Gotthelf erinnert sich im Sportrückblick: Seeler ein „Supertyp“, Overath und Netzer arrogant in der Badestadt Michael Lorenz Bad Oeynhausen. „Netzer oder Overath?“ Vor dieser kniffligen Frage, die als eine der legendärsten im Fußball gilt, stand Bundestrainer Helmut Schön von 1965 bis 1974 immer wieder. Günter Netzer und Wolfgang Overath waren zwei absolute Weltklasse-Regisseure. Aber, so die damals einhellige Meinung: Die Rolle des Spielmachers kann nur von einer Person ausgefüllt werden. In Freundschaftsspielen war das freilich anders. Vor 40 Jahren spielte die Uwe-Seeler-Traditionself in Bad Oeynhausen gegen eine verstärkte Oeynhauser Stadtauswahl, in der auch Mindener mitwirkten. Unter anderem Torwart-Legende Hermann Gotthelf, der damals beim gastgebenden SC Oberbecksen unter Vertrag stand. Gegen die mit einstigen Nationalspielern wie Wolfgang Fahrian, Herbert Laumen und Lothar Emmerich gespickte Seeler-Elf schlug sich die Mannschaft des Letelner Trainers Hans Labjuhn prächtig: Nach 45 Minuten hieß es 0:0. Gotthelf erinnert sich: „Ich war ganz gut in Form, habe einiges gehalten. Der NDR-Reporter sagte in der Halbzeit zu mir: Wenn du weiter so hältst, gehen die Leute nach Hause. Die wollen Kopfballtore von Uwe Seeler sehen!“ Nach der Pause ging es Schlag auf Schlag. Emmerich bracht die Seeler-Elf in Front, Laumen erhöhte, erneut „Emma“ markierte das 0:3. Die Seeler-Elf gewann am Ende 6:3, „Uns Uwe“ erzielte am Ende noch zwei Tore. Für die Gastgeber trafen übrigens Helmut Pahmeier (2) und Wolfgang Poock. Die beiden Super-Regisseure hinterließen bei Hermann Gotthelf einen eher schalen Beigeschmack: „Wolfgang Overath war total arrogant. Ich hatte mal einen leichten Zusammenprall mit ihm, und er fuhr mich an: Das machst du mit mir nicht noch mal.“ Ich antwortete, und das als Fan seines 1. FC Köln: „Du warst zwar ein super Fußballer. Aber menschlich bist du für mich ein – ich wiederhole lieber nicht, was ich gesagt habe.“ Bei Günter Netzer fiel den Gegnern auf, dass seine Mitspieler, darunter auch ehemalige Nationalmannschafts-Kollegen wie Emmerich, Herr Netzer und Sie zu ihm sagten. Gotthelf: „Das muss man sich mal Vorstellen: Weil der damals Manager des Hamburger Sportvereins war, ließ er sich von seinen Mitspielern siezen!“ Ganz anders gab sich Uwe Seeler. Gotthelf: „Mit ihm habe ich mich nach der Partie über das Jahrhundertspiel bei der WM 1970, das Italien gegen Deutschland gewann, unterhalten. Wir sind bei diesen Freundschaftsspielen immer wieder aufeinander getroffen. Er hat vor diesen Spielen immer gesagt: Na, wir beide wieder? Uwe Seeler ist ein Supertyp, einfach nur wunderbar.“

Gotthelf erinnert sich im Sportrückblick: Seeler ein „Supertyp“, Overath und Netzer arrogant in der Badestadt

Uwe Seeler, Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft (links) und der Mindener Torwart Hermann Gotthelf verstanden sich prächtig, wie man sieht.Foto: NW-Archiv © mlorenz

Bad Oeynhausen. „Netzer oder Overath?“ Vor dieser kniffligen Frage, die als eine der legendärsten im Fußball gilt, stand Bundestrainer Helmut Schön von 1965 bis 1974 immer wieder. Günter Netzer und Wolfgang Overath waren zwei absolute Weltklasse-Regisseure. Aber, so die damals einhellige Meinung: Die Rolle des Spielmachers kann nur von einer Person ausgefüllt werden. In Freundschaftsspielen war das freilich anders.

Vor 40 Jahren spielte die Uwe-Seeler-Traditionself in Bad Oeynhausen gegen eine verstärkte Oeynhauser Stadtauswahl, in der auch Mindener mitwirkten. Unter anderem Torwart-Legende Hermann Gotthelf, der damals beim gastgebenden SC Oberbecksen unter Vertrag stand. Gegen die mit einstigen Nationalspielern wie Wolfgang Fahrian, Herbert Laumen und Lothar Emmerich gespickte Seeler-Elf schlug sich die Mannschaft des Letelner Trainers Hans Labjuhn prächtig: Nach 45 Minuten hieß es 0:0. Gotthelf erinnert sich: „Ich war ganz gut in Form, habe einiges gehalten. Der NDR-Reporter sagte in der Halbzeit zu mir: Wenn du weiter so hältst, gehen die Leute nach Hause. Die wollen Kopfballtore von Uwe Seeler sehen!“

Umfrage

Wer wird Fußball-Europameister?

Ergebnisse

Nach der Pause ging es Schlag auf Schlag. Emmerich bracht die Seeler-Elf in Front, Laumen erhöhte, erneut „Emma“ markierte das 0:3. Die Seeler-Elf gewann am Ende 6:3, „Uns Uwe“ erzielte am Ende noch zwei Tore. Für die Gastgeber trafen übrigens Helmut Pahmeier (2) und Wolfgang Poock.

Die beiden Super-Regisseure hinterließen bei Hermann Gotthelf einen eher schalen Beigeschmack: „Wolfgang Overath war total arrogant. Ich hatte mal einen leichten Zusammenprall mit ihm, und er fuhr mich an: Das machst du mit mir nicht noch mal.“ Ich antwortete, und das als Fan seines 1. FC Köln: „Du warst zwar ein super Fußballer. Aber menschlich bist du für mich ein – ich wiederhole lieber nicht, was ich gesagt habe.“

Bei Günter Netzer fiel den Gegnern auf, dass seine Mitspieler, darunter auch ehemalige Nationalmannschafts-Kollegen wie Emmerich, Herr Netzer und Sie zu ihm sagten. Gotthelf: „Das muss man sich mal Vorstellen: Weil der damals Manager des Hamburger Sportvereins war, ließ er sich von seinen Mitspielern siezen!“

Ganz anders gab sich Uwe Seeler. Gotthelf: „Mit ihm habe ich mich nach der Partie über das Jahrhundertspiel bei der WM 1970, das Italien gegen Deutschland gewann, unterhalten. Wir sind bei diesen Freundschaftsspielen immer wieder aufeinander getroffen. Er hat vor diesen Spielen immer gesagt: Na, wir beide wieder? Uwe Seeler ist ein Supertyp, einfach nur wunderbar.“

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Fußball