Sollten Menschen in der Öffentlichkeit jetzt Schutzmasken tragen?

Carolin Nieder-Entgelmeier

In Deutschland tragen auch gesunde Menschen in der Öffentlichkeit Schutzmasken. Sinnvoll ist das nach Angaben vieler Experten jedoch nicht. - © picture alliance
In Deutschland tragen auch gesunde Menschen in der Öffentlichkeit Schutzmasken. Sinnvoll ist das nach Angaben vieler Experten jedoch nicht. (© picture alliance)

Bielefeld. Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, ruft in der Corona-Krise die Bevölkerung zum Tragen einfacher Schutzmasken auf. Die Masken würden nach Angaben des Bielefelders zwar keinen Schutz vor einer Ansteckung garantieren, „aber sie können ein wenig helfen, das Risiko zu verringern, andere anzustecken oder selbst angesteckt zu werden", erklärt der 59-Jährige der Neuen Osnabrücker Zeitung. In OWL irritiert diese Aussage viele Menschen, denn viele Mediziner raten vom Tragen von Schutzmasken ab. Doch an welchen Rat sollen sich Bürger jetzt halten?

Reinhardt geht davon aus, dass das Tragen auch von einfachen Masken bei der Eindämmung des Coronavirus sinnvoll sein kann. Einfache Masken aus Stoff oder anderen Materialien seien zwar nur ein Hilfskonstrukt, aber dennoch besser als Nichts. „Mein Rat: Besorgen Sie sich einfache Schutzmasken oder basteln Sie sich selber welche und tragen Sie diese im öffentlichen Raum."

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, ruft in der Corona-Krise die Bevölkerung zum Trageneinfacher Schutzmasken auf. - © Hartmannbund
Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, ruft in der Corona-Krise die Bevölkerung zum Trageneinfacher Schutzmasken auf. (© Hartmannbund)

Der Direktor des Instituts für Krankenhaushygiene der Mühlenkreiskliniken, Peter Witte, rät hingegen davon ab, Schutzmasken zu tragen: „Die einfache Schutzmaske schützt nicht vor dem Coronavirus. Insofern ist das Tragen im Alltag unnötig." Wer allerdings grippale Symptome habe, könne mit einer Maske verhindern, dass die eigenen ausgeatmeten, infektiösen Tröpfchen weiträumig in der Luft verbreitet werden, sagt Witte.

Eine effektive Methode gegen eine Infektion ist laut Witte der Abstand zu anderen Personen. „Zwei Meter Abstand reichen, um eine Infektion durch andere Personen zu verhindern. Schutzmasken sollten den Mitarbeitern in Arztpraxen und Kliniken vorbehalten sein", so Witte. Darauf weist auch Reinhardt hin, der die Bevölkerung darum bittet keine professionellen Schutzmasken der Klassen FFP2 und FFP3 mit Ventilen zu bestellen.

Der Direktor des Instituts fürKrankenhaushygiene der Mühlenkreiskliniken, Peter Witte, rät gesunden Menschen davon ab, in der Öffentlichkeit Schutzmasekn zu tragen. - © MKK
Der Direktor des Instituts fürKrankenhaushygiene der Mühlenkreiskliniken, Peter Witte, rät gesunden Menschen davon ab, in der Öffentlichkeit Schutzmasekn zu tragen. (© MKK)

Doch welche Ratschläge sollten Menschen, die in der Öffentlichkeit unterwegs sind, beherzigen? Das Robert-Koch-Institut (RKI) erklärt, dass es keine hinreichenden Belege dafür gibt, dass das Tragen einer Schutzmaske das Risiko einer Ansteckung für eine gesunde Person signifikant verringert. „Nach Angaben der WHO kann das Tragen einer Maske in Situationen, in denen dies nicht empfohlen ist, ein falsches Sicherheitsgefühl erzeugen, durch das zentrale Hygienemaßnamen wie eine gute Händehygiene vernachlässigt werden können", erklärt ein Sprecher.

Das RKI bestätigt die Angaben Wittes. „In der Bevölkerung sind die wichtigsten und effektivsten Maßnahmen zum persönlichen Schutz sowie zum Schutz von anderen Personen vor der Ansteckung mit Erregern gute Händehygiene, die Einhaltung der Husten- und Niesregeln und das Abstandhalten." Allerdings erklärt auch das RKI, dass das Tragen eines Mundschutzes für erkrankte Personen sinnvoll sein kann, um das Ansteckungsrisiko anderer Personen zu verringern.

In diesen Fälle ist für die optimale Wirksamkeit der Schutzmasken wichtig, dass der Schutz korrekt getragen wird Die Masken müssen laut RKI eng anliegend getragen und bei Durchfeuchtung gewechselt werden. „Auf keinen Fall sollte das Tragen einer Schutzmaske dazu führen, dass Abstandsregeln nicht mehr eingehalten oder die Händehygiene nicht mehr umgesetzt wird", ergänzt ein Sprecher.

Krankenhaushygieniker Witte rät zudem dringend davon ab, im Alltag Handschuhe zu tragen. „Handschuhe schützen nicht vor Viren. Stattdessen suggerieren sie eine Scheinsicherheit, die es nicht gibt. Einzig das Händewaschen oder -desinfizieren sind ein wirksamer Schutz gegen das Virus." Witte empfiehlt deshalb das regelmäßige und gründliche Händewaschen, insbesondere nach jedem Einkaufen oder dem Nutzen von Türgriffen oder Handläufen. „Zehnmal zwei Minuten Händewaschen am Tag sind effektiver als jeder Handschuh. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Menschen mit Handschuhen das Händewaschen oder das Desinfizieren eher vergessen, weil sie sich geschützt fühlen. Insofern ist das Tragen von Handschuhen im Alltag sogar gefährlich."

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Sollten Menschen in der Öffentlichkeit jetzt Schutzmasken tragen?Carolin Nieder-EntgelmeierBielefeld. Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, ruft in der Corona-Krise die Bevölkerung zum Tragen einfacher Schutzmasken auf. Die Masken würden nach Angaben des Bielefelders zwar keinen Schutz vor einer Ansteckung garantieren, „aber sie können ein wenig helfen, das Risiko zu verringern, andere anzustecken oder selbst angesteckt zu werden", erklärt der 59-Jährige der Neuen Osnabrücker Zeitung. In OWL irritiert diese Aussage viele Menschen, denn viele Mediziner raten vom Tragen von Schutzmasken ab. Doch an welchen Rat sollen sich Bürger jetzt halten? Reinhardt geht davon aus, dass das Tragen auch von einfachen Masken bei der Eindämmung des Coronavirus sinnvoll sein kann. Einfache Masken aus Stoff oder anderen Materialien seien zwar nur ein Hilfskonstrukt, aber dennoch besser als Nichts. „Mein Rat: Besorgen Sie sich einfache Schutzmasken oder basteln Sie sich selber welche und tragen Sie diese im öffentlichen Raum." Der Direktor des Instituts für Krankenhaushygiene der Mühlenkreiskliniken, Peter Witte, rät hingegen davon ab, Schutzmasken zu tragen: „Die einfache Schutzmaske schützt nicht vor dem Coronavirus. Insofern ist das Tragen im Alltag unnötig." Wer allerdings grippale Symptome habe, könne mit einer Maske verhindern, dass die eigenen ausgeatmeten, infektiösen Tröpfchen weiträumig in der Luft verbreitet werden, sagt Witte. Eine effektive Methode gegen eine Infektion ist laut Witte der Abstand zu anderen Personen. „Zwei Meter Abstand reichen, um eine Infektion durch andere Personen zu verhindern. Schutzmasken sollten den Mitarbeitern in Arztpraxen und Kliniken vorbehalten sein", so Witte. Darauf weist auch Reinhardt hin, der die Bevölkerung darum bittet keine professionellen Schutzmasken der Klassen FFP2 und FFP3 mit Ventilen zu bestellen. Doch welche Ratschläge sollten Menschen, die in der Öffentlichkeit unterwegs sind, beherzigen? Das Robert-Koch-Institut (RKI) erklärt, dass es keine hinreichenden Belege dafür gibt, dass das Tragen einer Schutzmaske das Risiko einer Ansteckung für eine gesunde Person signifikant verringert. „Nach Angaben der WHO kann das Tragen einer Maske in Situationen, in denen dies nicht empfohlen ist, ein falsches Sicherheitsgefühl erzeugen, durch das zentrale Hygienemaßnamen wie eine gute Händehygiene vernachlässigt werden können", erklärt ein Sprecher. Das RKI bestätigt die Angaben Wittes. „In der Bevölkerung sind die wichtigsten und effektivsten Maßnahmen zum persönlichen Schutz sowie zum Schutz von anderen Personen vor der Ansteckung mit Erregern gute Händehygiene, die Einhaltung der Husten- und Niesregeln und das Abstandhalten." Allerdings erklärt auch das RKI, dass das Tragen eines Mundschutzes für erkrankte Personen sinnvoll sein kann, um das Ansteckungsrisiko anderer Personen zu verringern. In diesen Fälle ist für die optimale Wirksamkeit der Schutzmasken wichtig, dass der Schutz korrekt getragen wird Die Masken müssen laut RKI eng anliegend getragen und bei Durchfeuchtung gewechselt werden. „Auf keinen Fall sollte das Tragen einer Schutzmaske dazu führen, dass Abstandsregeln nicht mehr eingehalten oder die Händehygiene nicht mehr umgesetzt wird", ergänzt ein Sprecher. Krankenhaushygieniker Witte rät zudem dringend davon ab, im Alltag Handschuhe zu tragen. „Handschuhe schützen nicht vor Viren. Stattdessen suggerieren sie eine Scheinsicherheit, die es nicht gibt. Einzig das Händewaschen oder -desinfizieren sind ein wirksamer Schutz gegen das Virus." Witte empfiehlt deshalb das regelmäßige und gründliche Händewaschen, insbesondere nach jedem Einkaufen oder dem Nutzen von Türgriffen oder Handläufen. „Zehnmal zwei Minuten Händewaschen am Tag sind effektiver als jeder Handschuh. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Menschen mit Handschuhen das Händewaschen oder das Desinfizieren eher vergessen, weil sie sich geschützt fühlen. Insofern ist das Tragen von Handschuhen im Alltag sogar gefährlich."