Arminia Bielefeld Arminia Bielefeld feuert Trainer Uwe Neuhaus Philipp Kreutzer Bielefeld. Nach dem 0:3 der Bielefelder Arminia am Samstag bei Borussia Dortmund nahm die Diskussion Fahrt auf, inzwischen ist es nach Informationen von nw.de beschlossen: Aufstiegstrainer Uwe Neuhaus (61) und sein Assistent Peter Nemeth (48) müssen gehen, die Partie beim BVB war ihr letztes Spiel auf der Bielefelder Trainerbank. Offiziell verkündet hat der Klub die Trennung bislang nicht. Mit dem Trainerwechsel versuchen die Verantwortlichen, im Kampf um den Klassenerhalt vor den richtungweisenden Heimspielen am Sonntag gegen Union Berlin und drei Tage später gegen Werder Bremen einen frischen Impuls zu setzen. Aufgrund der nun dicht getaktet folgenden nächsten Partien sowie der anschließenden schweren Gegner Leverkusen und Leipzig hätte sich wohl erst die Länderspielpause Ende März als nächster Zeitpunkt für einen Trainerwechsel angeboten. Dann aber wäre es - so die Befürchtung in Geschäftsführung und Aufsichtsrat - womöglich schon zu spät gewesen. Arminia hat als Tabellen-16. alle Chancen, sich ein weiteres Jahr in der 1. Liga zu sichern. Die große Frage ist nun, wer Neuhaus' Nachfolger wird. Die Verantwortlichen halten sich hierzu bislang bedeckt. Am Montag liefen bereits die Verhandlungen, es ist beabsichtigt, dass der neue Mann am Dienstag erstmals das Training leiten wird. Am Montag ist trainingsfrei. Neuhaus war seit Dezember 2018 als Nachfolger von Jeff Saibene Cheftrainer des DSC. Er führte die Mannschaft zunächst zum Klassenerhalt in der 2. Liga und in der Saison darauf auch dank einer Umstellung auf variablen Ballbesitzfußball bei nur zwei Niederlagen und durchschnittlich zwei Punkten pro Spiel zum ersehnten Bundesliga-Aufstieg. Vereine wie den VfB Stuttgart und den Hamburger SV als Meister hinter sich zu lassen und nach elf Jahren die Rückkehr ins deutsche Fußball-Oberhaus zu schaffen: Das war ein riesiger Erfolg für Coach und Verein. In der Bundesliga tut sich Arminia wie erwartet erheblich schwerer. Der Aufsteiger verfügt im Wettbewerb über die geringsten finanziellen Mittel, viele Profis - auch die meisten Neuzugänge - benötigten einige Zeit, um sich an die neue Spielklasse zu gewöhnen. Neuhaus änderte in der 1. Liga seine Taktik und setzte mehr auf lange Bälle statt auf einen spielerischen Aufbau. Beim Personal aber hielt er weitgehend an Bewährtem fest. Die mangelnde Bereitschaft zur Veränderung in neuer Umgebung, das sture Festhalten an Spielern wie Fabian Klos und Marcel Hartel, mit denen er den Aufstieg geschafft hatte, irritierte die Sportliche Leitung zunehmend. Damit sank das Verhältnis zwischen Trainer und Sportchef Samir Arabi, das schon im Erfolg ein eher unterkühltes war, allmählich in einen frostigen Temperaturbereich ab. Unterschiedliche Auffassungen traten auch in der Förderung und Bewertung der Talente im Kader zutage. Eigengewächs Jomaine Consbruch (19) etwa schien während der Sommer-Vorbereitung auf dem besten Weg in die Startelf, hat aber bis dato nicht eine Bundesliga-Minute absolviert. Neuhaus schätzt Erfahrung als hohes Gut und setzt im Zweifel häufig lieber auf den älteren als den jüngeren Spieler. Seine Chefs finden, es müsse zum Wohl des Vereins umgekehrt sein. Denn es sei für einen Verein von der Größenordnung Arminias unabdingbar, Talente zu entwickeln, zu Profis zu machen und gegebenenfalls möglichst teuer zu verkaufen. Die Themenfelder Jugend und Entwicklung junger Spieler soll der neue Trainer sehr viel mehr in den Fokus nehmen. In erster Linie und kurzfristig wird es aber seine Aufgabe sein, mehr Bundesliga-Punkte zu sammeln, als es Neuhaus zuletzt gelang, und den Klassenerhalt zu schaffen. Auf welche Weise und mit welcher Taktik auch immer.
Arminia Bielefeld

Arminia Bielefeld feuert Trainer Uwe Neuhaus

Uwe Neuhaus ist nicht länger Trainer von Arminia Bielefeld. © AFP

Bielefeld. Nach dem 0:3 der Bielefelder Arminia am Samstag bei Borussia Dortmund nahm die Diskussion Fahrt auf, inzwischen ist es nach Informationen von nw.de beschlossen: Aufstiegstrainer Uwe Neuhaus (61) und sein Assistent Peter Nemeth (48) müssen gehen, die Partie beim BVB war ihr letztes Spiel auf der Bielefelder Trainerbank. Offiziell verkündet hat der Klub die Trennung bislang nicht.

Mit dem Trainerwechsel versuchen die Verantwortlichen, im Kampf um den Klassenerhalt vor den richtungweisenden Heimspielen am Sonntag gegen Union Berlin und drei Tage später gegen Werder Bremen einen frischen Impuls zu setzen. Aufgrund der nun dicht getaktet folgenden nächsten Partien sowie der anschließenden schweren Gegner Leverkusen und Leipzig hätte sich wohl erst die Länderspielpause Ende März als nächster Zeitpunkt für einen Trainerwechsel angeboten. Dann aber wäre es - so die Befürchtung in Geschäftsführung und Aufsichtsrat - womöglich schon zu spät gewesen. Arminia hat als Tabellen-16. alle Chancen, sich ein weiteres Jahr in der 1. Liga zu sichern.

Die große Frage ist nun, wer Neuhaus' Nachfolger wird. Die Verantwortlichen halten sich hierzu bislang bedeckt. Am Montag liefen bereits die Verhandlungen, es ist beabsichtigt, dass der neue Mann am Dienstag erstmals das Training leiten wird. Am Montag ist trainingsfrei.

Neuhaus war seit Dezember 2018 als Nachfolger von Jeff Saibene Cheftrainer des DSC. Er führte die Mannschaft zunächst zum Klassenerhalt in der 2. Liga und in der Saison darauf auch dank einer Umstellung auf variablen Ballbesitzfußball bei nur zwei Niederlagen und durchschnittlich zwei Punkten pro Spiel zum ersehnten Bundesliga-Aufstieg. Vereine wie den VfB Stuttgart und den Hamburger SV als Meister hinter sich zu lassen und nach elf Jahren die Rückkehr ins deutsche Fußball-Oberhaus zu schaffen: Das war ein riesiger Erfolg für Coach und Verein.

In der Bundesliga tut sich Arminia wie erwartet erheblich schwerer. Der Aufsteiger verfügt im Wettbewerb über die geringsten finanziellen Mittel, viele Profis - auch die meisten Neuzugänge - benötigten einige Zeit, um sich an die neue Spielklasse zu gewöhnen.

Neuhaus änderte in der 1. Liga seine Taktik und setzte mehr auf lange Bälle statt auf einen spielerischen Aufbau. Beim Personal aber hielt er weitgehend an Bewährtem fest. Die mangelnde Bereitschaft zur Veränderung in neuer Umgebung, das sture Festhalten an Spielern wie Fabian Klos und Marcel Hartel, mit denen er den Aufstieg geschafft hatte, irritierte die Sportliche Leitung zunehmend. Damit sank das Verhältnis zwischen Trainer und Sportchef Samir Arabi, das schon im Erfolg ein eher unterkühltes war, allmählich in einen frostigen Temperaturbereich ab.

Unterschiedliche Auffassungen traten auch in der Förderung und Bewertung der Talente im Kader zutage. Eigengewächs Jomaine Consbruch (19) etwa schien während der Sommer-Vorbereitung auf dem besten Weg in die Startelf, hat aber bis dato nicht eine Bundesliga-Minute absolviert. Neuhaus schätzt Erfahrung als hohes Gut und setzt im Zweifel häufig lieber auf den älteren als den jüngeren Spieler. Seine Chefs finden, es müsse zum Wohl des Vereins umgekehrt sein. Denn es sei für einen Verein von der Größenordnung Arminias unabdingbar, Talente zu entwickeln, zu Profis zu machen und gegebenenfalls möglichst teuer zu verkaufen.

Die Themenfelder Jugend und Entwicklung junger Spieler soll der neue Trainer sehr viel mehr in den Fokus nehmen. In erster Linie und kurzfristig wird es aber seine Aufgabe sein, mehr Bundesliga-Punkte zu sammeln, als es Neuhaus zuletzt gelang, und den Klassenerhalt zu schaffen. Auf welche Weise und mit welcher Taktik auch immer.

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Fußball