Bad Oeynhausen

Herzzentrum in Bad Oeynhausen arbeitet an Mittel gegen Corona

Jörg Stuke

Cornelius Knabbe, Direktor des Instituts für Laboratoriums- und Transfusionsmedizin am HDZ NRW, leitet dort das Projekt der Antikörper-Gewinnung aus Blutplasma. - © Armin Kühn, HDZ
Cornelius Knabbe, Direktor des Instituts für Laboratoriums- und Transfusionsmedizin am HDZ NRW, leitet dort das Projekt der Antikörper-Gewinnung aus Blutplasma. (© Armin Kühn, HDZ)

Bad Oeynhausen (nw). Bei der Suche nach einem möglichst rasch verfügbaren Mittel gegen das Corona-Virus setzen Mediziner auch auf ein altes Rezept. Antikörper von Patienten, die die Krankheit überstanden haben, könnten womöglich schwer erkrankten Akut-Patienten helfen. Auch im Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen (HDZ NRW) laufen die Vorbereitungen dafür auf Hochtouren.

Das Blutplasma genesener Corona-Patienten enthält Antikörper. „Wenn diese in ausreichender Konzentration enthalten sind, kann damit solchen Patienten geholfen werden, die besonders schwer erkrankt sind", erläuterte Karin Overlack, Geschäftsführerin des HDZ.

Einige der Intensvbetten im Herz- und Diabeteszentrum sind für die Aufnahme von Corona-Patienten vorbereitet. - © HDZ NRW
Einige der Intensvbetten im Herz- und Diabeteszentrum sind für die Aufnahme von Corona-Patienten vorbereitet. (© HDZ NRW)

Heilversuch soll in Klinik durchgeführt werden

"Wir werden Patienten aus der Region, die eine Corona-Infektion überstanden haben, gezielt zu einer Spende aufrufen", sagt Overlack. Die Kontaktaufnahme laufe über die Gesundheitsämter, die über die Daten der Patienten verfügen. Mit den aus dem Blutplasma gewonnenen Antikörpern sollen dann schwere Corona-Fälle im HDZ selbst behandelt werden. "Das ist ein Heilversuch, der auch bei uns in der Klinik durchgeführt werden muss", so Overlack.

Die Bezirksregierung Detmold habe am 27. März offiziell gestattet, dass sogenanntes "Therapeutisches Plasma" von Spendern zur Anwendung am Patienten vom Institut für Laboratoriums- und Transfusionsmedizin gewonnen werden dürfe. Federführend dafür ist Cornelius Knabbe, Direktor des Instituts für Laboratoriums- und Transfusionsmedizin am HDZ. "Die Genehmigung gilt zur Gewinnung und Herstellung zur Anwendung bei Covid-19-Patienten, die sich in einem kritischen Zustand befinden", so Overlack.

"Keine Sekunde des Zögerns" nach der Anfrage aus der Staatskanzlei

Bislang allerdings werden im HDZ noch keine Corona-Fälle behandelt. Das aber könnte sich bald ändern. So erwartet das HDZ zwei Corona-Patienten aus Italien. "Die Staatskanzlei in Düsseldorf hat bei uns deshalb in der vergangenen Woche angefragt", berichtet die HDZ-Geschäftsführerin. Da habe es "keine Sekunde des Zögerns" gegeben. Ministerpräsident Armin Laschet habe Italien versprochen, in NRW zehn besonders schwer erkrankte Corona-Patienten aufzunehmen. "Da sehen wir es auch als unsere Pflicht an, dabei zu helfen, dieses Versprechen einzulösen", sagt Overlack. Das Land Nordrhein-Westfalen ist Hauptgesellschafter des HDZ. Wann die Patienten aus Italien in Bad Oeynhausen ankommen, sei derzeit aber noch nicht abzusehen. "Verlegungstransporte in Italien gestalten sich aufgrund der aktuellen Situation vor Ort offenbar schwierig", sagt Overlack. Sie rechnet aber damit, im Laufe der Woche Näheres dazu zu erfahren.

Das HDZ bereitet sich im übrigen auch auf die Aufnahme schwer kranker Corona-Patienten aus der Region vor. "Aktuell haben wir der Bezirksregierung gemeldet, dass bei uns vier Intensiv-Betten für Corona-Patienten zur Verfügung stehen", berichtet die
HDZ-Geschäftsführerin. Diese Kapazität ließe sich aber bei Bedarf kurzfristig um zwölf Intensivbetten erweitern. "Davon können wir sechs mit Beatmungsgeräten ausstatten. Und vielleicht auch noch ein siebtes Gerät besorgen, wenn es notwendig werden sollte", stellt Overlack in Aussicht.

"Wenn wir wissen, dass ein infizierter Patient kommt, erschreckt uns das nicht"

Von den 500 Betten im HDZ sind 100 Intensivpflegebetten. Während auf den gewöhnlichen Stationen derzeit rund 100 Betten weniger belegt seien als üblich, seien die Betten auf der Intensivstation weitgehend belegt. Insofern müsse die Versorgung schwerstkranker Coronapatienten maßgeblich über eine Erweiterung der Intensivkapazitäten gestemmt werden.

Sorge, im HDZ mit seinen vielen Herzpatienten auch Corona-Infizierte aufzunehmen, hat Overlack nicht, da das HDZ insbesondere diejenigen Patienten übernehmen wird, bei denen die Virus-Erkrankung bereits bekannt ist und die andernorts nicht mehr weiterversorgt werden können. Gefährlicher wäre ein Patient, der womöglich ohne Symptome in die Klinik komme, aber Träger des Virus sei. "Wenn wir schon wissen, dass ein Patient kommt, der das Corona-Virus hat, dann erschreckt uns das nicht", so Overlack.

Vermehrt Anfragen von Herz-Patienten, die woanders abgewiesen wurden

Dass derzeit rund 100 Betten weniger im HDZ belegt sind als üblich, hält Karin Overlack für ein vorübergehendes Phänomen. Auch am HDZ werden derzeit Eingriffe verschoben, die nicht unbedingt notwendig sind. Doch viele Operationen seien nach wie vor nötig, um das Leben der Patienten auch mittelfristig nicht zu gefährden. Zudem könnten zunehmend Krankenhäuser Herzpatienten nicht mehr behandeln, da sie durch die Behandlung der Corona-Patienten bereits überlastet seien. "Wir bekommen schon jetzt vermehrt Anfragen von Herz-Patienten, die woanders abgewiesen wurden", berichtet Karin Overlack. Auch in diesen Fällen werde danach entschieden, ob eine sofortige Behandlung unaufschiebbar sei.

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Bad OeynhausenHerzzentrum in Bad Oeynhausen arbeitet an Mittel gegen CoronaJörg StukeBad Oeynhausen (nw). Bei der Suche nach einem möglichst rasch verfügbaren Mittel gegen das Corona-Virus setzen Mediziner auch auf ein altes Rezept. Antikörper von Patienten, die die Krankheit überstanden haben, könnten womöglich schwer erkrankten Akut-Patienten helfen. Auch im Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen (HDZ NRW) laufen die Vorbereitungen dafür auf Hochtouren. Das Blutplasma genesener Corona-Patienten enthält Antikörper. „Wenn diese in ausreichender Konzentration enthalten sind, kann damit solchen Patienten geholfen werden, die besonders schwer erkrankt sind", erläuterte Karin Overlack, Geschäftsführerin des HDZ. Heilversuch soll in Klinik durchgeführt werden "Wir werden Patienten aus der Region, die eine Corona-Infektion überstanden haben, gezielt zu einer Spende aufrufen", sagt Overlack. Die Kontaktaufnahme laufe über die Gesundheitsämter, die über die Daten der Patienten verfügen. Mit den aus dem Blutplasma gewonnenen Antikörpern sollen dann schwere Corona-Fälle im HDZ selbst behandelt werden. "Das ist ein Heilversuch, der auch bei uns in der Klinik durchgeführt werden muss", so Overlack. Die Bezirksregierung Detmold habe am 27. März offiziell gestattet, dass sogenanntes "Therapeutisches Plasma" von Spendern zur Anwendung am Patienten vom Institut für Laboratoriums- und Transfusionsmedizin gewonnen werden dürfe. Federführend dafür ist Cornelius Knabbe, Direktor des Instituts für Laboratoriums- und Transfusionsmedizin am HDZ. "Die Genehmigung gilt zur Gewinnung und Herstellung zur Anwendung bei Covid-19-Patienten, die sich in einem kritischen Zustand befinden", so Overlack. "Keine Sekunde des Zögerns" nach der Anfrage aus der Staatskanzlei Bislang allerdings werden im HDZ noch keine Corona-Fälle behandelt. Das aber könnte sich bald ändern. So erwartet das HDZ zwei Corona-Patienten aus Italien. "Die Staatskanzlei in Düsseldorf hat bei uns deshalb in der vergangenen Woche angefragt", berichtet die HDZ-Geschäftsführerin. Da habe es "keine Sekunde des Zögerns" gegeben. Ministerpräsident Armin Laschet habe Italien versprochen, in NRW zehn besonders schwer erkrankte Corona-Patienten aufzunehmen. "Da sehen wir es auch als unsere Pflicht an, dabei zu helfen, dieses Versprechen einzulösen", sagt Overlack. Das Land Nordrhein-Westfalen ist Hauptgesellschafter des HDZ. Wann die Patienten aus Italien in Bad Oeynhausen ankommen, sei derzeit aber noch nicht abzusehen. "Verlegungstransporte in Italien gestalten sich aufgrund der aktuellen Situation vor Ort offenbar schwierig", sagt Overlack. Sie rechnet aber damit, im Laufe der Woche Näheres dazu zu erfahren. Das HDZ bereitet sich im übrigen auch auf die Aufnahme schwer kranker Corona-Patienten aus der Region vor. "Aktuell haben wir der Bezirksregierung gemeldet, dass bei uns vier Intensiv-Betten für Corona-Patienten zur Verfügung stehen", berichtet dieHDZ-Geschäftsführerin. Diese Kapazität ließe sich aber bei Bedarf kurzfristig um zwölf Intensivbetten erweitern. "Davon können wir sechs mit Beatmungsgeräten ausstatten. Und vielleicht auch noch ein siebtes Gerät besorgen, wenn es notwendig werden sollte", stellt Overlack in Aussicht. "Wenn wir wissen, dass ein infizierter Patient kommt, erschreckt uns das nicht" Von den 500 Betten im HDZ sind 100 Intensivpflegebetten. Während auf den gewöhnlichen Stationen derzeit rund 100 Betten weniger belegt seien als üblich, seien die Betten auf der Intensivstation weitgehend belegt. Insofern müsse die Versorgung schwerstkranker Coronapatienten maßgeblich über eine Erweiterung der Intensivkapazitäten gestemmt werden. Sorge, im HDZ mit seinen vielen Herzpatienten auch Corona-Infizierte aufzunehmen, hat Overlack nicht, da das HDZ insbesondere diejenigen Patienten übernehmen wird, bei denen die Virus-Erkrankung bereits bekannt ist und die andernorts nicht mehr weiterversorgt werden können. Gefährlicher wäre ein Patient, der womöglich ohne Symptome in die Klinik komme, aber Träger des Virus sei. "Wenn wir schon wissen, dass ein Patient kommt, der das Corona-Virus hat, dann erschreckt uns das nicht", so Overlack. Vermehrt Anfragen von Herz-Patienten, die woanders abgewiesen wurden Dass derzeit rund 100 Betten weniger im HDZ belegt sind als üblich, hält Karin Overlack für ein vorübergehendes Phänomen. Auch am HDZ werden derzeit Eingriffe verschoben, die nicht unbedingt notwendig sind. Doch viele Operationen seien nach wie vor nötig, um das Leben der Patienten auch mittelfristig nicht zu gefährden. Zudem könnten zunehmend Krankenhäuser Herzpatienten nicht mehr behandeln, da sie durch die Behandlung der Corona-Patienten bereits überlastet seien. "Wir bekommen schon jetzt vermehrt Anfragen von Herz-Patienten, die woanders abgewiesen wurden", berichtet Karin Overlack. Auch in diesen Fällen werde danach entschieden, ob eine sofortige Behandlung unaufschiebbar sei.