Bad Oeynhausen

Am Kant-Gymnasium in Bad Oeynhausen sind ab sofort Handys verboten

Heidi Froreich

Nach der Realschule Süd führt jetzt auch das Bad Oeynhausener Gymnasium ein Handyverbot ein. - © Pixabay
Nach der Realschule Süd führt jetzt auch das Bad Oeynhausener Gymnasium ein Handyverbot ein. (© Pixabay)

Bad Oeynhausen (nw). Am Immanuel-Kant-Gymnasium gilt eine neue Schulordnung. "Handys sind grundsätzlich verboten", fasst Schulleiter Tom van de Loo die wichtigste Änderung zusammen. Bislang durften die Schüler ihre Smartphones in den Pausen nutzen. Der neuen Regelung haben nicht nur Kollegium und Eltern, sondern auch die Schülervertretung zugestimmt.

"Das Handyverbot trägt zur Entspannung bei und fördert die persönliche Kommunikation", nennt van de Loo die wichtigsten Gründe. Zumindest in der Schule sollte das Smartphone nicht die dominierende Rolle bei der Freizeitgestaltung spielen. Außerdem könne mit dem Verbot auch das Risiko des Cybermobbings, den Beleidigungen und Belästigungen im Netz, verringert werden. Eine Ausnahme lässt die Schulordnung nur für den Unterricht zu: "Aber nur, wenn das die Lehrkraft für unbedingt erforderlich hält." Wobei das nach Einschätzung des Schulleiters nur ganz selten der Fall ist: "Weil wir technisch jetzt gut ausgestattet sind".

Information

Regelung an der Europaschule

Die Nutzung mobiler elektronischer Endgeräte ist innerhalb des Schulgebäudes grundsätzlich verboten. Insbesondere ist das Anfertigen von Fotos, Videos und Tonaufzeichnungen auf dem ganzen Schulgelände strengstens untersagt.
Eine Nutzungserlaubnis kann vom unterrichtenden Lehrer für seinen Unterricht ausgesprochen werden.
Außerdem erlaubt der Schulleiter die lautlose Nutzung mobiler digitaler Endgeräte im Schuleingangsbereich
(„Kiosk"), in der Mensa außer in der Zeit von 13.15 bis 13.45 Uhr sowie zur Ablichtung des Vertretungsplans. Die
Schülerinnen und Schüler der Sek. II dürfen während ihrer Freistunden in leerstehenden Kursräumen ihr mobiles digitales Endgerät nutzen.

Das ist auch in der Realschule Süd der Fall, betont Schulleiterin Anja Sprengel. Alle Klassenräume seien mit Laptops und Beamern ausgestattet, so dass auch für eine Nutzung im Unterricht keine Notwendigkeit bestehe. "Bei uns gilt absolutes Handyverbot", stellt sie klar. Für das habe sie sich gleich nach ihrem Dienstantritt im Jahr 2013 stark gemacht und auch die Unterstützung von Kollegium und Eltern gefunden. Denn: "Zumindest in der Schule sollen Jugendliche miteinander sprechen". Auf Vorschlag der Schülervertretung sei das Verbot dann gelockert worden und die Nutzung in den Unterrichtspausen erlaubt worden. "Das habe ich jetzt wieder untersagt, die Lockerung hat sich nicht bewährt", erklärt Anja Sprengel und verweist zur Begründung auf einen Rettungseinsatz im Jahr 2016. Der sei damals von mehreren Schülern gefilmt worden. Außerdem hätten einige Jugendliche als Gaffer die Helfer behindert. Sprengel: "So etwas muss verhindert werden".

"Beim Betreten des Schulgeländes müssen Handys ausgeschaltet werden", erklärt Schulleiterin Carola Picht-Dreier eine wichtige Regel für die Jungen und Mädchen an der Realschule Nord. Und fügt dann gleich Ausnahmen hinzu: Schüler der Klassen acht bis zehn dürfen mit den Geräten in den Pausen Musik hören- ebenso wie die Fünft- bis Siebtklässler, die im offenen Ganztag unterrichtet werden. Derzeit sieht sie keine Notwendigkeit, diese Regeln zu verschärfen, denn "viele Schüler nutzen unser Alternativangebot in den Pausen". Das besteht aus Spiel und Sport - auch unter Anleitung. Im Übrigen weiß sie natürlich wie Anja Sprengel und Tom van de Loo um die Grenzen eines Verbots: "Das lässt sich nur ganz schwer kontrollieren. Man muss da sehr auf Einsicht hoffen".

Bei Elias Thies ist die vorhanden. Der 15-jährige Zehntklässler war im letzten Jahr Schülersprecher am Immanuel-Kant-Gymnasium und hat in der Schulkonferenz für das Handy-Verbot gestimmt. Nicht nur aus persönlicher Überzeugung, sondern auch mit der Rückendeckung des Schülerrats. "Wir haben erst diskutiert und dann zugestimmt", berichtet seine Mitschülerin Nina Timmerberg. Beide räumen ein, dass sie die ständige Erreichbarkeit "unter Strom setzt" und das absolute Verbot deshalb einen großen praktischen Vorteil hat: "Man wird gar nicht erst in Versuchung geführt". Und könne sich daher ganz auf Anderes drauf konzentrieren: "Jetzt reden wir viel mehr mit Freunden". Zumindest in den Schulpausen.

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Bad OeynhausenAm Kant-Gymnasium in Bad Oeynhausen sind ab sofort Handys verbotenHeidi FroreichBad Oeynhausen (nw). Am Immanuel-Kant-Gymnasium gilt eine neue Schulordnung. "Handys sind grundsätzlich verboten", fasst Schulleiter Tom van de Loo die wichtigste Änderung zusammen. Bislang durften die Schüler ihre Smartphones in den Pausen nutzen. Der neuen Regelung haben nicht nur Kollegium und Eltern, sondern auch die Schülervertretung zugestimmt. "Das Handyverbot trägt zur Entspannung bei und fördert die persönliche Kommunikation", nennt van de Loo die wichtigsten Gründe. Zumindest in der Schule sollte das Smartphone nicht die dominierende Rolle bei der Freizeitgestaltung spielen. Außerdem könne mit dem Verbot auch das Risiko des Cybermobbings, den Beleidigungen und Belästigungen im Netz, verringert werden. Eine Ausnahme lässt die Schulordnung nur für den Unterricht zu: "Aber nur, wenn das die Lehrkraft für unbedingt erforderlich hält." Wobei das nach Einschätzung des Schulleiters nur ganz selten der Fall ist: "Weil wir technisch jetzt gut ausgestattet sind". Das ist auch in der Realschule Süd der Fall, betont Schulleiterin Anja Sprengel. Alle Klassenräume seien mit Laptops und Beamern ausgestattet, so dass auch für eine Nutzung im Unterricht keine Notwendigkeit bestehe. "Bei uns gilt absolutes Handyverbot", stellt sie klar. Für das habe sie sich gleich nach ihrem Dienstantritt im Jahr 2013 stark gemacht und auch die Unterstützung von Kollegium und Eltern gefunden. Denn: "Zumindest in der Schule sollen Jugendliche miteinander sprechen". Auf Vorschlag der Schülervertretung sei das Verbot dann gelockert worden und die Nutzung in den Unterrichtspausen erlaubt worden. "Das habe ich jetzt wieder untersagt, die Lockerung hat sich nicht bewährt", erklärt Anja Sprengel und verweist zur Begründung auf einen Rettungseinsatz im Jahr 2016. Der sei damals von mehreren Schülern gefilmt worden. Außerdem hätten einige Jugendliche als Gaffer die Helfer behindert. Sprengel: "So etwas muss verhindert werden". "Beim Betreten des Schulgeländes müssen Handys ausgeschaltet werden", erklärt Schulleiterin Carola Picht-Dreier eine wichtige Regel für die Jungen und Mädchen an der Realschule Nord. Und fügt dann gleich Ausnahmen hinzu: Schüler der Klassen acht bis zehn dürfen mit den Geräten in den Pausen Musik hören- ebenso wie die Fünft- bis Siebtklässler, die im offenen Ganztag unterrichtet werden. Derzeit sieht sie keine Notwendigkeit, diese Regeln zu verschärfen, denn "viele Schüler nutzen unser Alternativangebot in den Pausen". Das besteht aus Spiel und Sport - auch unter Anleitung. Im Übrigen weiß sie natürlich wie Anja Sprengel und Tom van de Loo um die Grenzen eines Verbots: "Das lässt sich nur ganz schwer kontrollieren. Man muss da sehr auf Einsicht hoffen". Bei Elias Thies ist die vorhanden. Der 15-jährige Zehntklässler war im letzten Jahr Schülersprecher am Immanuel-Kant-Gymnasium und hat in der Schulkonferenz für das Handy-Verbot gestimmt. Nicht nur aus persönlicher Überzeugung, sondern auch mit der Rückendeckung des Schülerrats. "Wir haben erst diskutiert und dann zugestimmt", berichtet seine Mitschülerin Nina Timmerberg. Beide räumen ein, dass sie die ständige Erreichbarkeit "unter Strom setzt" und das absolute Verbot deshalb einen großen praktischen Vorteil hat: "Man wird gar nicht erst in Versuchung geführt". Und könne sich daher ganz auf Anderes drauf konzentrieren: "Jetzt reden wir viel mehr mit Freunden". Zumindest in den Schulpausen.