Aus Gambia und Mali in die Bezirksliga: Die Flüchtlinge Lamin Jammeh und Mohamad Kanté bereichern die SVKT Thomas Kühlmann Minden. Sie haben im Handumdrehen die Sympathien der SVKT-Fans gewonnen und einen nicht unerheblichen Anteil an der bisherigen Erfolgsgeschichte von Fußball-Bezirksligist SV Kutenhausen-Todtenhausen in der laufenden Saison mit drei klaren Siegen aus drei Spielen: Lamin Jammeh und Mohamad Kanté. Die beiden Flüchtlinge fühlen sich in der sportlichen Großfamilie der SVKT pudelwohl und beweisen das mit Trainingsfleiß, hervorragenden Leistungen auf dem Fußballplatz und im Fall Jammeh mit bereits fünf Treffern nach drei Partien. Ihre Erfolgsstory soll sich auch im Derby beim TuS Petershagen-Ovenstädt (Samstag, 16.00 Uhr) fortsetzen. „Die beiden sind tolle Jungs. Sie sind fleißig, wissbegierig, haben Humor, wollen auf dem Platz ihre Leistung zeigen und ansonsten in Minden ein ruhiges Leben führen“, schwärmt auch SVKT-Trainer Jens Meier von den sportlichen und menschlichen Qualitäten seiner Fußball-Rohdiamanten. Dabei stehen die beiden erst noch am Anfang von vielleicht vielversprechenden Karrieren. „Ich bin hier toll aufgenommen worden. Auf dem Fußballplatz wie auch im Alltagsleben wird sich hier gut um mich gekümmert. Deshalb freue ich mich, hier zu sein und beim Fußball etwas von der Gastfreundschaft zurückgeben zu können“, sagt Lamin Jammeh in schon sehr gutem Deutsch. Der 20-jährige Flüchtling kam 2018 aus Gambia nach Deutschland und wurde bei der Inobhutnahme in Minden von Timo Kasper, Mitarbeiter des Elsa-Brandström-Heims in Minden und 2. Vorsitzender bei der SVKT, betreut. „In Gambia sind meine Eltern 2014 bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Ich habe nur noch zwei kleinere Geschwister und bin deshalb nach Deutschland gekommen“, erzählt Jammeh seine Geschichte. Nach vorübergehendem Aufenthalt im Elsa-Brandström-Heim ist er mittlerweile in eine Wohngruppe des Sozialpädagogischen Wohnens in der Nähe des Mindener Bahnhofs gezogen und absolviert eine Ausbildung zum Garten- und Landschaftsbauer. Eine schnelle Integration wurde vor allem durch den Sport gefördert. „Nach einem Probetraining in Dützen bin ich in Leteln gelandet“, sagt Jammeh. Dort ließ der Jugendliche aus Gambia erstmals seine Qualitäten aufblitzen und wurde bereits als A-Jugendlicher in der ersten Mannschaft eingesetzt. Mit Erfolg. Hier wird auch Trainer Jens Meier, seinerzeit noch nicht in Diensten der SVKT, auf ihn aufmerksam. „Als mir Timo Kasper mir dann gesagt hat, dass er Lamin Jammeh nach Kutenhausen gelotst hat, habe ich ihm auf die Schulter geklopft“, freute sich Meier. Doch dann folgte für Jammeh eine einjährige Verletzungspause wegen einer Reizung der Patellasehne. „Daher kam die Corona-Pause gar nicht ungelegen für ihn“, sagt Meier. Mittlerweile ist Jammeh weitgehend schmerzfrei. „Nur bei intensiven Zweikämpfen mit dem Gegenspieler spüre ich noch etwas.“ Der 19-jährige Mohamad Kanté flüchtete im September 2019 aus Mali nach Deutschland und kam auch über Timo Kasper nach Minden. Kasper trainierte zusammen mit Achim Weber die A-Jugend und holte auch Kanté dorthin. Dieser zog zunächst in eine feste Wohngruppe des Elsa-Brandström-Heimes und wohnt momentan mit einem weiteren Flüchtling in einer Wohngemeinschaft in Rodenbeck. Zur Zeit macht er den Hauptschulabschluss nach Klasse neun am Leo-Sympher-Berufskolleg nach und ist zudem auf der Suche nach einem Praktikumsplatz im Handwerksbereich. Coach Meier nahm in mit Handkuss für die erste Mannschaft und möchte ihn vorsichtig aufbauen. „Deshalb will ich ihn, wie auch Lamin, nicht komplett verheizen und wechsle die beiden auch regelmäßig aus, um ihnen Pausen zu gönnen.“ Auch die Kommunikation klappt trotz der Sprachbarrieren schon gut. „Fußballer verstehen es, die Fußballsprache international zu gestalten. Dabei ist Visualisieren oft besser als Hören“, erklärt Meier seine Verständigung mit den Talenten. Eine wichtige Ansprechpartnerin für die beiden ist nicht zuletzt SVKT-Athletiktrainerin Karin Funke, eine bekannte Größe in der heimischen Leichtathletik. „Ich unterstütze die beiden, wo ich kann. Meist gehe ich mit ihnen zu Behörden und helfe ihnen. Ich erkläre ihnen aber auch die Handhabung eines Elektrogerätes so gut wie möglich. In Afrika kannten sie solche Dinge ja nicht und verstehen daher auch die oft komplizierte Gebrauchsanweisung nicht“, sagt Funke. So greift momentan ein Rädchen ins andere – wie in einer richtigen Großfamilie.

Aus Gambia und Mali in die Bezirksliga: Die Flüchtlinge Lamin Jammeh und Mohamad Kanté bereichern die SVKT

Fühlen sich bei der SV Kutenhausen-Todtenhausen pudelwohl: Lamin Jammeh (links) und Mohamad Kanté mit ihrer Ansprechpartnerin und SVKT-Athletiktrainerin Karin Funke. MT-Foto: Thomas Kühlmann © Thomas Kühlmann

Minden. Sie haben im Handumdrehen die Sympathien der SVKT-Fans gewonnen und einen nicht unerheblichen Anteil an der bisherigen Erfolgsgeschichte von Fußball-Bezirksligist SV Kutenhausen-Todtenhausen in der laufenden Saison mit drei klaren Siegen aus drei Spielen: Lamin Jammeh und Mohamad Kanté. Die beiden Flüchtlinge fühlen sich in der sportlichen Großfamilie der SVKT pudelwohl und beweisen das mit Trainingsfleiß, hervorragenden Leistungen auf dem Fußballplatz und im Fall Jammeh mit bereits fünf Treffern nach drei Partien. Ihre Erfolgsstory soll sich auch im Derby beim TuS Petershagen-Ovenstädt (Samstag, 16.00 Uhr) fortsetzen.

„Die beiden sind tolle Jungs. Sie sind fleißig, wissbegierig, haben Humor, wollen auf dem Platz ihre Leistung zeigen und ansonsten in Minden ein ruhiges Leben führen“, schwärmt auch SVKT-Trainer Jens Meier von den sportlichen und menschlichen Qualitäten seiner Fußball-Rohdiamanten. Dabei stehen die beiden erst noch am Anfang von vielleicht vielversprechenden Karrieren. „Ich bin hier toll aufgenommen worden. Auf dem Fußballplatz wie auch im Alltagsleben wird sich hier gut um mich gekümmert. Deshalb freue ich mich, hier zu sein und beim Fußball etwas von der Gastfreundschaft zurückgeben zu können“, sagt Lamin Jammeh in schon sehr gutem Deutsch.

Der 20-jährige Flüchtling kam 2018 aus Gambia nach Deutschland und wurde bei der Inobhutnahme in Minden von Timo Kasper, Mitarbeiter des Elsa-Brandström-Heims in Minden und 2. Vorsitzender bei der SVKT, betreut. „In Gambia sind meine Eltern 2014 bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Ich habe nur noch zwei kleinere Geschwister und bin deshalb nach Deutschland gekommen“, erzählt Jammeh seine Geschichte. Nach vorübergehendem Aufenthalt im Elsa-Brandström-Heim ist er mittlerweile in eine Wohngruppe des Sozialpädagogischen Wohnens in der Nähe des Mindener Bahnhofs gezogen und absolviert eine Ausbildung zum Garten- und Landschaftsbauer.

Eine schnelle Integration wurde vor allem durch den Sport gefördert. „Nach einem Probetraining in Dützen bin ich in Leteln gelandet“, sagt Jammeh. Dort ließ der Jugendliche aus Gambia erstmals seine Qualitäten aufblitzen und wurde bereits als A-Jugendlicher in der ersten Mannschaft eingesetzt. Mit Erfolg. Hier wird auch Trainer Jens Meier, seinerzeit noch nicht in Diensten der SVKT, auf ihn aufmerksam. „Als mir Timo Kasper mir dann gesagt hat, dass er Lamin Jammeh nach Kutenhausen gelotst hat, habe ich ihm auf die Schulter geklopft“, freute sich Meier. Doch dann folgte für Jammeh eine einjährige Verletzungspause wegen einer Reizung der Patellasehne. „Daher kam die Corona-Pause gar nicht ungelegen für ihn“, sagt Meier. Mittlerweile ist Jammeh weitgehend schmerzfrei. „Nur bei intensiven Zweikämpfen mit dem Gegenspieler spüre ich noch etwas.“

Der 19-jährige Mohamad Kanté flüchtete im September 2019 aus Mali nach Deutschland und kam auch über Timo Kasper nach Minden. Kasper trainierte zusammen mit Achim Weber die A-Jugend und holte auch Kanté dorthin. Dieser zog zunächst in eine feste Wohngruppe des Elsa-Brandström-Heimes und wohnt momentan mit einem weiteren Flüchtling in einer Wohngemeinschaft in Rodenbeck. Zur Zeit macht er den Hauptschulabschluss nach Klasse neun am Leo-Sympher-Berufskolleg nach und ist zudem auf der Suche nach einem Praktikumsplatz im Handwerksbereich. Coach Meier nahm in mit Handkuss für die erste Mannschaft und möchte ihn vorsichtig aufbauen. „Deshalb will ich ihn, wie auch Lamin, nicht komplett verheizen und wechsle die beiden auch regelmäßig aus, um ihnen Pausen zu gönnen.“ Auch die Kommunikation klappt trotz der Sprachbarrieren schon gut. „Fußballer verstehen es, die Fußballsprache international zu gestalten. Dabei ist Visualisieren oft besser als Hören“, erklärt Meier seine Verständigung mit den Talenten.

Eine wichtige Ansprechpartnerin für die beiden ist nicht zuletzt SVKT-Athletiktrainerin Karin Funke, eine bekannte Größe in der heimischen Leichtathletik. „Ich unterstütze die beiden, wo ich kann. Meist gehe ich mit ihnen zu Behörden und helfe ihnen. Ich erkläre ihnen aber auch die Handhabung eines Elektrogerätes so gut wie möglich. In Afrika kannten sie solche Dinge ja nicht und verstehen daher auch die oft komplizierte Gebrauchsanweisung nicht“, sagt Funke. So greift momentan ein Rädchen ins andere – wie in einer richtigen Großfamilie.

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