Fußballer beklagen Belastung, Kreisvorsitzender weist Kritik zurück Sebastian Külbel Minden. Der hohe Spielrhythmus der vorigen Wochen hat den Aktiven im Fußballkreis Minden zugesetzt. Zahlreiche Mannschaften klagen über Personalprobleme, die Gründe dafür sind vielfältig. Zum einen hat die lange Coronapause Folgen für die nun wieder hochgefahrene Belastung, zum anderen gibt es Kritik wegen der Ansetzungen. Fußballkreisvorsitzender Thomas Schickentanz weist diese zurück und nimmt Spieler wie Vereine in die Pflicht. Am deutlichsten äußert seinen Unmut Union Mindens Trainer Tim Meyer. „Wir spielen in zwei Staffeln, um die Belastung gering zu halten, und dann haben wir sieben Spiele in 21 Tagen“, skizziert er: „Das hat mit Belastungssteuerung nichts zu tun.“ Er räumt zwar ein, dass diese Situation aufgrund eines Corona-Falls im Kader seines A-Kreisligisten und damit verbundenen Spielausfällen auch selbst verschuldet ist. Dennoch sieht er ein grundsätzliches Problem: „Andere Ligen spielen bis zum 18. Dezember, wir knallen alles in zwei Monaten durch und machen dann fünf Monate Pause.“ Unterstützung bekommt Meyer von SV Hausberges Coach Marcel Wallbaum, dem die Winterpause ebenfalls zu früh beginnt: „Warum spielen wir im Dezember nicht einfach so lange, wie es das Wetter zulässt? Stattdessen gibt es fragwürdige Ansetzungen mit fünf Spielen in zwei Wochen gleich zum Saisonbeginn.“ Diesen Kritikpunkt sieht auch sein Kollege Michael Fromme vom TuS Porta Westfalica: „Die englischen Wochen am Anfang waren schon hart.“ Er relativiert allerdings: „Wir wollten ja alle wieder auf den Platz, die hohe Belastung wurde erst jetzt klar. Im Nachhinein ist man eben schlauer.“ Kreisvorsitzender Schickentanz betont, dass die Saisonplanung keineswegs zu Lasten der Vereine vorgenommen werde. Vielmehr sei die aktuelle Situation auch eine Folge von deren Wünschen. „Wir haben im Sinne der Vereine die Kreisliga A mit 20 Mannschaften fortgeführt. Auch die Zusammensetzung der Staffeln haben wir auf deren Anregung geändert. Bei den Ansetzungen setzt uns der Rahmenterminplan enge Grenzen.“ Der Dezember sei zum Beispiel deshalb spielfrei, weil das Wetter in der jüngeren Vergangenheit stets zu zahlreichen Absagen geführt habe. „Die Kommunen sperren die Plätze aus Kostengründen immer schneller, um Schäden zu vermeiden“, erläutert Schickentanz. Er betont aber, dass Nachholspiele, die für März angesetzt werden, durchaus in den Dezember vorgezogen werden könnten, wenn es das Wetter hergibt. Bei einem anderen Punkt ist aber auch der Funktionär machtlos. Denn die lange Zwangspause wirkt auch bei den Fußballern nach. „Wir haben uns zwar immer fit gehalten, es fehlten aber die fußballspezifischen Belastungen“, erklärt Trainer Carsten Korff von Bezirksligist FSC Eisbergen. Die Folge sind muskuläre Verletzungen: „Vom Gefühl her sind es mehr als sonst, wissenschaftlich untermauert ist das aber natürlich nicht.“ Neben der körperlichen Belastung sieht RW Maaslingens Landesliga-Coach Jan-Werner Schmitz auch einen psychischen Aspekt. „Beim Training kann ich abschalten, bei einem Spiel nicht. Die Anspannung ist einfach eine ganz andere, auch schon im Vorfeld. Und bei uns Amateuren noch ein logistischer Aspekt dazu, wenn wir von der Arbeit direkt zum Spiel müssen und danach vielleicht auch nicht direkt schlafen können.“ Dennoch wird auch in Zukunft kein Weg an späten Wochenansetzungen vorbei führen, um endlich wieder einmal eine Saison regulär zu beenden. Das macht die Arbeit der Spielplaner nicht leichter, wie Schickentanz beim Blick auf die dunkle Jahreszeit betont: „Da gibt es zum Beispiel in der Stadt Porta Westfalica nur am Nammer Wald einen Platz mit Flutlicht.“ Ein Problem, das jüngst auch bei der Ansetzung der Kreispokalspiele wieder auftauchte. Aber auch hier ist die Austragung im Herbst eine Folge des Mangels an Spielterminen, wie Schickentanz betont: „Da reicht eigentlich ein Blick auf den Rahmenterminplan.“ Zu den bekannten Rahmenbedingungen des Spielbetriebs kommen die Auswirkungen der Pandemie, die in dieser Saison schon bei drei Teams zu Coronafällen mit Trainingspausen und Nachholspielen geführt haben. Schickentanz hat dazu eine klare Meinung: „Alle wollen spielen, aber manche wollen nicht alles dafür tun und sich impfen lassen. Das ist für mich unverständlich.“ Beißen und durch Ein Kommentar von Sebastian Külbel Die Klagen über Spielansetzungen im Amateurfußball sind altbekannt. Häufen sich im Frühjahr die Nachholpartien, fragen alle, warum es keine Wochenspieltage im Spätsommer gegeben hat. Gibt es englische Wochen zum Start, hätten die Vereine lieber bis kurz vor Weihnachten gespielt. Zwar muss man gerade jetzt die Nöte der Trainer verstehen, die nach der langen Zwangspause vor neuen Herausforderungen stehen. Allerdings darf man auch den Funktionären glauben, dass sie die Saison im besten Sinne aller Beteiligten planen. Der Amateursport befindet sich noch immer in einem Ausnahmezustand. Das erste Ziel muss es sein, endlich wieder einmal eine Saison regulär zu Ende zu bringen. Dabei hilft allen Beteiligten zurzeit wohl nur eines: Zähne zusammenbeißen und durch.

Fußballer beklagen Belastung, Kreisvorsitzender weist Kritik zurück

Spieler am Boden: Nicht nur Union Minden spürt die Folgen der vorigen Wochen. © Sebastian Külbel

Minden. Der hohe Spielrhythmus der vorigen Wochen hat den Aktiven im Fußballkreis Minden zugesetzt. Zahlreiche Mannschaften klagen über Personalprobleme, die Gründe dafür sind vielfältig. Zum einen hat die lange Coronapause Folgen für die nun wieder hochgefahrene Belastung, zum anderen gibt es Kritik wegen der Ansetzungen. Fußballkreisvorsitzender Thomas Schickentanz weist diese zurück und nimmt Spieler wie Vereine in die Pflicht.

Am deutlichsten äußert seinen Unmut Union Mindens Trainer Tim Meyer. „Wir spielen in zwei Staffeln, um die Belastung gering zu halten, und dann haben wir sieben Spiele in 21 Tagen“, skizziert er: „Das hat mit Belastungssteuerung nichts zu tun.“ Er räumt zwar ein, dass diese Situation aufgrund eines Corona-Falls im Kader seines A-Kreisligisten und damit verbundenen Spielausfällen auch selbst verschuldet ist. Dennoch sieht er ein grundsätzliches Problem: „Andere Ligen spielen bis zum 18. Dezember, wir knallen alles in zwei Monaten durch und machen dann fünf Monate Pause.“

Unterstützung bekommt Meyer von SV Hausberges Coach Marcel Wallbaum, dem die Winterpause ebenfalls zu früh beginnt: „Warum spielen wir im Dezember nicht einfach so lange, wie es das Wetter zulässt? Stattdessen gibt es fragwürdige Ansetzungen mit fünf Spielen in zwei Wochen gleich zum Saisonbeginn.“ Diesen Kritikpunkt sieht auch sein Kollege Michael Fromme vom TuS Porta Westfalica: „Die englischen Wochen am Anfang waren schon hart.“ Er relativiert allerdings: „Wir wollten ja alle wieder auf den Platz, die hohe Belastung wurde erst jetzt klar. Im Nachhinein ist man eben schlauer.“

Kreisvorsitzender Schickentanz betont, dass die Saisonplanung keineswegs zu Lasten der Vereine vorgenommen werde. Vielmehr sei die aktuelle Situation auch eine Folge von deren Wünschen. „Wir haben im Sinne der Vereine die Kreisliga A mit 20 Mannschaften fortgeführt. Auch die Zusammensetzung der Staffeln haben wir auf deren Anregung geändert. Bei den Ansetzungen setzt uns der Rahmenterminplan enge Grenzen.“ Der Dezember sei zum Beispiel deshalb spielfrei, weil das Wetter in der jüngeren Vergangenheit stets zu zahlreichen Absagen geführt habe. „Die Kommunen sperren die Plätze aus Kostengründen immer schneller, um Schäden zu vermeiden“, erläutert Schickentanz. Er betont aber, dass Nachholspiele, die für März angesetzt werden, durchaus in den Dezember vorgezogen werden könnten, wenn es das Wetter hergibt.

Bei einem anderen Punkt ist aber auch der Funktionär machtlos. Denn die lange Zwangspause wirkt auch bei den Fußballern nach. „Wir haben uns zwar immer fit gehalten, es fehlten aber die fußballspezifischen Belastungen“, erklärt Trainer Carsten Korff von Bezirksligist FSC Eisbergen. Die Folge sind muskuläre Verletzungen: „Vom Gefühl her sind es mehr als sonst, wissenschaftlich untermauert ist das aber natürlich nicht.“

Neben der körperlichen Belastung sieht RW Maaslingens Landesliga-Coach Jan-Werner Schmitz auch einen psychischen Aspekt. „Beim Training kann ich abschalten, bei einem Spiel nicht. Die Anspannung ist einfach eine ganz andere, auch schon im Vorfeld. Und bei uns Amateuren noch ein logistischer Aspekt dazu, wenn wir von der Arbeit direkt zum Spiel müssen und danach vielleicht auch nicht direkt schlafen können.“

Dennoch wird auch in Zukunft kein Weg an späten Wochenansetzungen vorbei führen, um endlich wieder einmal eine Saison regulär zu beenden. Das macht die Arbeit der Spielplaner nicht leichter, wie Schickentanz beim Blick auf die dunkle Jahreszeit betont: „Da gibt es zum Beispiel in der Stadt Porta Westfalica nur am Nammer Wald einen Platz mit Flutlicht.“ Ein Problem, das jüngst auch bei der Ansetzung der Kreispokalspiele wieder auftauchte. Aber auch hier ist die Austragung im Herbst eine Folge des Mangels an Spielterminen, wie Schickentanz betont: „Da reicht eigentlich ein Blick auf den Rahmenterminplan.“

Zu den bekannten Rahmenbedingungen des Spielbetriebs kommen die Auswirkungen der Pandemie, die in dieser Saison schon bei drei Teams zu Coronafällen mit Trainingspausen und Nachholspielen geführt haben. Schickentanz hat dazu eine klare Meinung: „Alle wollen spielen, aber manche wollen nicht alles dafür tun und sich impfen lassen. Das ist für mich unverständlich.“

Beißen und durch

Ein Kommentar von Sebastian Külbel

Die Klagen über Spielansetzungen im Amateurfußball sind altbekannt. Häufen sich im Frühjahr die Nachholpartien, fragen alle, warum es keine Wochenspieltage im Spätsommer gegeben hat. Gibt es englische Wochen zum Start, hätten die Vereine lieber bis kurz vor Weihnachten gespielt. Zwar muss man gerade jetzt die Nöte der Trainer verstehen, die nach der langen Zwangspause vor neuen Herausforderungen stehen. Allerdings darf man auch den Funktionären glauben, dass sie die Saison im besten Sinne aller Beteiligten planen.

Der Amateursport befindet sich noch immer in einem Ausnahmezustand. Das erste Ziel muss es sein, endlich wieder einmal eine Saison regulär zu Ende zu bringen. Dabei hilft allen Beteiligten zurzeit wohl nur eines: Zähne zusammenbeißen und durch.

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