Mindener Tageblatt

Mindenerin ist erfolgreich mit dem Youtube-Kanal "lifewithmelina"

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"Manchmal muss man einfach was riskieren" / Über 100.000 Abonnenten in nur sechs Monaten

Minden (mt). Melina hat Mut zum Doppelkinn. Meistens macht sie das sogar extra. Sie ist Youtuberin, 18 Jahre alt, aus Minden und ihre Grimassen sind mittlerweile ihr Markenzeichen. Das zahlt sich aus: Melina gehört mit ihrem Kanal "lifewithmelina" zu den am schnellsten wachsenden Youtube-Kanälen in ganz Deutschland.

Erfolgreich auf Youtube: Melina (18) aus Minden hat über 100000 regelmäßige Zuschauer auf ihrem Kanal "lifewithmelina". Von ihren Abonnenten bekommt sie sogar Fanpost. - © MT-Foto: Nadine Schwan
Erfolgreich auf Youtube: Melina (18) aus Minden hat über 100000 regelmäßige Zuschauer auf ihrem Kanal "lifewithmelina". Von ihren Abonnenten bekommt sie sogar Fanpost. (© MT-Foto: Nadine Schwan)
Melina startet auf

Youtube durch - © MINDEN
Melina startet auf
Youtube durch (© MINDEN)

In Zahlen heißt das: mehr als 100.000 Abonnenten, die regelmäßig ihre Videos schauen und knapp zwei Millionen Aufrufe insgesamt. Dabei hat Melina erst vor knapp sechs Monaten angefangen, Videos fürs Internet zu drehen. Auf den Geschmack ist sie in der Schule gekommen. "In Deutsch haben wir ein Musikvideo gedreht und im Literaturkurs mehrere Videoprojekte gemacht", sagt sie. Selber hat Melina auch Youtube-Videos geschaut. "Ich hab mir gedacht, das kann ich auch und es einfach ausprobiert."

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YouTube: LifeWithMelina

Aufwärts ging es mit der Internet-Karriere, nachdem sie sich mit Youtuber Timo alias "Lionttv" zusammengetan hat. Der hat mittlerweile über 600.000 Abonnenten. Über Twitter haben sich die beiden kennengelernt. Er hat sie angeschrieben und ihre Videos gelobt. Dann ist Melina in den Zug gestiegen, hat ihn im Rheinland besucht und mit ihm gedreht.

Youtuber sind auch Vorbilder
Den überwiegenden Teil ihrer Videos filmt Melina allerdings alleine in ihrem Zimmer. Sie stellt sich vor ihre Spiegelreflexkamera, obendrauf ein Mikro, dahinter eine große Lampe für weiches Licht. Geht die Kamera an, ist Melina in ihrem Element. Besonders gern nimmt sie sich und andere in ihren Filmchen aufs Korn. Dann zieht sie ihre Grimassen, macht das obligatorische Doppelkinn und dreht Videos mit Titeln wie "Typisch Lehrer", "Typisch Instagram" oder verrückte Mutproben, sogenannte Challenges, wie Smoothies aus ekeligen Zutaten mischen und verkosten. Wahrscheinlich, so glaubt sie, war das auch ein Auslöser für ihren Erfolg. Bis auf ein paar Ausnahmen machen nur wenige Mädchen und Frauen auch mal Quatsch-Videos. "Die meisten machen eher Beauty", sagt Melina.

Neben den witzigen Filmchen beschäftigt sich die 18-Jährige aber auch mit ernsteren Themen, wie zum Beispiel dem Selbstbewusstsein. Auch in Briefen, die ihr Zuschauer schicken, geht es manchmal um sehr persönliche Sachen. "Einmal hat ein Mädchen meine Handynummer herausgefunden und mich um Hilfe bei Problemen mit den Eltern gebeten", sagt sie. "Wir Youtuber sind auch Vorbilder. Da muss man gut überlegen, was man den Leuten sagt."

Junge Leute, die Videos wie Melina drehen, gibt es mittlerweile viele: Manche von ihnen können bereits davon leben, für andere ist es noch ein Hobby. Geld verdienen die Youtuber über die Werbung, die von Google vor die Videos geschaltet oder währenddessen eingeblendet wird. Außerdem entwickeln sich im Laufe der Zeit immer weitere Geschäftsmöglichkeiten: Manche promoten Kosmetik für einen Online-shop oder entwerfen eine eigene Modekollektion. Bei Melina ist das momentan ein Zwischending. Über genaue Gehälter redet man in der Youtube-Szene nicht öffentlich. Nur soviel: "Es ist ein guter Nebenjob, um davon eine Wohnung zu bezahlen, reicht es aber noch nicht", sagt sie.

Vertrag mit Netzwerk unterschrieben

Mut zur Hässlichkeit: Melina mit "Doppelkinn".
Mut zur Hässlichkeit: Melina mit "Doppelkinn".

Das verdiente Geld steckt Melina in ihre Videoausrüstung und in Reisen. "Mein Koffer steht im Schlafzimmer immer gepackt bereit", sagt sie. Oft fährt sie dann ganz spontan mit Timo alias "Linottv" nach Hamburg zu anderen Youtubern zum Drehen. "Ich will dieses Jahr aber auch noch verreisen nach Paris, Norwegen und Island", sagt sie.

Beruflich macht Melina gerade übrigens nichts anderes als Videos. Mit dem Realschulabschluss ist sie vom Herder-Gymnasium in Minden abgegangen. Die Noten stimmten nicht und durchs Abi wollte sich Melina nicht quälen. Da hatte sie bereits mit den Videos angefangen und erste Erfolge erzielt. "Manchmal muss man einfach was riskieren", sagt sie.

Ohne Schulabschluss hätte sie Youtube allerdings nicht zu ihrem Hauptberuf machen wollen. Und ganz auf die Videoplattform verlassen, will sich Melina auch nicht. Demnächst will sie nach Hamburg ziehen und dort eine Ausbildung im Bereich Fernsehen, Schnitt und Moderation beginnen. Wo genau, steht noch nicht fest. Aber die Angebote von Filmproduktionsfirmen flattern schon ins Haus. So langsam werden nämlich auch die Fernsehsender aufmerksam auf die jungen Leute, die besonders die Zielgruppe der 13 bis 19-Jährigen anziehen.

Gerade hat die 18-Jährige einen Vertrag bei dem Hamburger Netzwerk "Tubeone" unterschrieben. Das Netzwerk ist eine Art Management für die Künstler, kümmert sich um Werbedeals, Fortbildungen und verknüpft die Video-Künstler untereinander. Im Gegenzug müssen sie dafür einen Teil ihrer Einnahmen abtreten.

Trotz Management und Fanpost fühlt sich Melina aber nicht als Star. "Das klingt so verrückt." Obwohl: In der Stadt wird sie jetzt immer öfter angesprochen, dann wollen die Leute ein Foto mit ihr machen. "Auch in der Musikbox haben mich Leute erkannt und bei H & M", sagt sie.

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Mindener TageblattMindenerin ist erfolgreich mit dem Youtube-Kanal "lifewithmelina""Manchmal muss man einfach was riskieren" / Über 100.000 Abonnenten in nur sechs MonatenMinden (mt). Melina hat Mut zum Doppelkinn. Meistens macht sie das sogar extra. Sie ist Youtuberin, 18 Jahre alt, aus Minden und ihre Grimassen sind mittlerweile ihr Markenzeichen. Das zahlt sich aus: Melina gehört mit ihrem Kanal "lifewithmelina" zu den am schnellsten wachsenden Youtube-Kanälen in ganz Deutschland.In Zahlen heißt das: mehr als 100.000 Abonnenten, die regelmäßig ihre Videos schauen und knapp zwei Millionen Aufrufe insgesamt. Dabei hat Melina erst vor knapp sechs Monaten angefangen, Videos fürs Internet zu drehen. Auf den Geschmack ist sie in der Schule gekommen. "In Deutsch haben wir ein Musikvideo gedreht und im Literaturkurs mehrere Videoprojekte gemacht", sagt sie. Selber hat Melina auch Youtube-Videos geschaut. "Ich hab mir gedacht, das kann ich auch und es einfach ausprobiert."Aufwärts ging es mit der Internet-Karriere, nachdem sie sich mit Youtuber Timo alias "Lionttv" zusammengetan hat. Der hat mittlerweile über 600.000 Abonnenten. Über Twitter haben sich die beiden kennengelernt. Er hat sie angeschrieben und ihre Videos gelobt. Dann ist Melina in den Zug gestiegen, hat ihn im Rheinland besucht und mit ihm gedreht.Youtuber sind auch VorbilderDen überwiegenden Teil ihrer Videos filmt Melina allerdings alleine in ihrem Zimmer. Sie stellt sich vor ihre Spiegelreflexkamera, obendrauf ein Mikro, dahinter eine große Lampe für weiches Licht. Geht die Kamera an, ist Melina in ihrem Element. Besonders gern nimmt sie sich und andere in ihren Filmchen aufs Korn. Dann zieht sie ihre Grimassen, macht das obligatorische Doppelkinn und dreht Videos mit Titeln wie "Typisch Lehrer", "Typisch Instagram" oder verrückte Mutproben, sogenannte Challenges, wie Smoothies aus ekeligen Zutaten mischen und verkosten. Wahrscheinlich, so glaubt sie, war das auch ein Auslöser für ihren Erfolg. Bis auf ein paar Ausnahmen machen nur wenige Mädchen und Frauen auch mal Quatsch-Videos. "Die meisten machen eher Beauty", sagt Melina.Neben den witzigen Filmchen beschäftigt sich die 18-Jährige aber auch mit ernsteren Themen, wie zum Beispiel dem Selbstbewusstsein. Auch in Briefen, die ihr Zuschauer schicken, geht es manchmal um sehr persönliche Sachen. "Einmal hat ein Mädchen meine Handynummer herausgefunden und mich um Hilfe bei Problemen mit den Eltern gebeten", sagt sie. "Wir Youtuber sind auch Vorbilder. Da muss man gut überlegen, was man den Leuten sagt."Junge Leute, die Videos wie Melina drehen, gibt es mittlerweile viele: Manche von ihnen können bereits davon leben, für andere ist es noch ein Hobby. Geld verdienen die Youtuber über die Werbung, die von Google vor die Videos geschaltet oder währenddessen eingeblendet wird. Außerdem entwickeln sich im Laufe der Zeit immer weitere Geschäftsmöglichkeiten: Manche promoten Kosmetik für einen Online-shop oder entwerfen eine eigene Modekollektion. Bei Melina ist das momentan ein Zwischending. Über genaue Gehälter redet man in der Youtube-Szene nicht öffentlich. Nur soviel: "Es ist ein guter Nebenjob, um davon eine Wohnung zu bezahlen, reicht es aber noch nicht", sagt sie.Vertrag mit Netzwerk unterschriebenDas verdiente Geld steckt Melina in ihre Videoausrüstung und in Reisen. "Mein Koffer steht im Schlafzimmer immer gepackt bereit", sagt sie. Oft fährt sie dann ganz spontan mit Timo alias "Linottv" nach Hamburg zu anderen Youtubern zum Drehen. "Ich will dieses Jahr aber auch noch verreisen nach Paris, Norwegen und Island", sagt sie.Beruflich macht Melina gerade übrigens nichts anderes als Videos. Mit dem Realschulabschluss ist sie vom Herder-Gymnasium in Minden abgegangen. Die Noten stimmten nicht und durchs Abi wollte sich Melina nicht quälen. Da hatte sie bereits mit den Videos angefangen und erste Erfolge erzielt. "Manchmal muss man einfach was riskieren", sagt sie.Ohne Schulabschluss hätte sie Youtube allerdings nicht zu ihrem Hauptberuf machen wollen. Und ganz auf die Videoplattform verlassen, will sich Melina auch nicht. Demnächst will sie nach Hamburg ziehen und dort eine Ausbildung im Bereich Fernsehen, Schnitt und Moderation beginnen. Wo genau, steht noch nicht fest. Aber die Angebote von Filmproduktionsfirmen flattern schon ins Haus. So langsam werden nämlich auch die Fernsehsender aufmerksam auf die jungen Leute, die besonders die Zielgruppe der 13 bis 19-Jährigen anziehen.Gerade hat die 18-Jährige einen Vertrag bei dem Hamburger Netzwerk "Tubeone" unterschrieben. Das Netzwerk ist eine Art Management für die Künstler, kümmert sich um Werbedeals, Fortbildungen und verknüpft die Video-Künstler untereinander. Im Gegenzug müssen sie dafür einen Teil ihrer Einnahmen abtreten.Trotz Management und Fanpost fühlt sich Melina aber nicht als Star. "Das klingt so verrückt." Obwohl: In der Stadt wird sie jetzt immer öfter angesprochen, dann wollen die Leute ein Foto mit ihr machen. "Auch in der Musikbox haben mich Leute erkannt und bei H & M", sagt sie.