"Gravierende Mängel": Sammelunterkunft in Espelkamp geschlossen

Svenja Ludwig

Mitarbeiter stehen an einer Teststation auf dem Werksgelände des Fleischverarbeitungsunternehmens Westfleisch für einen Coronavirus-Test an. Auch die Unterkünfte werden nun überprüft.  - © AFP
Mitarbeiter stehen an einer Teststation auf dem Werksgelände des Fleischverarbeitungsunternehmens Westfleisch für einen Coronavirus-Test an. Auch die Unterkünfte werden nun überprüft.  (© AFP)

Espelkamp. Die Bezirksregierung Detmold hat eine Sammelunterkunft in Espelkamp, in der Werksarbeiter der Fleischindustrie lebten, geschlossen. Grund sind laut Bezirksregierung "gravierende Mängel" in gleich mehreren Bereichen. Aufgrund der geradezu explodierenden Anzahl von Corona-Infektionen in der Fleischindustrie nehmen Bezirksregierung und lokale Ordnungsbehörden derzeit in ganz NRW Wohnungen unter die Lupe, in denen Unternehmen ihre Arbeiter einquartieren.

Immer wieder wird dokumentiert, unter welch unwürdigen Bedingungen viele Fleischarbeiter aus meist Osteuropa in Deutschland leben. Dass sich nicht selten zehn oder mehr Personen eine kleine Wohnung teilen, ist häufig das kleinste Problem. In Corona-Zeiten jedoch müssen die Unternehmen dafür sorgen, dass ihre Mitarbeiter nicht nur am Arbeitsplatz, sondern auch in der Unterkunft Hygiene- und Abstandsregeln einhalten können. Im Kreis Minden-Lübbecke hat sich die Bezirkregierung 150 Unterkünfte angesehen und 149-Mal nichts oder nur Kleinigkeiten zu beanstanden gehabt.

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Worauf achten die Prüfer?

Bezirksregierung und Ordnungsbehörden kontrollieren einerseits die Wohnsituation. Die Corona-Vorschriften sehen beispielsweise vor, dass Arbeiter idealerweise Einzelschlafzimmer zur Verfügung haben. Handelt es sich um Kollegen eines "Arbeitsteams" können auch mehrere in einem Raum untergebracht werden. Toiletten ohne Handwaschbecken zum Beispiel erfüllen nicht die Standards. Gemeinschaftsbereiche, wie Küchen sollen möglichst nur von einem Arbeitsteam genutzt werden. Heißt: Wer zusammen malocht, darf auch gemeinsam kochen. Mit Mindestabstand, versteht sich, oder mit Maske. Jedoch gibt es auch Ausnahmeregelungen. Dann muss der Arbeitgeber jedoch Sorge tragen, dass etwa reichlich Desinfektionsmittel und sauberes Wasser vorhanden ist. Oder dass die Kleidung der Arbeiter bei 60 Grad gewaschen wird.

"Bei einer Reihe von Unterkünften stellten die Kontrolleure leichte Mängel fest, darunter auch Hygienemängel. Dazu gehörte zum Beispiel, dass nicht genügend Desinfektionsmittel zur Verfügung stand oder dass keine Reinigungspläne vorlagen", erklärt ein Sprecher der Bezirksregierung. Viele dieser Probleme hätten aber bereits vor Ort gelöst werden können. Was sonst auf einer To-do-Liste vermerkt wurde, soll abgearbeitet werden.

Einem Wohnobjekt in Espelkamp jedoch haben die Prüfer sofort einen Riegel vorgeschoben. Hygienevorschriften seien dort nicht eingehalten worden. "Der Allgemeinzustand des Gebäudes ermöglichte außerdem nicht, für einen ausreichenden Infektionsschutz zu sorgen. Darüber hinaus gab es keine Brandschutzvorkehrungen sowie erhebliche bauliche Mängel", führt der Sprecher aus. Die Unterkunft sei geräumt und die Bewohner seien in andere Wohnungen gebracht worden.

Aktuell schauen sich die Prüfer Unterkünfte im Kreis Gütersloh an. Ergebnisse stehen noch aus.

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"Gravierende Mängel": Sammelunterkunft in Espelkamp geschlossenSvenja LudwigEspelkamp. Die Bezirksregierung Detmold hat eine Sammelunterkunft in Espelkamp, in der Werksarbeiter der Fleischindustrie lebten, geschlossen. Grund sind laut Bezirksregierung "gravierende Mängel" in gleich mehreren Bereichen. Aufgrund der geradezu explodierenden Anzahl von Corona-Infektionen in der Fleischindustrie nehmen Bezirksregierung und lokale Ordnungsbehörden derzeit in ganz NRW Wohnungen unter die Lupe, in denen Unternehmen ihre Arbeiter einquartieren. Immer wieder wird dokumentiert, unter welch unwürdigen Bedingungen viele Fleischarbeiter aus meist Osteuropa in Deutschland leben. Dass sich nicht selten zehn oder mehr Personen eine kleine Wohnung teilen, ist häufig das kleinste Problem. In Corona-Zeiten jedoch müssen die Unternehmen dafür sorgen, dass ihre Mitarbeiter nicht nur am Arbeitsplatz, sondern auch in der Unterkunft Hygiene- und Abstandsregeln einhalten können. Im Kreis Minden-Lübbecke hat sich die Bezirkregierung 150 Unterkünfte angesehen und 149-Mal nichts oder nur Kleinigkeiten zu beanstanden gehabt. "Bei einer Reihe von Unterkünften stellten die Kontrolleure leichte Mängel fest, darunter auch Hygienemängel. Dazu gehörte zum Beispiel, dass nicht genügend Desinfektionsmittel zur Verfügung stand oder dass keine Reinigungspläne vorlagen", erklärt ein Sprecher der Bezirksregierung. Viele dieser Probleme hätten aber bereits vor Ort gelöst werden können. Was sonst auf einer To-do-Liste vermerkt wurde, soll abgearbeitet werden. Einem Wohnobjekt in Espelkamp jedoch haben die Prüfer sofort einen Riegel vorgeschoben. Hygienevorschriften seien dort nicht eingehalten worden. "Der Allgemeinzustand des Gebäudes ermöglichte außerdem nicht, für einen ausreichenden Infektionsschutz zu sorgen. Darüber hinaus gab es keine Brandschutzvorkehrungen sowie erhebliche bauliche Mängel", führt der Sprecher aus. Die Unterkunft sei geräumt und die Bewohner seien in andere Wohnungen gebracht worden. Aktuell schauen sich die Prüfer Unterkünfte im Kreis Gütersloh an. Ergebnisse stehen noch aus.