Lars hatte Krebs, jetzt ist er Corona-Risikopatient: „Bleibt verdammt nochmal zuhause“

Lena Vanessa Niewald

Ein anonymer Spender hat Lars Penke das Leben gerettet.  - © Privat
Ein anonymer Spender hat Lars Penke das Leben gerettet.  (© Privat)

Gütersloh. Du hast Blutkrebs. Anfang vergangenen Jahres reißt die erschütternde Diagnose den damals 25-jährigen Lars aus seinem bis dahin so unbeschwerten Leben. Seinen Bachelor-Abschluss hat der Student aus Isselhorst schon in der Tasche, das Master-Studium bereits begonnen. Ein Jahr an einer brasilianischen Universität liegt vor ihm.

Doch schon nach einem Monat in Rio de Janeiro merkt Lars, dass etwas mit ihm nicht stimmt. Er fühlt sich platt, hat ständig sehr hohes Fieber und baut körperlich stark ab. Doch erst als er irgendwann auch noch Einblutungen in den Augen bemerkt, ist plötzlich das erste Mal die Rede von einer Leukämie. Lars bricht seinen Auslandsaufenthalt ab.

Mehrere ärztliche Untersuchungen ergeben schließlich etwas, von dem der Gütersloher nie zuvor gedacht hatte, dass es ihn treffen würde. Lars hat Blutkrebs. Eine besonders seltene, aggressive Form.

Doch Lars hat Glück. Direkt im ersten Suchdurchlauf findet die Deutsche Knochenmarkspenderdatei einen passenden Stammzellspender für den Studenten. Ein anonymer Mann aus Berlin rettet Lars das Leben.

Mittlerweile ist mehr als ein Jahr seit der Transplantation vergangen. Lars lebt in Hamburg, hat seine Master-Arbeit abgegeben, bewarb sich sogar bei der Aktion Backpacker der jungen Hörfunkwellen der ARD. Das Ziel: Fünf Monate um die ganze Welt reisen. Weil er aufgrund seiner Stammzelltransplantation aber noch immer nicht geimpft werden darf und deshalb einige Teile der Welt nicht hätte bereisen können, machte er seinen Platz frei.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

Bevor es richtig losgeht, verlässt uns leider bereits ein Kandidat 😔 Lars @seconddna hat aus gesundheitlichen Gründen seinen Platz für einen Nachrücker frei gemacht. Lars war an Blutkrebs erkrankt, ist inzwischen aber krebsfrei. Wider Erwarten darf er aber auch ein Jahr nach seiner Stammzelltransplantation noch nicht geimpft werden. Das heißt, er könnte einige Teile der Welt nicht bereisen – oder wenn nur mit einem Risiko. Das ist im ersten Moment zwar schade, aber Lars hat der Stammzellspende sein Leben zu verdanken und ist deshalb unheimlich dankbar. 🥰 "Europa hat so viele wunderbare, unentdeckte Ecken, meine Abenteuerlust ist durch die temporäre Einschränkung kein Stück geschmälert!" 💪 Respekt für seine Entscheidung! Wir wünschen Lars alles Gute und sind uns sicher, dass er sich trotzdem nicht davon abhalten lässt, die Welt zu entdecken. 💙🌎 Lars hat somit einem anderen die Chance gegeben, unser Backpacker zu werden: JURI @juri.tko 👋🤩 Juri wird sich natürlich auch noch für euch vorstellen. ❗️ Falls ihr noch nicht als Stammzellspender typisiert seid, schaut bei der @dkms_de vorbei. Dort gibt es mehr Infos zum Thema. Lars appelliert: "Werdet euch eurem Potenzial als Stammzellspender bewusst und bestellt ein Typisierungskit nach Hause!" ❗️ #teamlars #missionbackpacker #stammzellspende #lebensretter #ard

Ein Beitrag geteilt von Mission Backpacker (@missionbackpacker) am


Dem heute 26-Jährige geht es gesundheitlich wieder gut – auch, wenn er durch die Corona-Pandemiejetzt plötzlich wieder zur Risikogruppe gehört. Die ganze Situation erinnert Lars ziemlich an seine Lage vor einem Jahr. Es sei fast wie ein kleines Deja-Vu, wie er selbst sagt. „Aufgrund meiner Transplantation war ich damals sieben Wochen in Quarantäne im Krankenhaus und auch danach hatte ich nur noch reduziert soziale Kontakte. Die aktuelle Situation hat allerdings deutlich mehr positive Aspekte."

Er befinde sich nicht mehr in Therapie und müsse nur alle zwei Wochen ins Krankenhaus. Außerdem sei er zuhause und könne nach Abschluss seiner Masterarbeit nun fleißig Bewerbungen schreiben - wenn auch konjunkturell gesehen in einer sehr herausfordernden Zeit. Vor die Haustür geht Lars derzeit nur zum Spazieren, um frische Luft zu schnappen. Ansonsten bleibt er ganz bewusst zuhause – und appelliert über seinen Instagram-Kanal an alle anderen, das auf jeden Fall auch zu tun.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

flashback 2|4 - replant 06.03.2019 - Today is the big day - my third birthday. I am receiving my stem cell transplant. Usually I sleep like a rock, though last night the excitement level kept me awake! It’s the last big therapy milestone. My bones are empty. There is no more living bone marrow, that can produce blood. Intense chemo and radiation therapy did it’s job over the past week. Now there are 9 pumps pushing medication through my port in my neck, including morphine. You can hardly interfere greater into our body’s organism, than through transplanting stem cells from a stranger. All these medications aim at keeping my body in a fairly stable state and prepare me for the transplant . My mum is with me and we get the information, that my donor’s stem cells have arrived from Berlin around 11am. Some final checks are performed and the transplant is scheduled for 3pm. Transplantation - does that mean a massive, invasive operation? No - it is no more than an unspectacular cord attached to my central venous port. A young doctor, not much older than me, enters the room with a grapefruit coloured bag. "This is my new life!” Drip Drip Drip - it feels like any other blood transfusion I have been receiving recently, though I realize, that this bag provides me with a whole new perspective for life - we replant my life’s elixir. The entire inflow takes only 35minutes and it will take about two weeks, until the stem cells find their way into my bones, turn into bone marrow and start producing first blood cells. Ain’t our body and it’s capabilities to cope and recover a god damn miracle? I am all excited, this marks the mountain peak of my month long therapy. All physical and mental pain is forgotten for a moment and my mum and I don’t say much, just smile at each other, overwhelmed in grateful- & happiness.

Ein Beitrag geteilt von Lars (@seconddna) am


Knapp 1.000 Menschen folgen Lars mittlerweile, der dort unter dem Namen „seconddna" (dt. Zweite DNA) unterwegs ist. „Solidarität erforderlich. Jetzt. Für uns, Hochrisikopatienten und Sie, Niedrigrisikopatienten! Bleibt verdammt nochmal zuhause", schreibt er dort vor einigen Tagen. Viele haben den Ernst der Lage laut Lars mittlerweile erkannt. Es gehe ja nicht nur darum, der Risikogruppe Schutz zu bieten, sondern auch darum, Ressourcen für die übrigen, nicht Covid-19-Patienten zur Weiterbehandlung zu haben.

Lars hofft, dass die Maßnahmen wie die verhängte Kontaktsperre der Regierung in den kommenden Tagen Wirkung zeigen – mit Referenz zu den Neuinfektionen. Angst, dass er sich selbst mit dem für ihn gefährlich werdenden Coronavirus anstecken könnte, hat er nicht.

„Durch die Selbstisolation kann ich aktiv meinen Teil zum Selbstschutz beitragen. Natürlich besteht das Risiko, dass das Virus etwa über Lebensmittel in die Wohnung getragen wird. Man muss aber eben alle möglichen Schutzmaßnahmen durch Desinfektion und eigenes Händewaschen nutzen." Ansonsten könne er seinem Körper derzeit nur vertrauen, dass er wieder stark genug ist, um Antikörper gegen das Virus zu bilden – falls er es doch bekommt.

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

Lars hatte Krebs, jetzt ist er Corona-Risikopatient: „Bleibt verdammt nochmal zuhause“Lena Vanessa NiewaldGütersloh. Du hast Blutkrebs. Anfang vergangenen Jahres reißt die erschütternde Diagnose den damals 25-jährigen Lars aus seinem bis dahin so unbeschwerten Leben. Seinen Bachelor-Abschluss hat der Student aus Isselhorst schon in der Tasche, das Master-Studium bereits begonnen. Ein Jahr an einer brasilianischen Universität liegt vor ihm. Doch schon nach einem Monat in Rio de Janeiro merkt Lars, dass etwas mit ihm nicht stimmt. Er fühlt sich platt, hat ständig sehr hohes Fieber und baut körperlich stark ab. Doch erst als er irgendwann auch noch Einblutungen in den Augen bemerkt, ist plötzlich das erste Mal die Rede von einer Leukämie. Lars bricht seinen Auslandsaufenthalt ab. Mehrere ärztliche Untersuchungen ergeben schließlich etwas, von dem der Gütersloher nie zuvor gedacht hatte, dass es ihn treffen würde. Lars hat Blutkrebs. Eine besonders seltene, aggressive Form. Doch Lars hat Glück. Direkt im ersten Suchdurchlauf findet die Deutsche Knochenmarkspenderdatei einen passenden Stammzellspender für den Studenten. Ein anonymer Mann aus Berlin rettet Lars das Leben. Mittlerweile ist mehr als ein Jahr seit der Transplantation vergangen. Lars lebt in Hamburg, hat seine Master-Arbeit abgegeben, bewarb sich sogar bei der Aktion Backpacker der jungen Hörfunkwellen der ARD. Das Ziel: Fünf Monate um die ganze Welt reisen. Weil er aufgrund seiner Stammzelltransplantation aber noch immer nicht geimpft werden darf und deshalb einige Teile der Welt nicht hätte bereisen können, machte er seinen Platz frei. Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram anBevor es richtig losgeht, verlässt uns leider bereits ein Kandidat 😔 Lars @seconddna hat aus gesundheitlichen Gründen seinen Platz für einen Nachrücker frei gemacht. Lars war an Blutkrebs erkrankt, ist inzwischen aber krebsfrei. Wider Erwarten darf er aber auch ein Jahr nach seiner Stammzelltransplantation noch nicht geimpft werden. Das heißt, er könnte einige Teile der Welt nicht bereisen – oder wenn nur mit einem Risiko. Das ist im ersten Moment zwar schade, aber Lars hat der Stammzellspende sein Leben zu verdanken und ist deshalb unheimlich dankbar. 🥰 "Europa hat so viele wunderbare, unentdeckte Ecken, meine Abenteuerlust ist durch die temporäre Einschränkung kein Stück geschmälert!" 💪 Respekt für seine Entscheidung! Wir wünschen Lars alles Gute und sind uns sicher, dass er sich trotzdem nicht davon abhalten lässt, die Welt zu entdecken. 💙🌎 Lars hat somit einem anderen die Chance gegeben, unser Backpacker zu werden: JURI @juri.tko 👋🤩 Juri wird sich natürlich auch noch für euch vorstellen. ❗️ Falls ihr noch nicht als Stammzellspender typisiert seid, schaut bei der @dkms_de vorbei. Dort gibt es mehr Infos zum Thema. Lars appelliert: "Werdet euch eurem Potenzial als Stammzellspender bewusst und bestellt ein Typisierungskit nach Hause!" ❗️ #teamlars #missionbackpacker #stammzellspende #lebensretter #ard Ein Beitrag geteilt von Mission Backpacker (@missionbackpacker) am Feb 29, 2020 um 1:00 PST Dem heute 26-Jährige geht es gesundheitlich wieder gut – auch, wenn er durch die Corona-Pandemiejetzt plötzlich wieder zur Risikogruppe gehört. Die ganze Situation erinnert Lars ziemlich an seine Lage vor einem Jahr. Es sei fast wie ein kleines Deja-Vu, wie er selbst sagt. „Aufgrund meiner Transplantation war ich damals sieben Wochen in Quarantäne im Krankenhaus und auch danach hatte ich nur noch reduziert soziale Kontakte. Die aktuelle Situation hat allerdings deutlich mehr positive Aspekte." Er befinde sich nicht mehr in Therapie und müsse nur alle zwei Wochen ins Krankenhaus. Außerdem sei er zuhause und könne nach Abschluss seiner Masterarbeit nun fleißig Bewerbungen schreiben - wenn auch konjunkturell gesehen in einer sehr herausfordernden Zeit. Vor die Haustür geht Lars derzeit nur zum Spazieren, um frische Luft zu schnappen. Ansonsten bleibt er ganz bewusst zuhause – und appelliert über seinen Instagram-Kanal an alle anderen, das auf jeden Fall auch zu tun. Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram anflashback 2|4 - replant 06.03.2019 - Today is the big day - my third birthday. I am receiving my stem cell transplant. Usually I sleep like a rock, though last night the excitement level kept me awake! It’s the last big therapy milestone. My bones are empty. There is no more living bone marrow, that can produce blood. Intense chemo and radiation therapy did it’s job over the past week. Now there are 9 pumps pushing medication through my port in my neck, including morphine. You can hardly interfere greater into our body’s organism, than through transplanting stem cells from a stranger. All these medications aim at keeping my body in a fairly stable state and prepare me for the transplant . My mum is with me and we get the information, that my donor’s stem cells have arrived from Berlin around 11am. Some final checks are performed and the transplant is scheduled for 3pm. Transplantation - does that mean a massive, invasive operation? No - it is no more than an unspectacular cord attached to my central venous port. A young doctor, not much older than me, enters the room with a grapefruit coloured bag. "This is my new life!” Drip Drip Drip - it feels like any other blood transfusion I have been receiving recently, though I realize, that this bag provides me with a whole new perspective for life - we replant my life’s elixir. The entire inflow takes only 35minutes and it will take about two weeks, until the stem cells find their way into my bones, turn into bone marrow and start producing first blood cells. Ain’t our body and it’s capabilities to cope and recover a god damn miracle? I am all excited, this marks the mountain peak of my month long therapy. All physical and mental pain is forgotten for a moment and my mum and I don’t say much, just smile at each other, overwhelmed in grateful- & happiness. Ein Beitrag geteilt von Lars (@seconddna) am Okt 14, 2019 um 12:18 PDT Knapp 1.000 Menschen folgen Lars mittlerweile, der dort unter dem Namen „seconddna" (dt. Zweite DNA) unterwegs ist. „Solidarität erforderlich. Jetzt. Für uns, Hochrisikopatienten und Sie, Niedrigrisikopatienten! Bleibt verdammt nochmal zuhause", schreibt er dort vor einigen Tagen. Viele haben den Ernst der Lage laut Lars mittlerweile erkannt. Es gehe ja nicht nur darum, der Risikogruppe Schutz zu bieten, sondern auch darum, Ressourcen für die übrigen, nicht Covid-19-Patienten zur Weiterbehandlung zu haben. Lars hofft, dass die Maßnahmen wie die verhängte Kontaktsperre der Regierung in den kommenden Tagen Wirkung zeigen – mit Referenz zu den Neuinfektionen. Angst, dass er sich selbst mit dem für ihn gefährlich werdenden Coronavirus anstecken könnte, hat er nicht. „Durch die Selbstisolation kann ich aktiv meinen Teil zum Selbstschutz beitragen. Natürlich besteht das Risiko, dass das Virus etwa über Lebensmittel in die Wohnung getragen wird. Man muss aber eben alle möglichen Schutzmaßnahmen durch Desinfektion und eigenes Händewaschen nutzen." Ansonsten könne er seinem Körper derzeit nur vertrauen, dass er wieder stark genug ist, um Antikörper gegen das Virus zu bilden – falls er es doch bekommt.