Die Holzhauser Dritte: Das Herzstück des Vereins Jörg Wehling Porta Westfalica. Es ist die Fußball-Mannschaft, die an einem Heimspieltag des TuS Holzhausen Porta als erstes aufläuft. Um 11 Uhr kickt die „Dritte“ vorwiegend. Das war vor den Corona-Zeiten so und soll auch nach dem Ende der Pandemie wieder so sein. Das besondere an der HoPo-Mannschaft: Die Portaner spielen zu neunt. Wer gegen dieses Team spielt, muss ebenfalls reduzieren. Die Mannschaft besteht vorwiegend aus Routiniers, hat einen Altersschnitt von 32 Jahren und kickt in der Kreisliga C. Sie treffen sich nur zu den Spielen und trainieren kaum. Und anschließend schauen sie sich vielleicht noch die Partie der ersten Mannschaft an, bevor es wieder nach Hause zurück zur Familie geht. Mit großem Herzen, aber mit überschaubarer Kondition und vielleicht ein paar Pfunden zuviel auf den Rippen nehmen sie es mit den Gegnern auf. Das Motto des Tabellenzehnten der Kreisliga C1 lautet vor allem: Spaß haben. Bastian Marks, Organisator des Portaner Teams, spricht im MT-Interview über die Motivation der Spieler, seine Ansprachen vor den Spielen und die Rolle eines besonderen Teams für den Verein. Im gesetzteren Alter will man doch eigentlich weniger laufen. Mit nur neun Spielern auf einem großen Platz ist doch das Gegenteil der Fall. Warum tut man sich das noch an? Es ist einfach der Spaß am und die Liebe zum Fußball. Die Jungs haben noch Lust zum Kicken, aber wenig Zeit zum Trainieren. Weil sie Schichtdienst haben, Studenten und nur am Wochenende zu Hause sind oder Familienväter, die sich um ihre Kinder kümmern. Sie wollen nicht mehr den Aufwand betreiben mit zwei Mal pro Woche Training und einem Spiel am Sonntag. Das ginge doch auch in einer Hobby-Mannschaft oder mit entsprechendem Alter auch im Altherren-Team. Das ist für die Jungs keine Option. In einer Altherren-Mannschaft gibt es zu wenig Spiele, weil es in dieser Altersklasse keinen Ligenbetrieb gibt. Und es geht den Leuten auch um die Liebe zum Verein. Dort spielen die, die sich mit dem Klub identifizieren, die Jahrzehnte lang zum Teil höherklassig in der Kreisliga A oder in der Bezirksliga gespielt haben. Es sind die Leute, die auch bereit sind, sich ehrenamtlich beim TuS zu engagieren. Wenn man so will, bilden sie das Rückgrat der Fußballabteilung? Ich würde sogar etwas weiter gehen und behaupten, sie bilden gemeinsam mit den Spielern der ersten und zweiten Mannschaft das Herzstück des Vereins. Sie packen mit an, wenn es etwas zu tun gibt. Wie ist es dazu gekommen, eine Neuner-Mannschaft für den Spielbetrieb zu melden? Wir haben uns bei den ehemaligen Spielern, die ab und an zum Zuschauen am Platz waren, umgehört. So ist eine Truppe mit gut 22 Leuten entstanden, die noch Lust haben, zu spielen. Es haben sich Leute gemeldet, die ansonsten dem Vereinsleben wohl verloren gegangen wären. Wer möchte, kann auch gerne am Training der ersten oder zweiten Mannschaft teilnehmen, wenn er mehr machen möchte. Das Prinzip hat sich bewährt, zumal auch ein gegenseitiger Austausch stattfindet, wenn Personalknappheit herrscht. Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht. Aus diesem Grund hat der Deutsche Fußball-Bund diese Spielform bei den Senioren und Seniorinnen eingeführt. Was sagen eigentlich die Gegner, wenn ihr gegeneinander spielt? Belächelt werden wir auf keinem Fall. Ganz im Gegenteil. Man kennt und schätzt sich ja untereinander, weil man in früheren Zeiten schon gegeneinander gespielt hat. Viele haben Respekt vor den Namen und sagen, dass da eine richtig gute Truppe kommt.... ...die aber auch gelegentlich hohe Niederlagen kassiert. Verliert man da nicht die Lust? Eigentlich nicht. Nach der einen oder anderen Niederlage ist man aber schon sauer. Denn die Jungs haben noch Ehrgeiz genug. Auch wenn es mal nur darum geht, nicht zweistellig zu verlieren. Personalprobleme sind für Sie also ein ständiger Begleiter? Manchmal ist es schon spannend, wenn wir eine Stunde vor dem Anpfiff noch nicht vollständig sind. Das passiert aber nicht so oft. Ein Nachteil ist sicher, dass man oft nicht weiß, welche Spieler eine Woche später wieder zur Verfügung stehen. Darum sind die Leistungen und die Ergebnisse dementsprechend schwankend. Sie sehen sich nicht als Trainer, sondern eher als Koordinator. Stellt sich die Mannschaft eigentlich selber auf? Und wer bestimmt die Taktik? Wir haben ja genug Routiniers dabei. Meine Ansprachen vor dem Spiel sind sehr lustig. Es wird viel gelacht in der Kabine. Auf dem Platz ergibt es sich dann, wie wir spielen. Wir haben ja genug Chefs dabei.(lacht) Gibt es bei Ihnen ein Problemposition. Reißen sich die Leute nicht darum, im Tor zu spielen, weil man da weniger laufen muss? Die Torwartposition ist nicht so begehrt, wie man glauben mag. Wir haben genug Keeper dabei. Aber die möchten endlich mal auf der Position spielen, zu der es früher nicht gereicht hat. Bei einigen offenbaren sich ganz neue Talente. Verteidiger spielen im Sturm, Angreifer in der Abwehr. Jeder so, wie er mag und es früher nicht konnte oder durfte. Wie sieht es aus in Sachen Disziplin. Sind ältere Spieler nicht eher ruhiger, als Jüngere? Oder möchten sie es noch einmal allen zeigen? Ich glaube nicht, dass wir die Raubeine der Liga sind. Die Jungs sind schon besonnen, lassen sich aber auch nur ungern den Schneid abkaufen. Außerdem ändert man auch die Leute nicht mehr. Man muss sie mit ihren kleinen Macken akzeptieren. Auf und neben dem Platz gilt: Wer früher zu spät zum Treffpunkt gekommen ist, tut dies heute auch noch. Um Aufstieg und Meisterschaft wollt ihr aber nicht mehr spielen, oder doch? Nein, das ist nicht unser Ziel. Wer aufsteigen will, der muss in unserem Verein die Mannschaft wechseln. Oder seine Karriere beenden.

Die Holzhauser Dritte: Das Herzstück des Vereins

Mit Herzblut ist Bastian Marks Koordinator der Holzhauser Drittvertretung. MT-Foto: Jörg Wehling © Jörg Wehling

Porta Westfalica. Es ist die Fußball-Mannschaft, die an einem Heimspieltag des TuS Holzhausen Porta als erstes aufläuft. Um 11 Uhr kickt die „Dritte“ vorwiegend. Das war vor den Corona-Zeiten so und soll auch nach dem Ende der Pandemie wieder so sein.

Das besondere an der HoPo-Mannschaft: Die Portaner spielen zu neunt. Wer gegen dieses Team spielt, muss ebenfalls reduzieren. Die Mannschaft besteht vorwiegend aus Routiniers, hat einen Altersschnitt von 32 Jahren und kickt in der Kreisliga C. Sie treffen sich nur zu den Spielen und trainieren kaum. Und anschließend schauen sie sich vielleicht noch die Partie der ersten Mannschaft an, bevor es wieder nach Hause zurück zur Familie geht.

Mit großem Herzen, aber mit überschaubarer Kondition und vielleicht ein paar Pfunden zuviel auf den Rippen nehmen sie es mit den Gegnern auf. Das Motto des Tabellenzehnten der Kreisliga C1 lautet vor allem: Spaß haben. Bastian Marks, Organisator des Portaner Teams, spricht im MT-Interview über die Motivation der Spieler, seine Ansprachen vor den Spielen und die Rolle eines besonderen Teams für den Verein.

Im gesetzteren Alter will man doch eigentlich weniger laufen. Mit nur neun Spielern auf einem großen Platz ist doch das Gegenteil der Fall. Warum tut man sich das noch an?

Es ist einfach der Spaß am und die Liebe zum Fußball. Die Jungs haben noch Lust zum Kicken, aber wenig Zeit zum Trainieren. Weil sie Schichtdienst haben, Studenten und nur am Wochenende zu Hause sind oder Familienväter, die sich um ihre Kinder kümmern. Sie wollen nicht mehr den Aufwand betreiben mit zwei Mal pro Woche Training und einem Spiel am Sonntag.

Das ginge doch auch in einer Hobby-Mannschaft oder mit entsprechendem Alter auch im Altherren-Team.

Das ist für die Jungs keine Option. In einer Altherren-Mannschaft gibt es zu wenig Spiele, weil es in dieser Altersklasse keinen Ligenbetrieb gibt. Und es geht den Leuten auch um die Liebe zum Verein. Dort spielen die, die sich mit dem Klub identifizieren, die Jahrzehnte lang zum Teil höherklassig in der Kreisliga A oder in der Bezirksliga gespielt haben. Es sind die Leute, die auch bereit sind, sich ehrenamtlich beim TuS zu engagieren.

Wenn man so will, bilden sie das Rückgrat der Fußballabteilung?

Ich würde sogar etwas weiter gehen und behaupten, sie bilden gemeinsam mit den Spielern der ersten und zweiten Mannschaft das Herzstück des Vereins. Sie packen mit an, wenn es etwas zu tun gibt.

Wie ist es dazu gekommen, eine Neuner-Mannschaft für den Spielbetrieb zu melden?

Wir haben uns bei den ehemaligen Spielern, die ab und an zum Zuschauen am Platz waren, umgehört. So ist eine Truppe mit gut 22 Leuten entstanden, die noch Lust haben, zu spielen. Es haben sich Leute gemeldet, die ansonsten dem Vereinsleben wohl verloren gegangen wären. Wer möchte, kann auch gerne am Training der ersten oder zweiten Mannschaft teilnehmen, wenn er mehr machen möchte. Das Prinzip hat sich bewährt, zumal auch ein gegenseitiger Austausch stattfindet, wenn Personalknappheit herrscht. Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht.

Aus diesem Grund hat der Deutsche Fußball-Bund diese Spielform bei den Senioren und Seniorinnen eingeführt. Was sagen eigentlich die Gegner, wenn ihr gegeneinander spielt?

Belächelt werden wir auf keinem Fall. Ganz im Gegenteil. Man kennt und schätzt sich ja untereinander, weil man in früheren Zeiten schon gegeneinander gespielt hat. Viele haben Respekt vor den Namen und sagen, dass da eine richtig gute Truppe kommt....

...die aber auch gelegentlich hohe Niederlagen kassiert. Verliert man da nicht die Lust?

Eigentlich nicht. Nach der einen oder anderen Niederlage ist man aber schon sauer. Denn die Jungs haben noch Ehrgeiz genug. Auch wenn es mal nur darum geht, nicht zweistellig zu verlieren.

Personalprobleme sind für Sie also ein ständiger Begleiter?

Manchmal ist es schon spannend, wenn wir eine Stunde vor dem Anpfiff noch nicht vollständig sind. Das passiert aber nicht so oft. Ein Nachteil ist sicher, dass man oft nicht weiß, welche Spieler eine Woche später wieder zur Verfügung stehen. Darum sind die Leistungen und die Ergebnisse dementsprechend schwankend.

Sie sehen sich nicht als Trainer, sondern eher als Koordinator. Stellt sich die Mannschaft eigentlich selber auf? Und wer bestimmt die Taktik?

Wir haben ja genug Routiniers dabei. Meine Ansprachen vor dem Spiel sind sehr lustig. Es wird viel gelacht in der Kabine. Auf dem Platz ergibt es sich dann, wie wir spielen. Wir haben ja genug Chefs dabei.(lacht)

Gibt es bei Ihnen ein Problemposition. Reißen sich die Leute nicht darum, im Tor zu spielen, weil man da weniger laufen muss?

Die Torwartposition ist nicht so begehrt, wie man glauben mag. Wir haben genug Keeper dabei. Aber die möchten endlich mal auf der Position spielen, zu der es früher nicht gereicht hat. Bei einigen offenbaren sich ganz neue Talente. Verteidiger spielen im Sturm, Angreifer in der Abwehr. Jeder so, wie er mag und es früher nicht konnte oder durfte.

Wie sieht es aus in Sachen Disziplin. Sind ältere Spieler nicht eher ruhiger, als Jüngere? Oder möchten sie es noch einmal allen zeigen?

Ich glaube nicht, dass wir die Raubeine der Liga sind. Die Jungs sind schon besonnen, lassen sich aber auch nur ungern den Schneid abkaufen. Außerdem ändert man auch die Leute nicht mehr. Man muss sie mit ihren kleinen Macken akzeptieren. Auf und neben dem Platz gilt: Wer früher zu spät zum Treffpunkt gekommen ist, tut dies heute auch noch.

Um Aufstieg und Meisterschaft wollt ihr aber nicht mehr spielen, oder doch?

Nein, das ist nicht unser Ziel. Wer aufsteigen will, der muss in unserem Verein die Mannschaft wechseln. Oder seine Karriere beenden.

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Fußball