Lübbecker Land

Drogen-Kriminelle haben beim Anbau im ländlichen Raum Vorteile

Sandra Spieker

Lübbecker Land (nw). Genau ein Jahr ist es her, dass Kräfte des Spezialeinsatzkommandos (SEK) Wohnungen unter anderem in Lübbecke, Rahden, Espelkamp und Petershagen durchsuchten. Es gab Festnahmen, Hanfpflanzen wurden beschlagnahmt. Im Dezember startete der Prozess gegen die mutmaßlichen Drogenhändler. Immer wieder wurden vor allem im vergangenen Jahr Indoor-Hanfplantagen im Kreis Minden-Lübbecke entdeckt. Und dann der Fund eines der größten Drogenlabore Deutschlands in Börninghausen im Mai 2019. Ist der ländliche Mühlenkreis für Drogenanbauer und -hersteller besonders attraktiv?

Kreispolizeisprecher Ralf Steinmeier. Foto: nw - © Heike von Schulz
Kreispolizeisprecher Ralf Steinmeier. Foto: nw (© Heike von Schulz)

„Um eine Drogenplantage zu betreiben, bietet der ländliche Raum für Kriminelle in der Tat gewisse Vorteile“, sagt dazu Kreispolizeisprecher Ralf Steinmeyer. Hier stünden Gehöfte, Stallungen oder ähnliche Räume zur Anmietung zur Verfügung, die den nötigen Platz für eine professionelle Drogenplantage böten. Im eher städtischen Raum gebe es solche Immobilien selten bis gar nicht. „In der Stadt treffen wir daher häufig auf kleinere Plantagen, welche zum Beispiel im Keller eines Hauses eingerichtet werden.“

Im ländlichen Raum sei die Bebauung bei Weitem nicht so dicht. So hätten Nachbarn aufgrund der größeren Zwischenräume nicht immer einen direkten Blick auf das Nachbargrundstück. „So entsteht auch seltener ein persönlicher Kontakt, zumal sich die Kriminellen bewusst nur selten sehen lassen“, so Steinmeyer. Denn die versuchten – soweit es geht – völlig unauffällig ihren Machenschaften nachzugehen.

Und das funktioniert offenbar. „Leider müssen wir im Laufe von einzelnen Ermittlungen hin und wieder feststellen, dass sich Vermieter solcher Immobilen nur wenig für das Treiben ihrer Mieter interessieren.“ Ein Grund dafür könne sein, dass der Vermieter weit entfernt wohnt. Manchmal liege auch einfach offenbar kein gesteigertes Interesse vor.

Die Grenze zu Niedersachsen spiele für die Kriminellen keine Rolle, sagt Steinmeyer auf Nachfrage. Hier stehe nicht die Landesgrenze als solche im Fokus. Vielmehr ergeben sich die Parallelen durch die ebenfalls ländliche Struktur.

Kürzlich entdeckten Fahnder in der Nachbargemeinde Bad Essen wie berichtet im Keller eines Wohnhauses im Ortsteil Wehrendorf eine professionelle Drogenplantage mit mehr als 500 Pflanzen.

Derzeit sei die Bekämpfung der Drogenkriminalität ein Schwerpunkt der polizeilichen Arbeit im gesamten Kreisgebiet, sagt Polizeisprecher Steinmeyer. „Durch die Zentralisierung der Kriminalkommissariate an einem Standort ist es uns möglich, effektiv gegen dieses Kriminalitätsphänomen vorzugehen.“ So erkläre sich auch die Zunahme von Aufgriffen von Drogenplantagen im Kreisgebiet.

Grundsätzlich sei die Polizei bei ihrer Arbeit auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen. Dies gelte auch für den Bereich der Drogenkriminalität.

Steinmeyer rät: „Daher sollten Vermieter und Anwohner der genannten Objekte achtsam sein.“ Vermieter sollten aufmerksam sein, wenn der veranschlagte Mietpreis, insbesondere bei größeren Summen, sofort in Bar bezahlt werde. Außerdem sollten Vermieter in regelmäßigen Abständen das Mietobjekt in Augenschein nehmen.

Anwohner sollten sich bei der Polizei melden, wenn zum Beispiel vermeintliche Wohnräume des Nachbarhauses stets abgedunkelt seien. Auch Fahrzeuge mit auswärtigen Kennzeichen, die dort ohne erkennbaren Grund vereinzelt auftauchen, könnten auf kriminelle Aktivitäten hindeuten, sagt er.

„Wir möchten in diesem Zusammenhang betonen, dass wir nicht zu einem grundsätzlichen Misstrauen gegenüber Nachbarn aufrufen.“ Doch niemand sollte sich scheuen die Polizei zu informieren, wenn Auffälligkeiten bemerkt würden.

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Lübbecker LandDrogen-Kriminelle haben beim Anbau im ländlichen Raum VorteileSandra SpiekerLübbecker Land (nw). Genau ein Jahr ist es her, dass Kräfte des Spezialeinsatzkommandos (SEK) Wohnungen unter anderem in Lübbecke, Rahden, Espelkamp und Petershagen durchsuchten. Es gab Festnahmen, Hanfpflanzen wurden beschlagnahmt. Im Dezember startete der Prozess gegen die mutmaßlichen Drogenhändler. Immer wieder wurden vor allem im vergangenen Jahr Indoor-Hanfplantagen im Kreis Minden-Lübbecke entdeckt. Und dann der Fund eines der größten Drogenlabore Deutschlands in Börninghausen im Mai 2019. Ist der ländliche Mühlenkreis für Drogenanbauer und -hersteller besonders attraktiv? „Um eine Drogenplantage zu betreiben, bietet der ländliche Raum für Kriminelle in der Tat gewisse Vorteile“, sagt dazu Kreispolizeisprecher Ralf Steinmeyer. Hier stünden Gehöfte, Stallungen oder ähnliche Räume zur Anmietung zur Verfügung, die den nötigen Platz für eine professionelle Drogenplantage böten. Im eher städtischen Raum gebe es solche Immobilien selten bis gar nicht. „In der Stadt treffen wir daher häufig auf kleinere Plantagen, welche zum Beispiel im Keller eines Hauses eingerichtet werden.“ Im ländlichen Raum sei die Bebauung bei Weitem nicht so dicht. So hätten Nachbarn aufgrund der größeren Zwischenräume nicht immer einen direkten Blick auf das Nachbargrundstück. „So entsteht auch seltener ein persönlicher Kontakt, zumal sich die Kriminellen bewusst nur selten sehen lassen“, so Steinmeyer. Denn die versuchten – soweit es geht – völlig unauffällig ihren Machenschaften nachzugehen. Und das funktioniert offenbar. „Leider müssen wir im Laufe von einzelnen Ermittlungen hin und wieder feststellen, dass sich Vermieter solcher Immobilen nur wenig für das Treiben ihrer Mieter interessieren.“ Ein Grund dafür könne sein, dass der Vermieter weit entfernt wohnt. Manchmal liege auch einfach offenbar kein gesteigertes Interesse vor. Die Grenze zu Niedersachsen spiele für die Kriminellen keine Rolle, sagt Steinmeyer auf Nachfrage. Hier stehe nicht die Landesgrenze als solche im Fokus. Vielmehr ergeben sich die Parallelen durch die ebenfalls ländliche Struktur. Kürzlich entdeckten Fahnder in der Nachbargemeinde Bad Essen wie berichtet im Keller eines Wohnhauses im Ortsteil Wehrendorf eine professionelle Drogenplantage mit mehr als 500 Pflanzen. Derzeit sei die Bekämpfung der Drogenkriminalität ein Schwerpunkt der polizeilichen Arbeit im gesamten Kreisgebiet, sagt Polizeisprecher Steinmeyer. „Durch die Zentralisierung der Kriminalkommissariate an einem Standort ist es uns möglich, effektiv gegen dieses Kriminalitätsphänomen vorzugehen.“ So erkläre sich auch die Zunahme von Aufgriffen von Drogenplantagen im Kreisgebiet. Grundsätzlich sei die Polizei bei ihrer Arbeit auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen. Dies gelte auch für den Bereich der Drogenkriminalität. Steinmeyer rät: „Daher sollten Vermieter und Anwohner der genannten Objekte achtsam sein.“ Vermieter sollten aufmerksam sein, wenn der veranschlagte Mietpreis, insbesondere bei größeren Summen, sofort in Bar bezahlt werde. Außerdem sollten Vermieter in regelmäßigen Abständen das Mietobjekt in Augenschein nehmen. Anwohner sollten sich bei der Polizei melden, wenn zum Beispiel vermeintliche Wohnräume des Nachbarhauses stets abgedunkelt seien. Auch Fahrzeuge mit auswärtigen Kennzeichen, die dort ohne erkennbaren Grund vereinzelt auftauchen, könnten auf kriminelle Aktivitäten hindeuten, sagt er. „Wir möchten in diesem Zusammenhang betonen, dass wir nicht zu einem grundsätzlichen Misstrauen gegenüber Nachbarn aufrufen.“ Doch niemand sollte sich scheuen die Polizei zu informieren, wenn Auffälligkeiten bemerkt würden.