Futsal: Turbo Minden hat mit Florim Mustafa große Ziele Astrid Plaßhenrich Minden. Futsal ist ein Spiel für Techniker. Florim Mustafa ist so einer. Jemand, der gerne mit sogenannten Magic Skills, wörtlich übersetzt „magischen Fähigkeiten", auffällt. Der aus unmöglichen Winkeln Tore schießt oder seine Gegner mit Körpertäuschungen und Tricks aussteigen lässt. Ab sofort wird der FSP Turbo Minden davon profitieren. Der 34-Jährige wechselt zu dieser Saison von Hannover 96 aus der Regionalliga Nord nach Minden, dem Aufsteiger der Regionalliga West. „Florim wird aufgrund seiner Erfahrung Gold für uns wert sein", ist sich Turbo-Trainer Faton Jefkaj sicher, „in der Regionalliga geht es doch ganz anders zur Sache als noch in der Oberliga." Die Mannschaften sind taktisch geschulter, individuell besser besetzt und das Tempo höher. „Was im April 2017 mit unserer Gründung als Spaß begann, ist jetzt in der höchsten deutschen Spielklasse professionell geworden", erklärt Jefkaj. Deshalb wird auch das Training angezogen. Bisher hat den Mindenern eine Einheit in der Woche gereicht. Jetzt soll mindestens zweimal trainiert werden. „Wir hoffen, dafür Hallenzeiten zu bekommen", sagt der Futsal-Coach. Wichtig für die Heimspiele sei auch eine Halle mit Tribüne. Schließlich haben die Turbo-Fans in den vergangenen Jahren immer lautstark für Stimmung gesorgt, die Mannschaft nach vorne getrieben und in schwierigen Situationen unterstützt. Auch wenn die Hallenregelung noch nicht erfolgt ist, steht fest: Die Erfolgsgeschichte von Turbo Minden geht auch in der vierten Saison weiter. Nachdem im Mai auch die Futsal-Ligen abgebrochen worden waren, stieg Turbo Minden als Tabellenführer der Oberliga Westfalen Ost in die höchste Klasse auf. Der Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW) verzichtete auf die vorgesehene Aufstiegsrunde. Wann die Regionalliga startet, hat der Westdeutsche Fußballverband (WDFV) bislang noch nicht bekanntgegeben. „Wir gehen aber davon aus, dass wir Ende Oktober, Anfang November in die Serie starten", sagt Jefkaj. Florim Mustafa spielt bereits seit zwölf Jahren Futsal. Damals gab es noch keinen geregelten Ligabetrieb, die Mannschaften organisierten sich selbst. Er war also dabei, als die von der Fifa anerkannte Variante des Hallenfußballs in Deutschland immer mehr aufkam. Inzwischen gibt es bundesweit 173 Teams – so viele wie noch nie. Trotzdem ist der Boom aus den Jahren 2014 und 2015 abgeflacht. Zur Saison 2018/19 war die Entwicklung mit einem Minus-Wachstum von 2,35 Prozent sogar rückläufig. Jetzt geht es langsam wieder aufwärts. Mustafa hat seine Leidenschaft für den Futsal nie verloren. „Es geht immer zur Sache, es ist schneller als Fußball, und es fallen mehr Tore", sagt er. Der Spielmacher wohnt in Rinteln, hat die beiden vergangenen Jahre aber in Hannover gespielt. Der Weg zum Training und den Spielen war für den Industriemechaniker mit mehr als 60 Kilometern sehr zeitintensiv. „Weil ich es nicht immer nach Hannover geschafft habe, habe ich in der Vergangenheit bereits öfter bei Turbo trainiert", erzählt der 34-Jährige, „Faton und einige der Spieler kenne ich auch schon seit Jahren." Mustafa gefällt die spielerische Qualität der Mindener. Dazu stimme es menschlich. Ein weiterer Aspekt: Den ehemaligen Oberligaspieler von VfL Bückeburg und Preußen Hameln reizt die Regionalliga West. „Ich möchte mich mit den Besten messen, und ich denke, die Staffel ist mit MCH Sennestadt, Panthers Köln oder Holzpfosten Schwerte stärker besetzt als die Regionalliga Nord. Fortuna Düsseldorf legt ebenfalls personell richtig zu", erklärt der Neu-Mindener, der aber meint: „Wir sind sehr gut besetzt und können jeder Mannschaft Schwierigkeiten bereiten. Wir müssen uns hinter keinem Gegner verstecken." Neben Futsal spielt Mustafa auch beim FC Stadthagen in der Fußball-Kreisliga A, ist dort Kapitän und strebt diese Saison die Rückkehr in die Bezirksliga an. Große Ziele, die auch Turbo Minden verfolgt. Auf dem 43. Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) beschlossen die Delegierten die Gründung einer deutschlandweiten Futsal-Bundesliga ab der Saison 2021/22. Aufgrund der Corona-Situation ist es allerdings möglich, dass deren Start um ein Jahr verschoben wird. Eine endgültige Entscheidung wird der DFB aber erst noch treffen. „Auch wir können uns vorstellen, in der Bundesliga dabei zu sein", sagt Coach Jefkaj selbstbewusst, gibt aber auch zu bedenken: „Das wird natürlich kostspieliger. Ohne Sponsoren ist das nicht zu stemmen." DFB-Team fristet Schattendasein Die Futsal-WM wird bereits seit 1989 als offizielles Fifa-Turnier alle vier Jahre ausgetragen. Rekordsieger ist Brasilien (5) vor Spanien (2) und Argentinien (1). Die Futsal-EM wird inzwischen im Zweijahres-Rhythmus gespielt. Deutschland hat sich für beide Turniere noch nie qualifiziert. Allerdings existiert die deutsche Futsal-Nationalmannschaft erst seit 2016. Die ersten beiden Testspiele – sie zählen nicht als offizielle DFB-Länderspiele – gingen mit 0:4 und 0:5 gegen Georgien verloren. Das erste offizielle Länderspiel gewann Deutschland mit 5:3 gegen England am 30.Oktober 2016. Der höchste Sieg gelang den Deutschen gegen den Kosovo (8:4) am 30. Januar 2020, die höchste Niederlage steckten sie gegen Tschechien (2:13, 3. Dezember 2017) ein. Der aktuelle Futsal-Bundestrainer Marcel Loosveld ist seit Juni 2016 im Amt. Der Niederländer ist der der erste ausländische Trainer einer DFB-Nationalmannschaft. Deutscher Rekordspieler ist der Bielefelder Muhammet Sözer vom MCH Futsal Club Bielefeld-Sennestadt. Die Sennestädter sind eines der besten Teams Deutschlands und treffen in der kommenden Saison auf Turbo Minden. (apl)

Futsal: Turbo Minden hat mit Florim Mustafa große Ziele

Minden. Futsal ist ein Spiel für Techniker. Florim Mustafa ist so einer. Jemand, der gerne mit sogenannten Magic Skills, wörtlich übersetzt „magischen Fähigkeiten", auffällt. Der aus unmöglichen Winkeln Tore schießt oder seine Gegner mit Körpertäuschungen und Tricks aussteigen lässt. Ab sofort wird der FSP Turbo Minden davon profitieren. Der 34-Jährige wechselt zu dieser Saison von Hannover 96 aus der Regionalliga Nord nach Minden, dem Aufsteiger der Regionalliga West.

Florim Mustafa (rechts) war zusammen mit Rostom Youssef für Hannover 96 am Ball. - © Foto: Vedat Hasani/Hannover 96
Florim Mustafa (rechts) war zusammen mit Rostom Youssef für Hannover 96 am Ball. - © Foto: Vedat Hasani/Hannover 96

„Florim wird aufgrund seiner Erfahrung Gold für uns wert sein", ist sich Turbo-Trainer Faton Jefkaj sicher, „in der Regionalliga geht es doch ganz anders zur Sache als noch in der Oberliga." Die Mannschaften sind taktisch geschulter, individuell besser besetzt und das Tempo höher. „Was im April 2017 mit unserer Gründung als Spaß begann, ist jetzt in der höchsten deutschen Spielklasse professionell geworden", erklärt Jefkaj. Deshalb wird auch das Training angezogen. Bisher hat den Mindenern eine Einheit in der Woche gereicht. Jetzt soll mindestens zweimal trainiert werden. „Wir hoffen, dafür Hallenzeiten zu bekommen", sagt der Futsal-Coach. Wichtig für die Heimspiele sei auch eine Halle mit Tribüne. Schließlich haben die Turbo-Fans in den vergangenen Jahren immer lautstark für Stimmung gesorgt, die Mannschaft nach vorne getrieben und in schwierigen Situationen unterstützt.

Auch wenn die Hallenregelung noch nicht erfolgt ist, steht fest: Die Erfolgsgeschichte von Turbo Minden geht auch in der vierten Saison weiter. Nachdem im Mai auch die Futsal-Ligen abgebrochen worden waren, stieg Turbo Minden als Tabellenführer der Oberliga Westfalen Ost in die höchste Klasse auf. Der Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW) verzichtete auf die vorgesehene Aufstiegsrunde. Wann die Regionalliga startet, hat der Westdeutsche Fußballverband (WDFV) bislang noch nicht bekanntgegeben. „Wir gehen aber davon aus, dass wir Ende Oktober, Anfang November in die Serie starten", sagt Jefkaj.

Florim Mustafa spielt bereits seit zwölf Jahren Futsal. Damals gab es noch keinen geregelten Ligabetrieb, die Mannschaften organisierten sich selbst. Er war also dabei, als die von der Fifa anerkannte Variante des Hallenfußballs in Deutschland immer mehr aufkam. Inzwischen gibt es bundesweit 173 Teams – so viele wie noch nie. Trotzdem ist der Boom aus den Jahren 2014 und 2015 abgeflacht. Zur Saison 2018/19 war die Entwicklung mit einem Minus-Wachstum von 2,35 Prozent sogar rückläufig. Jetzt geht es langsam wieder aufwärts.

Mustafa hat seine Leidenschaft für den Futsal nie verloren. „Es geht immer zur Sache, es ist schneller als Fußball, und es fallen mehr Tore", sagt er. Der Spielmacher wohnt in Rinteln, hat die beiden vergangenen Jahre aber in Hannover gespielt. Der Weg zum Training und den Spielen war für den Industriemechaniker mit mehr als 60 Kilometern sehr zeitintensiv. „Weil ich es nicht immer nach Hannover geschafft habe, habe ich in der Vergangenheit bereits öfter bei Turbo trainiert", erzählt der 34-Jährige, „Faton und einige der Spieler kenne ich auch schon seit Jahren."

Mustafa gefällt die spielerische Qualität der Mindener. Dazu stimme es menschlich. Ein weiterer Aspekt: Den ehemaligen Oberligaspieler von VfL Bückeburg und Preußen Hameln reizt die Regionalliga West. „Ich möchte mich mit den Besten messen, und ich denke, die Staffel ist mit MCH Sennestadt, Panthers Köln oder Holzpfosten Schwerte stärker besetzt als die Regionalliga Nord. Fortuna Düsseldorf legt ebenfalls personell richtig zu", erklärt der Neu-Mindener, der aber meint: „Wir sind sehr gut besetzt und können jeder Mannschaft Schwierigkeiten bereiten. Wir müssen uns hinter keinem Gegner verstecken." Neben Futsal spielt Mustafa auch beim FC Stadthagen in der Fußball-Kreisliga A, ist dort Kapitän und strebt diese Saison die Rückkehr in die Bezirksliga an.

Große Ziele, die auch Turbo Minden verfolgt. Auf dem 43. Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) beschlossen die Delegierten die Gründung einer deutschlandweiten Futsal-Bundesliga ab der Saison 2021/22. Aufgrund der Corona-Situation ist es allerdings möglich, dass deren Start um ein Jahr verschoben wird. Eine endgültige Entscheidung wird der DFB aber erst noch treffen. „Auch wir können uns vorstellen, in der Bundesliga dabei zu sein", sagt Coach Jefkaj selbstbewusst, gibt aber auch zu bedenken: „Das wird natürlich kostspieliger. Ohne Sponsoren ist das nicht zu stemmen."

DFB-Team fristet Schattendasein

Die Futsal-WM wird bereits seit 1989 als offizielles Fifa-Turnier alle vier Jahre ausgetragen. Rekordsieger ist Brasilien (5) vor Spanien (2) und Argentinien (1). Die Futsal-EM wird inzwischen im Zweijahres-Rhythmus gespielt.

Deutschland hat sich für beide Turniere noch nie qualifiziert. Allerdings existiert die deutsche Futsal-Nationalmannschaft erst seit 2016. Die ersten beiden Testspiele – sie zählen nicht als offizielle DFB-Länderspiele – gingen mit 0:4 und 0:5 gegen Georgien verloren. Das erste offizielle Länderspiel gewann Deutschland mit 5:3 gegen England am 30.Oktober 2016.

Der höchste Sieg gelang den Deutschen gegen den Kosovo (8:4) am 30. Januar 2020, die höchste Niederlage steckten sie gegen Tschechien (2:13, 3. Dezember 2017) ein.

Der aktuelle Futsal-Bundestrainer Marcel Loosveld ist seit Juni 2016 im Amt. Der Niederländer ist der der erste ausländische Trainer einer DFB-Nationalmannschaft.

Deutscher Rekordspieler ist der Bielefelder Muhammet Sözer vom MCH Futsal Club Bielefeld-Sennestadt. Die Sennestädter sind eines der besten Teams Deutschlands und treffen in der kommenden Saison auf Turbo Minden. (apl)

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