Massentests setzen Fleischindustrie in OWL unter Druck

Matthias Bungeroth

Am Standort in Rheda-Wiedenbrück weisen Schilder wie dieses Tönnies-Mitarbeiter auf Abstandsregelungen hin. - © Picture Alliance / David Inderlied / dpa
Am Standort in Rheda-Wiedenbrück weisen Schilder wie dieses Tönnies-Mitarbeiter auf Abstandsregelungen hin. (© Picture Alliance / David Inderlied / dpa)

Gütersloh (nw). Der Druck auf die Fleischbranche angesichts steigender Zahlen von Corona-infizierten Mitarbeiter wächst. In einem Schlachthof in Birkenfeld bei Pforzheim wurden weitere 80 Mitarbeiter positiv getestet; die Zahl der Sars-Cov-2-infizierten steige damit auf rund 400, teilte das zuständige Landratsamt mit. Am Mittwoch werden auch erste Testergebnisse aus Betrieben in OWL erwartet, wie Branchenführer Tönnies mitteilte.

"Experten der Gesundheitsbehörden gehen davon aus, dass trotz nicht vorhandener klinischer Symptome positive Tests zu erwarten sind", erklärte das Unternehmen. Am Standort Kellinghusen seien bereits alle 170 Mitarbeiter getestet worden. Alle Proben seien negativ. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) forderte angesichts der hohen Zahlen die Branche auf, Konzepte zur Einhaltung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes zu entwickeln. "Ich erwarte von allen Beteiligten, dass sie sich ihrer Verantwortung gerade auch in der Krise bewusst sind."

Tönnies: "Wir schaffen übergesetzliche Standards"

Clemens Tönnies, Chef des Unternehmens in Rheda-Wiedenbrück, sagte: "Die politischen Äußerungen der vergangenen Tage sind für mich verwunderlich, schließlich halten wir uns an Recht und Gesetz, sind Vorreiter in Sachen Wohnen und schaffen übergesetzliche Standards." Er biete den Arbeitsministern Karl-Josef Laumann (CDU) und Hubertus Heil (SPD) einen "runden Tisch" zur Situation in der Branche an. "Es besteht Bedarf an einem konstruktiven Dialog."

Der Fleischunternehmer fordert von der Politik "bundeseinheitliche Regelungen und Auditierungen von Wohnungen". Zudem stellte Tönnies einen 14-Punkte-Plan zur Corona-Risiko-Minimierung vor. "Kernelement ist die risikobasierte PCR-Probennahme in einem eigenen Testcenter", erklärt das Unternehmen. Am Mittwoch debattiert der Bundestag in einer aktuellen Stunde über die Situation in der Fleischindustrie.

Unterdessen wurde bekannt, dass am Coesfelder Standort des Schlachtbetriebs Westfleisch 260 Mitarbeiter positiv auf das Virus getestet wurden. Der Kreis Minden-Lübbecke sagte, man habe am Lübbecker Westfleisch-Standort bislang 650 von rund 800 Abstrichen nehmen können. Die Ergebnisse würden "kommuniziert, wenn alle Tests abgeschlossen und untersucht sind." Der Kreis Gütersloh teilte mit, wenn man Ergebnisse habe, werde man die "Zahlen erst auswerten, sie mit den Beteiligten abstimmen und dann veröffentlichen."

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Massentests setzen Fleischindustrie in OWL unter DruckMatthias BungerothGütersloh (nw). Der Druck auf die Fleischbranche angesichts steigender Zahlen von Corona-infizierten Mitarbeiter wächst. In einem Schlachthof in Birkenfeld bei Pforzheim wurden weitere 80 Mitarbeiter positiv getestet; die Zahl der Sars-Cov-2-infizierten steige damit auf rund 400, teilte das zuständige Landratsamt mit. Am Mittwoch werden auch erste Testergebnisse aus Betrieben in OWL erwartet, wie Branchenführer Tönnies mitteilte. "Experten der Gesundheitsbehörden gehen davon aus, dass trotz nicht vorhandener klinischer Symptome positive Tests zu erwarten sind", erklärte das Unternehmen. Am Standort Kellinghusen seien bereits alle 170 Mitarbeiter getestet worden. Alle Proben seien negativ. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) forderte angesichts der hohen Zahlen die Branche auf, Konzepte zur Einhaltung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes zu entwickeln. "Ich erwarte von allen Beteiligten, dass sie sich ihrer Verantwortung gerade auch in der Krise bewusst sind." Tönnies: "Wir schaffen übergesetzliche Standards" Clemens Tönnies, Chef des Unternehmens in Rheda-Wiedenbrück, sagte: "Die politischen Äußerungen der vergangenen Tage sind für mich verwunderlich, schließlich halten wir uns an Recht und Gesetz, sind Vorreiter in Sachen Wohnen und schaffen übergesetzliche Standards." Er biete den Arbeitsministern Karl-Josef Laumann (CDU) und Hubertus Heil (SPD) einen "runden Tisch" zur Situation in der Branche an. "Es besteht Bedarf an einem konstruktiven Dialog." Der Fleischunternehmer fordert von der Politik "bundeseinheitliche Regelungen und Auditierungen von Wohnungen". Zudem stellte Tönnies einen 14-Punkte-Plan zur Corona-Risiko-Minimierung vor. "Kernelement ist die risikobasierte PCR-Probennahme in einem eigenen Testcenter", erklärt das Unternehmen. Am Mittwoch debattiert der Bundestag in einer aktuellen Stunde über die Situation in der Fleischindustrie. Unterdessen wurde bekannt, dass am Coesfelder Standort des Schlachtbetriebs Westfleisch 260 Mitarbeiter positiv auf das Virus getestet wurden. Der Kreis Minden-Lübbecke sagte, man habe am Lübbecker Westfleisch-Standort bislang 650 von rund 800 Abstrichen nehmen können. Die Ergebnisse würden "kommuniziert, wenn alle Tests abgeschlossen und untersucht sind." Der Kreis Gütersloh teilte mit, wenn man Ergebnisse habe, werde man die "Zahlen erst auswerten, sie mit den Beteiligten abstimmen und dann veröffentlichen."