Bad Oeynhausen/Löhne

Trio aus Bad Oeynhausen bietet Patenschaften für Blumenwiesen an

Nicole Sielermann

Eine solch blühende Landschaft könnte bald auch in Bad Oeynhausen und Löhne zu sehen sein. Foto: pr - © Shutterstock
Eine solch blühende Landschaft könnte bald auch in Bad Oeynhausen und Löhne zu sehen sein. Foto: pr (© Shutterstock)

Bad Oeynhausen/Löhne. Der Artenschwund in der Kulturlandschaft ist dramatisch und das Insektensterben in aller Munde. Die Diskussionen um den Klimawandel haben viele Menschen wachgerüttelt. Das Engagement für die Umwelt, vor allem für die Insektenwelt und den Erhalt der Artenvielfalt, ist enorm. Blühflächen, Blühstreifen und sogar Blühpatenschaften, die immer mehr Landwirte anbieten, sind gefragt. Nun gibt es auch in Bad Oeynhausen und Löhne die Chance auf Blühpatenschaften. Bürger oder Firmen sorgen mittels „Feldwerk“ mit ihrer Patenschaft dafür, dass landwirtschaftlich intensiv genutzte Flächen an geeigneten Standorten aus der konventionellen Bewirtschaftung genommen werden und eine regional angepasste Blühpflanzenmischung ausgesät wird.

„Wir möchten der Landwirtschaft ein etwas anderes Image geben“, sagt Marco Schlomann. Deshalb bringt der IT-Experte zusammen mit Cousin und Landwirt Tobias Krutemeier sowie dessen Vater Ulrich das Portal „Feldwerk“ auf den Weg. „Sei ein Held, bestell ein Feld“, lautet der Slogan, den sich die Drei überlegt haben. „So schaffen wir artenreiche Blühwiesen und fördern nachhaltig die Biodiversität in der Region. Es entsteht nicht nur ein Lebensraum für Wildbienen, Schmetterlinge und viele andere Insekten sondern auch ein strukturierter Rückzugsraum für weitere Tierarten“, sagt Tobias Krutemeier.

„Wir hatten vergangenen Sommer die Idee“, erzählt Tobias Krutemeier. „Wir haben zuhause Landwirtschaft und somit Maschinen und Fläche zur Verfügung.“ Krutemeiers holten Schlomann ins Boot und gründeten „Feldwerk“. „Wir haben zwei Landwirte als Auftragnehmer“, erklärt der Bad Oeynhausener Marco Schlomann. „Für Bad Oeynhausen ist das Thomas Wehmeyer aus Oberbecksen, für Löhne Ulrich Krutemeier.“

Nun werden Paten gesucht, die bereit sind, langfristig in blühende Landschaften zu investieren. „Mit einer Patenschaft über ein Stück Blühwiese können Bürger uns helfen, der Natur und dem Artenschutz zu helfen. Den Geldbetrag nutzen wir, um den Landwirt zu entschädigen, Saatgut zu kaufen und die Blühfläche anzulegen“, erklärt Krutemeier.

Einen Euro kostet die Patenschaft pro Quadratmeter, angelegt ist sie auf zwei Jahre – mit der Option, jederzeit zu verlängern. Angelegt werden die Flächen vor Ort: „Wir haben bereits 10.000 Quadratmeter Fläche, die ab Mai eingesät wird“, so Schlomann. Weitere 3.000 Quadratmeter sind derzeit ausgeschrieben – suchen also noch Paten. Sämtliche Flächen befinden sich in Bad Oeynhausen und Löhne. „Der regionale Gedanke steht im Vordergrund“, erklärt Tobias Krutemeier.

Paten könnten ihre Flächen (die frei zugänglich sind) besuchen, hätten die Vielfalt im Sommer vor Augen – und würden so direkt vermittelt bekommen, was sie für die Natur machten. „Auf unserer Plattform im Internet werden alle Paten genannt, es sind bereits auch einige größere Firmen dabei.“

Die Mischungen, die Tobias und Ulrich Krutemeier und Thomas Wehmeyer auf die Felder bringen, sind vielfältig. „Wir werden verschiedene Mischungen ausprobieren, Erfahrungen sammeln und auch selber Mischungen zusammenstellen.“ Nur so könnten abwechslungsreiche Lebensräume geschaffen werden. Eine regionale Mischung beinhaltet zum Beispiel 55 verschiedene Arten: „Wildkräuter, Kornblumen, Malven, Klatschmohn, Dill, Fenchel oder Sonnenblumen“, so Krutemeier.

Feldwerk vermittelt aber nicht nur Blühpatenschaften: „Zusammen mit Imker Thomas Büter bieten wir auch Bienenpatenschaften an“, ergänzt Marco Schlomann. Außerdem gibt es im Online-Shop Saatgut für Zuhause, Feldwerk-Honig und Feldwerk-Gin sowie Vogelhäuser und Patenschafts-Gutscheine.

„Es gibt auch erste Anfragen von Flächenbesitzern, die ihren Acker zur Verfügung stellen wollen“, weiß Marco Schlomann. Auch Firmen könnten den Rasen auf dem Werksgelände umarbeiten lassen, und auch eine Gruppe von Nachbarn hat eine erste Patenschaft übernommen, um eine blühende Landschaft direkt vor der Tür zu haben. „Wir sind flexibel“, sagt Schlomann lächelnd. Allerdings müssen Flächen mit landwirtschaftlichem Gerät erreichbar sein: „Zehn Quadratmeter im Garten, mitten in einer Siedlung, sind nicht machbar.“ Bis Ende April haben Bürger die Chance, eine Patenschaft zu übernehmen, die noch in diesem Frühjahr umgesetzt wird. Denn trotz Corona geht bei den Landwirten die Arbeit auf den Feldern weiter. „Wir wollen, je nach Wetterlage, Ende April, Anfang Mai aussäen“, erklärt Tobias Krutemeier. Wer sich erst danach entscheidet, muss bis zum nächsten Jahr warten.

www.feld-werk.de

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Bad Oeynhausen/LöhneTrio aus Bad Oeynhausen bietet Patenschaften für Blumenwiesen anNicole SielermannBad Oeynhausen/Löhne. Der Artenschwund in der Kulturlandschaft ist dramatisch und das Insektensterben in aller Munde. Die Diskussionen um den Klimawandel haben viele Menschen wachgerüttelt. Das Engagement für die Umwelt, vor allem für die Insektenwelt und den Erhalt der Artenvielfalt, ist enorm. Blühflächen, Blühstreifen und sogar Blühpatenschaften, die immer mehr Landwirte anbieten, sind gefragt. Nun gibt es auch in Bad Oeynhausen und Löhne die Chance auf Blühpatenschaften. Bürger oder Firmen sorgen mittels „Feldwerk“ mit ihrer Patenschaft dafür, dass landwirtschaftlich intensiv genutzte Flächen an geeigneten Standorten aus der konventionellen Bewirtschaftung genommen werden und eine regional angepasste Blühpflanzenmischung ausgesät wird. „Wir möchten der Landwirtschaft ein etwas anderes Image geben“, sagt Marco Schlomann. Deshalb bringt der IT-Experte zusammen mit Cousin und Landwirt Tobias Krutemeier sowie dessen Vater Ulrich das Portal „Feldwerk“ auf den Weg. „Sei ein Held, bestell ein Feld“, lautet der Slogan, den sich die Drei überlegt haben. „So schaffen wir artenreiche Blühwiesen und fördern nachhaltig die Biodiversität in der Region. Es entsteht nicht nur ein Lebensraum für Wildbienen, Schmetterlinge und viele andere Insekten sondern auch ein strukturierter Rückzugsraum für weitere Tierarten“, sagt Tobias Krutemeier. „Wir hatten vergangenen Sommer die Idee“, erzählt Tobias Krutemeier. „Wir haben zuhause Landwirtschaft und somit Maschinen und Fläche zur Verfügung.“ Krutemeiers holten Schlomann ins Boot und gründeten „Feldwerk“. „Wir haben zwei Landwirte als Auftragnehmer“, erklärt der Bad Oeynhausener Marco Schlomann. „Für Bad Oeynhausen ist das Thomas Wehmeyer aus Oberbecksen, für Löhne Ulrich Krutemeier.“ Nun werden Paten gesucht, die bereit sind, langfristig in blühende Landschaften zu investieren. „Mit einer Patenschaft über ein Stück Blühwiese können Bürger uns helfen, der Natur und dem Artenschutz zu helfen. Den Geldbetrag nutzen wir, um den Landwirt zu entschädigen, Saatgut zu kaufen und die Blühfläche anzulegen“, erklärt Krutemeier. Einen Euro kostet die Patenschaft pro Quadratmeter, angelegt ist sie auf zwei Jahre – mit der Option, jederzeit zu verlängern. Angelegt werden die Flächen vor Ort: „Wir haben bereits 10.000 Quadratmeter Fläche, die ab Mai eingesät wird“, so Schlomann. Weitere 3.000 Quadratmeter sind derzeit ausgeschrieben – suchen also noch Paten. Sämtliche Flächen befinden sich in Bad Oeynhausen und Löhne. „Der regionale Gedanke steht im Vordergrund“, erklärt Tobias Krutemeier. Paten könnten ihre Flächen (die frei zugänglich sind) besuchen, hätten die Vielfalt im Sommer vor Augen – und würden so direkt vermittelt bekommen, was sie für die Natur machten. „Auf unserer Plattform im Internet werden alle Paten genannt, es sind bereits auch einige größere Firmen dabei.“ Die Mischungen, die Tobias und Ulrich Krutemeier und Thomas Wehmeyer auf die Felder bringen, sind vielfältig. „Wir werden verschiedene Mischungen ausprobieren, Erfahrungen sammeln und auch selber Mischungen zusammenstellen.“ Nur so könnten abwechslungsreiche Lebensräume geschaffen werden. Eine regionale Mischung beinhaltet zum Beispiel 55 verschiedene Arten: „Wildkräuter, Kornblumen, Malven, Klatschmohn, Dill, Fenchel oder Sonnenblumen“, so Krutemeier. Feldwerk vermittelt aber nicht nur Blühpatenschaften: „Zusammen mit Imker Thomas Büter bieten wir auch Bienenpatenschaften an“, ergänzt Marco Schlomann. Außerdem gibt es im Online-Shop Saatgut für Zuhause, Feldwerk-Honig und Feldwerk-Gin sowie Vogelhäuser und Patenschafts-Gutscheine. „Es gibt auch erste Anfragen von Flächenbesitzern, die ihren Acker zur Verfügung stellen wollen“, weiß Marco Schlomann. Auch Firmen könnten den Rasen auf dem Werksgelände umarbeiten lassen, und auch eine Gruppe von Nachbarn hat eine erste Patenschaft übernommen, um eine blühende Landschaft direkt vor der Tür zu haben. „Wir sind flexibel“, sagt Schlomann lächelnd. Allerdings müssen Flächen mit landwirtschaftlichem Gerät erreichbar sein: „Zehn Quadratmeter im Garten, mitten in einer Siedlung, sind nicht machbar.“ Bis Ende April haben Bürger die Chance, eine Patenschaft zu übernehmen, die noch in diesem Frühjahr umgesetzt wird. Denn trotz Corona geht bei den Landwirten die Arbeit auf den Feldern weiter. „Wir wollen, je nach Wetterlage, Ende April, Anfang Mai aussäen“, erklärt Tobias Krutemeier. Wer sich erst danach entscheidet, muss bis zum nächsten Jahr warten. www.feld-werk.de