Bad Oeynhausen

Warum Erzieher trotz Personalnot keinen Ausbildungsplatz finden

Nicole Sielermann

Bad Oeynhausen (nw). Die 20 hat Nele Ellermeyer nahezu erreicht. Bei so vielen Einrichtungen in Bad Oeynhausen, Löhne und Umgebung hat die 19-Jährige angefragt für einen dualen Ausbildungsplatz als Erzieherin. Das neue Modell mit Namen PIA (Praxisintegrierte Ausbildung) aber ist zwar an den Schulen angekommen, nicht aber in den Kindergärten. Wie ihr geht es auch vielen anderen jungen Menschen, die sich für eine Erzieherausbildung entscheiden. „Und das wo es immer wieder heißt, dass Erzieher an allen Ecken fehlen“, sagt Nele Ellermeyer. Die Gohfelderin möchte auf das Problem des Platzmangels aufmerksam machen.

Nele Ellermeyer ist inzwischen frustriert von ihrer Suche nach einem Ausbildungsplatz als Erzieherin. Foto: Sielermann - © Nicole Sielermann
Nele Ellermeyer ist inzwischen frustriert von ihrer Suche nach einem Ausbildungsplatz als Erzieherin. Foto: Sielermann (© Nicole Sielermann)

Auch Freundin Laura (die aufgrund von finalen Vertragsverhandlungen ihren Nachnamen nicht in der Zeitung lesen möchte) hat ein ähnliches Problem. Sie ist noch eine der ausgebildeten Erzieher, die nach zwei Jahren Schule ein Anerkennungsjahr absolvieren müssen. Jugendhilfe, Kindergarten, offener Ganztag – auf ihre Bewerbungen gab es in den vergangenen Wochen genau eine Rückmeldung. Dabei muss sie bis Mai einen Platz nachweisen. Nach monatelangem vergeblichen Bemühungen, sieht es aber derzeit so auf, als hätte die 20-Jährige Glück. „Notfall könnte ich das Jahr noch bis 2022 nachholen. Aber die Zahl der Bewerber wird ja nicht geringer.

Nele Ellermeyer beginnt im Sommer ihre Ausbildung am AWO-Berufskolleg in Herford. Den Platz hat sie sicher. „Zwei Tage Schule, drei Tage Praxis“, erklärt sie das neue Ausbildungsmodell. Eine Erzieher-Ausbildung, für die es nun eine Entlohnung gibt. Um mehr Menschen für den Beruf zu begeistern. „Meine Vergütung liegt bei 1.100 Euro“, sagt sie. Von den Kitas, bei denen sie vorgesprochen hat, gab es nur wenige, die überhaupt einen Platz zur Verfügung hatten. „Und mir wurde gleich gesagt, dass das vom Staat angedachte Gehalt sowieso nicht gezahlt wird.“ Zwischen 280 und 600 Euro Vergütung hätten die Angebote gelegen. „An den Schulen raten alle ab, sich auf eine solche Bezahlung einzulassen, weil das eine Unterbezahlung sei“, weiß Nele Ellermeyer von den Lehrern. Aber was tun, wenn es keine anderen Plätze gibt?

2018 hat Nele Ellermeyer Abitur gemacht und dann zwei Jahre in der OGS gejobbt. „Die Seite kenne ich. Deswegen möchte ich meine Ausbildung gerne in der KIta machen“, sagt sie. Freundinnen, die auch den Beruf erlernen wollen, geht es ähnlich: „Ich habe Oeynhausen, Löhne und Herford abgeklappert, meine Freundin Lübbecke und Bünde – sie hat genau das Gleiche erlebt“, winkt die 19-Jährige ab. Viele Einrichtungen hätten schon gleich signalisiert, dass sie kein Interesse hätten. Weil aber auch Nele und ihre Mitschüler bis Mai einen Ausbildungsplatz nachweisen müssen, hatten die Herforder Erzieherschulen eigentlich für den 1. April einen Infotag geplant. „Die Schule geht davon aus, dass 50 Prozent keinen Platz finden“, hat Ellermeyer erfahren.

Die Stadt Bad Oeynhausen hat in ihren drei städtischen Kindertageseinrichtungen bisher keinen Platz für PIA. „Wir planen aber, in allen drei städtischen Kindertageseinrichtungen so schnell wie möglich Stellen für die praxisintegrierte Ausbildung einzurichten“, sagt Stadtsprecher Volker Müller-Ulrich. Ebenfalls immer noch möglich sei in allen drei Kitas ein Anerkennungsjahr. „Wir hoffen auf Bewerbungen“, so Müller-Ulrich.

Wie viele PIAs zum Beispiel in den Einrichtungen des Kirchenkreises Vlotho eingestellt werden, ist derzeit noch offen, wie deren Pressesprecher Christopher Deppe erklärt: „In den Kindergärten kirchlicher Trägerschaft im Kirchenkreis Vlotho sind aktuell Auszubildende in der Praxisorientierten Ausbildung beschäftigt. Inwiefern einzelne Gemeinden junge Erzieherinnen und Erzieher im Rahmen der PIA einstellen, hängt von den jeweiligen Stellenplänen in den Einrichtungen ab. Da die PIA-Auszubildenden für drei Jahre eingestellt und eingeplant werden, muss die Entscheidung zum Beginn jedes neuen Kita-Jahres neu getroffen werden.“ Aktuell liefen deshalb Personalgespräche im Kreiskirchenamt; aufgrund der aktuellen Corona-Beschränkungen allerdings per Videokonferenz mit den Leitungen und Trägervertretern. Deppe weiter: „Auch Anerkennungspraktika werden angeboten und durchgeführt, da Nachwuchs für die Kindertagesstätten extrem wichtig ist. Zum kommenden Kita-Jahr wollen die Einrichtungen im Kirchenkreis Vlotho staatlich geprüfte Erzieherinnen und Erzieher für das Anerkennungsjahr anstellen. Die aktuell zu erwartenden Verzögerungen im Prüfungsablauf der Berufsschulen stellen uns jedoch vor die Unsicherheit, ob und inwiefern Erzieherinnen und Erzieher rechtzeitig geprüft werden können, um im Sommer ins Anerkennungsjahr zu gehen.“

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Bad OeynhausenWarum Erzieher trotz Personalnot keinen Ausbildungsplatz findenNicole SielermannBad Oeynhausen (nw). Die 20 hat Nele Ellermeyer nahezu erreicht. Bei so vielen Einrichtungen in Bad Oeynhausen, Löhne und Umgebung hat die 19-Jährige angefragt für einen dualen Ausbildungsplatz als Erzieherin. Das neue Modell mit Namen PIA (Praxisintegrierte Ausbildung) aber ist zwar an den Schulen angekommen, nicht aber in den Kindergärten. Wie ihr geht es auch vielen anderen jungen Menschen, die sich für eine Erzieherausbildung entscheiden. „Und das wo es immer wieder heißt, dass Erzieher an allen Ecken fehlen“, sagt Nele Ellermeyer. Die Gohfelderin möchte auf das Problem des Platzmangels aufmerksam machen. Auch Freundin Laura (die aufgrund von finalen Vertragsverhandlungen ihren Nachnamen nicht in der Zeitung lesen möchte) hat ein ähnliches Problem. Sie ist noch eine der ausgebildeten Erzieher, die nach zwei Jahren Schule ein Anerkennungsjahr absolvieren müssen. Jugendhilfe, Kindergarten, offener Ganztag – auf ihre Bewerbungen gab es in den vergangenen Wochen genau eine Rückmeldung. Dabei muss sie bis Mai einen Platz nachweisen. Nach monatelangem vergeblichen Bemühungen, sieht es aber derzeit so auf, als hätte die 20-Jährige Glück. „Notfall könnte ich das Jahr noch bis 2022 nachholen. Aber die Zahl der Bewerber wird ja nicht geringer. Nele Ellermeyer beginnt im Sommer ihre Ausbildung am AWO-Berufskolleg in Herford. Den Platz hat sie sicher. „Zwei Tage Schule, drei Tage Praxis“, erklärt sie das neue Ausbildungsmodell. Eine Erzieher-Ausbildung, für die es nun eine Entlohnung gibt. Um mehr Menschen für den Beruf zu begeistern. „Meine Vergütung liegt bei 1.100 Euro“, sagt sie. Von den Kitas, bei denen sie vorgesprochen hat, gab es nur wenige, die überhaupt einen Platz zur Verfügung hatten. „Und mir wurde gleich gesagt, dass das vom Staat angedachte Gehalt sowieso nicht gezahlt wird.“ Zwischen 280 und 600 Euro Vergütung hätten die Angebote gelegen. „An den Schulen raten alle ab, sich auf eine solche Bezahlung einzulassen, weil das eine Unterbezahlung sei“, weiß Nele Ellermeyer von den Lehrern. Aber was tun, wenn es keine anderen Plätze gibt? 2018 hat Nele Ellermeyer Abitur gemacht und dann zwei Jahre in der OGS gejobbt. „Die Seite kenne ich. Deswegen möchte ich meine Ausbildung gerne in der KIta machen“, sagt sie. Freundinnen, die auch den Beruf erlernen wollen, geht es ähnlich: „Ich habe Oeynhausen, Löhne und Herford abgeklappert, meine Freundin Lübbecke und Bünde – sie hat genau das Gleiche erlebt“, winkt die 19-Jährige ab. Viele Einrichtungen hätten schon gleich signalisiert, dass sie kein Interesse hätten. Weil aber auch Nele und ihre Mitschüler bis Mai einen Ausbildungsplatz nachweisen müssen, hatten die Herforder Erzieherschulen eigentlich für den 1. April einen Infotag geplant. „Die Schule geht davon aus, dass 50 Prozent keinen Platz finden“, hat Ellermeyer erfahren. Die Stadt Bad Oeynhausen hat in ihren drei städtischen Kindertageseinrichtungen bisher keinen Platz für PIA. „Wir planen aber, in allen drei städtischen Kindertageseinrichtungen so schnell wie möglich Stellen für die praxisintegrierte Ausbildung einzurichten“, sagt Stadtsprecher Volker Müller-Ulrich. Ebenfalls immer noch möglich sei in allen drei Kitas ein Anerkennungsjahr. „Wir hoffen auf Bewerbungen“, so Müller-Ulrich. Wie viele PIAs zum Beispiel in den Einrichtungen des Kirchenkreises Vlotho eingestellt werden, ist derzeit noch offen, wie deren Pressesprecher Christopher Deppe erklärt: „In den Kindergärten kirchlicher Trägerschaft im Kirchenkreis Vlotho sind aktuell Auszubildende in der Praxisorientierten Ausbildung beschäftigt. Inwiefern einzelne Gemeinden junge Erzieherinnen und Erzieher im Rahmen der PIA einstellen, hängt von den jeweiligen Stellenplänen in den Einrichtungen ab. Da die PIA-Auszubildenden für drei Jahre eingestellt und eingeplant werden, muss die Entscheidung zum Beginn jedes neuen Kita-Jahres neu getroffen werden.“ Aktuell liefen deshalb Personalgespräche im Kreiskirchenamt; aufgrund der aktuellen Corona-Beschränkungen allerdings per Videokonferenz mit den Leitungen und Trägervertretern. Deppe weiter: „Auch Anerkennungspraktika werden angeboten und durchgeführt, da Nachwuchs für die Kindertagesstätten extrem wichtig ist. Zum kommenden Kita-Jahr wollen die Einrichtungen im Kirchenkreis Vlotho staatlich geprüfte Erzieherinnen und Erzieher für das Anerkennungsjahr anstellen. Die aktuell zu erwartenden Verzögerungen im Prüfungsablauf der Berufsschulen stellen uns jedoch vor die Unsicherheit, ob und inwiefern Erzieherinnen und Erzieher rechtzeitig geprüft werden können, um im Sommer ins Anerkennungsjahr zu gehen.“