Bückeburg

Auf Metallstäben aufgespießt: Tote Rabenkrähen baumeln im Wind

Raimund Cremers

Ein makaberes Bild bietet sich Beobachtern auf einem Feld am Rande der Bückeburger Niederung: Dort sind tote Rabenkrähen aufgespießt. - © Foto: pr.
Ein makaberes Bild bietet sich Beobachtern auf einem Feld am Rande der Bückeburger Niederung: Dort sind tote Rabenkrähen aufgespießt. (© Foto: pr.)

Bückeburg (sz/lz). Auf einem Feld am Rande des Naturschutzgebietes Bückeburger Niederung sind mehrere tote Rabenkrähen entdeckt worden. Sie baumelten mit einer Schlinge um den Hals auf Metallstäben aufgespießt im Wind, waren aber offensichtlich zum Zeitpunkt des Aufhängens bereits tot. Nach Angaben von Anwohnern hatte vor gut zwei Wochen eine Jagd in diesem Bereich auf Rabenkrähen stattgefunden. Wer die Krähen dort aufgehängt hat, ist nicht bekannt. Nach den Gesetzen ist das Abschießen der Rabenkrähen zu dieser Zeit nicht verboten, auch nicht das Aufhängen.

Entdeckt worden waren die Krähen von einem Anwohner auf einem Feld im Bereich des Husarenweges zwischen den beiden Ortsteilen Evesen und Nordholz. „Drei tote Krähen hingen wie gekreuzigt auf Spießen auf einem Feld“, schilderte Martin Fricke gegenüber dieser Zeitung. „Ein barbarischer Akt.“ Und das auch noch ausgerechnet am Rande eines Naturschutzgebietes, wo für Touristen und Vogelfreunde Schautafeln und Besichtigungsplätze für Wildvögel gebaut worden seien, führte er in dem Schreiben weiter aus. „Deutlicher kann man den Interessenkonflikt zwischen Landwirtschaft und Naturschutz nicht ausdrücken.“

- © Foto: pr
(© Foto: pr)

Die zuständigen Behörden beim Landkreis, aber auch Ratsherren und der Naturschutzbund wurden über den Fund informiert. Der Grünen-Ratsherr Wilhelm Klusmeier, der die Krähen selbst in Augenschein genommen hat, bezeichnete das Bild, das sich ihm bot, als „sehr makaber“. Nach seiner Kenntnis hätten früher Landwirte Krähen auf Felder gelegt, um Artgenossen zu vergrämen und so die Saat zu schützen. Seinen Informationen gemäß habe es vor gut zwei Wochen eine Jagd gegeben. Er wisse von einer „relativ hohen Rabenkrähen-Population“ in diesem Bereich. Er habe sich jedenfalls mit Ämtern und Naturschützern in Verbindung gesetzt, um Klärung in den Fall zu bringen.

Wie die Pressesprecherin des Landkreises Schaumburg, Anja Gewald, auf Anfrage mitteilte, sei der Fall bei ihrer Behörde bekannt. Nach dem Niedersächsischen Jagdgesetz dürften Rabenkrähen zwischen dem 1. August und dem 20. Februar geschossen werden, sodass nicht gegen Gesetze verstoßen worden sei. Auch das Aufhängen und Zurschaustellen toter Wirbeltiere sei nicht verboten – anders wäre dies, wenn die Vögel zum Zeitpunkt des Aufhängens noch gelebt hätten. Dann wäre es ein Fall für das Veterinäramt gewesen. Die Landkreissprecherin: „Es gibt keine Handhabe.“ Die Jagdbehörde prüfe dennoch, ob Einfluss genommen werden könne.

Martin Fricke hat versucht, herauszubekommen, wem das Feld gehört und wer für das Aufhängen der Raben verantwortlich ist. Er habe aber keine Auskünfte von einem „sonst in allen Dorffragen wohlunterrichteten Bauern“ erhalten, so Fricke. Die Landwirtschaft dürfe sich nicht wundern, wenn sie an ihrem negativen Image „selbst intensiv“ mitarbeite, so seine Schlussfolgerung. Und er zählte aus eigenen Beobachtungen das Roden wertvoller Hecken am Wegesrand auf oder das Güllen bis an den Rand der Aue, während diese Hochwasser führe oder es regne. Es sei allen klar, dass es der Landwirtschaft nicht gut gehe, so Fricke. Es liege aber genauso auf der Hand, dass Probleme wie Insektensterben, Grundwassernitrierung, Vogelschwund, Glyphosat, Pestizide, Antibiotika Nutztieroptimierung, Ferkelkastration oder das Überpflügen von Gewässerrandstreifen „unter den Nägeln brennen“. „Es muss im Interesse der Landwirtschaft sein, Verbesserungen zu erreichen.“

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BückeburgAuf Metallstäben aufgespießt: Tote Rabenkrähen baumeln im WindRaimund CremersBückeburg (sz/lz). Auf einem Feld am Rande des Naturschutzgebietes Bückeburger Niederung sind mehrere tote Rabenkrähen entdeckt worden. Sie baumelten mit einer Schlinge um den Hals auf Metallstäben aufgespießt im Wind, waren aber offensichtlich zum Zeitpunkt des Aufhängens bereits tot. Nach Angaben von Anwohnern hatte vor gut zwei Wochen eine Jagd in diesem Bereich auf Rabenkrähen stattgefunden. Wer die Krähen dort aufgehängt hat, ist nicht bekannt. Nach den Gesetzen ist das Abschießen der Rabenkrähen zu dieser Zeit nicht verboten, auch nicht das Aufhängen. Entdeckt worden waren die Krähen von einem Anwohner auf einem Feld im Bereich des Husarenweges zwischen den beiden Ortsteilen Evesen und Nordholz. „Drei tote Krähen hingen wie gekreuzigt auf Spießen auf einem Feld“, schilderte Martin Fricke gegenüber dieser Zeitung. „Ein barbarischer Akt.“ Und das auch noch ausgerechnet am Rande eines Naturschutzgebietes, wo für Touristen und Vogelfreunde Schautafeln und Besichtigungsplätze für Wildvögel gebaut worden seien, führte er in dem Schreiben weiter aus. „Deutlicher kann man den Interessenkonflikt zwischen Landwirtschaft und Naturschutz nicht ausdrücken.“ Die zuständigen Behörden beim Landkreis, aber auch Ratsherren und der Naturschutzbund wurden über den Fund informiert. Der Grünen-Ratsherr Wilhelm Klusmeier, der die Krähen selbst in Augenschein genommen hat, bezeichnete das Bild, das sich ihm bot, als „sehr makaber“. Nach seiner Kenntnis hätten früher Landwirte Krähen auf Felder gelegt, um Artgenossen zu vergrämen und so die Saat zu schützen. Seinen Informationen gemäß habe es vor gut zwei Wochen eine Jagd gegeben. Er wisse von einer „relativ hohen Rabenkrähen-Population“ in diesem Bereich. Er habe sich jedenfalls mit Ämtern und Naturschützern in Verbindung gesetzt, um Klärung in den Fall zu bringen. Wie die Pressesprecherin des Landkreises Schaumburg, Anja Gewald, auf Anfrage mitteilte, sei der Fall bei ihrer Behörde bekannt. Nach dem Niedersächsischen Jagdgesetz dürften Rabenkrähen zwischen dem 1. August und dem 20. Februar geschossen werden, sodass nicht gegen Gesetze verstoßen worden sei. Auch das Aufhängen und Zurschaustellen toter Wirbeltiere sei nicht verboten – anders wäre dies, wenn die Vögel zum Zeitpunkt des Aufhängens noch gelebt hätten. Dann wäre es ein Fall für das Veterinäramt gewesen. Die Landkreissprecherin: „Es gibt keine Handhabe.“ Die Jagdbehörde prüfe dennoch, ob Einfluss genommen werden könne. Martin Fricke hat versucht, herauszubekommen, wem das Feld gehört und wer für das Aufhängen der Raben verantwortlich ist. Er habe aber keine Auskünfte von einem „sonst in allen Dorffragen wohlunterrichteten Bauern“ erhalten, so Fricke. Die Landwirtschaft dürfe sich nicht wundern, wenn sie an ihrem negativen Image „selbst intensiv“ mitarbeite, so seine Schlussfolgerung. Und er zählte aus eigenen Beobachtungen das Roden wertvoller Hecken am Wegesrand auf oder das Güllen bis an den Rand der Aue, während diese Hochwasser führe oder es regne. Es sei allen klar, dass es der Landwirtschaft nicht gut gehe, so Fricke. Es liege aber genauso auf der Hand, dass Probleme wie Insektensterben, Grundwassernitrierung, Vogelschwund, Glyphosat, Pestizide, Antibiotika Nutztieroptimierung, Ferkelkastration oder das Überpflügen von Gewässerrandstreifen „unter den Nägeln brennen“. „Es muss im Interesse der Landwirtschaft sein, Verbesserungen zu erreichen.“