Corona-Krise: Im Shoppingcenter Loom sind nur noch 2 von 110 Läden geöffnet

Kurt Ehmke

So voll war es Weihnachten - bei solchen Fotos dürften viele jetzt schlechte Laune bekommen. - © Sarah Jonek
So voll war es Weihnachten - bei solchen Fotos dürften viele jetzt schlechte Laune bekommen. (© Sarah Jonek)

Bielefeld. Das im Herbst 2017 eröffnete Loom war so schön in der Erfolgsspur - und dann kam Corona. Und nun sitzt auch der gerade erst im Januar in Bielefeld als Chef gestartete Loom-Geschäftsführer Jan Tangerding im Home Office (bei Braunschweig) und bewundert die Schneeflocken, die vor seinem Arbeitszimmer herabrieseln. Er wirkt aber nicht frustriert, sondern anpackend, nach vorne blickend.

Dabei sind es diese Zahlen, die ihm die Laune verhageln müssten: Meist sind es am Tag nur 1.000 bis 2.000 Menschen im Loom, die Zählanlage zeige oft zeitgleich nur 200 bis 300 an. Offen ist nur der Eingang von der Stresemannstraße aus. Gestattet sind dem Loom zeitgleich 1.000 - "aber wir haben schon drei Tage nach dem Erlass gemerkt, dass das nicht kritisch wird bei uns", sagt Tangerding ganz offen.

2 von 110 sind offen

Jan Tangerding trat im Januar an, um das Loom weiter nach vorne zu bringen - und schlägt sich jetzt (unverschuldet) mit einem unfassbaren Tiefschlag herum. - © Andreas Zobe/NW
Jan Tangerding trat im Januar an, um das Loom weiter nach vorne zu bringen - und schlägt sich jetzt (unverschuldet) mit einem unfassbaren Tiefschlag herum. (© Andreas Zobe/NW)

Wie auch sollten die Zahlen hoch sein? Es sind ja nur der Rewe und der Rossmann offen - zwei von 110 Läden. Theoretisch dürften mehr Geschäfte öffnen: vom Bäcker bis hin zu den Restaurants (als Abholservice). Doch wer läuft schon hoch in den zweiten Stock zum Food Court, um dort Essen zu holen?

Jan Tangerding wirkt in der Krise nicht frustiert, er hofft bald auf Lockerungen der Regeln. - © Foto: Andreas Zobe/NW
Jan Tangerding wirkt in der Krise nicht frustiert, er hofft bald auf Lockerungen der Regeln. (© Foto: Andreas Zobe/NW)

Kurz: Das Loom lahmt, die auf 8 bis 18 Uhr reduzierten Öffnungszeiten spiegeln das. Rewe nutzt die Öffnungszeiten voll aus, Rossmann ist von 9 bis 18 Uhr offen.

Immerhin, so Tangerding, betreffe das Thema rund um Adidas und andere große Akteure, die Mietzahlungen plötzlich verweigern wollen, das Loom quasi nicht. Der Adidas-Store sei ein Franchise-Nehmer, auch sonst habe er bisher nichts gehört von möglichen Mieterverweigerern. Deichmann hatte das angekündigt, aber in Bielefeld ist davon bisher nichts angekommen.

Noch ist es ruhig

Auch von Mietern, die ins Trudeln kommen, ist bisher offenbar nichts bekannt. Tangerding: „Ich habe bisher nichts von gravierenden Problemen bei unseren Mietern gehört, es gab zwar zwei Mieter, die sich insgesamt kritisch über die Lage geäußert haben, aber mehr bisher nicht.“ Das solle aber natürlich nicht heißen, dass die Lage gut sei. Mitnichten.

Tangerding hofft, „dass bestimmte Auflagen vielleicht bald gelockert werden und uns einen Teilbetrieb erlauben“. Doch er wage keine Prognosen in diesen Zeiten. Erst Anfang kommender Woche werde ja überhaupt deutlich werden, was die strengen Auflagen für die Bevölkerung bewirkt hätten. Er stelle fest, dass offenbar viele Menschen und Firmenspitzen erst einmal zwei, drei Wochen gebraucht hätten, um zu kapieren, was nun wirklich geschehen sei.

Keine Prognosen

Für das vor knapp zweieinhalb Jahren eröffnete Loom stehen nach dem fulminanten Start plötzlich unsichere Zeiten an, der gelassen wirkende Chef mag aber keine Prognosen abgeben, wann was wieder möglich sein müsste, um stabil zu bleiben.

Er, der angetreten war mit dem Ziel, dem Online-Handel die Stirn zu bieten, muss nun erst einmal hinnehmen, dass der Online-Handel Profiteur der Krise ist. Tangerding, der sich aktiv einbringen wollte in die Kaufmannschaft, der das Konzept der „Digital Mall“ forcieren wollte, sitzt nun im Home Office. Die „Digital Mall“, bei der im Internet Produkte angesehen und reserviert werden und später im Loom abgeholt werden konnten, muss warten – fünf Shops waren bisher dabei, nun steht alles still. Aus bis zu 50.000 Besuchern am Tag sind gut 1.000 geworden – und die sind zwangsläufig fast nur noch als Flaneure unterwegs.

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Corona-Krise: Im Shoppingcenter Loom sind nur noch 2 von 110 Läden geöffnetKurt EhmkeBielefeld. Das im Herbst 2017 eröffnete Loom war so schön in der Erfolgsspur - und dann kam Corona. Und nun sitzt auch der gerade erst im Januar in Bielefeld als Chef gestartete Loom-Geschäftsführer Jan Tangerding im Home Office (bei Braunschweig) und bewundert die Schneeflocken, die vor seinem Arbeitszimmer herabrieseln. Er wirkt aber nicht frustriert, sondern anpackend, nach vorne blickend. Dabei sind es diese Zahlen, die ihm die Laune verhageln müssten: Meist sind es am Tag nur 1.000 bis 2.000 Menschen im Loom, die Zählanlage zeige oft zeitgleich nur 200 bis 300 an. Offen ist nur der Eingang von der Stresemannstraße aus. Gestattet sind dem Loom zeitgleich 1.000 - "aber wir haben schon drei Tage nach dem Erlass gemerkt, dass das nicht kritisch wird bei uns", sagt Tangerding ganz offen. 2 von 110 sind offen Wie auch sollten die Zahlen hoch sein? Es sind ja nur der Rewe und der Rossmann offen - zwei von 110 Läden. Theoretisch dürften mehr Geschäfte öffnen: vom Bäcker bis hin zu den Restaurants (als Abholservice). Doch wer läuft schon hoch in den zweiten Stock zum Food Court, um dort Essen zu holen? Kurz: Das Loom lahmt, die auf 8 bis 18 Uhr reduzierten Öffnungszeiten spiegeln das. Rewe nutzt die Öffnungszeiten voll aus, Rossmann ist von 9 bis 18 Uhr offen. Immerhin, so Tangerding, betreffe das Thema rund um Adidas und andere große Akteure, die Mietzahlungen plötzlich verweigern wollen, das Loom quasi nicht. Der Adidas-Store sei ein Franchise-Nehmer, auch sonst habe er bisher nichts gehört von möglichen Mieterverweigerern. Deichmann hatte das angekündigt, aber in Bielefeld ist davon bisher nichts angekommen. Noch ist es ruhig Auch von Mietern, die ins Trudeln kommen, ist bisher offenbar nichts bekannt. Tangerding: „Ich habe bisher nichts von gravierenden Problemen bei unseren Mietern gehört, es gab zwar zwei Mieter, die sich insgesamt kritisch über die Lage geäußert haben, aber mehr bisher nicht.“ Das solle aber natürlich nicht heißen, dass die Lage gut sei. Mitnichten. Tangerding hofft, „dass bestimmte Auflagen vielleicht bald gelockert werden und uns einen Teilbetrieb erlauben“. Doch er wage keine Prognosen in diesen Zeiten. Erst Anfang kommender Woche werde ja überhaupt deutlich werden, was die strengen Auflagen für die Bevölkerung bewirkt hätten. Er stelle fest, dass offenbar viele Menschen und Firmenspitzen erst einmal zwei, drei Wochen gebraucht hätten, um zu kapieren, was nun wirklich geschehen sei. Keine Prognosen Für das vor knapp zweieinhalb Jahren eröffnete Loom stehen nach dem fulminanten Start plötzlich unsichere Zeiten an, der gelassen wirkende Chef mag aber keine Prognosen abgeben, wann was wieder möglich sein müsste, um stabil zu bleiben. Er, der angetreten war mit dem Ziel, dem Online-Handel die Stirn zu bieten, muss nun erst einmal hinnehmen, dass der Online-Handel Profiteur der Krise ist. Tangerding, der sich aktiv einbringen wollte in die Kaufmannschaft, der das Konzept der „Digital Mall“ forcieren wollte, sitzt nun im Home Office. Die „Digital Mall“, bei der im Internet Produkte angesehen und reserviert werden und später im Loom abgeholt werden konnten, muss warten – fünf Shops waren bisher dabei, nun steht alles still. Aus bis zu 50.000 Besuchern am Tag sind gut 1.000 geworden – und die sind zwangsläufig fast nur noch als Flaneure unterwegs.