Einfach nur Fußball: Mindener Julius Langfeld vor größtem Spiel seiner Karriere im DFB-Pokal Sebastian Külbel Minden. Die Lockerheit, mit der Julius Langfeld ins größte Spiel seiner Karriere geht, musste er erst lernen. Der 25-Jährige eröffnet heute Abend mit dem TSV Havelse beim FSV Mainz 05 die erste DFB-Pokal-Runde – und sieht den Außenseiter aus der Regionalliga Nord beim Bundesligisten nicht chancenlos: „Wir haben nichts zu verlieren, am Ende ist es nur Fußball.“ So wenig über seinen Sport nachgedacht hat der Mindener nicht immer in seiner Karriere. Der Wechsel von Julius Langfeld war ein Paukenschlag in der Winterpause der Saison 2017/2018: In zweieinhalb Jahren bei RW Maaslingen hatte sich der Außenstürmer so gut entwickelt, dass einige Regionalligisten bei ihm anklopften. Elf Tore in der damaligen Hinrunde untermauerten seinen Leistungssprung, der schließlich in den Wechsel mündete: Der schnelle Angreifer entschied sich für den TSV Havelse, der als Sprungbrett für vielversprechende Talente gilt. Das weiß auch Langfeld, der sich in der Regionalliga noch nicht am Ende seiner Ambitionen sieht: „Ich bin auch hier, um noch weiter zu kommen. Ich traue mir durchaus zu, ein oder zwei Ligen höher zu spielen.“ Schließlich mache der Unterschied zum Profibereich nach seinen Erfahrungen nur Nuancen aus. Und der Aufwand ist in der Regionalliga kaum geringer. Im Februar war Havelse zum Trainingslager in der Türkei, vor der laufenden Saison ging es in den Harz. In der Vorbereitung absolvierte das Team zehn Einheiten pro Woche, auch in der Saison wird fast jeden Tag trainiert. Nebenher gehen fast alle Spieler natürlich noch einer anderen Tätigkeit nach. „Es ist richtig viel Aufwand“, bestätigt Langfeld, der im Hauptberuf als Architekt in der Firma seines Vaters Reitsportanlagen plant und baut. Ein normaler Tag beginnt für ihn um 7.30 Uhr mit dem Weg zur Arbeit nach Wasserstraße, um 15.30 Uhr geht es von dort weiter zum Training nach Havelse, zurück in seiner Wohnung direkt in der Mindener Innenstadt ist der 25-Jährige erst gegen 21 Uhr. Dass er dabei pro Tag rund zwei Stunden im Auto sitzt, stört ihn nicht: „Das hat mich nie gestört. Ich komme schließlich aus Wasserstraße, da ist man Autofahren gewohnt.“ Das Experiment der kurzen Wege ist für Langfeld ohnehin gescheitert. Bis zum Umzug im Mai dieses Jahres wohnte er in Garbsen und hatte es nah zum Training. „Aber das war irgendwie nichts für mich. Hier in Minden sind alle meine alten Kumpels, hier fühle ich mich einfach wohler.“ Schon sein Studium absolvierte der Architekt am hiesigen Ableger der Fachhochschule Bielefeld, lange war es der Schwerpunkt in Langfelds Leben. „Ich habe eigentlich nie geguckt, wo es für mich sportlich noch hingehen könnte“, sagt er. Mit dem Schritt zum TSV Havelse änderte sich der Fokus. Weil der damals 22-Jährige eigentlich nie eine große Karriere geplant hatte, brachte die neue Chance seinen Kopf in Bewegung. „Das ist schon ein großer Sprung von der Landes- in die Regionalliga. Vielleicht hatte ich auch zu viel Respekt und habe mir in der Anfangsphase einfach zu viele Gedanken gemacht. Man will ja alles tun, damit es perfekt läuft.“ Das hatte etwa zur Folge, dass Langfeld in Videos die Dribblings von Neymar studierte oder seine Ernährung genau plante: „Ich habe zum Beispiel vor dem Spiel immer Rührei gegessen weil ich dachte, das gibt mir Kraft.“ Diese Zeiten endeten, als der Neuling irgendwann eine zentrale Erkenntnis gewann: „Man realisiert, dass die anderen sportlich auch nur mit Wasser kochen.“ Die Umstellung zur neuen Liga passiere eher im Kopf: „Man muss begreifen, dass es einfach nur Fußball ist.“ Unterschiede hat Julius Langfeld trotzdem ausgemacht. Zum Beispiel in Sachen Ausbildung, fast alle seiner Mitspieler haben das Nachwuchsleistungszentrum eines Profiklubs durchlaufen. Den Fußball in der Regionalliga beschreibt der Mindener zudem als effektiver: Die Gegner stehen hinten gut und nutzen ihre wenigen Chancen, viele Tore fallen nach Standardsituationen. Und natürlich sind die U23-Teams aus Bremen, Hannover oder Wolfsburg mit ihren Nachwuchsprofis individuell deutlich stärker als der Rest. Der Außenstürmer mit dem starken rechten Fuß muss sich dennoch nicht verstecken. Gemessen an der Zahl seiner Einsätze ist Langfeld Stammspieler in Havelse und punktet mit seiner enormen Schnelligkeit: Der schnellste Mann im Kader läuft die 100 Meter in 10,5 Sekunden und wird dadurch zu einer Angriffswaffe: „Ich bin aber eher der Vorlagen- und Flankengeber“, sagt der 25-Jährige. Dieses Profil könnte gut zur heutigen Aufgabe passen. Mit einem 4:1-Sieg im Finale gegen den BSV Rehden gewann Havelse den Niedersachsenpokal und fordert jetzt als Außenseiter in der ersten DFB-Pokal-Runde Bundesligist Mainz – wegen der Corona-Auflagen mit getauschtem Heimrecht. „Man merkt schon, dass wir im Training diese Woche etwas andere Sachen machen, wir werden wohl etwas defensiver stehen und die Bälle hinten raus spielen“, schildert Langfeld. Eine Taktik wie gemacht für den Sprinter aus Wasserstraße, dessen Vertrag in Havelse nach dieser Saison ausläuft. Was danach kommt, weiß er noch nicht: „Ich will diese Saison gut spielen und Leistung bringen“, sagt Langfeld. Eines aber will er beim Blick auf seine sportliche Zukunft sicher nicht tun: zu viel nachdenken.

Einfach nur Fußball: Mindener Julius Langfeld vor größtem Spiel seiner Karriere im DFB-Pokal

Sprintstarter Vorbereiter: Julius Langfeld (Mitte) ist beim TSV Havelse Vorlagen- und Flankengeber. Foto: Hartenfelser/Imago © imago images/Hartenfelser

Minden. Die Lockerheit, mit der Julius Langfeld ins größte Spiel seiner Karriere geht, musste er erst lernen. Der 25-Jährige eröffnet heute Abend mit dem TSV Havelse beim FSV Mainz 05 die erste DFB-Pokal-Runde – und sieht den Außenseiter aus der Regionalliga Nord beim Bundesligisten nicht chancenlos: „Wir haben nichts zu verlieren, am Ende ist es nur Fußball.“ So wenig über seinen Sport nachgedacht hat der Mindener nicht immer in seiner Karriere.

Der Wechsel von Julius Langfeld war ein Paukenschlag in der Winterpause der Saison 2017/2018: In zweieinhalb Jahren bei RW Maaslingen hatte sich der Außenstürmer so gut entwickelt, dass einige Regionalligisten bei ihm anklopften. Elf Tore in der damaligen Hinrunde untermauerten seinen Leistungssprung, der schließlich in den Wechsel mündete: Der schnelle Angreifer entschied sich für den TSV Havelse, der als Sprungbrett für vielversprechende Talente gilt.

Das weiß auch Langfeld, der sich in der Regionalliga noch nicht am Ende seiner Ambitionen sieht: „Ich bin auch hier, um noch weiter zu kommen. Ich traue mir durchaus zu, ein oder zwei Ligen höher zu spielen.“ Schließlich mache der Unterschied zum Profibereich nach seinen Erfahrungen nur Nuancen aus. Und der Aufwand ist in der Regionalliga kaum geringer. Im Februar war Havelse zum Trainingslager in der Türkei, vor der laufenden Saison ging es in den Harz. In der Vorbereitung absolvierte das Team zehn Einheiten pro Woche, auch in der Saison wird fast jeden Tag trainiert. Nebenher gehen fast alle Spieler natürlich noch einer anderen Tätigkeit nach.

„Es ist richtig viel Aufwand“, bestätigt Langfeld, der im Hauptberuf als Architekt in der Firma seines Vaters Reitsportanlagen plant und baut. Ein normaler Tag beginnt für ihn um 7.30 Uhr mit dem Weg zur Arbeit nach Wasserstraße, um 15.30 Uhr geht es von dort weiter zum Training nach Havelse, zurück in seiner Wohnung direkt in der Mindener Innenstadt ist der 25-Jährige erst gegen 21 Uhr. Dass er dabei pro Tag rund zwei Stunden im Auto sitzt, stört ihn nicht: „Das hat mich nie gestört. Ich komme schließlich aus Wasserstraße, da ist man Autofahren gewohnt.“

Das Experiment der kurzen Wege ist für Langfeld ohnehin gescheitert. Bis zum Umzug im Mai dieses Jahres wohnte er in Garbsen und hatte es nah zum Training. „Aber das war irgendwie nichts für mich. Hier in Minden sind alle meine alten Kumpels, hier fühle ich mich einfach wohler.“ Schon sein Studium absolvierte der Architekt am hiesigen Ableger der Fachhochschule Bielefeld, lange war es der Schwerpunkt in Langfelds Leben. „Ich habe eigentlich nie geguckt, wo es für mich sportlich noch hingehen könnte“, sagt er. Mit dem Schritt zum TSV Havelse änderte sich der Fokus.

Weil der damals 22-Jährige eigentlich nie eine große Karriere geplant hatte, brachte die neue Chance seinen Kopf in Bewegung. „Das ist schon ein großer Sprung von der Landes- in die Regionalliga. Vielleicht hatte ich auch zu viel Respekt und habe mir in der Anfangsphase einfach zu viele Gedanken gemacht. Man will ja alles tun, damit es perfekt läuft.“ Das hatte etwa zur Folge, dass Langfeld in Videos die Dribblings von Neymar studierte oder seine Ernährung genau plante: „Ich habe zum Beispiel vor dem Spiel immer Rührei gegessen weil ich dachte, das gibt mir Kraft.“ Diese Zeiten endeten, als der Neuling irgendwann eine zentrale Erkenntnis gewann: „Man realisiert, dass die anderen sportlich auch nur mit Wasser kochen.“ Die Umstellung zur neuen Liga passiere eher im Kopf: „Man muss begreifen, dass es einfach nur Fußball ist.“

Unterschiede hat Julius Langfeld trotzdem ausgemacht. Zum Beispiel in Sachen Ausbildung, fast alle seiner Mitspieler haben das Nachwuchsleistungszentrum eines Profiklubs durchlaufen. Den Fußball in der Regionalliga beschreibt der Mindener zudem als effektiver: Die Gegner stehen hinten gut und nutzen ihre wenigen Chancen, viele Tore fallen nach Standardsituationen. Und natürlich sind die U23-Teams aus Bremen, Hannover oder Wolfsburg mit ihren Nachwuchsprofis individuell deutlich stärker als der Rest.

Der Außenstürmer mit dem starken rechten Fuß muss sich dennoch nicht verstecken. Gemessen an der Zahl seiner Einsätze ist Langfeld Stammspieler in Havelse und punktet mit seiner enormen Schnelligkeit: Der schnellste Mann im Kader läuft die 100 Meter in 10,5 Sekunden und wird dadurch zu einer Angriffswaffe: „Ich bin aber eher der Vorlagen- und Flankengeber“, sagt der 25-Jährige.

Dieses Profil könnte gut zur heutigen Aufgabe passen. Mit einem 4:1-Sieg im Finale gegen den BSV Rehden gewann Havelse den Niedersachsenpokal und fordert jetzt als Außenseiter in der ersten DFB-Pokal-Runde Bundesligist Mainz – wegen der Corona-Auflagen mit getauschtem Heimrecht. „Man merkt schon, dass wir im Training diese Woche etwas andere Sachen machen, wir werden wohl etwas defensiver stehen und die Bälle hinten raus spielen“, schildert Langfeld. Eine Taktik wie gemacht für den Sprinter aus Wasserstraße, dessen Vertrag in Havelse nach dieser Saison ausläuft. Was danach kommt, weiß er noch nicht: „Ich will diese Saison gut spielen und Leistung bringen“, sagt Langfeld. Eines aber will er beim Blick auf seine sportliche Zukunft sicher nicht tun: zu viel nachdenken.

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