Kaiserschnitt unter Schmerzen: Frau bei Entbindung unzureichend betäubt

Nils Middelhauve

Im Krankenhaus Bad Oeynhausen soll die werdende Mutter bei der Entbindung unnötige Scherzen ertragen haben. Im Sommer 2018 hatten die Mühlenkreisklinken vorgehabt, die Geburtshilfe in Bad Oeynhausen zu schließen und in Minden zu zentralisieren. Aufgrund massiver Proteste wurde dieses Vorhaben gestoppt. Foto: Thorsten Gödecker - © Thorsten Gödecker
Im Krankenhaus Bad Oeynhausen soll die werdende Mutter bei der Entbindung unnötige Scherzen ertragen haben. Im Sommer 2018 hatten die Mühlenkreisklinken vorgehabt, die Geburtshilfe in Bad Oeynhausen zu schließen und in Minden zu zentralisieren. Aufgrund massiver Proteste wurde dieses Vorhaben gestoppt. Foto: Thorsten Gödecker (© Thorsten Gödecker)

Bad Oeynhausen/Bielefeld. „Es war im Wortsinn eine schwere Geburt", sagte der Vorsitzende Richter Matthias Windmann in der Verhandlung. Eine Frau aus Bad Oeynhausen hatte die Mühlenkreiskliniken verklagt, weil sie bei einer Entbindung unnötige und sehr starke Schmerzen habe erleiden müssen. Die Parteien folgten nun einem Vergleichsvorschlag des Gerichts.

2018 begab sich die werdende Mutter zur Geburt ihres Kindes in das Krankenhaus Bad Oeynhausen. „Ich hatte bereits ein Kind zur Welt gebracht, aber dieses Erlebnis wird mir immer im Gedächtnis bleiben. Es fällt mir auch schwer, darüber zu sprechen", sagte die Mittdreißigerin vor Gericht.

Die Entbindung sollte absprachegemäß nach einer Spinalanästhesie mittels Kaiserschnitterfolgen. Bereits im Vorgespräch habe sie, so die Klägerin, darum gebeten, dass sie im Fall eintretender Probleme auf jeden Fall eine Vollnarkose haben wolle. Nachdem die Betäubungsspritze gesetzt worden war, testeten die Krankenhausmitarbeiter mehrfach mittels Kältespray, ob die Patientin an den Beinen noch etwas fühle. Entgegen der Erwartung habe sie, so die Frau, jedoch immer noch etwas dort gemerkt. „Die waren irgendwann regelrecht genervt von mir", sagte sie vor Gericht.

Während der schließlich durchgeführten Entbindung mittels Kaiserschnitt habe sie mehrfach mitgeteilt, dass sie eine Pause brauche: „Es waren fürchterliche Schmerzen." Dass diese Schmerzen real waren, davon ist auch ihr Ehemann überzeugt: „Als ich in den Entbindungssaal kam, lag meine Frau dort mit schmerzverzerrtem Gesicht." Sie habe leise gewimmert und immer wieder gebeten, bitte aufzuhören. Als sich schließlich jemand dazu durchgerungen habe, eine Vollnarkose einleiten zu wollen, sei das Kind – ein Mädchen – auch schon da gewesen.

Auch für das anschließenden Verhalten der Klinik hat das Paar wenig Verständnis: Auf eine Beschwerde direkt nach der Geburt habe, so die Klägerin, niemand reagiert. „Ich bin dann irgendwann einfach gegangen. Angerufen hat auch niemand. Ich bin traurig und enttäuscht. Ich hätte mir irgendeine Reaktion gewünscht, dann hätte ich es vielleicht auf sich beruhen lassen."

So aber verklagte die Frau die Klinik auf Schmerzensgeld. In der Verhandlung vor de 4. Zivilkammer des Landgerichts brachte die Klinik vor, dass ein solcher Fall doch kaum vorstellbar sei. Nach kurzer Beratung der Kammer gab Richter Matthias Windmann die vorläufige Einschätzung des Gerichts bekannt: „Wir glauben, dass das einer dieser kaum vorstellbaren Fälle ist. Die Entbindung erfolgte nach unzureichender Betäubung. Die Klägerin hat dies in einer Art und Weise geschildert, die sehr ausgewogen war. Sie hat sich auch nicht als besonders leidende Mutter dargestellt."

Die Kammer schlug daher einen Vergleich vor, demzufolge die Klinik der Patientin 2.000 Euro Schmerzensgeld zahlen solle. Darüber hinaus kommt sie für die Anwaltskosten der Frau auf. Die Parteien stimmten zu.

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Kaiserschnitt unter Schmerzen: Frau bei Entbindung unzureichend betäubtNils MiddelhauveBad Oeynhausen/Bielefeld. „Es war im Wortsinn eine schwere Geburt", sagte der Vorsitzende Richter Matthias Windmann in der Verhandlung. Eine Frau aus Bad Oeynhausen hatte die Mühlenkreiskliniken verklagt, weil sie bei einer Entbindung unnötige und sehr starke Schmerzen habe erleiden müssen. Die Parteien folgten nun einem Vergleichsvorschlag des Gerichts. 2018 begab sich die werdende Mutter zur Geburt ihres Kindes in das Krankenhaus Bad Oeynhausen. „Ich hatte bereits ein Kind zur Welt gebracht, aber dieses Erlebnis wird mir immer im Gedächtnis bleiben. Es fällt mir auch schwer, darüber zu sprechen", sagte die Mittdreißigerin vor Gericht. Die Entbindung sollte absprachegemäß nach einer Spinalanästhesie mittels Kaiserschnitterfolgen. Bereits im Vorgespräch habe sie, so die Klägerin, darum gebeten, dass sie im Fall eintretender Probleme auf jeden Fall eine Vollnarkose haben wolle. Nachdem die Betäubungsspritze gesetzt worden war, testeten die Krankenhausmitarbeiter mehrfach mittels Kältespray, ob die Patientin an den Beinen noch etwas fühle. Entgegen der Erwartung habe sie, so die Frau, jedoch immer noch etwas dort gemerkt. „Die waren irgendwann regelrecht genervt von mir", sagte sie vor Gericht. Während der schließlich durchgeführten Entbindung mittels Kaiserschnitt habe sie mehrfach mitgeteilt, dass sie eine Pause brauche: „Es waren fürchterliche Schmerzen." Dass diese Schmerzen real waren, davon ist auch ihr Ehemann überzeugt: „Als ich in den Entbindungssaal kam, lag meine Frau dort mit schmerzverzerrtem Gesicht." Sie habe leise gewimmert und immer wieder gebeten, bitte aufzuhören. Als sich schließlich jemand dazu durchgerungen habe, eine Vollnarkose einleiten zu wollen, sei das Kind – ein Mädchen – auch schon da gewesen. Auch für das anschließenden Verhalten der Klinik hat das Paar wenig Verständnis: Auf eine Beschwerde direkt nach der Geburt habe, so die Klägerin, niemand reagiert. „Ich bin dann irgendwann einfach gegangen. Angerufen hat auch niemand. Ich bin traurig und enttäuscht. Ich hätte mir irgendeine Reaktion gewünscht, dann hätte ich es vielleicht auf sich beruhen lassen." So aber verklagte die Frau die Klinik auf Schmerzensgeld. In der Verhandlung vor de 4. Zivilkammer des Landgerichts brachte die Klinik vor, dass ein solcher Fall doch kaum vorstellbar sei. Nach kurzer Beratung der Kammer gab Richter Matthias Windmann die vorläufige Einschätzung des Gerichts bekannt: „Wir glauben, dass das einer dieser kaum vorstellbaren Fälle ist. Die Entbindung erfolgte nach unzureichender Betäubung. Die Klägerin hat dies in einer Art und Weise geschildert, die sehr ausgewogen war. Sie hat sich auch nicht als besonders leidende Mutter dargestellt." Die Kammer schlug daher einen Vergleich vor, demzufolge die Klinik der Patientin 2.000 Euro Schmerzensgeld zahlen solle. Darüber hinaus kommt sie für die Anwaltskosten der Frau auf. Die Parteien stimmten zu.