Bielefeld/Hamm

Bahnergewerkschaft EVG stimmt für Streik bei der Eurobahn

Matthias Bungeroth

Der Eurobahn und ihren Fahrgästen droht mitten in der Vorweihnachtszeit ein unbefristeter Streik. - © Foto: Matthias Bungeroth/NW
Der Eurobahn und ihren Fahrgästen droht mitten in der Vorweihnachtszeit ein unbefristeter Streik. (© Foto: Matthias Bungeroth/NW)

Bielefeld/Hamm (nw). Der Eurobahn und ihren Fahrgästen droht mitten in der Vorweihnachtszeit ein unbefristeter Streik. Für diese Form des Arbeitskampfes stimmten rund 94 Prozent der Mitglieder der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), die bei dem zum französischen Keolis-Konzern gehörenden Eisenbahnunternehmen mit Sitz in Hamm beschäftigt sind. Das teilte die EVG mit.

Dieses Ergebnis werde nun der Bundesvorstand der EVG zeitnah bewerten. „Stellt der die Signale auf Grün, kann der Streik umgehend beginnen", so EVG-Bundesgeschäftsführerin Cosima Ingenschay. Es geht um die Forderung der EVG nach einem eigenen Tarifvertrag für ihre Mitglieder in dem Unternehmen. Zur Debatte steht die Forderung nach 7,5 Prozent mehr Lohn sowie die Einführung eines Wahlmodells, durch das ein bestimmter Anteil der Lohnerhöhungen alternativ auch in mehr Urlaub oder eine Arbeitszeitverkürzung umgewandelt werden könnte.

"Das ist starker Tobak", kommentierte Eurobahn-Sprecherin Nicole Pizzuti das eindeutige Votum der EVG-Mitglieder für einen Streik. Für den Fall, dass der Streik eintrete, werde sich das Unternehmen "bestmöglich vorbereiten". Die Eurobahn/Keolis werde versuchen, die Auswirkungen für die Fahrgäste so gering wie möglich zu halten.

Die Eurobahn verstehe die Positionen der EVG "nicht ganz", wie Pizzuti unterstrich. Denn das Hammer Unternehmen habe als eines der ersten Eisenbahnverkehrsunternehmen im Vorjahr ein Arbeitszeit-Wahlmodell mit einem Rahmen von 36 Tagen pro Jahr eingeführt. Das Wahlmodell, das die EVG anstrebe, umfasse bis zu 42 Urlaubstage pro Jahr. Das sei aus personellen Gründen bei der Eurobahn einfach nicht machbar. "Wir müssen an das Große und Ganze denken", so Pizzuti.

Man habe im April mit der Bahnergewerkschaft GDL einen Tarifvertrag abgeschlossen, der unter anderem eine Steigerung der Löhne und Gehälter um 5,2 Prozent beinhalte, so Pizzuti. Auch sei eine betriebliche Altersvorsorge eingeführt worden, deren Beitrag bis 2021 von einem auf 1,5 Prozent steigen werde. Zudem gebe es höhere Einstiegsgehälter sowie eine Einmalzahlung in Höhe von 500 Euro. Davon profitierten alle Mitarbeiter der Eurobahn, so die Unternehmenssprecherin.

Die EVG indes bleibt hart. Verhindern könne die Geschäftsleitung von Keolis/Eurobahn einen Streik, indem sie auf die Forderungen der EVG eingehe und ein Angebot vorlege, das die Bezeichnung „verhandlungsfähig" verdiene. „Tarifpolitik nach Gutsherrenart ist mit der EVG nicht zu machen. Unsere Mitglieder erwarten, dass die guten tariflichen Regelungen, die die EVG bereits in vielen anderen Unternehmen durchgesetzt hat, auch bei Keolis/Eurobahn zur Anwendung kommen. Dafür kämpfen wir in dieser Tarifauseinandersetzung", erklärt die EVG.

Die Eurobahn ist seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2017 auch auf der Strecke zwischen Minden und Nienburg unterwegs. Noch vor der Übernahme waren Personalprobleme bei dem Unternehmen bekannt geworden.

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Bielefeld/HammBahnergewerkschaft EVG stimmt für Streik bei der EurobahnMatthias BungerothBielefeld/Hamm (nw). Der Eurobahn und ihren Fahrgästen droht mitten in der Vorweihnachtszeit ein unbefristeter Streik. Für diese Form des Arbeitskampfes stimmten rund 94 Prozent der Mitglieder der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), die bei dem zum französischen Keolis-Konzern gehörenden Eisenbahnunternehmen mit Sitz in Hamm beschäftigt sind. Das teilte die EVG mit. Dieses Ergebnis werde nun der Bundesvorstand der EVG zeitnah bewerten. „Stellt der die Signale auf Grün, kann der Streik umgehend beginnen", so EVG-Bundesgeschäftsführerin Cosima Ingenschay. Es geht um die Forderung der EVG nach einem eigenen Tarifvertrag für ihre Mitglieder in dem Unternehmen. Zur Debatte steht die Forderung nach 7,5 Prozent mehr Lohn sowie die Einführung eines Wahlmodells, durch das ein bestimmter Anteil der Lohnerhöhungen alternativ auch in mehr Urlaub oder eine Arbeitszeitverkürzung umgewandelt werden könnte. "Das ist starker Tobak", kommentierte Eurobahn-Sprecherin Nicole Pizzuti das eindeutige Votum der EVG-Mitglieder für einen Streik. Für den Fall, dass der Streik eintrete, werde sich das Unternehmen "bestmöglich vorbereiten". Die Eurobahn/Keolis werde versuchen, die Auswirkungen für die Fahrgäste so gering wie möglich zu halten. Die Eurobahn verstehe die Positionen der EVG "nicht ganz", wie Pizzuti unterstrich. Denn das Hammer Unternehmen habe als eines der ersten Eisenbahnverkehrsunternehmen im Vorjahr ein Arbeitszeit-Wahlmodell mit einem Rahmen von 36 Tagen pro Jahr eingeführt. Das Wahlmodell, das die EVG anstrebe, umfasse bis zu 42 Urlaubstage pro Jahr. Das sei aus personellen Gründen bei der Eurobahn einfach nicht machbar. "Wir müssen an das Große und Ganze denken", so Pizzuti. Man habe im April mit der Bahnergewerkschaft GDL einen Tarifvertrag abgeschlossen, der unter anderem eine Steigerung der Löhne und Gehälter um 5,2 Prozent beinhalte, so Pizzuti. Auch sei eine betriebliche Altersvorsorge eingeführt worden, deren Beitrag bis 2021 von einem auf 1,5 Prozent steigen werde. Zudem gebe es höhere Einstiegsgehälter sowie eine Einmalzahlung in Höhe von 500 Euro. Davon profitierten alle Mitarbeiter der Eurobahn, so die Unternehmenssprecherin. Die EVG indes bleibt hart. Verhindern könne die Geschäftsleitung von Keolis/Eurobahn einen Streik, indem sie auf die Forderungen der EVG eingehe und ein Angebot vorlege, das die Bezeichnung „verhandlungsfähig" verdiene. „Tarifpolitik nach Gutsherrenart ist mit der EVG nicht zu machen. Unsere Mitglieder erwarten, dass die guten tariflichen Regelungen, die die EVG bereits in vielen anderen Unternehmen durchgesetzt hat, auch bei Keolis/Eurobahn zur Anwendung kommen. Dafür kämpfen wir in dieser Tarifauseinandersetzung", erklärt die EVG. Die Eurobahn ist seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2017 auch auf der Strecke zwischen Minden und Nienburg unterwegs. Noch vor der Übernahme waren Personalprobleme bei dem Unternehmen bekannt geworden. Lesen Sie zu diesem Thema auch "Zughalt in Petershagen: Schäffler fordert Machbarkeitsstudie"