Jackpot in der Nachbarschaft - Flemming Niemann und sein geglückter Neustart in Rehden Sebastian Külbel Minden. Der Schritt voran war für Flemming Niemann auch eine Rückkehr zu seinen Wurzeln. Nach Stationen an der Schwelle zum Profifußball in Karlsruhe, Augsburg und Jena lebt der Torwart seit einigen Monaten wieder in Minden. Möglich macht das sein Engagement beim BSV Rehden, wo der 25-jährige Torwart seit dieser Saison in der Regionalliga Nord spielt und sein Leben in eine neue Balance gebracht hat. „Für mich ist es eine coole Geschichte, wieder in Minden zu wohnen, wo auch meine Familie und Freunde sind“, sagt Niemann: „Und es ist überragend, dass ich in der Nähe auch noch relativ hoch Fußball spielen kann.“ Etwas mehr als 50 Kilometer sind es von Minden in die 1.700-Einwohner-Gemeinde östlich von Diepholz, wo der BSV sich seit zehn Jahren in der Regionalliga behauptet. „Rehden ist das kleine gallische Dorf, das versucht, neben den größeren Vereinen zu bestehen“, erklärt Flemming Niemann. Für den ambitionierten Keeper war es nach seiner kleinen Deutschlandreise genau die richtige Adresse. Als er 2014 mit 18 Jahren von Arminia Bielefeld zur U19 des Karlsruher SC wechselte, träumte der Mindener von der Profi-Karriere. In die erste Mannschaft schaffte er es zwar weder beim KSC noch von 2016 bis 2019 beim FC Augsburg. Allerdings etablierte sich Niemann bei Letzterem als Regionalliga-Keeper und wagte im Sommer 2019 den Schritt in die 3. Liga zu Carl-Zeiss Jena. Doch dort gab es schnell Probleme. „Wir hatten einen super-schlechten Start in die 3. Liga und der Trainer, der mich verpflichtet hatte, wurde nach zehn Spieltagen entlassen. Danach war ich ein bisschen verloren im Verein“, schildert Niemann seine bislang schwerste Zeit als Sportler. Das Gefühl, nicht mehr richtig erwünscht zu sein, setzte sich auch nach dem Abstieg in die Regionalliga fort: „Ich habe nicht gespielt, man wollte mich loswerden.“ Als der Torwart seinem Unmut in einem Interview mit der „Bild“-Zeitung Luft machte, gab es keinen Weg mehr zurück: „Das hat das Fass zum Überlaufen gebracht.“Dennoch bereut Niemann sein Abenteuer Ost-Fußball keineswegs: „Ein Verein wie Jena hat dort eine große Strahlkraft, es ist etwas Besonderes, da zu spielen. Ich habe super viele nette Menschen kennengelernt, es war eine tolle Erfahrung.“ Allerdings war es für ihn auch der Blick auf die Schattenseiten der Profiwelt: „Da sind gerade in der 3. Liga viele Berater, die im Hintergrund steuern. Und mir fehlte da etwas die Lobby.“ Im vorigen Sommer kehrte Niemann als vertragsloser Fußballer nach Minden zurück, stieg als Gast beim Landesligisten RW Maaslingen in die Vorbereitung ein und prüfte seine Angebote. Darunter war auch die Anfrage aus Rehden, die für ihn perfekt war. Bei dem ambitionierten Dorfverein kann der 25-Jährige sein BWL-Fernstudium nun in Präsenz an der Universität Bielefeld fortsetzen und zudem in seiner Heimatstadt wohnen. „Die Kombination aus Regionalliga, Vollzeitstudium und der Rückkehr in die Heimat ist für mich einfach der Jackpot“, sagt Niemann. Damit passt er bestens zur Kaderstruktur beim BSV: „Die Spieler sind entweder Studenten oder arbeiten beim Sponsor Friedrich Schilling.“ Der Geschäftsmann ist der unumstrittene Boss beim BSV Rehden, der alles in sich vereint, wie die „Kreiszeitung“ in Diepholz einst über ihn schrieb: „Präsident, Sportchef, Manager, Finanzexperte, Seelentröster, Mäzen.“ Und so ist auch die Mannschaft ambitioniert zusammengestellt. Die Spieler sind zwar offiziell keine Profis, haben aber alle Erfahrungen in der 2. oder 3. Liga gesammelt. Trainer Andreas Golombek ist ausgebildeter Fußball-Lehrer. Dennoch hat der BSV Rehden sein erstes Saisonziel verpasst: In den Kampf um Platz fünf der Südgruppe und den damit verbundenen Sprung in die Aufstiegsrunde kann der Dorfklub einen Spieltag vor Schluss nicht mehr eingreifen. Jetzt geht es in der Abstiegsrunde darum, die Klasse zu halten. Für Niemann geht es überdies darum, so viele Einsätze wie möglich zu sammeln: „Mein Ziel ist es, konstant zu spielen, das ist als Torwart das Wichtigste.“ Seit dem zweiten Spieltag hat der Mindener 13 Partien am Stück bestritten, bis ihn Ende November ein Bänderriss im Fuß außer Gefecht setzte. „Das ist echt ärgerlich, ich hätte gerne die drei Spiele bis zur Winterpause auch noch bestritten“, sagt Niemann. Er hofft allerdings auf eine baldige Rückkehr: „Das Feedback vom Trainer ist positiv. Wenn ich voll trainieren kann, stehe ich auch wieder im Tor.“Neben dem nötigen Selbstbewusstsein hat Flemming Niemann in seiner bewegten Karriere aber auch Demut gelernt: „Ich bin einfach dankbar für jedes Regionalligaspiel und hoffe, es kommen noch einige dazu.“ Angesichts der Vertragslaufzeit bis 2023 ist das ein realistisches Ziel.

Jackpot in der Nachbarschaft - Flemming Niemann und sein geglückter Neustart in Rehden

Voller Einsatz: Flemming Niemann sichert den Ball als Torwart des BSV Rehden im Regionalligaspiel beim VfB Oldenburg. In seiner bewegten Karriere hat er gelernt, dass sein Job nicht nur körperlich hart sein kann. Foto: © imago images/Nordphoto

Minden. Der Schritt voran war für Flemming Niemann auch eine Rückkehr zu seinen Wurzeln. Nach Stationen an der Schwelle zum Profifußball in Karlsruhe, Augsburg und Jena lebt der Torwart seit einigen Monaten wieder in Minden. Möglich macht das sein Engagement beim BSV Rehden, wo der 25-jährige Torwart seit dieser Saison in der Regionalliga Nord spielt und sein Leben in eine neue Balance gebracht hat.

„Für mich ist es eine coole Geschichte, wieder in Minden zu wohnen, wo auch meine Familie und Freunde sind“, sagt Niemann: „Und es ist überragend, dass ich in der Nähe auch noch relativ hoch Fußball spielen kann.“ Etwas mehr als 50 Kilometer sind es von Minden in die 1.700-Einwohner-Gemeinde östlich von Diepholz, wo der BSV sich seit zehn Jahren in der Regionalliga behauptet. „Rehden ist das kleine gallische Dorf, das versucht, neben den größeren Vereinen zu bestehen“, erklärt Flemming Niemann.

Für den ambitionierten Keeper war es nach seiner kleinen Deutschlandreise genau die richtige Adresse. Als er 2014 mit 18 Jahren von Arminia Bielefeld zur U19 des Karlsruher SC wechselte, träumte der Mindener von der Profi-Karriere. In die erste Mannschaft schaffte er es zwar weder beim KSC noch von 2016 bis 2019 beim FC Augsburg. Allerdings etablierte sich Niemann bei Letzterem als Regionalliga-Keeper und wagte im Sommer 2019 den Schritt in die 3. Liga zu Carl-Zeiss Jena. Doch dort gab es schnell Probleme.

„Wir hatten einen super-schlechten Start in die 3. Liga und der Trainer, der mich verpflichtet hatte, wurde nach zehn Spieltagen entlassen. Danach war ich ein bisschen verloren im Verein“, schildert Niemann seine bislang schwerste Zeit als Sportler. Das Gefühl, nicht mehr richtig erwünscht zu sein, setzte sich auch nach dem Abstieg in die Regionalliga fort: „Ich habe nicht gespielt, man wollte mich loswerden.“ Als der Torwart seinem Unmut in einem Interview mit der „Bild“-Zeitung Luft machte, gab es keinen Weg mehr zurück: „Das hat das Fass zum Überlaufen gebracht.“

Dennoch bereut Niemann sein Abenteuer Ost-Fußball keineswegs: „Ein Verein wie Jena hat dort eine große Strahlkraft, es ist etwas Besonderes, da zu spielen. Ich habe super viele nette Menschen kennengelernt, es war eine tolle Erfahrung.“ Allerdings war es für ihn auch der Blick auf die Schattenseiten der Profiwelt: „Da sind gerade in der 3. Liga viele Berater, die im Hintergrund steuern. Und mir fehlte da etwas die Lobby.“

Im vorigen Sommer kehrte Niemann als vertragsloser Fußballer nach Minden zurück, stieg als Gast beim Landesligisten RW Maaslingen in die Vorbereitung ein und prüfte seine Angebote. Darunter war auch die Anfrage aus Rehden, die für ihn perfekt war. Bei dem ambitionierten Dorfverein kann der 25-Jährige sein BWL-Fernstudium nun in Präsenz an der Universität Bielefeld fortsetzen und zudem in seiner Heimatstadt wohnen. „Die Kombination aus Regionalliga, Vollzeitstudium und der Rückkehr in die Heimat ist für mich einfach der Jackpot“, sagt Niemann.

Damit passt er bestens zur Kaderstruktur beim BSV: „Die Spieler sind entweder Studenten oder arbeiten beim Sponsor Friedrich Schilling.“ Der Geschäftsmann ist der unumstrittene Boss beim BSV Rehden, der alles in sich vereint, wie die „Kreiszeitung“ in Diepholz einst über ihn schrieb: „Präsident, Sportchef, Manager, Finanzexperte, Seelentröster, Mäzen.“

Und so ist auch die Mannschaft ambitioniert zusammengestellt. Die Spieler sind zwar offiziell keine Profis, haben aber alle Erfahrungen in der 2. oder 3. Liga gesammelt. Trainer Andreas Golombek ist ausgebildeter Fußball-Lehrer. Dennoch hat der BSV Rehden sein erstes Saisonziel verpasst: In den Kampf um Platz fünf der Südgruppe und den damit verbundenen Sprung in die Aufstiegsrunde kann der Dorfklub einen Spieltag vor Schluss nicht mehr eingreifen. Jetzt geht es in der Abstiegsrunde darum, die Klasse zu halten.

Für Niemann geht es überdies darum, so viele Einsätze wie möglich zu sammeln: „Mein Ziel ist es, konstant zu spielen, das ist als Torwart das Wichtigste.“ Seit dem zweiten Spieltag hat der Mindener 13 Partien am Stück bestritten, bis ihn Ende November ein Bänderriss im Fuß außer Gefecht setzte. „Das ist echt ärgerlich, ich hätte gerne die drei Spiele bis zur Winterpause auch noch bestritten“, sagt Niemann. Er hofft allerdings auf eine baldige Rückkehr: „Das Feedback vom Trainer ist positiv. Wenn ich voll trainieren kann, stehe ich auch wieder im Tor.“

Neben dem nötigen Selbstbewusstsein hat Flemming Niemann in seiner bewegten Karriere aber auch Demut gelernt: „Ich bin einfach dankbar für jedes Regionalligaspiel und hoffe, es kommen noch einige dazu.“ Angesichts der Vertragslaufzeit bis 2023 ist das ein realistisches Ziel.

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