Bad Oeynhausen

Zwangspause für Bad Oeynhausener Medizin-Studentin Johanna Grubbel in der Slowakei

Heidi Froreich

Johanna Grübbel (rechts) mit Kommilitioninnen. Foto: pr - © Privat
Johanna Grübbel (rechts) mit Kommilitioninnen. Foto: pr (© Privat)

Bad Oeynhausen (nw). Ohne Mundschutz darf Johanna Grübbel weder einen Supermarkt betreten noch ein öffentliches Verkehrsmittel nutzen. Die 22-Jährige ist nicht krank, aber sie lebt in Kosice. „Die Slowakei hat frühzeitig präventive Maßnahmen zum Schutz ergriffen“, weiß die gebürtige Eidinghausenerin. Obwohl es bislang nur wenige Infizierte gibt, wurden bereits alle Restaurants und Bars geschlossen. Dass der Universitätsbetrieb ebenfalls eingestellt wurde, trifft Johanna Grübbel in besonderem Maße: sie studiert hier um sechsten Semester Medizin.

Nach dem Abitur am Immanuel-Kant-Gymnasium hatte sie sich für die 250.000 Einwohner-Stadt nahe der ungarischen und ukrainischen Grenze entschieden. „International und jung“ nennt sie als besondere Merkmale. 50 Prozent der Studenten kommen aus dem Ausland, das Durchschnittsalter der Bevölkerung liegt bei 35 Jahren. Das Medizin-Studium läuft in englischer Sprache, orientiert sich aber am deutschen Curriculum.

Noch bevor am 9. März sämtliche Vorkesungen abgesagt wurden, mussten die Medizinstudenten bereits auf den gesamten praktischen Unterricht im Krankenhaus verzichten. „Das ist besonders schade, weil man gerade bei der Arbeit im Krankenhaus am meisten lernt“, bedauert Johana Grübbel. Ersatzweise bekommen die Studenten jetzt von ihren Dozenten Aufgaben und Themen, die sie daheim erarbeiten müssen. Ob und wann die „Finals“, die großen Klausuren am Ende des Semesters, nachgeholt werden, ist derzeit unklar. „Mitte April soll es weitergehen“, haben die Studenten erfahren, wobei Johanna Grübbel einschränkt: „Das kann sich täglich ändern“. Zu Trainingszwecken werden kleinere Tests am Computer angeboten, für die man sich in ein System der Uni einloggt und dann in kurzer Zeit Multiple-Choice-Fragen beantworten muss. Ausgehverbote gibt es ja nicht, so dass auch Gelegenheit für Entspannung besteht: „Ich mache Sport an frischer Luft“.

Die üblichen Treffen mit Freunden fallen aus, dennoch fühlt sich die Oeynhausenerin in der Fremde nicht allein: „Gerade, weil so viele aus dem Ausland kommen und selten heimreisen können, wird hier eine enge Gemeinschaft gepflegt“. Per Face-Time halte sie mit ihren Kommilitonen Kontakt- aber auch mit den Freunden in der Heimat. Dass die von leeren Nudelregalen und Hamsterkäufen bei Toilettenpapier berichten, habe sie allerdings sprachlos gemacht. „So etwas erlebt man hier glücklicherweise nicht“.

Auch wenn sie die Lage in Kosice „verhältnismäßig entspannt findet“, macht sie sich Sorgen – vor allem um die Gesundheit ihrer in Eidinghausen lebenden Großeltern. Eine Heimreise zieht sie allerdings derzeit nicht in Betracht: „Das Semester wurde ja noch nicht offiziell abgesagt, so dass wir zu weiterer Anwesenheit verpflichtet sind“. Darüber hinaus gibt es auch technische Hindernisse: Der Flughafen Kosice ist gesperrt, Bahn und Busverkehr sind deutlich eingeschränkt. Ähnlich frühzeitig wie die slowakische Regierung reagieren jetzt aber auch die Studenten. Johanna Grübbel: „Wir führen schon Listen mit Studenten aus einzelnen Bundesländern, um im schlimmsten Fall mit dem Auswärtigen Amt schnell Kontakt aufzunehmen und unseren Heimflug vorzubereiten“.

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Bad OeynhausenZwangspause für Bad Oeynhausener Medizin-Studentin Johanna Grubbel in der SlowakeiHeidi FroreichBad Oeynhausen (nw). Ohne Mundschutz darf Johanna Grübbel weder einen Supermarkt betreten noch ein öffentliches Verkehrsmittel nutzen. Die 22-Jährige ist nicht krank, aber sie lebt in Kosice. „Die Slowakei hat frühzeitig präventive Maßnahmen zum Schutz ergriffen“, weiß die gebürtige Eidinghausenerin. Obwohl es bislang nur wenige Infizierte gibt, wurden bereits alle Restaurants und Bars geschlossen. Dass der Universitätsbetrieb ebenfalls eingestellt wurde, trifft Johanna Grübbel in besonderem Maße: sie studiert hier um sechsten Semester Medizin. Nach dem Abitur am Immanuel-Kant-Gymnasium hatte sie sich für die 250.000 Einwohner-Stadt nahe der ungarischen und ukrainischen Grenze entschieden. „International und jung“ nennt sie als besondere Merkmale. 50 Prozent der Studenten kommen aus dem Ausland, das Durchschnittsalter der Bevölkerung liegt bei 35 Jahren. Das Medizin-Studium läuft in englischer Sprache, orientiert sich aber am deutschen Curriculum. Noch bevor am 9. März sämtliche Vorkesungen abgesagt wurden, mussten die Medizinstudenten bereits auf den gesamten praktischen Unterricht im Krankenhaus verzichten. „Das ist besonders schade, weil man gerade bei der Arbeit im Krankenhaus am meisten lernt“, bedauert Johana Grübbel. Ersatzweise bekommen die Studenten jetzt von ihren Dozenten Aufgaben und Themen, die sie daheim erarbeiten müssen. Ob und wann die „Finals“, die großen Klausuren am Ende des Semesters, nachgeholt werden, ist derzeit unklar. „Mitte April soll es weitergehen“, haben die Studenten erfahren, wobei Johanna Grübbel einschränkt: „Das kann sich täglich ändern“. Zu Trainingszwecken werden kleinere Tests am Computer angeboten, für die man sich in ein System der Uni einloggt und dann in kurzer Zeit Multiple-Choice-Fragen beantworten muss. Ausgehverbote gibt es ja nicht, so dass auch Gelegenheit für Entspannung besteht: „Ich mache Sport an frischer Luft“. Die üblichen Treffen mit Freunden fallen aus, dennoch fühlt sich die Oeynhausenerin in der Fremde nicht allein: „Gerade, weil so viele aus dem Ausland kommen und selten heimreisen können, wird hier eine enge Gemeinschaft gepflegt“. Per Face-Time halte sie mit ihren Kommilitonen Kontakt- aber auch mit den Freunden in der Heimat. Dass die von leeren Nudelregalen und Hamsterkäufen bei Toilettenpapier berichten, habe sie allerdings sprachlos gemacht. „So etwas erlebt man hier glücklicherweise nicht“. Auch wenn sie die Lage in Kosice „verhältnismäßig entspannt findet“, macht sie sich Sorgen – vor allem um die Gesundheit ihrer in Eidinghausen lebenden Großeltern. Eine Heimreise zieht sie allerdings derzeit nicht in Betracht: „Das Semester wurde ja noch nicht offiziell abgesagt, so dass wir zu weiterer Anwesenheit verpflichtet sind“. Darüber hinaus gibt es auch technische Hindernisse: Der Flughafen Kosice ist gesperrt, Bahn und Busverkehr sind deutlich eingeschränkt. Ähnlich frühzeitig wie die slowakische Regierung reagieren jetzt aber auch die Studenten. Johanna Grübbel: „Wir führen schon Listen mit Studenten aus einzelnen Bundesländern, um im schlimmsten Fall mit dem Auswärtigen Amt schnell Kontakt aufzunehmen und unseren Heimflug vorzubereiten“.