Polizei-Einsatz: 42-köpfige Bielefelder Großfamilie unter Corona-Quarantäne gestellt

Jürgen Mahncke

In voller Schutzmontur warten Mitarbeiter des Gesundheitsamtes darauf, die schlechte Botschaft zu überbringen. - © Christian Mathiesen
In voller Schutzmontur warten Mitarbeiter des Gesundheitsamtes darauf, die schlechte Botschaft zu überbringen. (© Christian Mathiesen)

Bielefeld. Für viel Aufsehen sorgte am Samstagmittag ein Einsatz von Mitarbeitern der Stadt und der Polizei in Jöllenbeck. Gegen 12 Uhr fuhren zunächst drei Streifenwagen ein Wohnhaus in der Beckendorfstraße an. Ihnen folgten jeweils ein Fahrzeug des Ordnungsamtes und des Gesundheitsamtes.

Die zwei Mitarbeiter des Gesundheitsamtes, komplett bekleidet mit weißen Schutzanzügen, Atemschutzmasken und Schutzbrillen, klingelten an einem Mehrfamilienhaus. Nach geraumer Zeit öffnete eine Frau die Tür. Anwohner konnten beobachten, wie es eine längere Diskussion gab.

Die städtischen Mitarbeiter blätterten in Aktenordnern, setzten aber keinen Schritt in das Haus. Die gesamte Aktion wurde von zwei Mitarbeitern des Ordnungsamtes aus der Nähe beobachtet, während sich die Polizeibeamten auf Distanz hielten. Nach einer knappen halben Stunde sei der ganze Spuk beendet gewesen, so ein Anwohner.

Auf Nachfrage der NW bestätigte die Polizei ihren Einsatz. Sie sei, so ein Polizeisprecher, jedoch nur vorsorglich beim Einsatz des Gesundheitsamtes vor Ort gewesen. Eines Eingreifens hätte es zu keiner Zeit bedurft. Alles Weitere sei Sache der städtischen Behörde.

Die Stadt konnte später Licht ins Dunkel bringen. Wie das Presseamt mitteilte, wohnt in dem Mehrfamilienhaus in der Beckendorfstraße ein Familienverbund von 42 Personen. Nachdem es bei einigen Anzeichen einer Corona-Erkrankung gegeben hätte, wären alle Bewohner getestet worden. Am Samstagmittag hätte man Gewissheit gehabt, dass von den 42 Bewohnern drei mit dem Coronavirus infiziert sind.

Weil man nicht gewusst hätte, wie die Großfamilie auf diesen Befund reagiert und um die Ernsthaftigkeit der Quarantäne für den gesamten Clan zu zeigen, sei mit entsprechender Verstärkung das Objekt angefahren worden.

Die präventiven Vorkehrungen hätten sich jedoch als vollkommen unnötig erwiesen. Es sei ein total ruhiger Einsatz gewesen. Regelmäßig wird das Gesundheitsamt in den nächsten zwei Wochen die Einhaltung der angeordneten Quarantäne überprüfen. Halten sich die 42 Personen nicht an die Auflagen, droht ihnen nach § 75 des Infektionsschutzgesetzes eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder eine Geldstrafe.

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Polizei-Einsatz: 42-köpfige Bielefelder Großfamilie unter Corona-Quarantäne gestelltJürgen MahnckeBielefeld. Für viel Aufsehen sorgte am Samstagmittag ein Einsatz von Mitarbeitern der Stadt und der Polizei in Jöllenbeck. Gegen 12 Uhr fuhren zunächst drei Streifenwagen ein Wohnhaus in der Beckendorfstraße an. Ihnen folgten jeweils ein Fahrzeug des Ordnungsamtes und des Gesundheitsamtes. Die zwei Mitarbeiter des Gesundheitsamtes, komplett bekleidet mit weißen Schutzanzügen, Atemschutzmasken und Schutzbrillen, klingelten an einem Mehrfamilienhaus. Nach geraumer Zeit öffnete eine Frau die Tür. Anwohner konnten beobachten, wie es eine längere Diskussion gab. Die städtischen Mitarbeiter blätterten in Aktenordnern, setzten aber keinen Schritt in das Haus. Die gesamte Aktion wurde von zwei Mitarbeitern des Ordnungsamtes aus der Nähe beobachtet, während sich die Polizeibeamten auf Distanz hielten. Nach einer knappen halben Stunde sei der ganze Spuk beendet gewesen, so ein Anwohner. Auf Nachfrage der NW bestätigte die Polizei ihren Einsatz. Sie sei, so ein Polizeisprecher, jedoch nur vorsorglich beim Einsatz des Gesundheitsamtes vor Ort gewesen. Eines Eingreifens hätte es zu keiner Zeit bedurft. Alles Weitere sei Sache der städtischen Behörde. Die Stadt konnte später Licht ins Dunkel bringen. Wie das Presseamt mitteilte, wohnt in dem Mehrfamilienhaus in der Beckendorfstraße ein Familienverbund von 42 Personen. Nachdem es bei einigen Anzeichen einer Corona-Erkrankung gegeben hätte, wären alle Bewohner getestet worden. Am Samstagmittag hätte man Gewissheit gehabt, dass von den 42 Bewohnern drei mit dem Coronavirus infiziert sind. Weil man nicht gewusst hätte, wie die Großfamilie auf diesen Befund reagiert und um die Ernsthaftigkeit der Quarantäne für den gesamten Clan zu zeigen, sei mit entsprechender Verstärkung das Objekt angefahren worden. Die präventiven Vorkehrungen hätten sich jedoch als vollkommen unnötig erwiesen. Es sei ein total ruhiger Einsatz gewesen. Regelmäßig wird das Gesundheitsamt in den nächsten zwei Wochen die Einhaltung der angeordneten Quarantäne überprüfen. Halten sich die 42 Personen nicht an die Auflagen, droht ihnen nach § 75 des Infektionsschutzgesetzes eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder eine Geldstrafe.