Fußball-Fete in Minden: Italien-Fans feiern, England-Symathisant findet Schuldigen für Pleite Thomas Kühlmann Minden. Es war alles angerichtet für die große Fußball-Sause in Azurblau: Der italienisch-stämmige Mindener Trainer und Fußballer Renato d’Auria und sein Cousin Giosi Lerni hatten keine Kosten und Mühen gescheut, um das EM-Finale gegen England zumindest im Sportheim Leteln für ihre Großfamilie und einige Freunde von Beginn an auf einen Triumph der Azzurri auszurichten: Die Pizza war pünktlich geliefert worden, gekühlte Getränke aller Art standen bereit, ebenso wie Snacks in allen Facetten. Und dann das: Hatten sie eben noch fahnenschwenkend die italienische Nationalhymne aus vollem Leib mitgesungen, so blieb den meisten zwei Minuten später das Essen fast im Hals stecken. Nach genau 117 Sekunden hatte nämlich Luke Shaw das 1:0 für die Engländer erzielt und für das schnellste Tor der EM-Geschichte gesorgt. Verzweifelte Mienen bei den heißblütigen Tifosi, die entweder in Trikots oder eingehüllt in Fahnen wie erstarrt auf ihren Stühlen saßen, fassungslose Blicke ins Leere selbst bei den vielen Kindern der fußballverrückten Gruppe mit mehr als 50 Personen waren zu sehen. Dieses Gefühl der Machtlosigkeit ob der überragenden englischen Defensive und der mangelnden Kreativität der italienischen Angriffsspieler zog sich bis zur 67. Minute. Als dann Leonardo Bonucci nach einigen vergebenen Großchancen der Italiener zum 1:1 traf und sich als ältester EM-Torschütze ebenfalls einen Platz in den Geschichtsbüchern sicherte, wandelte sich die Gemütslage ebenso schnell von zu Tode betrübt in Himmel hoch jauchzend zurück. Und während Desirée Romano, mit einem Jahr und acht Monaten die jüngste Besucherin des Abends, auf dem Arm ihrer Mutter den Schlaf der Gerechten schlief, fachsimpelte Renatos Mutter Nunzia D’Auria, mit 68 Jahren „Alterspräsidentin“ des Abends, munter mit den freudetrunkenen Freunden über mögliche neue Taktiken und das gute Ende für die Azzurri. „Italien wird gewinnen, davon hatte keiner von uns von Anfang an einen Zweifel“, sagt sie, selbstbewusst bis in die Haarspitzen. Doch das Wechselbad der Gefühle war für die heißblütigen Mindener Italien-Fans damit noch keinesfalls erledigt. Auch während des Elfmeterschießens starben sie wieder tausend Tode, um Sekundenbruchteile wieder wie Phönix aus der Asche aufzuerstehen. Erst als Torhüter Gianluigi Donnarumma den entscheidenden Elfmeter des Engländers Bukayo Saka parierte, brachen im Letelner Sportheim endgültig alle Dämme und eine Nacht mit Autokorso und Feuerwerk zu Ehren der neuen Helden nahm ihren Lauf. Ganz anders war die Gemütslage hingegen bei Kai Sprung, dessen Vater Engländer ist und der nicht nur deswegen natürlich mit den Briten sympathisiert hatte. „Ich bin schon super enttäuscht. Doch heute hat der bessere Trainer gewonnen und Italien ist verdient Europameister geworden. Während Italiens Coach Mancini in der Halbzeit nach der guten englischen ersten Halbzeit die richtigen Schlüsse gezogen und die passenden Spieler eingewechselt hat, hat Gareth Southgate für mich die Niederlage zu verantworten. Wie man in Saka, Sancho und Rashford drei Spieler praktisch kalt von der Bank ins Elfmeterschießen schickt, ist mir ein Rätsel. Mir war klar, dass die drei verschießen werden“, hatte Sprung nach der Pleite den Schuldigen schnell ausgemacht. Nicht begeistert war er auch von den rassistischen Anfeindungen gegen die drei Youngster anschließend durch englische Chaoten im Stadion und in den sozialen Medien. Einen verdienten italienischen Triumph sah auch FT Dützens Bezirksliga-Trainer Patrick Zweck. „Sie hatten einfach den größten Teamspirit, obwohl ich es nach so langer Durststrecke auch den Engländern gegönnt hätte.“ Als befremdlich empfand er dagegen die teilweise vollen Stadien. „Klar ist es schön, wie Bonucci sich auf die Bande zu stellen und mit den Fans zu feiern. Doch ich befürchte, da kommt wieder etwas an Infektionswelle nach.“ Deutschland ist für ihn dagegen zurecht im Achtelfinale ausgeschieden. „Wir waren einfach zu ungefährlich im Angriff.“, sagte Zweck.

Fußball-Fete in Minden: Italien-Fans feiern, England-Symathisant findet Schuldigen für Pleite

Der Moment der Entscheidung und Glückseligkeit: Als Italiens Keeper Gianluigi Donnarumma den letzten Elfmeter des Engländers Bukayo Saka parierte, gab es auch für die mehr als 50 Italien-Fans im Sportheim Leteln kein Halten mehr. Überschwänglich feierten Groß und Klein den EM-Triumph. MT-Foto: Thomas Kühlmann © Thomas Kühlmann

Minden. Es war alles angerichtet für die große Fußball-Sause in Azurblau: Der italienisch-stämmige Mindener Trainer und Fußballer Renato d’Auria und sein Cousin Giosi Lerni hatten keine Kosten und Mühen gescheut, um das EM-Finale gegen England zumindest im Sportheim Leteln für ihre Großfamilie und einige Freunde von Beginn an auf einen Triumph der Azzurri auszurichten: Die Pizza war pünktlich geliefert worden, gekühlte Getränke aller Art standen bereit, ebenso wie Snacks in allen Facetten. Und dann das: Hatten sie eben noch fahnenschwenkend die italienische Nationalhymne aus vollem Leib mitgesungen, so blieb den meisten zwei Minuten später das Essen fast im Hals stecken. Nach genau 117 Sekunden hatte nämlich Luke Shaw das 1:0 für die Engländer erzielt und für das schnellste Tor der EM-Geschichte gesorgt. Verzweifelte Mienen bei den heißblütigen Tifosi, die entweder in Trikots oder eingehüllt in Fahnen wie erstarrt auf ihren Stühlen saßen, fassungslose Blicke ins Leere selbst bei den vielen Kindern der fußballverrückten Gruppe mit mehr als 50 Personen waren zu sehen.

Dieses Gefühl der Machtlosigkeit ob der überragenden englischen Defensive und der mangelnden Kreativität der italienischen Angriffsspieler zog sich bis zur 67. Minute. Als dann Leonardo Bonucci nach einigen vergebenen Großchancen der Italiener zum 1:1 traf und sich als ältester EM-Torschütze ebenfalls einen Platz in den Geschichtsbüchern sicherte, wandelte sich die Gemütslage ebenso schnell von zu Tode betrübt in Himmel hoch jauchzend zurück. Und während Desirée Romano, mit einem Jahr und acht Monaten die jüngste Besucherin des Abends, auf dem Arm ihrer Mutter den Schlaf der Gerechten schlief, fachsimpelte Renatos Mutter Nunzia D’Auria, mit 68 Jahren „Alterspräsidentin“ des Abends, munter mit den freudetrunkenen Freunden über mögliche neue Taktiken und das gute Ende für die Azzurri. „Italien wird gewinnen, davon hatte keiner von uns von Anfang an einen Zweifel“, sagt sie, selbstbewusst bis in die Haarspitzen.

Doch das Wechselbad der Gefühle war für die heißblütigen Mindener Italien-Fans damit noch keinesfalls erledigt. Auch während des Elfmeterschießens starben sie wieder tausend Tode, um Sekundenbruchteile wieder wie Phönix aus der Asche aufzuerstehen. Erst als Torhüter Gianluigi Donnarumma den entscheidenden Elfmeter des Engländers Bukayo Saka parierte, brachen im Letelner Sportheim endgültig alle Dämme und eine Nacht mit Autokorso und Feuerwerk zu Ehren der neuen Helden nahm ihren Lauf.

Ganz anders war die Gemütslage hingegen bei Kai Sprung, dessen Vater Engländer ist und der nicht nur deswegen natürlich mit den Briten sympathisiert hatte. „Ich bin schon super enttäuscht. Doch heute hat der bessere Trainer gewonnen und Italien ist verdient Europameister geworden. Während Italiens Coach Mancini in der Halbzeit nach der guten englischen ersten Halbzeit die richtigen Schlüsse gezogen und die passenden Spieler eingewechselt hat, hat Gareth Southgate für mich die Niederlage zu verantworten. Wie man in Saka, Sancho und Rashford drei Spieler praktisch kalt von der Bank ins Elfmeterschießen schickt, ist mir ein Rätsel. Mir war klar, dass die drei verschießen werden“, hatte Sprung nach der Pleite den Schuldigen schnell ausgemacht. Nicht begeistert war er auch von den rassistischen Anfeindungen gegen die drei Youngster anschließend durch englische Chaoten im Stadion und in den sozialen Medien.

Einen verdienten italienischen Triumph sah auch FT Dützens Bezirksliga-Trainer Patrick Zweck. „Sie hatten einfach den größten Teamspirit, obwohl ich es nach so langer Durststrecke auch den Engländern gegönnt hätte.“ Als befremdlich empfand er dagegen die teilweise vollen Stadien. „Klar ist es schön, wie Bonucci sich auf die Bande zu stellen und mit den Fans zu feiern. Doch ich befürchte, da kommt wieder etwas an Infektionswelle nach.“ Deutschland ist für ihn dagegen zurecht im Achtelfinale ausgeschieden. „Wir waren einfach zu ungefährlich im Angriff.“, sagte Zweck.

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