Auf dem Bolzplatz fing alles an: Mirco Möller und Danny Odoy beenden gemeinsam ihre Karrieren Sebastian Külbel Minden. Der Beginn ihrer Freundschaft ist ein Stück aus dem Fußball-Bilderbuch: Als Mirco Möller 1997 auf dem Häverstädter Sportplatz zum ersten Mal auf Danny Odoy traf, forderte dieser ihn zum Duell heraus: Möller, gerade aus Rodenbeck zugezogen, musste gegen Odoy zum Wettschießen antreten. „Er hat gesagt, wenn ich gewinne, darf ich mitspielen", erinnert sich Möller. Das tat der Zehnjährige, und von da an waren die beiden beste Freunde, die jetzt gemeinsam ihre Karriere beenden und auf eine bewegte gemeinsame Fußball-Geschichte zurückblicken. Anfänge Bis sie dauerhaft zusammen in einer Mannschaft standen, dauerte es jedoch ein bisschen. Bei der FT Dützen spielten Möller und Odoy ein gemeinsames Jahr in der D-Jugend. Während Letzterer bis auf eine halbe A-Jugend-Saison bei der SV Kutenhausen-Todtenhausen in Dützen blieb, schaffte Möller den Sprung zu Arminia Bielefeld, wo er die B- und A-Jugend-Zeit verbrachte. Es folgte eine erste gemeinsame Senioren-Saison in Dützen, doch bereits 2007 wechselte der ein Jahr ältere Möller zu RW Maaslingen, während Odoy nach zwei Jahren in Dützen zunächst zu Union Minden ging. 2011 wechselte auch er zu RWM, wo die beiden ihre wichtigsten Jahre als Fußballer erlebten. Erinnerungen Von der ersten gemeinsamen Saison in Maaslingen schwärmen sie noch heute: Im Juni 2012 feierte RWM den zweiten Aufstieg in die Westfalenliga nach 2007, Möller und Odoy waren Stammspieler und Leistungsträger in einem außergewöhnlichen Team. „In dieser Saison hat alles gepasst, wir waren alle auf einem Niveau, es war fast egal, wer gespielt hat", sagt Möller. „Es war unser schönstes und bestes Jahr", meint Odoy. Dass RWM als Tabellenzweiter hinter dem SV Rödinghausen aufsteigt, schmälert den Erfolg nicht. Vielmehr sind den beiden immer noch die Spiele gegen den heutigen Regionalligisten in Erinnerung, eine Saison später folgen denkwürdige Westfalenpokal-Partien beim Oberligisten TuS Erndtebrück und dann im Viertelfinale gegen den damaligen Drittligisten Arminia Bielefeld. Auch der Klassenerhalt in letzter Minute bei der Spvg Vreden im zweiten Westfalenliga-Jahr erzeugt bei den beiden noch heute Gänsehaut. Entwicklung Der Wechsel nach Maaslingen hat den beiden Freunden den entscheidenden Schub verpasst. „Bei Andreas Schwemling sind wir erst die Fußballer geworden, die wir heute sind. Er konnte aus einem C-Liga-Spieler einen A-Liga-Spieler machen", sagt Möller über die 2017 überraschend verstorbene Trainer-Ikone. Der heute 33-Jährige war einst als zentraler Offensivspieler aus Dützen gekommen, Schwemling machte den Linksfuß zum Außenverteidiger. „Da habe ich mich überhaupt nicht gesehen. Aber Schwabbel sagte: ,Lass mich dich entwickeln.' Und dann habe ich neun Jahre hinten links gespielt." Odoy spielte bei Union derweil zumeist zentral in der Abwehr-Dreierkette. „Schwabbel hat dann mein Potenzial als Sechser gesehen und aus mir herausgeholt. Ihm habe ich es zu verdanken, dass ich danach immer der Spielmacher auf dieser Position war." Schwemling schaffte das, weil er den Ton seiner Spieler traf. „Ob Stellungsspiel, Spieleröffnung oder Passgenauigkeit, ich habe alles von ihm gelernt", sagt Möller, und Odoy schildert: „Ich habe sonst immer den Kopf gesenkt und bin losgerannt. Er hat mir gezeigt, wie einfach man spielen kann." Auch dank dieser Qualitäten waren die beiden jahrelang Führungskräfte bei RWM. Abschied 2017 entschieden sich beide dennoch zum Wechsel. „Man hat einfach gespürt, dass unsere Zeit dort vorbei ist", erzählt Möller, der zurück nach Dützen ging – auch, weil er wieder offensiver spielen wollte. Odoy legte noch einen Zwischenstopp bei der SV Eidinghausen-Werste ein, die ihn immerhin an die Torwand des ZDF-Sportstudios führte – mit einem Traumtor gegen RWM. Nach nur einem Jahr kehrte aber auch er zurück nach Dützen, wo die beiden Freunde nach zwei weiteren gemeinsamen Jahren jetzt ganz aufhören. „Der Körper macht einfach nicht mehr mit", sagt Möller, der in beiden Knien einen Knorpelschaden hat und sich zudem mit Achillessehnenproblemen herumplagt. Odoy freut sich zudem auf mehr Freizeit: „Man hat in der Corona-Zeit gemerkt, wie lang so ein Sonntag sein kann." Auch mit der Mentalität der jüngeren Mitspieler tun sich die Routiniers mitunter schwer: „Die wissen alles und können alles, das ist manchmal schon schwierig", sagt Möller. Odoy sieht es ähnlich: „Da gibt es viele Widerworte und man wird auch angeschrien." Zukunft Wohl auch deshalb schließt der 32-Jährige eine Trainertätigkeit für sich aus: „Dafür bin ich einfach zu ungeduldig." Dennoch bleibt Odoy seinem Sport treu: „Ich spiele weiter Futsal bei Turbo Minden und mein Pass bleibt für den Notfall in Dützen." Das gilt auch für Möller, der aber den Schritt an die Seitenlinie wagt und Co-Trainer von Patrick Zweck wird. Ein Weg, den sein Mentor Andreas Schwemling ihm einst vorgezeichnet hatte: „Er hat in mir das Potenzial gesehen, ein guter Trainer zu werden."

Auf dem Bolzplatz fing alles an: Mirco Möller und Danny Odoy beenden gemeinsam ihre Karrieren

Voller Einsatz: Danny Odoy (links) wirf sich im März 2016 der Abwehr des SC Peckeloh entgegen, im Hintergrund lauert Mirco Möller. MT-Archivfotos: Sebastian Külbel

Minden. Der Beginn ihrer Freundschaft ist ein Stück aus dem Fußball-Bilderbuch: Als Mirco Möller 1997 auf dem Häverstädter Sportplatz zum ersten Mal auf Danny Odoy traf, forderte dieser ihn zum Duell heraus: Möller, gerade aus Rodenbeck zugezogen, musste gegen Odoy zum Wettschießen antreten. „Er hat gesagt, wenn ich gewinne, darf ich mitspielen", erinnert sich Möller. Das tat der Zehnjährige, und von da an waren die beiden beste Freunde, die jetzt gemeinsam ihre Karriere beenden und auf eine bewegte gemeinsame Fußball-Geschichte zurückblicken.

Anfänge

Bis sie dauerhaft zusammen in einer Mannschaft standen, dauerte es jedoch ein bisschen. Bei der FT Dützen spielten Möller und Odoy ein gemeinsames Jahr in der D-Jugend. Während Letzterer bis auf eine halbe A-Jugend-Saison bei der SV Kutenhausen-Todtenhausen in Dützen blieb, schaffte Möller den Sprung zu Arminia Bielefeld, wo er die B- und A-Jugend-Zeit verbrachte. Es folgte eine erste gemeinsame Senioren-Saison in Dützen, doch bereits 2007 wechselte der ein Jahr ältere Möller zu RW Maaslingen, während Odoy nach zwei Jahren in Dützen zunächst zu Union Minden ging. 2011 wechselte auch er zu RWM, wo die beiden ihre wichtigsten Jahre als Fußballer erlebten.

Erinnerungen

Trainer Andreas Schwemling war prägend für die Entwicklung von Mirco Möller (l.) und Danny Odoy (r.).
Trainer Andreas Schwemling war prägend für die Entwicklung von Mirco Möller (l.) und Danny Odoy (r.).

Von der ersten gemeinsamen Saison in Maaslingen schwärmen sie noch heute: Im Juni 2012 feierte RWM den zweiten Aufstieg in die Westfalenliga nach 2007, Möller und Odoy waren Stammspieler und Leistungsträger in einem außergewöhnlichen Team. „In dieser Saison hat alles gepasst, wir waren alle auf einem Niveau, es war fast egal, wer gespielt hat", sagt Möller. „Es war unser schönstes und bestes Jahr", meint Odoy. Dass RWM als Tabellenzweiter hinter dem SV Rödinghausen aufsteigt, schmälert den Erfolg nicht. Vielmehr sind den beiden immer noch die Spiele gegen den heutigen Regionalligisten in Erinnerung, eine Saison später folgen denkwürdige Westfalenpokal-Partien beim Oberligisten TuS Erndtebrück und dann im Viertelfinale gegen den damaligen Drittligisten Arminia Bielefeld. Auch der Klassenerhalt in letzter Minute bei der Spvg Vreden im zweiten Westfalenliga-Jahr erzeugt bei den beiden noch heute Gänsehaut.

Entwicklung

In der Aufstiegssaison 2011/2012 hatten die beiden Freunde im RWM-Trikot viel Grund zum Feiern.
In der Aufstiegssaison 2011/2012 hatten die beiden Freunde im RWM-Trikot viel Grund zum Feiern.

Der Wechsel nach Maaslingen hat den beiden Freunden den entscheidenden Schub verpasst. „Bei Andreas Schwemling sind wir erst die Fußballer geworden, die wir heute sind. Er konnte aus einem C-Liga-Spieler einen A-Liga-Spieler machen", sagt Möller über die 2017 überraschend verstorbene Trainer-Ikone. Der heute 33-Jährige war einst als zentraler Offensivspieler aus Dützen gekommen, Schwemling machte den Linksfuß zum Außenverteidiger. „Da habe ich mich überhaupt nicht gesehen. Aber Schwabbel sagte: ,Lass mich dich entwickeln.' Und dann habe ich neun Jahre hinten links gespielt." Odoy spielte bei Union derweil zumeist zentral in der Abwehr-Dreierkette. „Schwabbel hat dann mein Potenzial als Sechser gesehen und aus mir herausgeholt. Ihm habe ich es zu verdanken, dass ich danach immer der Spielmacher auf dieser Position war." Schwemling schaffte das, weil er den Ton seiner Spieler traf. „Ob Stellungsspiel, Spieleröffnung oder Passgenauigkeit, ich habe alles von ihm gelernt", sagt Möller, und Odoy schildert: „Ich habe sonst immer den Kopf gesenkt und bin losgerannt. Er hat mir gezeigt, wie einfach man spielen kann." Auch dank dieser Qualitäten waren die beiden jahrelang Führungskräfte bei RWM.

Abschied

2017 entschieden sich beide dennoch zum Wechsel. „Man hat einfach gespürt, dass unsere Zeit dort vorbei ist", erzählt Möller, der zurück nach Dützen ging – auch, weil er wieder offensiver spielen wollte. Odoy legte noch einen Zwischenstopp bei der SV Eidinghausen-Werste ein, die ihn immerhin an die Torwand des ZDF-Sportstudios führte – mit einem Traumtor gegen RWM. Nach nur einem Jahr kehrte aber auch er zurück nach Dützen, wo die beiden Freunde nach zwei weiteren gemeinsamen Jahren jetzt ganz aufhören. „Der Körper macht einfach nicht mehr mit", sagt Möller, der in beiden Knien einen Knorpelschaden hat und sich zudem mit Achillessehnenproblemen herumplagt. Odoy freut sich zudem auf mehr Freizeit: „Man hat in der Corona-Zeit gemerkt, wie lang so ein Sonntag sein kann." Auch mit der Mentalität der jüngeren Mitspieler tun sich die Routiniers mitunter schwer: „Die wissen alles und können alles, das ist manchmal schon schwierig", sagt Möller. Odoy sieht es ähnlich: „Da gibt es viele Widerworte und man wird auch angeschrien."

Zukunft

Wohl auch deshalb schließt der 32-Jährige eine Trainertätigkeit für sich aus: „Dafür bin ich einfach zu ungeduldig." Dennoch bleibt Odoy seinem Sport treu: „Ich spiele weiter Futsal bei Turbo Minden und mein Pass bleibt für den Notfall in Dützen." Das gilt auch für Möller, der aber den Schritt an die Seitenlinie wagt und Co-Trainer von Patrick Zweck wird. Ein Weg, den sein Mentor Andreas Schwemling ihm einst vorgezeichnet hatte: „Er hat in mir das Potenzial gesehen, ein guter Trainer zu werden."

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