Bad Oeynhausen

Kartenwerk mit 15.000 Bäumen - Sibylle Michels erstellt Baumkataster für Bad Oeynhausen

Jörg Stuke

Bad Oeynhausen (nw). Am Anfang gab’s ’nen Unfall. Anfang 2016 wurde ein Spaziergänger in der Oeynhauser Schweiz von einem herabfallenden Ast an der Schulter verletzt. „Das war der Auslöser“, berichtet Christopher Jantzen, Leiter der Abteilung für Grünflächen-Unterhaltung bei den Stadtwerken. Der Auslöser für die Erstellung eines Baumkatasters, einer Art Inventur im Grün der Stadt. Eine Mammutaufgabe, die sich nun der Vollendung nähert. Die aber auch eine Daueraufgabe bleibt.

Baum für Baum: Das Kataster zeigt bis ins kleinste Detail, wie der Kurpark begrünt ist. Foto: Stadt Bad Oeynhausen - © Stadt Bad Oeynhausen
Baum für Baum: Das Kataster zeigt bis ins kleinste Detail, wie der Kurpark begrünt ist. Foto: Stadt Bad Oeynhausen (© Stadt Bad Oeynhausen)

„Verkehrssicherungspflicht“ ist das Schlüsselwort, das hinter diesem Projekt steht. Die Stadt hat diese Pflicht für ihr Grün an die Stadtwerke übertragen, die sich nun darum kümmern müssen, dass niemandem durch einen städtischen Baum ein Schaden entsteht. „Nach dem Unfall 2016 haben wir beschlossen, die Bäume ganz genau zu betrachten“, erklärt Jantzen.

Christopher Jantzen, Leiter der Grünflächen-Unterhaltung bei den Stadtwerken, und Forstwirtin Sibylle Michels haben das Baumkataster für Bad Oeynhausen erstellt. Foto: Jörg Stuke - © Jörg Stuke
Christopher Jantzen, Leiter der Grünflächen-Unterhaltung bei den Stadtwerken, und Forstwirtin Sibylle Michels haben das Baumkataster für Bad Oeynhausen erstellt. Foto: Jörg Stuke (© Jörg Stuke)

Für diesen Job haben die Stadtwerke Sibylle Michels engagiert. Die 2016 mit der Inventur im Stadtwald startete und seither jeden Baum vom Sehen kennt. „Wir haben mit den Straßenbäumen angefangen“, berichtet die Diplom-Forstwirtin, die bei ihrer Erhebung von zwei Mitstreitern unterstützt wurde. Danach kamen die Bäume an Schulen und Kindergärten dran. Denn auch hier ist es besonders gefährlich, wenn Äste herausbrechen oder gar ganze Bäume umstürzen würden. Parallel dazu war Michels immer wieder auch im Kurpark unterwegs, denn auch hier ist reger Publikumsverkehr. Bis auf ein paar Resterhebungen an Sportplätzen und städtischen Gebäuden ist das Kataster fertig.

„Für jeden einzelnen Baum haben wir einen Steckbrief angelegt“, erläutert Michels. Auf dem wurden Standort, Art, Höhe, der Umfang von Stamm und Krone sowie der Zustand vermerkt. Gibt’s Schäden im Astwerk, am Stamm, an den Wurzeln? „Aus diesen Daten habe ich dann ein Fazit gezogen: verkehrssicher oder nicht“, berichtet Sibylle Michels. Zudem bekam jeder Baum eine eigene Nummer, unter der er in ein Online-Kartenwerk eingetragen wurde.

Und deshalb kann die Forstwirtin auch ganz genau sagen, wie viele Bäume sie so bisher erfasst hat: Es sind 15.021. Trotz dieser akribischen Erfassung aber gibt es noch eine erhebliche Dunkelziffer. Denn in den großen Grünanlagen der Stadt wie Sielpark, Siekertal oder Oeynhauser Schweiz wurde nicht jeder einzelne Baum in das Register übernommen. „Hier stehen die Bäume so dicht, dass man sie einzeln auf einer Karte gar nicht markieren könnte“, erklärt Michels. Die deshalb zwar jeden einzelnen Baum begutachtete, dann aber eine Einschätzung des Zustands ganzer Flächen vornahm. Und so kann die Forstwirtin auch nur schätzen, wie viele Bäume Bad Oeynhausen in diesen Grünanlagen hat. „Es werden sicherlich noch einmal 10.000 sein“, vermutet Sibylle Michels.

Die den grünen Riesen der Kurstadt durchaus gute Noten gibt. Den allermeisten Bäumen könne sie einen guten Zustand bescheinigen, versichert Michels. An den Straßen dominieren die Arten Linde und Ahorn, die vornehmlich in den 1980er und 1990er Jahren gepflanzt wurden, aus den 1970er Jahren stammen die Platanen, die einige Straßenränder in Bad Oeynhausen säumen. Deutlich älter ist der Bestand im Kurpark. Hier traf Sibylle Michels sogar auf einige Eichen, die etwa 350 Jahre alt sind. Alte Hofeichen, die schon standen, als noch niemand hier an einen Kurpark gedacht hat. „Das ist eine Artenmischung hier in Bad Oeynhausen, mit der man gut leben kann“, urteilt die Forstwirtin.

Bei ihrer Begutachtung musste Michels über 300 Bäume das Todesurteil fällen. 200 von ihnen, von denen eine akute Gefährdung ausging, wurden bereits gefällt, die anderen sollen folgen.

An die 500 Bäume hat die Gutachterin unter besondere Beobachtung gestellt: Weil diese Exemplare schon besondere Schäden aufweisen, werden sie halbjährlich begutachtet. Aber auch die anderen Bäume bekommen auch künftig regelmäßig Besuch, mindestens alle drei Jahre. Das Projekt Baumkataster wird somit nie so richtig beendet sein. „Wir haben gerade einen neuen Zweijahresvertrag mit Frau Michels gemacht“, berichtet Jantzen.

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Bad OeynhausenKartenwerk mit 15.000 Bäumen - Sibylle Michels erstellt Baumkataster für Bad OeynhausenJörg StukeBad Oeynhausen (nw). Am Anfang gab’s ’nen Unfall. Anfang 2016 wurde ein Spaziergänger in der Oeynhauser Schweiz von einem herabfallenden Ast an der Schulter verletzt. „Das war der Auslöser“, berichtet Christopher Jantzen, Leiter der Abteilung für Grünflächen-Unterhaltung bei den Stadtwerken. Der Auslöser für die Erstellung eines Baumkatasters, einer Art Inventur im Grün der Stadt. Eine Mammutaufgabe, die sich nun der Vollendung nähert. Die aber auch eine Daueraufgabe bleibt. „Verkehrssicherungspflicht“ ist das Schlüsselwort, das hinter diesem Projekt steht. Die Stadt hat diese Pflicht für ihr Grün an die Stadtwerke übertragen, die sich nun darum kümmern müssen, dass niemandem durch einen städtischen Baum ein Schaden entsteht. „Nach dem Unfall 2016 haben wir beschlossen, die Bäume ganz genau zu betrachten“, erklärt Jantzen. Für diesen Job haben die Stadtwerke Sibylle Michels engagiert. Die 2016 mit der Inventur im Stadtwald startete und seither jeden Baum vom Sehen kennt. „Wir haben mit den Straßenbäumen angefangen“, berichtet die Diplom-Forstwirtin, die bei ihrer Erhebung von zwei Mitstreitern unterstützt wurde. Danach kamen die Bäume an Schulen und Kindergärten dran. Denn auch hier ist es besonders gefährlich, wenn Äste herausbrechen oder gar ganze Bäume umstürzen würden. Parallel dazu war Michels immer wieder auch im Kurpark unterwegs, denn auch hier ist reger Publikumsverkehr. Bis auf ein paar Resterhebungen an Sportplätzen und städtischen Gebäuden ist das Kataster fertig. „Für jeden einzelnen Baum haben wir einen Steckbrief angelegt“, erläutert Michels. Auf dem wurden Standort, Art, Höhe, der Umfang von Stamm und Krone sowie der Zustand vermerkt. Gibt’s Schäden im Astwerk, am Stamm, an den Wurzeln? „Aus diesen Daten habe ich dann ein Fazit gezogen: verkehrssicher oder nicht“, berichtet Sibylle Michels. Zudem bekam jeder Baum eine eigene Nummer, unter der er in ein Online-Kartenwerk eingetragen wurde. Und deshalb kann die Forstwirtin auch ganz genau sagen, wie viele Bäume sie so bisher erfasst hat: Es sind 15.021. Trotz dieser akribischen Erfassung aber gibt es noch eine erhebliche Dunkelziffer. Denn in den großen Grünanlagen der Stadt wie Sielpark, Siekertal oder Oeynhauser Schweiz wurde nicht jeder einzelne Baum in das Register übernommen. „Hier stehen die Bäume so dicht, dass man sie einzeln auf einer Karte gar nicht markieren könnte“, erklärt Michels. Die deshalb zwar jeden einzelnen Baum begutachtete, dann aber eine Einschätzung des Zustands ganzer Flächen vornahm. Und so kann die Forstwirtin auch nur schätzen, wie viele Bäume Bad Oeynhausen in diesen Grünanlagen hat. „Es werden sicherlich noch einmal 10.000 sein“, vermutet Sibylle Michels. Die den grünen Riesen der Kurstadt durchaus gute Noten gibt. Den allermeisten Bäumen könne sie einen guten Zustand bescheinigen, versichert Michels. An den Straßen dominieren die Arten Linde und Ahorn, die vornehmlich in den 1980er und 1990er Jahren gepflanzt wurden, aus den 1970er Jahren stammen die Platanen, die einige Straßenränder in Bad Oeynhausen säumen. Deutlich älter ist der Bestand im Kurpark. Hier traf Sibylle Michels sogar auf einige Eichen, die etwa 350 Jahre alt sind. Alte Hofeichen, die schon standen, als noch niemand hier an einen Kurpark gedacht hat. „Das ist eine Artenmischung hier in Bad Oeynhausen, mit der man gut leben kann“, urteilt die Forstwirtin. Bei ihrer Begutachtung musste Michels über 300 Bäume das Todesurteil fällen. 200 von ihnen, von denen eine akute Gefährdung ausging, wurden bereits gefällt, die anderen sollen folgen. An die 500 Bäume hat die Gutachterin unter besondere Beobachtung gestellt: Weil diese Exemplare schon besondere Schäden aufweisen, werden sie halbjährlich begutachtet. Aber auch die anderen Bäume bekommen auch künftig regelmäßig Besuch, mindestens alle drei Jahre. Das Projekt Baumkataster wird somit nie so richtig beendet sein. „Wir haben gerade einen neuen Zweijahresvertrag mit Frau Michels gemacht“, berichtet Jantzen.