Fußballvereine haben Bedenken, wie die Coronaregeln umgesetzt werden sollen Astrid Plaßhenrich Minden. Schienbeinschoner, Fußballschuhe, Handtuch und Badeschlappen: Dieses Quartett gehört in jede Sporttasche, wenn sich Fußballer auf dem Weg zum Spiel machen. Ab sofort müssen sie aber auch zwingend den Nachweis von Impfung, PCR-Testung oder Genesung sowie den Personalausweis einpacken. Die Vereine haben nach Inkrafttreten der neuen Coronaschutzverordnung die Aufgabe, sowohl die Mannschaften inklusive Trainer- und Betreuerstab sowie die Zuschauer dahingehend zu kontrollieren. „Das stellt uns vor Riesenprobleme", sagt Christian Riedel, „die Verantwortung, die auf den Vereinen lastet, ist enorm." Mit dieser Meinung steht der Trainer des Bezirksligisten TuS Lahde/Quetzen nicht alleine da. Politik und Verband bestehen auf die Prüfung. Das sei auch grundsätzlich in Ordnung und notwendig. Aber es gibt bislang keinen Leitfaden, wie das Prozedere umgesetzt werden soll und kann. Das bemängelt auch Jens Meier. „Dass Vorkehrungen getroffen werden müssen, steht außer Frage. Aber der Verband hätte den Vereinen ein Konzept an die Hand geben müssen. Die Verordnung ist nicht konkret genug", sagt der Trainer der SV Kutenhausen-Todtenhausen: „Wir Amateure kommen an unsere Grenzen." Meier tritt mit der SVKT am Sonntag auswärts in Herringhausen an: „Da können wir erst einmal beobachten, wie die Regeln dort umgesetzt werden." Über die Umsetzung hat sich Riedel mit den Vereinsverantwortlichen bereits viele Gedanken gemacht. Er spricht von einem sehr großen Aufwand. „Wir müssen uns mindestens eine halbe Stunde früher treffen. Ich stelle mir vor, dass dann ein Offizieller von uns zusammen mit einem Espelkamper die Dokumente vor der Kabine prüft", sagt der Lahder Coach. Dazu hat der TuS ein spezielles Problem: Seine Kabinen liegen außerhalb des Sportgeländes. Was ist, wenn beispielsweise ein Spieler aufgrund von Arbeit oder privaten Terminen später kommt? Natürlich gibt es Lösungen, aber die müssen im Vorfeld durchgespielt und geplant werden. Jens Meier lobt den Lahder Gedankengang, dass Offizielle beider Vereine zusammen die Spieler sowie Trainer- und Betreuerstab überprüfen, betont aber: „Der Heimverein hat nach meinem Verständnis das alleinige Recht darauf." Marcel Wallbaum ist ebenfalls gespannt, wie er und seine Spieler vor dem Kreisliga-A-Spiel beim TuS Volmerdingsen überprüft werden. „Wir werden uns auf jeden Fall deutlich früher treffen als sonst", sagt der Trainer des SV Hausberge. Wallbaum sieht die Vereine jedoch ausreichend gewappnet: „Wir mussten im Sommer auch die Rückverfolgung sicherstellen. Das konnte jeder Verein mit der Luca-App oder mit Adresslisten auch bewerkstelligen. In der Hinsicht hat ja jeder Verein ein Konzept", meint der Hausberger Coach: „Aber klar, es müssen sicherlich mehr Ordner eingesetzt werden." Schließlich ist der Hausberger Sportplatz von mehreren Seiten betretbar. Auch die Anlage in Quetzen muss wie viele andere im Fußballkreis Minden diesem Problem vorbeugen. „Aber dann müssen an jeder Seite Ordner stehen und darauf hinweisen, dass es nur einen zentralen Eingang gibt", sagt Wallbaum. Wie seine Mannschaft überprüft wird, wusste er am Freitag genauso wenig wie Carsten Korff. Der Trainer tritt mit dem FSC Eisbergen beim Bezirksliga-Spitzenreiter TuS Lohe an. Er wolle im Vorfeld mit dessen Fußballobmann Andreas Hinkelmann sprechen. Korff hatte sich auch bereits Gedanken gemacht, wie die Nachweise kontrolliert werden können, ohne viel Zeit zu verlieren: „Man könnte die Kaderlisten der gegnerischen Mannschaften anfordern und die Spieler, Trainer und Betreuer versichern mit ihrer Unterschrift, dass sie die Nachweise mitführen." Wie die Trainer sich einig sind, dass alle Vereine die Schutzverordnung mittragen müssen, so sagen auch alle: „Die Praxis wird zeigen, wie sie umgesetzt wird." Und Carsten Korff schiebt nach: „Vieles ist fraglich. Wer weiß, ob wir nächste Woche überhaupt noch spielen dürfen." Aufgabe annehmen Kommentar von Sebastian Külbel Sportvereine sind in der Corona-Pandemie wahrhaftig gebeutelt. In monatelangen Spiel- und Trainingsverboten hat nicht nur die sportliche Qualität gelitten, sondern auch das gesellige Miteinander. Gerade hatten alle einen Modus gefunden, mit der neuen Realität umzugehen, da flattert die neue Schutzverordnung ins Haus. Wer soll das noch alles kontrollieren? Und vor allem wie? Die Verzweiflung ist mit Händen zu greifen, und sie ist verständlich. In Sportvereinen sind Amateure tätig, ob auf dem Spielfeld oder in den Vorständen. Und vor allem die Funktionäre haben die Grenzen dessen, weshalb sie dieses Amt überhaupt ausüben, schon lange hinter sich gelassen. Corona fordert so sehr, dass die Überforderung nicht weit ist. Vielleicht hilft es, sich auf die Essenz des eigenen Daseins zu besinnen. Die Wissenschaft kann Empfehlungen geben, die Politik Gesetze und Regeln machen, die Staatsgewalt kann diese durchsetzen – aber verankert werden müssen sie in der Gesellschaft. In der Familie, im Freundeskreis, unter Kollegen – und in den Vereinen. Hier versammeln sich unterschiedlichste Menschen, die aber ein gemeinsames Ziel haben. Wer auch weiterhin zusammen Fußball spielen, Handbälle werfen oder Tennisschläger schwingen will, muss sich an Spielregeln und zurzeit eben auch an Corona-Regeln halten. Und genau deshalb müssen die Vereine die undankbare Aufgabe annehmen, diese zu überprüfen. Damit dieser ganze Spuk irgendwann endet.

Fußballvereine haben Bedenken, wie die Coronaregeln umgesetzt werden sollen

Amateurfußballer müssen ab sofort einen Nachweis von Impfung, Genesung oder PCR-Testung mit sich führen, ansonsten dürfen sie weder am Trainings- oder Spielbetrieb teilnehmen. Fotomontage: Hoermann/Simon/imago © imago images/Sven Simon

Minden. Schienbeinschoner, Fußballschuhe, Handtuch und Badeschlappen: Dieses Quartett gehört in jede Sporttasche, wenn sich Fußballer auf dem Weg zum Spiel machen. Ab sofort müssen sie aber auch zwingend den Nachweis von Impfung, PCR-Testung oder Genesung sowie den Personalausweis einpacken.

Die Vereine haben nach Inkrafttreten der neuen Coronaschutzverordnung die Aufgabe, sowohl die Mannschaften inklusive Trainer- und Betreuerstab sowie die Zuschauer dahingehend zu kontrollieren. „Das stellt uns vor Riesenprobleme", sagt Christian Riedel, „die Verantwortung, die auf den Vereinen lastet, ist enorm." Mit dieser Meinung steht der Trainer des Bezirksligisten TuS Lahde/Quetzen nicht alleine da.

Politik und Verband bestehen auf die Prüfung. Das sei auch grundsätzlich in Ordnung und notwendig. Aber es gibt bislang keinen Leitfaden, wie das Prozedere umgesetzt werden soll und kann. Das bemängelt auch Jens Meier. „Dass Vorkehrungen getroffen werden müssen, steht außer Frage. Aber der Verband hätte den Vereinen ein Konzept an die Hand geben müssen. Die Verordnung ist nicht konkret genug", sagt der Trainer der SV Kutenhausen-Todtenhausen: „Wir Amateure kommen an unsere Grenzen." Meier tritt mit der SVKT am Sonntag auswärts in Herringhausen an: „Da können wir erst einmal beobachten, wie die Regeln dort umgesetzt werden."

Über die Umsetzung hat sich Riedel mit den Vereinsverantwortlichen bereits viele Gedanken gemacht. Er spricht von einem sehr großen Aufwand. „Wir müssen uns mindestens eine halbe Stunde früher treffen. Ich stelle mir vor, dass dann ein Offizieller von uns zusammen mit einem Espelkamper die Dokumente vor der Kabine prüft", sagt der Lahder Coach. Dazu hat der TuS ein spezielles Problem: Seine Kabinen liegen außerhalb des Sportgeländes. Was ist, wenn beispielsweise ein Spieler aufgrund von Arbeit oder privaten Terminen später kommt? Natürlich gibt es Lösungen, aber die müssen im Vorfeld durchgespielt und geplant werden. Jens Meier lobt den Lahder Gedankengang, dass Offizielle beider Vereine zusammen die Spieler sowie Trainer- und Betreuerstab überprüfen, betont aber: „Der Heimverein hat nach meinem Verständnis das alleinige Recht darauf."

Marcel Wallbaum ist ebenfalls gespannt, wie er und seine Spieler vor dem Kreisliga-A-Spiel beim TuS Volmerdingsen überprüft werden. „Wir werden uns auf jeden Fall deutlich früher treffen als sonst", sagt der Trainer des SV Hausberge. Wallbaum sieht die Vereine jedoch ausreichend gewappnet: „Wir mussten im Sommer auch die Rückverfolgung sicherstellen. Das konnte jeder Verein mit der Luca-App oder mit Adresslisten auch bewerkstelligen. In der Hinsicht hat ja jeder Verein ein Konzept", meint der Hausberger Coach: „Aber klar, es müssen sicherlich mehr Ordner eingesetzt werden." Schließlich ist der Hausberger Sportplatz von mehreren Seiten betretbar. Auch die Anlage in Quetzen muss wie viele andere im Fußballkreis Minden diesem Problem vorbeugen. „Aber dann müssen an jeder Seite Ordner stehen und darauf hinweisen, dass es nur einen zentralen Eingang gibt", sagt Wallbaum.

Wie seine Mannschaft überprüft wird, wusste er am Freitag genauso wenig wie Carsten Korff. Der Trainer tritt mit dem FSC Eisbergen beim Bezirksliga-Spitzenreiter TuS Lohe an. Er wolle im Vorfeld mit dessen Fußballobmann Andreas Hinkelmann sprechen. Korff hatte sich auch bereits Gedanken gemacht, wie die Nachweise kontrolliert werden können, ohne viel Zeit zu verlieren: „Man könnte die Kaderlisten der gegnerischen Mannschaften anfordern und die Spieler, Trainer und Betreuer versichern mit ihrer Unterschrift, dass sie die Nachweise mitführen."

Wie die Trainer sich einig sind, dass alle Vereine die Schutzverordnung mittragen müssen, so sagen auch alle: „Die Praxis wird zeigen, wie sie umgesetzt wird." Und Carsten Korff schiebt nach: „Vieles ist fraglich. Wer weiß, ob wir nächste Woche überhaupt noch spielen dürfen."

Aufgabe annehmen

Kommentar von Sebastian Külbel

Sportvereine sind in der Corona-Pandemie wahrhaftig gebeutelt. In monatelangen Spiel- und Trainingsverboten hat nicht nur die sportliche Qualität gelitten, sondern auch das gesellige Miteinander. Gerade hatten alle einen Modus gefunden, mit der neuen Realität umzugehen, da flattert die neue Schutzverordnung ins Haus. Wer soll das noch alles kontrollieren? Und vor allem wie?

Die Verzweiflung ist mit Händen zu greifen, und sie ist verständlich. In Sportvereinen sind Amateure tätig, ob auf dem Spielfeld oder in den Vorständen. Und vor allem die Funktionäre haben die Grenzen dessen, weshalb sie dieses Amt überhaupt ausüben, schon lange hinter sich gelassen. Corona fordert so sehr, dass die Überforderung nicht weit ist.

Vielleicht hilft es, sich auf die Essenz des eigenen Daseins zu besinnen. Die Wissenschaft kann Empfehlungen geben, die Politik Gesetze und Regeln machen, die Staatsgewalt kann diese durchsetzen – aber verankert werden müssen sie in der Gesellschaft. In der Familie, im Freundeskreis, unter Kollegen – und in den Vereinen.

Hier versammeln sich unterschiedlichste Menschen, die aber ein gemeinsames Ziel haben. Wer auch weiterhin zusammen Fußball spielen, Handbälle werfen oder Tennisschläger schwingen will, muss sich an Spielregeln und zurzeit eben auch an Corona-Regeln halten. Und genau deshalb müssen die Vereine die undankbare Aufgabe annehmen, diese zu überprüfen. Damit dieser ganze Spuk irgendwann endet.

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