Bad Oeynhausen

Leiche unter Bäckerei-Terrasse in Bad Oeynhausen ist identifiziert

Heidi Froreich

An der Südbahn: Unter der Terrasse von "Karlchens Brotschaft" wurde eine Leiche entdeckt - © Heidi Froreich
An der Südbahn: Unter der Terrasse von "Karlchens Brotschaft" wurde eine Leiche entdeckt (© Heidi Froreich)

Bad Oeynhausen (nw). Fast drei Monate nach dem Fund eines Skeletts unter der Terrasse von "Karlchens Brotschaft" im Südbahnhof ist die Identität des Toten geklärt. "Es handelt sich um einen 63-Jährigen Bad Oeynhausener, der früher in der Nähe des Bahnhofs gewohnt hat", teilt die zuständige Staatsanwältin Claudia Bosse auf Anfrage mit. Bislang war vermutet worden, dass es sich um einen Wohnungslosen oder Durchreisenden handeln würde.

Die Suche nach einem möglichen Wespennest und nach Befestigungsmöglichkeiten für neue Sonnenschirme hatte am 20. September zum Fund des männlichen Leichnams unter der Terrasse von „Karlchen´s Brotschaft geführt. „Das war reiner Zufall", betonte eine Mitarbeiterin des Backunternehmens Karlchen’s, das Bäckerei und Bistro im Südbahnhof betreibt.

Bis Ende Dezember hatte das Unternehmen umfangreiche Bauarbeiten im Südbahnhof durchgeführt. „Der Untergrund der Terrasse blieb unberührt", stellt die Mitarbeiterin klar. Man habe sich allein auf die Sanierung des vorhandenen Außenanbaus beschränken können. Auch habe es zu keinerlei Zeit auffällige Geruchsbelästigungen gegeben, denn „die Arbeiter haben Knochen gefunden". Offenbar habe der Leichnam schon viele Jahre unter dem Anbau gelegen. Zusätzlich seien Schuhe gefunden worden.

Weil die Polizei zunächst von einem Gewaltverbrechen ausging, wurde eine Obduktion angeordnet und die siebenköpfige Mordkommission Terrasse gegründet. Bernd Karger, Oberarzt des Rechtsmedizinischen Instituts des Universitätsklinikums
Münster, stellte eine, allerdings nicht tödliche Kopfverletzung fest. „Es wurde aber keine Gewalteinwirkung nachgewiesen", fasste die Staatsanwältin Claudia Bosse das Untersuchungsergebnis zusammen. Die Mordkommission wurde deshalb Anfang Oktober aufgelöst. Beamte der Kreispolizei Minden blieben aber weiter mit dem Fall beschäftigt. Denn, so Pressesprecher Ralf Steinmeyer: „Wir müssen noch die Identität des Mannes klären."

Das ist nun mit Hilfe der Rechtsmediziner der Uni Münster gelungen, die die Knochen in den letzten Wochen intensiv untersucht. Der Zahnstatus habe, so Bosse, dann den entscheidenden Hinweis gegeben. Durch einen Abgleich mit der Datenbank des LKA sei man dann auf eine Vermisstenmeldung gestoßen, die am 1. Februar 2001 bei der Polizei in Bad Oeynhausen aufgenommen wurde. Damals hatte die inzwischen verstorbene Lebensgefährtin des 63-Jährigen angezeigt, dass sie ihren Partner seit dem 31. Januar vergeblich suche.

"Die Todesumstände bleiben weiter mysteriös", räumt die Staatsanwältin ein. Anhand der Knochen hätten die Rechtsmediziner lediglich ausschließen können, dass der Mann einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen ist. Außerdem stehe fest, dass er an einer Gehbehinderung gelitten hat. Ob der Mann Suizid begangen hat oder an einer Krankheit gestorben ist, lasse sich von den Rechtsmedizinern nicht aufklären, da ihnen für weitere Untersuchungen weder Organe noch Gewebeteile zur Verfügung standen. Auch der Fundort gebe weiterhin Rätsel auf.

Mit diesen Unklarheiten will sich Claudia Busse nicht abfinden: "Ich lasse weitere Ermittlungen durchführen". Die Polizei soll unter anderem, in Hessen lebende Angehörige befragen. Busse: "Vielleicht wissen die, ob ihr Verwandter Selbstmordabsichten hegte oder möglicherweise Feinde hatte". Erst wenn diese sogenannten Umfelduntersuchungen kein Ergebnis bringen, will sie das Verfahren beenden.

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

Bad OeynhausenLeiche unter Bäckerei-Terrasse in Bad Oeynhausen ist identifiziertHeidi FroreichBad Oeynhausen (nw). Fast drei Monate nach dem Fund eines Skeletts unter der Terrasse von "Karlchens Brotschaft" im Südbahnhof ist die Identität des Toten geklärt. "Es handelt sich um einen 63-Jährigen Bad Oeynhausener, der früher in der Nähe des Bahnhofs gewohnt hat", teilt die zuständige Staatsanwältin Claudia Bosse auf Anfrage mit. Bislang war vermutet worden, dass es sich um einen Wohnungslosen oder Durchreisenden handeln würde. Die Suche nach einem möglichen Wespennest und nach Befestigungsmöglichkeiten für neue Sonnenschirme hatte am 20. September zum Fund des männlichen Leichnams unter der Terrasse von „Karlchen´s Brotschaft geführt. „Das war reiner Zufall", betonte eine Mitarbeiterin des Backunternehmens Karlchen’s, das Bäckerei und Bistro im Südbahnhof betreibt. Bis Ende Dezember hatte das Unternehmen umfangreiche Bauarbeiten im Südbahnhof durchgeführt. „Der Untergrund der Terrasse blieb unberührt", stellt die Mitarbeiterin klar. Man habe sich allein auf die Sanierung des vorhandenen Außenanbaus beschränken können. Auch habe es zu keinerlei Zeit auffällige Geruchsbelästigungen gegeben, denn „die Arbeiter haben Knochen gefunden". Offenbar habe der Leichnam schon viele Jahre unter dem Anbau gelegen. Zusätzlich seien Schuhe gefunden worden. Weil die Polizei zunächst von einem Gewaltverbrechen ausging, wurde eine Obduktion angeordnet und die siebenköpfige Mordkommission Terrasse gegründet. Bernd Karger, Oberarzt des Rechtsmedizinischen Instituts des UniversitätsklinikumsMünster, stellte eine, allerdings nicht tödliche Kopfverletzung fest. „Es wurde aber keine Gewalteinwirkung nachgewiesen", fasste die Staatsanwältin Claudia Bosse das Untersuchungsergebnis zusammen. Die Mordkommission wurde deshalb Anfang Oktober aufgelöst. Beamte der Kreispolizei Minden blieben aber weiter mit dem Fall beschäftigt. Denn, so Pressesprecher Ralf Steinmeyer: „Wir müssen noch die Identität des Mannes klären." Das ist nun mit Hilfe der Rechtsmediziner der Uni Münster gelungen, die die Knochen in den letzten Wochen intensiv untersucht. Der Zahnstatus habe, so Bosse, dann den entscheidenden Hinweis gegeben. Durch einen Abgleich mit der Datenbank des LKA sei man dann auf eine Vermisstenmeldung gestoßen, die am 1. Februar 2001 bei der Polizei in Bad Oeynhausen aufgenommen wurde. Damals hatte die inzwischen verstorbene Lebensgefährtin des 63-Jährigen angezeigt, dass sie ihren Partner seit dem 31. Januar vergeblich suche. "Die Todesumstände bleiben weiter mysteriös", räumt die Staatsanwältin ein. Anhand der Knochen hätten die Rechtsmediziner lediglich ausschließen können, dass der Mann einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen ist. Außerdem stehe fest, dass er an einer Gehbehinderung gelitten hat. Ob der Mann Suizid begangen hat oder an einer Krankheit gestorben ist, lasse sich von den Rechtsmedizinern nicht aufklären, da ihnen für weitere Untersuchungen weder Organe noch Gewebeteile zur Verfügung standen. Auch der Fundort gebe weiterhin Rätsel auf. Mit diesen Unklarheiten will sich Claudia Busse nicht abfinden: "Ich lasse weitere Ermittlungen durchführen". Die Polizei soll unter anderem, in Hessen lebende Angehörige befragen. Busse: "Vielleicht wissen die, ob ihr Verwandter Selbstmordabsichten hegte oder möglicherweise Feinde hatte". Erst wenn diese sogenannten Umfelduntersuchungen kein Ergebnis bringen, will sie das Verfahren beenden.