Fußballer müssen sich gedulden: Re-Start ist nicht in Sicht Minden (mt/apl). Seine Frau habe ihn fast nur noch in seinem Büro vor dem Bildschirm gesehen: Manfred Schnieders ist Vize-Präsident Amateurfußball des Westfälischen Fußball-und Leichtathletikverbandes (FLVW). Für ihn waren die vergangenen Monate sehr arbeitsintensiv. Arbeitsintensiver als vor der Corona-Krise. „Ich habe seit März an mehr als 500 Videokonferenzen teilgenommen“, sagt Schnieders. Während zunächst die abgebrochene Saison abgewickelt werden musste, geht es nun darum, eine Wertung dieser Spielzeit zu gewährleisten. Das große Problem: Niemand weiß, wann es wieder losgeht. Der Verband ist in diesen Wochen stark gefordert. „Es ist unglaublich schwer Lösungen zu finden, die für alle gerecht sind“, meinte der Funktionär Ende Dezember im Interview mit der Neuen Westfälischen. Nach den neuen Beschlüssen der Politik ist der Re-Start nicht absehbar. „In der aktuellen Situation muss sich der Amateur- und Jugendfußball auch ein Stückweit hintenanstellen und seinen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie leisten“, sagt Schnieders im aktuellen FLVW-Interview. Der Verband befindet sich im engen Austausch mit der Staatskanzlei. Die Zusammenarbeit sei konstruktiv und partnerschaftlich, schließlich wolle niemand den Breitensport verhindern. Aber klar sei auch: So lange Kinder und Jugendliche nicht in die Schule zurück können, wird über die Öffnung der Sportstätten nicht gesprochen. „Ich möchte den Vereinen und Aktiven keine falschen Hoffnungen machen. Deswegen sollten wir nicht damit rechnen, dass bereits im Februar wieder trainiert oder gespielt werden kann“, erklärte der FLVW-Funktionär. Angesichts der aktuellen Zahlen und Maßnahmen wäre das auch fahrlässig. Schnieders möchte sich auch nicht an Spekulationen über einen möglichen Re-Start beteiligen: „Kein Mensch weiß, wie sich die Pandemie entwickeln wird. Insofern wäre es Kaffeesatzleserei und absolut unseriös.“ Das oberste Ziel des Verbandes ist es, schnellstmöglich mindestens 50 Prozent der Spiele zu absolvieren. Denn dann ist eine Wertung sichergestellt. Nach Möglichkeit so, dass mindestens jeder Verein einmal gegen jeden gespielt hat, das muss aber nicht sein. Die verschiedenen Gremien machen sich tagtäglich Gedanken über die Wiederaufnahme des Trainings- und Spielbetriebs, stehen im ständigen Austausch und entwickeln Modelle für verschiedene Zeitpunkte. „Da wir diesen Termin aber nicht selbst in der Hand haben, bin ich kein Freund von Wasserstandsmeldungen, die wenig später keine Gültigkeit mehr hätten.“ Bislang ist geplant, dass die Mannschaften eine zweiwöchige Vorbereitungszeit bis zum ersten Spiel gegeben werden. „Möglich wäre aber auch eine stufenweise Rückkehr auf die Sportplätze, so wie im Frühjahr: erst kontaktfrei, dann mit Kontakt. Das würde die Vorbereitungszeit natürlich verlängern“, sagt der Vize-Präsident. Schnieders geht aber auch davon aus, dass bis zum 30. Juni gespielt wird – auch wenn die Hälfte der Spiele vorher absolviert sind, aber feststehen sollte, dass nicht alle Partien mehr ausgetragen werden. „Laut Spielordnung müssen wir den Vereinen anbieten, den Spielbetrieb durchzuführen. Macht der Verband das nicht, kann er für ausbleibende Sponsorengelder oder fehlende Einnahmen aus Eintrittsgeldern haftbar gemacht werden“, sagt Schnieders in dem NW-Interview. Dazu könnten sich Vereine beschweren, weil sie in den ausbleibenden Partien gegen vermeintlich schwächere Gegner noch mehr Punkte eingeplant haben, um Plätze in der Tabelle gutzumachen. Die im Herbst ausgefallenen Spiele werden unter der Woche nachgeholt. Bei Neuansetzungen unter der Woche muss aber die Reisedauer berücksichtigt werden. „80 Kilometer auf der Landstraße sind nicht 80 Kilometer auf der Autobahn, und es kann nicht sein, dass eine Mannschaft von Auswärtsspielen in der Nacht zurückkommt“, meint Schnieders. Dass die Saison Ende Oktober erneut unterbrochen wurde, überraschte den Vize-Präsidenten nicht: „Die Vereine haben sich mit ihren Hygienekonzepten viel Mühe gegeben. Aber es gab viele, die sich nicht an die Regeln gehalten haben. Ich habe mir davon auf den Sportplätzen selbst ein Bild gemacht. Da war mir klar, dass das nicht lange gut geht.“ Im Vergleich zum Frühjahr hat Schnieders auch festgestellt, dass der Ton von Vereinen gegenüber den Verband bisweilen rauer und Forderungen und Kritik vereinzelt lauter geworden ist. „Im Frühjahr haben sich die Vereine sehr solidarisch und rücksichtsvoll gezeigt. Das wünsche ich mir zurück“, meint Schnieders.

Fußballer müssen sich gedulden: Re-Start ist nicht in Sicht

Ein aktuell gewohntes Bild: Die Sportanlagen sind deutschlandweit geschlossen. Fotos: Noah Wedel © Noah Wedel

Minden (mt/apl). Seine Frau habe ihn fast nur noch in seinem Büro vor dem Bildschirm gesehen: Manfred Schnieders ist Vize-Präsident Amateurfußball des Westfälischen Fußball-und Leichtathletikverbandes (FLVW). Für ihn waren die vergangenen Monate sehr arbeitsintensiv. Arbeitsintensiver als vor der Corona-Krise. „Ich habe seit März an mehr als 500 Videokonferenzen teilgenommen“, sagt Schnieders. Während zunächst die abgebrochene Saison abgewickelt werden musste, geht es nun darum, eine Wertung dieser Spielzeit zu gewährleisten. Das große Problem: Niemand weiß, wann es wieder losgeht.

Der Verband ist in diesen Wochen stark gefordert. „Es ist unglaublich schwer Lösungen zu finden, die für alle gerecht sind“, meinte der Funktionär Ende Dezember im Interview mit der Neuen Westfälischen. Nach den neuen Beschlüssen der Politik ist der Re-Start nicht absehbar. „In der aktuellen Situation muss sich der Amateur- und Jugendfußball auch ein Stückweit hintenanstellen und seinen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie leisten“, sagt Schnieders im aktuellen FLVW-Interview. Der Verband befindet sich im engen Austausch mit der Staatskanzlei. Die Zusammenarbeit sei konstruktiv und partnerschaftlich, schließlich wolle niemand den Breitensport verhindern. Aber klar sei auch: So lange Kinder und Jugendliche nicht in die Schule zurück können, wird über die Öffnung der Sportstätten nicht gesprochen. „Ich möchte den Vereinen und Aktiven keine falschen Hoffnungen machen. Deswegen sollten wir nicht damit rechnen, dass bereits im Februar wieder trainiert oder gespielt werden kann“, erklärte der FLVW-Funktionär. Angesichts der aktuellen Zahlen und Maßnahmen wäre das auch fahrlässig. Schnieders möchte sich auch nicht an Spekulationen über einen möglichen Re-Start beteiligen: „Kein Mensch weiß, wie sich die Pandemie entwickeln wird. Insofern wäre es Kaffeesatzleserei und absolut unseriös.“

FLVW-Funktionär Manfred Schnieders bezieht Stellung. - © Noah Wedel
FLVW-Funktionär Manfred Schnieders bezieht Stellung. - © Noah Wedel

Das oberste Ziel des Verbandes ist es, schnellstmöglich mindestens 50 Prozent der Spiele zu absolvieren. Denn dann ist eine Wertung sichergestellt. Nach Möglichkeit so, dass mindestens jeder Verein einmal gegen jeden gespielt hat, das muss aber nicht sein. Die verschiedenen Gremien machen sich tagtäglich Gedanken über die Wiederaufnahme des Trainings- und Spielbetriebs, stehen im ständigen Austausch und entwickeln Modelle für verschiedene Zeitpunkte. „Da wir diesen Termin aber nicht selbst in der Hand haben, bin ich kein Freund von Wasserstandsmeldungen, die wenig später keine Gültigkeit mehr hätten.“ Bislang ist geplant, dass die Mannschaften eine zweiwöchige Vorbereitungszeit bis zum ersten Spiel gegeben werden. „Möglich wäre aber auch eine stufenweise Rückkehr auf die Sportplätze, so wie im Frühjahr: erst kontaktfrei, dann mit Kontakt. Das würde die Vorbereitungszeit natürlich verlängern“, sagt der Vize-Präsident.

Schnieders geht aber auch davon aus, dass bis zum 30. Juni gespielt wird – auch wenn die Hälfte der Spiele vorher absolviert sind, aber feststehen sollte, dass nicht alle Partien mehr ausgetragen werden. „Laut Spielordnung müssen wir den Vereinen anbieten, den Spielbetrieb durchzuführen. Macht der Verband das nicht, kann er für ausbleibende Sponsorengelder oder fehlende Einnahmen aus Eintrittsgeldern haftbar gemacht werden“, sagt Schnieders in dem NW-Interview.

Dazu könnten sich Vereine beschweren, weil sie in den ausbleibenden Partien gegen vermeintlich schwächere Gegner noch mehr Punkte eingeplant haben, um Plätze in der Tabelle gutzumachen. Die im Herbst ausgefallenen Spiele werden unter der Woche nachgeholt. Bei Neuansetzungen unter der Woche muss aber die Reisedauer berücksichtigt werden. „80 Kilometer auf der Landstraße sind nicht 80 Kilometer auf der Autobahn, und es kann nicht sein, dass eine Mannschaft von Auswärtsspielen in der Nacht zurückkommt“, meint Schnieders.

Dass die Saison Ende Oktober erneut unterbrochen wurde, überraschte den Vize-Präsidenten nicht: „Die Vereine haben sich mit ihren Hygienekonzepten viel Mühe gegeben. Aber es gab viele, die sich nicht an die Regeln gehalten haben. Ich habe mir davon auf den Sportplätzen selbst ein Bild gemacht. Da war mir klar, dass das nicht lange gut geht.“ Im Vergleich zum Frühjahr hat Schnieders auch festgestellt, dass der Ton von Vereinen gegenüber den Verband bisweilen rauer und Forderungen und Kritik vereinzelt lauter geworden ist. „Im Frühjahr haben sich die Vereine sehr solidarisch und rücksichtsvoll gezeigt. Das wünsche ich mir zurück“, meint Schnieders.

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