„Euphorie auf beiden Seiten“: Das sind die Ziele von RW Maaslingens neuem Trainer Sergej Bartel Sebastian Külbel Minden. Sergej Bartel ist erst 33, hat aber bereits sieben Jahre Erfahrung als Trainer im ambitionierten Amateurfußball gesammelt. Seinen nächsten Job tritt er am 1. Juli bei Landesligist RW Maaslingen an. Im MT-Interview spricht Bartel über seine bisherigen Vereine, seine Ziele mit RWM und die Herausforderung des Nichtstuns. Herr Bartel, von ihrem Wohnort Bielefeld-Altenhagen nach Maaslingen sind es mehr als 50 Kilometer. Haben Sie schon ausgerechnet, wie viel Zeit Sie ab Juli im Auto verbringen? Ich werde auf jeden Fall eineinhalb Stunden pro Tag fahren. Wir haben uns neulich schon mal in Maaslingen mit dem neuen Trainerteam getroffen, da habe ich 41 Minuten gebraucht. Zurück geht es etwas schneller, da gibt es weniger Tempobegrenzungen. Trotzdem ist der Aufwand hoch. Das ist grundsätzlich richtig. Aber nach meiner Zeit in Herford habe ich mir Gedanken gemacht, was ich als nächstes machen möchte. Das, was ich dort einbringen wollte, hat aus verschiedenen Gründen nicht funktioniert. Aber ich bin froh über die Erfahrung, denn sie hat mir gezeigt, was ich als Trainer machen will und was nicht.Da kam das Angebot aus Maaslingen offenbar genau richtig. Ich wurde am Dienstag freigestellt und drei Tage später kam der Anruf von Burkhard Wiese (RWM-Teammanager, Anm. d. Red.). Wir hatten ein sehr gutes erstes Gespräch und schon da habe ich gemerkt, dass Maaslingen das Richtige sein könnte. Ist RW Maaslingen das Kontrastprogramm zum SC Herford? Das kann man tatsächlich so sagen. Ich kann mich in Maaslingen darauf konzentrieren, Trainer zu sein. In Herford hatte ich zuletzt das Gefühl, mehrere Funktionen zu haben. Es gibt da nicht dieses Vereinsleben und nur wenige Leute, die die Fußballabteilung unterstützen. Das ist in Maaslingen sicher anders. RWM erinnert mich eher an den VfL Holsen, nur mit etwas mehr Qualität – und natürlich in einer anderen Zeit. Was hat den Ausschlag für RWM gegeben? Zum einen das große Bemühen des Vereins. Dann die Mannschaft, in der ich jeden Spieler kenne und weiß, welche Mentalität sie mitbringt. Und drittens das dörfliche und familiäre Umfeld. Diese Unterstützung rund um das Team hat mir immer sehr imponiert. Wir haben dort mal ein Testspiel mit Holsen 5:0 gewonnen. Und man hatte trotzdem nicht den Eindruck, dass deshalb negative Stimmung aufgekommen ist. Es ist immer einfach, in positiven Zeiten miteinander zu arbeiten. Entscheidend ist, wie man miteinander umgeht, wenn es nicht so gut läuft. Und wenn ich dann in einem Verein das leben kann, was ich bin und was ich will, ist es mir egal, wenn ich dafür 40 Minuten fahre. Das klingt nicht, als ob sie nur zwei Jahre in Maaslingen bleiben wollten. Das ist nicht mein Anspruch. Ich hatte ja auch in Herford schon um zwei Jahre verlängert. Und in Holsen bin ich nach fünfeinhalb Jahren auch nur gegangen, weil sich das, was jetzt passiert ist (der Rückzug aus der Landesliga, Anm. d. Red.), schon damals angedeutet hatte. Wie ist Ihre Sicht auf die Maaslinger Mannschaft? Sie hat ein großes Potenzial und der Kader hat eine gute Mischung mit vielen Spielern Mitte zwanzig. Es muss also kein Umbruch im nächsten Jahr erfolgen, sondern man kann mit zwei, drei Ergänzungen eine Mannschaft aufbauen, die um alles spielen kann – das tut sie ja jetzt schon. Ich bin auch froh, dass zurzeit Jan-Werner Schmitz Trainer in Maaslingen ist, denn es ist eine sehr gute Basis vorhanden. Trotzdem hat jeder Trainer seine eigene Idee und blickt anders auf die Spieler. Bei jedem kann man etwas beeinflussen, und das werde ich versuchen. Was ist denn Ihre Idee als Trainer? Die Maaslinger Identität war immer Offensivfußball. Wenn sie von diesem Konzept abgerückt sind, haben sie meistens Probleme bekommen. Auch ich denke eher offensiv und gewinne lieber 8:2 als 1:0. Das ist in den ersten Gesprächen mit den Spielern gut angekommen. Denn man kann als Trainer zwar viele Ideen haben, aber sie müssen zum Verein und zum Personal passen. Es gibt also offenbar kaum Änderungsbedarf für Sie. Das werden wir sehen, versprechen kann ich das nicht. Den Grundgedanken, offensiven Fußball zu spielen, muss ich nicht verändern, denn der ist in der Mannschaft drin. Aber natürlich werde ich gewisse Dinge anders machen, und wenn es nur Details sind. RW Maaslingen holt mit Ihnen erstmals seit langer Zeit einen Trainer ohne Vorgeschichte im Verein. Haben Sie Respekt vor dieser Aufgabe? Respekt ist das falsche Wort. Ich habe eine unheimliche Vorfreude. Ich muss jetzt schon überlegen, wie ich bis zum 1. Juli die Zeit rumkriegen soll. Es ist eine Herausforderung, mal aktiv nichts zu tun. Die Reaktion der Spieler auf mein Engagement war sehr euphorisch, das hat mir ein gutes Gefühl gegeben. Und seit dem Zeitpunkt meiner Zusage beschäftige ich mich intensiv mit der neuen Aufgabe. Ich schreibe schon die ersten Trainingspläne. Was ist in Maaslingen möglich? Grundsätzlich muss es immer das Ziel sein, Erster zu werden. Maaslingen ist eine Top-Mannschaft in der Landesliga. Aber es gibt keine Vorgaben oder Druck vom Vorstand, RWM ist genauso ambitioniert wie entspannt – zum Glück. Ein festes Ziel gibt es nicht. Aber wir treffen aufeinander mit Euphorie auf beiden Seiten. Das ist eine unfassbar gute Basis. Wo wollen Sie als Trainer denn hin? Wir hatten mal eine sehr gute Phase in Holsen, da bin ich von meinen Mustern abgewichen, weil ich noch mehr wollte. Aber wenn der Eimer voll ist, dann ist er voll. Ich hatte die Leichtigkeit verloren. Damals habe ich aufgehört zu denken, wo ich noch hinkommen kann, denn das stoppt den Moment und man ist gedanklich viel zu weit weg. Ich kann nur sagen, dass ich immer ambitioniert sein werde. Ist es vielleicht auch positiv, dass Sie sich jetzt ein halbes Jahr auf ihre neue Aufgabe vorbereiten können? Das hat sogar mehrere positive Seiten. Ich habe nach 21 Jahren Fußball zum ersten Mal ein halbes Jahr, in dem ich wirklich gar nichts mache und in keiner Verantwortung oder Verpflichtung stehe. Das ist eine ganz neue Situation für mich, tut aber auch mal ganz gut. Trotzdem fehlt einem dieser Rhythmus und ich freue mich, dass jetzt die Testspiele wieder losgehen.

„Euphorie auf beiden Seiten“: Das sind die Ziele von RW Maaslingens neuem Trainer Sergej Bartel

„RWM ist genauso ambitioniert wie entspannt“: Sergej Bartel, hier bei einem Spiel in Maaslingen als Trainer des VfL Holsen, geht seinen neuen Job mit großer Vorfreude an. MT-Archivfoto: © Sebastian Külbel

Minden. Sergej Bartel ist erst 33, hat aber bereits sieben Jahre Erfahrung als Trainer im ambitionierten Amateurfußball gesammelt. Seinen nächsten Job tritt er am 1. Juli bei Landesligist RW Maaslingen an. Im MT-Interview spricht Bartel über seine bisherigen Vereine, seine Ziele mit RWM und die Herausforderung des Nichtstuns.

Herr Bartel, von ihrem Wohnort Bielefeld-Altenhagen nach Maaslingen sind es mehr als 50 Kilometer. Haben Sie schon ausgerechnet, wie viel Zeit Sie ab Juli im Auto verbringen?

Ich werde auf jeden Fall eineinhalb Stunden pro Tag fahren. Wir haben uns neulich schon mal in Maaslingen mit dem neuen Trainerteam getroffen, da habe ich 41 Minuten gebraucht. Zurück geht es etwas schneller, da gibt es weniger Tempobegrenzungen.

Trotzdem ist der Aufwand hoch.

Das ist grundsätzlich richtig. Aber nach meiner Zeit in Herford habe ich mir Gedanken gemacht, was ich als nächstes machen möchte. Das, was ich dort einbringen wollte, hat aus verschiedenen Gründen nicht funktioniert. Aber ich bin froh über die Erfahrung, denn sie hat mir gezeigt, was ich als Trainer machen will und was nicht.

Da kam das Angebot aus Maaslingen offenbar genau richtig.

Ich wurde am Dienstag freigestellt und drei Tage später kam der Anruf von Burkhard Wiese (RWM-Teammanager, Anm. d. Red.). Wir hatten ein sehr gutes erstes Gespräch und schon da habe ich gemerkt, dass Maaslingen das Richtige sein könnte.

Ist RW Maaslingen das Kontrastprogramm zum SC Herford?

Das kann man tatsächlich so sagen. Ich kann mich in Maaslingen darauf konzentrieren, Trainer zu sein. In Herford hatte ich zuletzt das Gefühl, mehrere Funktionen zu haben. Es gibt da nicht dieses Vereinsleben und nur wenige Leute, die die Fußballabteilung unterstützen. Das ist in Maaslingen sicher anders. RWM erinnert mich eher an den VfL Holsen, nur mit etwas mehr Qualität – und natürlich in einer anderen Zeit.

Was hat den Ausschlag für RWM gegeben?

Zum einen das große Bemühen des Vereins. Dann die Mannschaft, in der ich jeden Spieler kenne und weiß, welche Mentalität sie mitbringt. Und drittens das dörfliche und familiäre Umfeld. Diese Unterstützung rund um das Team hat mir immer sehr imponiert. Wir haben dort mal ein Testspiel mit Holsen 5:0 gewonnen. Und man hatte trotzdem nicht den Eindruck, dass deshalb negative Stimmung aufgekommen ist. Es ist immer einfach, in positiven Zeiten miteinander zu arbeiten. Entscheidend ist, wie man miteinander umgeht, wenn es nicht so gut läuft. Und wenn ich dann in einem Verein das leben kann, was ich bin und was ich will, ist es mir egal, wenn ich dafür 40 Minuten fahre.

Das klingt nicht, als ob sie nur zwei Jahre in Maaslingen bleiben wollten.

Das ist nicht mein Anspruch. Ich hatte ja auch in Herford schon um zwei Jahre verlängert. Und in Holsen bin ich nach fünfeinhalb Jahren auch nur gegangen, weil sich das, was jetzt passiert ist (der Rückzug aus der Landesliga, Anm. d. Red.), schon damals angedeutet hatte.

Wie ist Ihre Sicht auf die Maaslinger Mannschaft?

Sie hat ein großes Potenzial und der Kader hat eine gute Mischung mit vielen Spielern Mitte zwanzig. Es muss also kein Umbruch im nächsten Jahr erfolgen, sondern man kann mit zwei, drei Ergänzungen eine Mannschaft aufbauen, die um alles spielen kann – das tut sie ja jetzt schon. Ich bin auch froh, dass zurzeit Jan-Werner Schmitz Trainer in Maaslingen ist, denn es ist eine sehr gute Basis vorhanden. Trotzdem hat jeder Trainer seine eigene Idee und blickt anders auf die Spieler. Bei jedem kann man etwas beeinflussen, und das werde ich versuchen.

Was ist denn Ihre Idee als Trainer?

Die Maaslinger Identität war immer Offensivfußball. Wenn sie von diesem Konzept abgerückt sind, haben sie meistens Probleme bekommen. Auch ich denke eher offensiv und gewinne lieber 8:2 als 1:0. Das ist in den ersten Gesprächen mit den Spielern gut angekommen. Denn man kann als Trainer zwar viele Ideen haben, aber sie müssen zum Verein und zum Personal passen.

Es gibt also offenbar kaum Änderungsbedarf für Sie.

Das werden wir sehen, versprechen kann ich das nicht. Den Grundgedanken, offensiven Fußball zu spielen, muss ich nicht verändern, denn der ist in der Mannschaft drin. Aber natürlich werde ich gewisse Dinge anders machen, und wenn es nur Details sind.

RW Maaslingen holt mit Ihnen erstmals seit langer Zeit einen Trainer ohne Vorgeschichte im Verein. Haben Sie Respekt vor dieser Aufgabe?

Respekt ist das falsche Wort. Ich habe eine unheimliche Vorfreude. Ich muss jetzt schon überlegen, wie ich bis zum 1. Juli die Zeit rumkriegen soll. Es ist eine Herausforderung, mal aktiv nichts zu tun. Die Reaktion der Spieler auf mein Engagement war sehr euphorisch, das hat mir ein gutes Gefühl gegeben. Und seit dem Zeitpunkt meiner Zusage beschäftige ich mich intensiv mit der neuen Aufgabe. Ich schreibe schon die ersten Trainingspläne.

Was ist in Maaslingen möglich?

Grundsätzlich muss es immer das Ziel sein, Erster zu werden. Maaslingen ist eine Top-Mannschaft in der Landesliga. Aber es gibt keine Vorgaben oder Druck vom Vorstand, RWM ist genauso ambitioniert wie entspannt – zum Glück. Ein festes Ziel gibt es nicht. Aber wir treffen aufeinander mit Euphorie auf beiden Seiten. Das ist eine unfassbar gute Basis.

Wo wollen Sie als Trainer denn hin?

Wir hatten mal eine sehr gute Phase in Holsen, da bin ich von meinen Mustern abgewichen, weil ich noch mehr wollte. Aber wenn der Eimer voll ist, dann ist er voll. Ich hatte die Leichtigkeit verloren. Damals habe ich aufgehört zu denken, wo ich noch hinkommen kann, denn das stoppt den Moment und man ist gedanklich viel zu weit weg. Ich kann nur sagen, dass ich immer ambitioniert sein werde.

Ist es vielleicht auch positiv, dass Sie sich jetzt ein halbes Jahr auf ihre neue Aufgabe vorbereiten können?

Das hat sogar mehrere positive Seiten. Ich habe nach 21 Jahren Fußball zum ersten Mal ein halbes Jahr, in dem ich wirklich gar nichts mache und in keiner Verantwortung oder Verpflichtung stehe. Das ist eine ganz neue Situation für mich, tut aber auch mal ganz gut. Trotzdem fehlt einem dieser Rhythmus und ich freue mich, dass jetzt die Testspiele wieder losgehen.

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