas Besonderes.

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