Denkwürdiger Fußballabend vor großer Kulisse: RW Maaslingen schrammt am Pokalwunder vorbei Astrid Plaßhenrich Petershagen. Auf dem Dorfsportplatz herrschte Stadionatmosphäre: Dicht an dicht drängten sich gestern Abend 850 Zuschauer an den B-Platz von RW Maaslingen. Das Westfalenpokal-Achtelfinale hielt den kleinen Ort in Atem. Die Rot-Weißen empfingen auf ihrem legendären Rasen, der bereits so manches Fußballmärchen erzählen kann, den Drittligisten SC Verl. Zwar endete dieses Kapitel nicht mit einem Sieg für den Landesligisten, doch die Maaslinger zeigten bei der 1:3 (1:1)-Niederlage gegen die Profis einen denkwürdigen Fußballabend – inklusive Glücksmoment. Es lief die 37. Spielminute, als Azad Agirmann auf der linken Seite den Angriff einleitete. Der schnelle Außenspieler passte zu Jan-Christoph Thom, der per Außenrist vor das Verler Tor flankte. Dort erreichte Philipp Rusteberg mit vollem Einsatz irgendwie den Ball und bugsierte ihn über die Linie. Da war er, der Ausgleich. Die Maaslinger jubelten ausgelassen, die vier Klassen höher spielenden Verler schauten sich irritiert an. „Ich hatte den Ball mit dem Knie und Oberschenkel berührt, aber ich wusste nicht, ob ich als Letzter dran war", sagte Rusteberg später: „Solche Spiele gegen Profimannschaften sind etwas Besonderes. Vor allem, wenn es Pflichtspiele sind." RWM war mit viel Respekt gegen den haushohen Favoriten gestartet. Bereits nach acht Minuten hatte Lukas Franzmeier den Ball ins eigene Netz abgefälscht – 0:1. „Ich wollte den Ball ins Aus schießen, er springt mir aber blöd ans Schienbein, und ich versenke ihn besser als jeder Stürmer. Vielleicht war es auch ein Platzproblem", mutmaßte der RWM-Kapitän. Doch wer dachte, dass sich der Landesligist nun in seinem Schicksal ergeben würde, sah sich getäuscht. Die Maaslinger wurden von Minute zu Minute mutiger. Jeder am Sportplatz spürte: Hier ist auch gegen einen Drittligisten etwas möglich. „Wir mussten uns erst an das massiv höhere Tempo gewöhnen. Aber dann haben wir das mega gut gemacht", sagte RWM-Trainer Jan-Werner Schmitz nicht ohne Stolz. Seine Spieler gingen couragiert in die Zweikämpfe und setzten bei Ballverlusten entschlossen nach. „Wir wussten von vornherein, dass wir heute mehr hinterherlaufen werden, als dass wir den Ball haben. Aber wir wussten auch, dass wir es von unseren Kräften gut hinbekommen", meinte Schmitz. So war es auch. Die Rot-Weißen standen sicher in der Abwehr und ließen in der ersten Halbzeit nur wenige Chancen zu. Und wenn der Ball doch mal auf das Maaslinger Tor zuflog, zeichnete sich Schlussmann Marcel Redeker mit starken Reflexen aus. In der Offensive zeigte der Landesligist immer wieder gefällige Ansätze, aber oft fehlte der letzte Pass, so dass die Angriffe oft ins Leere liefen. Aber RWM hatte sogar noch die große Möglichkeit zur Führung. Nach einer Flanke von Jesper Fuchs schloss Rusteberg zu überhastet mit dem Kopf ab. Der Stürmer hätte noch die Zeit gehabt, den Ball anzunehmen (60.). Vier Minuten später erzielte Tom Baack die erneute Führung für den Favoriten. „Verl ist dann besser zwischen unsere Ketten gekommen", sagte Schmitz, „aber auch danach haben wir versucht, weiter nach vorne zu spielen." Dass Rino Capretti mit dem Spiel seiner Mannschaft unzufrieden war, zeigte sich bereits nach der Pause. Der Verler Trainer brachte seinen Kapitän Mael Corboz, der zunächst geschont worden war, dann aber im Zentrum für Ordnung sorgen sollte. Wenig später wechselte der Fußballlehrer, der die Ausbildung zusammen mit Miroslav Klose absolvierte, in Stürmer Kasim Rabihic einen weiteren Stammspieler ein. Die Maaslinger hatten mit ihrer Leistung die Verler Verantwortlichen zum Handeln gezwungen. „Ich hatte es mir aber tatsächlich auch so schwer vorgestellt", sagte Capretti, „wir wissen wie es im Pokal laufen kann. Es ging vor allem darum, die Gegebenheiten mit dem kleinen Platz professionell anzunehmen." Das habe seine Mannschaft gut gemacht, meinte der 39-Jährige. „Es war wichtig, dass wir nach dem 1:1 nicht in Hektik verfallen, sondern ruhig geblieben sind. Wir sind eine Runde weiter, allein das zählt." Beim 1:3 von Pascal Steinwender hatten die Maaslinger noch Pech (84.). Redeker hatte zuvor den Ball von Mahir Saglik aus kurzer Distanz mit dem Fuß abgewehrt, doch der fiel Steinwender vor die Füße, der sich die Chance nicht entgehen ließ. „Heute sind wir enttäuscht, aber in zwei Tagen werden wir zufrieden sein. Es war ein geiles Erlebnis. Frederik Lach hat in der ersten Halbzeit zu mir gesagt, dass wir das super machen und gut spielen. So etwas freut einen", sagte Lukas Franzmeier. Und RWM kann sich sicher sein: Es war ein denkwürdiger Maaslinger Fußballabend vor großer Kulisse.

Denkwürdiger Fußballabend vor großer Kulisse: RW Maaslingen schrammt am Pokalwunder vorbei

Philipp Rusteberg (links) und die Maaslinger boten Verl ein Duell auf Augenhöhe. © asdf

Petershagen. Auf dem Dorfsportplatz herrschte Stadionatmosphäre: Dicht an dicht drängten sich gestern Abend 850 Zuschauer an den B-Platz von RW Maaslingen. Das Westfalenpokal-Achtelfinale hielt den kleinen Ort in Atem. Die Rot-Weißen empfingen auf ihrem legendären Rasen, der bereits so manches Fußballmärchen erzählen kann, den Drittligisten SC Verl. Zwar endete dieses Kapitel nicht mit einem Sieg für den Landesligisten, doch die Maaslinger zeigten bei der 1:3 (1:1)-Niederlage gegen die Profis einen denkwürdigen Fußballabend – inklusive Glücksmoment.

Es lief die 37. Spielminute, als Azad Agirmann auf der linken Seite den Angriff einleitete. Der schnelle Außenspieler passte zu Jan-Christoph Thom, der per Außenrist vor das Verler Tor flankte. Dort erreichte Philipp Rusteberg mit vollem Einsatz irgendwie den Ball und bugsierte ihn über die Linie. Da war er, der Ausgleich. Die Maaslinger jubelten ausgelassen, die vier Klassen höher spielenden Verler schauten sich irritiert an. „Ich hatte den Ball mit dem Knie und Oberschenkel berührt, aber ich wusste nicht, ob ich als Letzter dran war", sagte Rusteberg später: „Solche Spiele gegen Profimannschaften sind etwas Besonderes. Vor allem, wenn es Pflichtspiele sind."

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RWM war mit viel Respekt gegen den haushohen Favoriten gestartet. Bereits nach acht Minuten hatte Lukas Franzmeier den Ball ins eigene Netz abgefälscht – 0:1. „Ich wollte den Ball ins Aus schießen, er springt mir aber blöd ans Schienbein, und ich versenke ihn besser als jeder Stürmer. Vielleicht war es auch ein Platzproblem", mutmaßte der RWM-Kapitän.

Auch die jungen Fans waren begeistert vom Spiel. - © Sebastian Külbel
Auch die jungen Fans waren begeistert vom Spiel. - © Sebastian Külbel

Doch wer dachte, dass sich der Landesligist nun in seinem Schicksal ergeben würde, sah sich getäuscht. Die Maaslinger wurden von Minute zu Minute mutiger. Jeder am Sportplatz spürte: Hier ist auch gegen einen Drittligisten etwas möglich. „Wir mussten uns erst an das massiv höhere Tempo gewöhnen. Aber dann haben wir das mega gut gemacht", sagte RWM-Trainer Jan-Werner Schmitz nicht ohne Stolz. Seine Spieler gingen couragiert in die Zweikämpfe und setzten bei Ballverlusten entschlossen nach. „Wir wussten von vornherein, dass wir heute mehr hinterherlaufen werden, als dass wir den Ball haben. Aber wir wussten auch, dass wir es von unseren Kräften gut hinbekommen", meinte Schmitz.

So war es auch. Die Rot-Weißen standen sicher in der Abwehr und ließen in der ersten Halbzeit nur wenige Chancen zu. Und wenn der Ball doch mal auf das Maaslinger Tor zuflog, zeichnete sich Schlussmann Marcel Redeker mit starken Reflexen aus. In der Offensive zeigte der Landesligist immer wieder gefällige Ansätze, aber oft fehlte der letzte Pass, so dass die Angriffe oft ins Leere liefen. Aber RWM hatte sogar noch die große Möglichkeit zur Führung. Nach einer Flanke von Jesper Fuchs schloss Rusteberg zu überhastet mit dem Kopf ab. Der Stürmer hätte noch die Zeit gehabt, den Ball anzunehmen (60.). Vier Minuten später erzielte Tom Baack die erneute Führung für den Favoriten. „Verl ist dann besser zwischen unsere Ketten gekommen", sagte Schmitz, „aber auch danach haben wir versucht, weiter nach vorne zu spielen."

Verls Trainer Rino Capretti zollte dem Gegner Respekt. - © Sebastian Külbel
Verls Trainer Rino Capretti zollte dem Gegner Respekt. - © Sebastian Külbel

Dass Rino Capretti mit dem Spiel seiner Mannschaft unzufrieden war, zeigte sich bereits nach der Pause. Der Verler Trainer brachte seinen Kapitän Mael Corboz, der zunächst geschont worden war, dann aber im Zentrum für Ordnung sorgen sollte. Wenig später wechselte der Fußballlehrer, der die Ausbildung zusammen mit Miroslav Klose absolvierte, in Stürmer Kasim Rabihic einen weiteren Stammspieler ein. Die Maaslinger hatten mit ihrer Leistung die Verler Verantwortlichen zum Handeln gezwungen. „Ich hatte es mir aber tatsächlich auch so schwer vorgestellt", sagte Capretti, „wir wissen wie es im Pokal laufen kann. Es ging vor allem darum, die Gegebenheiten mit dem kleinen Platz professionell anzunehmen." Das habe seine Mannschaft gut gemacht, meinte der 39-Jährige. „Es war wichtig, dass wir nach dem 1:1 nicht in Hektik verfallen, sondern ruhig geblieben sind. Wir sind eine Runde weiter, allein das zählt."

Die Mannschaften waren mit Einlaufkindern aufs Feld gekommen. - © Sebastian Külbel
Die Mannschaften waren mit Einlaufkindern aufs Feld gekommen. - © Sebastian Külbel

Beim 1:3 von Pascal Steinwender hatten die Maaslinger noch Pech (84.). Redeker hatte zuvor den Ball von Mahir Saglik aus kurzer Distanz mit dem Fuß abgewehrt, doch der fiel Steinwender vor die Füße, der sich die Chance nicht entgehen ließ. „Heute sind wir enttäuscht, aber in zwei Tagen werden wir zufrieden sein. Es war ein geiles Erlebnis. Frederik Lach hat in der ersten Halbzeit zu mir gesagt, dass wir das super machen und gut spielen. So etwas freut einen", sagte Lukas Franzmeier. Und RWM kann sich sicher sein: Es war ein denkwürdiger Maaslinger Fußballabend vor großer Kulisse.

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