Bad Oeynhausen

Die letzten Bastionen - Nur wenige Einzelhändler dürfen in Corona-Zeiten noch ihre Läden öffnen

Nicole Sielermann

Dirk Luther vom Café Finselbach präsentiert das frisch eingetroffene Klopapier – natürlich dreilagig und in einer besonders süßen Ausführung. Foto: Nicole Sielermann - © Nicole Sielermann
Dirk Luther vom Café Finselbach präsentiert das frisch eingetroffene Klopapier – natürlich dreilagig und in einer besonders süßen Ausführung. Foto: Nicole Sielermann (© Nicole Sielermann)

Bad Oeynhausen (nw). Leer ist es geworden in der Stadt. Und auch in den Ortsteilen gibt es vorwiegend geschlossene Ladentüren. Seit dem Erlass der Landesregierung, dass nur noch bestimmte Einzelhändler, Apotheken, Tankstellen oder Banken ihre Türen öffnen dürfen, haben es auch die schwer, die noch verkaufen dürfen. Die Redaktion hat einige Stichproben gemacht und nachgefragt, wie schwer der Geschäftsbetrieb in der aktuellen Saison ist.

Fleischerei Timmerberg

Dirk Timmerberg ist in diesen Zeiten froh, schon lange vor Corona ein Nummernsystem in seinem Laden eingeführt zu haben. Das macht das Warten für die Kunden derzeit noch einfacher. Und trotzdem gibt es vor allem freitags und samstags lange Schlangen vor dem Eingang. Natürlich mit dem gebührenden Abstand von zwei Metern. „Wir stehen im ständigen Kontakt mit dem Ordnungsamt, um geeignete Lösungen zu finden“, sagt der Inhaber der gleichnamigen Fleischerei in der Südstadt. Denn vor allem am Wochenende knubbele es sich. Und keinesfalls solle der Verkehr rund um das Geschäft beeinträchtigt werden. „Unsere Nachbarn wie Juwelier Vaupel haben ja derzeit geschlossen, so dass wir den Bereich vor dem Ladenlokal als Wartebereich empfehlen“, erklärt Timmerberg. „Es ist besser, wenn sich die Kunden locker verteilen, als in Schlangen zu warten.“ Der Aufruf der Nummern aus dem Geschäftsinneren ist für die Verkäuferinnen allerdings nicht leicht: „Die sind schon heiser, vom Durch-die-Tür-rufen“, sagt Timmerberg schmunzelnd. Und deshalb hat er nun eine neue Nummernanzeige installiert: Im Fenster über dem Eingang hängt ein Bildschirm, der die Zahlen anzeigt. „Die sind weithin sichtbar.“ Maximal vier Kunden (pro zehn Quadratmeter Fläche einer) dürfen sich im Ladenlokal aufhalten. „Bestellungen werden wir am Wochenende durchs Fenster ausgeben“, erklärt Dirk Timmerberg. Jetzt gab es noch einen Spuckschutz im Kassenbereich: „Fürs gute Gefühl.“

Café Finselbach

Klopapier – frisch eingetroffen. Selbstverständlich dreilagig. Dirk Luther hat trotz der Corona-Krise seinen Humor nicht verloren. Und so kreierte der Konditormeister jüngst wie viele seiner Kollegen aus anderen Städten eine Klorollen-Torte. „Damit ich wenigstens etwas zu tun habe“, sagt der Inhaber von Café Finselbach. Zusammen mit seiner Frau und den Auszubildenden hält er die Stellung. Der Rest der Mitarbeiter macht Kurzarbeit. Für Luther ging es „von 100 auf 0“ wie er sagt. Seine Mitarbeiter machen Kurzarbeit, nur der Ladenverkauf ist noch geöffnet.

Und dort steht in der Auslage nun die neue Kreation. „Ganz schlicht war mir zu langweilig“, sagt Luther. Und so verzierte er die Rollen mit Herzen – rosa für die Himbeerfüllung, braun für die Schokofüllung. „Vielleicht machen wir zu Ostern Hasen drauf“, überlegt Luther. Basis für beide Torten ist ein Biskuitboden, gerollt und in Scheiben geschnitten. Die Himbeervariante hat einen hellen Boden und weiße Buttercreme, die Schokovariante einen dunklen Boden und Schokobuttercreme. Außen hält weißer Fondant die dreilagige Rolle zusammen. „Vielleicht beschert uns die Torte einige Einnahmen“, hofft Luther, der seine gesamte Schokoware schon reduziert hat und nun einen Lieferservice anbietet. „Aber nicht für ein Stück Kuchen“, betont er.

Stil & Blüte

Eigentlich hatte Andreas Müller seinen Laden „coronafest“ gemacht. Hatte die Ware so sortiert, dass das Geschäft fünf Wochen hätte „stehen“ können. Doch dann kam quasi über Nacht die Änderung: „Weil die Gärtnereien geöffnet haben dürfen, ist es auch uns Floristen gestattet“, erklärt der Inhaber von „Stil & Blüte“ in Werste. Auch wenn er derzeit alleine arbeitet, seine Mitarbeiterinnen aufgrund der Situation in die Kurzarbeit schicken musste – Müller ist froh, noch geöffnet zu haben. „Und wenn ich nur ein Stiefmütterchen verkaufe“, sagt er lachend. Gerade in diesen Zeiten seien viele Kunden froh, einen kleinen Frühlingsgruß mitzunehmen.

„Ich verkaufe pflanzliche Antidepressiva“, betont der Florist. In seinem Ladenlokal arbeitet er unter entsprechenden Schutzmaßnahmen: In der Tür weist ein Schild darauf hin, dass maximal ein Kunde den Laden betreten darf. Spuckschutz sowie Desinfektionsmittel ergänzen das Angebot. Apropos Angebot: „Schnittblumen gibt es nur als fertige Sträuße – sonst müssten die Kunden ja Ewigkeiten draußen vor der Tür warten.“

Orthopädie-Schuhe Brink

Geöffnet hat Michael Brink, Schuhe verkauft er aber trotzdem nicht. „Wir haben lediglich die Werkstatt geöffnet“, sagt der Inhaber von Schuh Brink in Werste. Einlagen oder Schuherhöhungen sind machbar, auf der bereits eingekauften und angelieferten Sommerware bleibt Brink erst einmal sitzen. „Es sind deutlich weniger Kunden unterwegs, die Frequenz ist minimal“, bilanziert er. Nur wenige Patienten ließen sich in diesen Tagen vom Arzt ein Rezept ausstellen. „Aber wir können ja froh sein, dass wir überhaupt einen Teilbereich öffnen dürfen.“ Seit Mitte März hat Brink die Belegschaft in Schichten eingeteilt – zum einen, weil die Arbeit fehlt, zum anderen, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Und: „Wir haben ab April Kurzarbeit angemeldet.“

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Bad OeynhausenDie letzten Bastionen - Nur wenige Einzelhändler dürfen in Corona-Zeiten noch ihre Läden öffnenNicole SielermannBad Oeynhausen (nw). Leer ist es geworden in der Stadt. Und auch in den Ortsteilen gibt es vorwiegend geschlossene Ladentüren. Seit dem Erlass der Landesregierung, dass nur noch bestimmte Einzelhändler, Apotheken, Tankstellen oder Banken ihre Türen öffnen dürfen, haben es auch die schwer, die noch verkaufen dürfen. Die Redaktion hat einige Stichproben gemacht und nachgefragt, wie schwer der Geschäftsbetrieb in der aktuellen Saison ist. Fleischerei Timmerberg Dirk Timmerberg ist in diesen Zeiten froh, schon lange vor Corona ein Nummernsystem in seinem Laden eingeführt zu haben. Das macht das Warten für die Kunden derzeit noch einfacher. Und trotzdem gibt es vor allem freitags und samstags lange Schlangen vor dem Eingang. Natürlich mit dem gebührenden Abstand von zwei Metern. „Wir stehen im ständigen Kontakt mit dem Ordnungsamt, um geeignete Lösungen zu finden“, sagt der Inhaber der gleichnamigen Fleischerei in der Südstadt. Denn vor allem am Wochenende knubbele es sich. Und keinesfalls solle der Verkehr rund um das Geschäft beeinträchtigt werden. „Unsere Nachbarn wie Juwelier Vaupel haben ja derzeit geschlossen, so dass wir den Bereich vor dem Ladenlokal als Wartebereich empfehlen“, erklärt Timmerberg. „Es ist besser, wenn sich die Kunden locker verteilen, als in Schlangen zu warten.“ Der Aufruf der Nummern aus dem Geschäftsinneren ist für die Verkäuferinnen allerdings nicht leicht: „Die sind schon heiser, vom Durch-die-Tür-rufen“, sagt Timmerberg schmunzelnd. Und deshalb hat er nun eine neue Nummernanzeige installiert: Im Fenster über dem Eingang hängt ein Bildschirm, der die Zahlen anzeigt. „Die sind weithin sichtbar.“ Maximal vier Kunden (pro zehn Quadratmeter Fläche einer) dürfen sich im Ladenlokal aufhalten. „Bestellungen werden wir am Wochenende durchs Fenster ausgeben“, erklärt Dirk Timmerberg. Jetzt gab es noch einen Spuckschutz im Kassenbereich: „Fürs gute Gefühl.“ Café Finselbach Klopapier – frisch eingetroffen. Selbstverständlich dreilagig. Dirk Luther hat trotz der Corona-Krise seinen Humor nicht verloren. Und so kreierte der Konditormeister jüngst wie viele seiner Kollegen aus anderen Städten eine Klorollen-Torte. „Damit ich wenigstens etwas zu tun habe“, sagt der Inhaber von Café Finselbach. Zusammen mit seiner Frau und den Auszubildenden hält er die Stellung. Der Rest der Mitarbeiter macht Kurzarbeit. Für Luther ging es „von 100 auf 0“ wie er sagt. Seine Mitarbeiter machen Kurzarbeit, nur der Ladenverkauf ist noch geöffnet. Und dort steht in der Auslage nun die neue Kreation. „Ganz schlicht war mir zu langweilig“, sagt Luther. Und so verzierte er die Rollen mit Herzen – rosa für die Himbeerfüllung, braun für die Schokofüllung. „Vielleicht machen wir zu Ostern Hasen drauf“, überlegt Luther. Basis für beide Torten ist ein Biskuitboden, gerollt und in Scheiben geschnitten. Die Himbeervariante hat einen hellen Boden und weiße Buttercreme, die Schokovariante einen dunklen Boden und Schokobuttercreme. Außen hält weißer Fondant die dreilagige Rolle zusammen. „Vielleicht beschert uns die Torte einige Einnahmen“, hofft Luther, der seine gesamte Schokoware schon reduziert hat und nun einen Lieferservice anbietet. „Aber nicht für ein Stück Kuchen“, betont er. Stil & Blüte Eigentlich hatte Andreas Müller seinen Laden „coronafest“ gemacht. Hatte die Ware so sortiert, dass das Geschäft fünf Wochen hätte „stehen“ können. Doch dann kam quasi über Nacht die Änderung: „Weil die Gärtnereien geöffnet haben dürfen, ist es auch uns Floristen gestattet“, erklärt der Inhaber von „Stil & Blüte“ in Werste. Auch wenn er derzeit alleine arbeitet, seine Mitarbeiterinnen aufgrund der Situation in die Kurzarbeit schicken musste – Müller ist froh, noch geöffnet zu haben. „Und wenn ich nur ein Stiefmütterchen verkaufe“, sagt er lachend. Gerade in diesen Zeiten seien viele Kunden froh, einen kleinen Frühlingsgruß mitzunehmen. „Ich verkaufe pflanzliche Antidepressiva“, betont der Florist. In seinem Ladenlokal arbeitet er unter entsprechenden Schutzmaßnahmen: In der Tür weist ein Schild darauf hin, dass maximal ein Kunde den Laden betreten darf. Spuckschutz sowie Desinfektionsmittel ergänzen das Angebot. Apropos Angebot: „Schnittblumen gibt es nur als fertige Sträuße – sonst müssten die Kunden ja Ewigkeiten draußen vor der Tür warten.“ Orthopädie-Schuhe Brink Geöffnet hat Michael Brink, Schuhe verkauft er aber trotzdem nicht. „Wir haben lediglich die Werkstatt geöffnet“, sagt der Inhaber von Schuh Brink in Werste. Einlagen oder Schuherhöhungen sind machbar, auf der bereits eingekauften und angelieferten Sommerware bleibt Brink erst einmal sitzen. „Es sind deutlich weniger Kunden unterwegs, die Frequenz ist minimal“, bilanziert er. Nur wenige Patienten ließen sich in diesen Tagen vom Arzt ein Rezept ausstellen. „Aber wir können ja froh sein, dass wir überhaupt einen Teilbereich öffnen dürfen.“ Seit Mitte März hat Brink die Belegschaft in Schichten eingeteilt – zum einen, weil die Arbeit fehlt, zum anderen, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Und: „Wir haben ab April Kurzarbeit angemeldet.“