Interview mit TuS Döhrens Enrico Reising: „Die Abstiegssorge ist schon da“ Fabian Terwey Petershagen. „Döhren ist mein Dorf“, sagt Enrico Reising. Der spielende Co-Trainer und Fußball-Spartenleiter des ortsansässigen TuS fühlt sich im Petershäger Ortsteil seit 20 Jahren wohl. Keine 100 Meter wohnt der Abräumer mittlerweile vom Platz entfernt. Im Sommer hatte sich der 32-Jährige dort ein Haus zugelegt. Seit Winter 2019 arbeitet „Enno“ an einem soliden Fundament für das Team aus der Kreisliga B Nord. Der letzte Platz des langjährigen A-Kreisligisten bereitet ihm Sorgen. Darüber und über die Agenda 2024 spricht Enrico Reising im MT-Interview zur Corona-Pause. Als Spieler des TuS Döhren müssen Sie in der anhaltenden Corona-Pause auf Fußball verzichten. Wie sehr beschäftigt Sie der Sport dennoch aktuell in Ihrer Funktion als Spartenleiter? Einmal pro Woche fällt rund um den Verein Arbeit an. Unser 1. Vorsitzender Jan-Matthias Sölter hatte zuletzt etwas mehr zu tun. Denn er war federführend bei der Verpflichtung unseres neuen Trainers. Sören Mannteuffel vom SV Kreuzkrug-Huddestorf wird ab kommender Saison Spielertrainer und bringt Offensivspieler Mark-Phillip Krone gleich mit. Beide waren ja schonmal bei uns. Man kann sagen, dass wir die Corona-Pause damit jetzt gut genutzt haben. Bei der ersten Unterbrechung haben wir in Sachen Planung zugegebenermaßen zu spät gehandelt. Unser Spieler Nils Müller hatte sich zum Glück bereit erklärt, für ein Jahr als Trainer einzuspringen. Sie sind seit Ihrer Wahl im Januar 2019 Spartenleiter. War es schon immer Ihr Plan, Verantwortung beim TuS Döhren zu übernehmen? Ehrlich gesagt, nein. 2011 bin ich Jugend-Obmann geworden. Mein Schwiegervater Hartmut Reising hat die Abteilung mehr als 20 Jahre lang als Spartenleiter geführt. Ich habe ihn immer mal unterstützt. Später musste er das Amt aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Daraufhin habe ich übernommen. Man kann also sagen, dass es sich so ergeben hat. Jetzt versuche ich, eigene Ideen einzubringen. Welche konkreten Pläne haben Sie mit dem Verein? Zunächst einmal sind wir ein Team in der Fußball-Abteilung: Jan-Matthias Sölter als erster, Hartmut Reising als zweiter Vereins-Vorsitzender und Marvin Draeger als stellvertretender Spartenleiter. Es ist unser aller Idee, auf Döhrener Jungs in der Mannschaft zu setzen. Wir wollen wieder ein familiäres Umfeld schaffen. Damit Oma, Opa und Schwiegervater wieder zum Platz kommen und sich bei Bratwurst, Cola oder Bier das Spiel anschauen. Das Vereinsleben ist uns in den vergangenen Jahren abhanden gekommen. Was waren die Gründe dafür? In der Vergangenheit lag der Fokus darauf, externe Spieler dazu zu holen. Man hat getuschelt, dass da viel Geld gezahlt wurde. Das kann ich so aber nicht bestätigen. Mit dem Abstieg aus der Kreisliga A ist ein Großteil der Mannschaft dann weggebrochen. Der direkte Wiederaufstieg hat auch nicht geklappt. Mit den Döhrener Jungs ist der Zusammenhalt auf dem Platz nun zurück. Wir sind aber erst am Anfang. Alles lässt sich nicht sofort umsetzen. Wir haben eine Agenda 2024. In drei Jahren feiert der Verein sein 60-jähriges Bestehen. Bis dahin wollen wir neben Boccia und Fußball auch eine Darts-Abteilung etablieren. Die Leichtathletik-Sparte wollen wir erweitern. Ich bin bei der schwachen Internetverbindung auf dem Dorf zwar skeptisch, aber auch die Idee zu einem E-Sports-Team gibt es. Langfristig wollen wir zudem eine Fußball-Jugend-Abteilung aufbauen. Viele Kinder von Eltern, die früher hier gespielt haben, sind jetzt im F-Junioren-Alter. Weil wir keinen Nachwuchs haben, gehen sie bislang alle nach Windheim. Das Senioren-Team des TuS Döhren ist aktuell Tabellenletzter der Kreisliga B Nord. Wie groß ist die Angst vor dem Abstieg in die Kreisliga C? Die Sorge ist schon da, ja. Mit dem Abstieg müssen wir uns befassen. In der letzten Saison hatten wir Glück, dass der Corona-Abbruch kam und wir nicht abgestiegen sind. Die Jungs haben es in dieser Saison aber von der ersten Minute an gut gemacht. Bei den Spielen müssten wir vielleicht mal mehr sein als 13, 14 Leute, aber der Teamspirit stimmt. In der Vorsaison haben wir uns auf dem Platz noch gegenseitig angekeift. In dieser Saison konnten wir uns nach den Spielen wieder in die Augen schauen – auch wenn wir teilweise acht, neun Gegentore in einer Partie bekommen haben. Das Potenzial für den Klassenerhalt ist auf jeden Fall da. Mit den Draeger-Brüdern Marius und Marvin sowie Christopher Köhler haben wir Spieler, die über langjährige Kreisliga-A-Erfahrung verfügen. Der aktuelle Tabellenplatz ist schlechter als wir sind. In der Tat wäre Döhren nicht Schlusslicht, wenn der 3:1-Sieg gegen Holzhausen-Porta II nicht im Nachhinein als Niederlage gewertet worden wäre. Das stimmt. Wir haben mit Fabio Ehlerding einen Spieler im Kader gehabt, der nach seinem Wechsel von Gorspen-Vahlsen noch nicht spielberechtigt war. Es war ein Eingabefehler unsererseits. Ich persönlich habe da auch nicht drauf geachtet. Das war dumm. Dazu stehe ich. Die Punkte holen wir uns aber in der Rückrunde gegen Ho/Po II wieder. Wenn es am Ende sportlich doch nicht reichen sollte: Welche Folgen hätte ein Abstieg? Innerhalb von drei Jahren aus der Kreisliga A in die Kreisliga C durchgereicht zu werden, würde aus sportlicher Sicht wehtun. Weitere Konsequenzen hätte das aber nicht. Denn schon jetzt steht fest und das ist der große Unterschied zur Zeit nach dem Kreisliga-A-Abstieg: Keiner von den Jungs aus dem aktuellen Kader wird uns verlassen – abgesehen von Roman Schmidt. Er hatte frühzeitig Bescheid gegeben hat, dass er es aus familiären Gründen nicht mehr schafft, zu den Spielen aus seinem Wohnort Nienburg anzureisen. Die Tatsache, dass die Jungs zusammen bleiben freut mich und spricht dafür, dass Döhren wieder die Gemeinschaft ausmacht.

Interview mit TuS Döhrens Enrico Reising: „Die Abstiegssorge ist schon da“

Petershagen. „Döhren ist mein Dorf“, sagt Enrico Reising. Der spielende Co-Trainer und Fußball-Spartenleiter des ortsansässigen TuS fühlt sich im Petershäger Ortsteil seit 20 Jahren wohl. Keine 100 Meter wohnt der Abräumer mittlerweile vom Platz entfernt. Im Sommer hatte sich der 32-Jährige dort ein Haus zugelegt. Seit Winter 2019 arbeitet „Enno“ an einem soliden Fundament für das Team aus der Kreisliga B Nord. Der letzte Platz des langjährigen A-Kreisligisten bereitet ihm Sorgen. Darüber und über die Agenda 2024 spricht Enrico Reising im MT-Interview zur Corona-Pause.

Enrico Reising (rechts) kämpft mit dem TuS Döhren um den Klassenerhalt in der Fußball-Kreisliga B Nord. Foto: Stefan Hageböke - © Stefan Hageböke
Enrico Reising (rechts) kämpft mit dem TuS Döhren um den Klassenerhalt in der Fußball-Kreisliga B Nord. Foto: Stefan Hageböke - © Stefan Hageböke

Als Spieler des TuS Döhren müssen Sie in der anhaltenden Corona-Pause auf Fußball verzichten. Wie sehr beschäftigt Sie der Sport dennoch aktuell in Ihrer Funktion als Spartenleiter?

Einmal pro Woche fällt rund um den Verein Arbeit an. Unser 1. Vorsitzender Jan-Matthias Sölter hatte zuletzt etwas mehr zu tun. Denn er war federführend bei der Verpflichtung unseres neuen Trainers. Sören Mannteuffel vom SV Kreuzkrug-Huddestorf wird ab kommender Saison Spielertrainer und bringt Offensivspieler Mark-Phillip Krone gleich mit. Beide waren ja schonmal bei uns. Man kann sagen, dass wir die Corona-Pause damit jetzt gut genutzt haben. Bei der ersten Unterbrechung haben wir in Sachen Planung zugegebenermaßen zu spät gehandelt. Unser Spieler Nils Müller hatte sich zum Glück bereit erklärt, für ein Jahr als Trainer einzuspringen.

Sie sind seit Ihrer Wahl im Januar 2019 Spartenleiter. War es schon immer Ihr Plan, Verantwortung beim TuS Döhren zu übernehmen?

Ehrlich gesagt, nein. 2011 bin ich Jugend-Obmann geworden. Mein Schwiegervater Hartmut Reising hat die Abteilung mehr als 20 Jahre lang als Spartenleiter geführt. Ich habe ihn immer mal unterstützt. Später musste er das Amt aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Daraufhin habe ich übernommen. Man kann also sagen, dass es sich so ergeben hat. Jetzt versuche ich, eigene Ideen einzubringen.

Welche konkreten Pläne haben Sie mit dem Verein?

Zunächst einmal sind wir ein Team in der Fußball-Abteilung: Jan-Matthias Sölter als erster, Hartmut Reising als zweiter Vereins-Vorsitzender und Marvin Draeger als stellvertretender Spartenleiter. Es ist unser aller Idee, auf Döhrener Jungs in der Mannschaft zu setzen. Wir wollen wieder ein familiäres Umfeld schaffen. Damit Oma, Opa und Schwiegervater wieder zum Platz kommen und sich bei Bratwurst, Cola oder Bier das Spiel anschauen. Das Vereinsleben ist uns in den vergangenen Jahren abhanden gekommen.

Was waren die Gründe dafür?

In der Vergangenheit lag der Fokus darauf, externe Spieler dazu zu holen. Man hat getuschelt, dass da viel Geld gezahlt wurde. Das kann ich so aber nicht bestätigen. Mit dem Abstieg aus der Kreisliga A ist ein Großteil der Mannschaft dann weggebrochen. Der direkte Wiederaufstieg hat auch nicht geklappt. Mit den Döhrener Jungs ist der Zusammenhalt auf dem Platz nun zurück. Wir sind aber erst am Anfang. Alles lässt sich nicht sofort umsetzen. Wir haben eine Agenda 2024. In drei Jahren feiert der Verein sein 60-jähriges Bestehen. Bis dahin wollen wir neben Boccia und Fußball auch eine Darts-Abteilung etablieren. Die Leichtathletik-Sparte wollen wir erweitern. Ich bin bei der schwachen Internetverbindung auf dem Dorf zwar skeptisch, aber auch die Idee zu einem E-Sports-Team gibt es. Langfristig wollen wir zudem eine Fußball-Jugend-Abteilung aufbauen. Viele Kinder von Eltern, die früher hier gespielt haben, sind jetzt im F-Junioren-Alter. Weil wir keinen Nachwuchs haben, gehen sie bislang alle nach Windheim.

Das Senioren-Team des TuS Döhren ist aktuell Tabellenletzter der Kreisliga B Nord. Wie groß ist die Angst vor dem Abstieg in die Kreisliga C?

Die Sorge ist schon da, ja. Mit dem Abstieg müssen wir uns befassen. In der letzten Saison hatten wir Glück, dass der Corona-Abbruch kam und wir nicht abgestiegen sind. Die Jungs haben es in dieser Saison aber von der ersten Minute an gut gemacht. Bei den Spielen müssten wir vielleicht mal mehr sein als 13, 14 Leute, aber der Teamspirit stimmt. In der Vorsaison haben wir uns auf dem Platz noch gegenseitig angekeift. In dieser Saison konnten wir uns nach den Spielen wieder in die Augen schauen – auch wenn wir teilweise acht, neun Gegentore in einer Partie bekommen haben. Das Potenzial für den Klassenerhalt ist auf jeden Fall da. Mit den Draeger-Brüdern Marius und Marvin sowie Christopher Köhler haben wir Spieler, die über langjährige Kreisliga-A-Erfahrung verfügen. Der aktuelle Tabellenplatz ist schlechter als wir sind.

In der Tat wäre Döhren nicht Schlusslicht, wenn der 3:1-Sieg gegen Holzhausen-Porta II nicht im Nachhinein als Niederlage gewertet worden wäre.

Das stimmt. Wir haben mit Fabio Ehlerding einen Spieler im Kader gehabt, der nach seinem Wechsel von Gorspen-Vahlsen noch nicht spielberechtigt war. Es war ein Eingabefehler unsererseits. Ich persönlich habe da auch nicht drauf geachtet. Das war dumm. Dazu stehe ich. Die Punkte holen wir uns aber in der Rückrunde gegen Ho/Po II wieder.

Wenn es am Ende sportlich doch nicht reichen sollte: Welche Folgen hätte ein Abstieg?

Innerhalb von drei Jahren aus der Kreisliga A in die Kreisliga C durchgereicht zu werden, würde aus sportlicher Sicht wehtun. Weitere Konsequenzen hätte das aber nicht. Denn schon jetzt steht fest und das ist der große Unterschied zur Zeit nach dem Kreisliga-A-Abstieg: Keiner von den Jungs aus dem aktuellen Kader wird uns verlassen – abgesehen von Roman Schmidt. Er hatte frühzeitig Bescheid gegeben hat, dass er es aus familiären Gründen nicht mehr schafft, zu den Spielen aus seinem Wohnort Nienburg anzureisen. Die Tatsache, dass die Jungs zusammen bleiben freut mich und spricht dafür, dass Döhren wieder die Gemeinschaft ausmacht.

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