Fußball: Ende einer Hängepartie - die Hintergründe zum Saisonabbruch Sebastian Külbel Kamen/Minden.Das große Aufatmen war auch über die digitale Leitung zu spüren. „Es ist vorbei", sagte Gundolf Walaschewski zum Auftakt der Videokonferenz und zeigte sich erleichtert. Nach wochenlangem Hoffen und Ringen erklärte der Präsident des Fußball- und Leichtathletikverbands Westfalen (FLVW) die Fußball-Saison 2020/2021 für beendet und annulliert. Auf- und Absteiger wird es im Vergleich zur ebenfalls aufgrund der Corona-Pandemie vorzeitig beendeten Spielzeit 2019/2020 nicht geben. Fast ist es, als habe die Saison nicht stattgefunden. Der Beschluss des Verbandsfußballausschusses, dem sich auch die 29 Kreise in Westfalen anschlossen, bezieht sich auf sämtliche Ligen der Männer, Frauen und Junioren. Ende Oktober war die Serie aufgrund der steigenden Infektionszahlen zunächst unterbrochen worden. Seitdem gab es viele Pläne, noch mehr Diskussionen und vor allem ganz viel Ungewissheit, ob und wie es mit der Saison weitergeht. Seit gestern ist klar: gar nicht. „Das ist keine willkürliche Entscheidung, wir haben das so lange aufgeschoben, wie es rechtlich nötig und moralisch vertretbar war", betonte Walaschewski. Ende März hatte das Präsidium mit Verweis auf die Statuten einen Saisonabbruch, den andere Verbände schon längst vollzogen hatten, noch aufgeschoben. Jetzt aber führten die jüngsten behördlichen Verfügungen zu schnellem Handeln, wie Vizepräsident Manfred Schnieders erklärte: „Die aktuelle Coronaschutzverordnung läuft bis zum 26. April, uns wurde aber schon signalisiert, dass sie bis zum 9. Mai verlängert wird. Und dann sind wir platt." Zurzeit seien in vielen Kommunen die Sportplätze gesperrt. Zeitgleich brachen gestern auch die Verbände Mittelrhein und Niederrhein die Saison ab. Selbst wenn im Idealfall zu diesem Zeitpunkt wieder trainiert werden könnte, würde eine vierwöchige Vorbereitung einen Saisonstart erst am 13. Juni möglich machen. Bis zum festgeschriebenen Saisonende am 30. Juni wären somit nur noch drei Wochenenden übrig gewesen – zu wenig, um in den meisten Ligen auf für eine Wertung erforderliche Anzahl absolvierter Spiele von 50 Prozent zu kommen. Dass diese in der Mindener Kreisliga A wie in einem Internetportal vermutet schon erreicht sei, ist übrigens ein Irrtum: Laut Statuten müssen alle Spiele einer Saison mindestens zur Hälfte absolviert sein, die Findungsrunden können nicht isoliert betrachtet werden. Auch weitere Wochenspieltage kamen nicht in Frage, „das ist schon wegen der mancherorts geltenden Ausgangssperre schwierig", betonte Schnieders. Auch eine Quotientenregelung, um wie in der Vorsaison eine Abschlusstabelle zu erstellen, sei nicht möglich gewesen: „Dafür gibt es keine Rechtsgrundlage", so Schnieders. „Natürlich ist das misslich für Vereine, die sich in dieser Saison viel vorgenommen hatten", zeigte Walaschewski Verständnis für enttäusche Ambitionen. Dennoch betonte er: „Diese Entscheidung ist im Interesse des westfälischen Fußballs." Und nicht nur für den Präsidenten ist sie der herbeigesehnte Schlusspunkt einer langen Hängepartie: „Ich bin erleichtert, das hat allen an den Nerven gezehrt." Den Vereinen bringt der Abbruch Planungssicherheit für die neue Saison. Diese soll nach Auskunft von Manfred Schnieders Mitte August starten, „vielleicht aber auch erst Anfang September." Offen blieb gestern die Frage des Umgangs mit dem Westfalenpokal-Wettbewerb. Dazu plant der Verband am heutigen Dienstag eine Videokonferenz mit den betroffenen Vereinen. Enges Korsett Ein Kommentar von Sebastian Külbel Wie sehr die Sportfunktionäre manchmal unter der Last ihrer Satzung leiden, wurde gestern bei der Videokonferenz zum Saisonabbruch im westfälischen Fußball deutlich. Der Präsident und sein Vize zeigten sich „erleichtert" und wirkten fast gelöst ob der nun endlich feststehenden Entscheidung. Deren viel zu späten Zeitpunkt darf man mit Fug und Recht kritisieren, ist die Verbandsführung doch maßgeblich für die Formulierung und Verabschiedung der Statuten verantwortlich. Dass dieses Korsett in einer Zeit voller Extremsituationen so eng wurde, dass es den Verantwortlichen jegliche Luft für Entscheidungen nahm, war jedoch vor der Saison nicht abzusehen.50 Prozent der Spiele in einer Liga sollten absolviert sein, um diese inklusive Auf- und Absteigern werten zu können. Das schien im Sommer 2020, als die Corona-Lage beherrschbar wirkte, locker möglich. Zwei Infektionswellen und einige Virusmutationen später litt die FLVW-Spitze spürbar darunter, das einzig Richtige, nämlich den Saisonabbruch, nicht frühzeitig beschließen zu können.Die 50-Prozent-Hürde ist angesichts auch zukünftig ungewisser Saisonverläufe kein schlechtes Ziel. Allerdings hat die Pandemie gelehrt: Wenn es die Situation zulässt, sollte ohne große Hindernisse so viel gespielt werden wie möglich. Denn eine Saison, die es nie gegeben hat, wollen weder Fußballer noch Funktionäre.

Fußball: Ende einer Hängepartie - die Hintergründe zum Saisonabbruch

Das Warten hat ein Ende: Der Saisonabbruch bringt den Vereinen, hier ein Bild aus Holtrup, Sicherheit. MT-Foto: Külbel © Sebastian Külbel

Kamen/Minden.Das große Aufatmen war auch über die digitale Leitung zu spüren. „Es ist vorbei", sagte Gundolf Walaschewski zum Auftakt der Videokonferenz und zeigte sich erleichtert. Nach wochenlangem Hoffen und Ringen erklärte der Präsident des Fußball- und Leichtathletikverbands Westfalen (FLVW) die Fußball-Saison 2020/2021 für beendet und annulliert. Auf- und Absteiger wird es im Vergleich zur ebenfalls aufgrund der Corona-Pandemie vorzeitig beendeten Spielzeit 2019/2020 nicht geben. Fast ist es, als habe die Saison nicht stattgefunden.

Der Beschluss des Verbandsfußballausschusses, dem sich auch die 29 Kreise in Westfalen anschlossen, bezieht sich auf sämtliche Ligen der Männer, Frauen und Junioren. Ende Oktober war die Serie aufgrund der steigenden Infektionszahlen zunächst unterbrochen worden. Seitdem gab es viele Pläne, noch mehr Diskussionen und vor allem ganz viel Ungewissheit, ob und wie es mit der Saison weitergeht. Seit gestern ist klar: gar nicht.

„Das ist keine willkürliche Entscheidung, wir haben das so lange aufgeschoben, wie es rechtlich nötig und moralisch vertretbar war", betonte Walaschewski. Ende März hatte das Präsidium mit Verweis auf die Statuten einen Saisonabbruch, den andere Verbände schon längst vollzogen hatten, noch aufgeschoben.

Jetzt aber führten die jüngsten behördlichen Verfügungen zu schnellem Handeln, wie Vizepräsident Manfred Schnieders erklärte: „Die aktuelle Coronaschutzverordnung läuft bis zum 26. April, uns wurde aber schon signalisiert, dass sie bis zum 9. Mai verlängert wird. Und dann sind wir platt." Zurzeit seien in vielen Kommunen die Sportplätze gesperrt. Zeitgleich brachen gestern auch die Verbände Mittelrhein und Niederrhein die Saison ab.

Selbst wenn im Idealfall zu diesem Zeitpunkt wieder trainiert werden könnte, würde eine vierwöchige Vorbereitung einen Saisonstart erst am 13. Juni möglich machen. Bis zum festgeschriebenen Saisonende am 30. Juni wären somit nur noch drei Wochenenden übrig gewesen – zu wenig, um in den meisten Ligen auf für eine Wertung erforderliche Anzahl absolvierter Spiele von 50 Prozent zu kommen. Dass diese in der Mindener Kreisliga A wie in einem Internetportal vermutet schon erreicht sei, ist übrigens ein Irrtum: Laut Statuten müssen alle Spiele einer Saison mindestens zur Hälfte absolviert sein, die Findungsrunden können nicht isoliert betrachtet werden.

Auch weitere Wochenspieltage kamen nicht in Frage, „das ist schon wegen der mancherorts geltenden Ausgangssperre schwierig", betonte Schnieders. Auch eine Quotientenregelung, um wie in der Vorsaison eine Abschlusstabelle zu erstellen, sei nicht möglich gewesen: „Dafür gibt es keine Rechtsgrundlage", so Schnieders.

„Natürlich ist das misslich für Vereine, die sich in dieser Saison viel vorgenommen hatten", zeigte Walaschewski Verständnis für enttäusche Ambitionen. Dennoch betonte er: „Diese Entscheidung ist im Interesse des westfälischen Fußballs." Und nicht nur für den Präsidenten ist sie der herbeigesehnte Schlusspunkt einer langen Hängepartie: „Ich bin erleichtert, das hat allen an den Nerven gezehrt."

Den Vereinen bringt der Abbruch Planungssicherheit für die neue Saison. Diese soll nach Auskunft von Manfred Schnieders Mitte August starten, „vielleicht aber auch erst Anfang September." Offen blieb gestern die Frage des Umgangs mit dem Westfalenpokal-Wettbewerb. Dazu plant der Verband am heutigen Dienstag eine Videokonferenz mit den betroffenen Vereinen.

Enges Korsett

Ein Kommentar von Sebastian Külbel

Wie sehr die Sportfunktionäre manchmal unter der Last ihrer Satzung leiden, wurde gestern bei der Videokonferenz zum Saisonabbruch im westfälischen Fußball deutlich. Der Präsident und sein Vize zeigten sich „erleichtert" und wirkten fast gelöst ob der nun endlich feststehenden Entscheidung.

Deren viel zu späten Zeitpunkt darf man mit Fug und Recht kritisieren, ist die Verbandsführung doch maßgeblich für die Formulierung und Verabschiedung der Statuten verantwortlich. Dass dieses Korsett in einer Zeit voller Extremsituationen so eng wurde, dass es den Verantwortlichen jegliche Luft für Entscheidungen nahm, war jedoch vor der Saison nicht abzusehen. 50 Prozent der Spiele in einer Liga sollten absolviert sein, um diese inklusive Auf- und Absteigern werten zu können.

Das schien im Sommer 2020, als die Corona-Lage beherrschbar wirkte, locker möglich. Zwei Infektionswellen und einige Virusmutationen später litt die FLVW-Spitze spürbar darunter, das einzig Richtige, nämlich den Saisonabbruch, nicht frühzeitig beschließen zu können. Die 50-Prozent-Hürde ist angesichts auch zukünftig ungewisser Saisonverläufe kein schlechtes Ziel. Allerdings hat die Pandemie gelehrt: Wenn es die Situation zulässt, sollte ohne große Hindernisse so viel gespielt werden wie möglich. Denn eine Saison, die es nie gegeben hat, wollen weder Fußballer noch Funktionäre.

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